Gerrit Vreeken

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Gerard (Gerrit) Vreeken (* 20. Januar 1923 in Den Haag; † 28. Februar 2013; auch Gerrie Vreeken, Nachname auch Vreken geschrieben) war ein niederländischer Fußballspieler.

Biografie[Bearbeiten]

Vreeken, Sohn eines Bäckers aus Den Haag, spielte in den 1940er Jahren für den Haager Verein ADO, mit dem er 1942 und 1943 Meister wurde. Im Finale am 14. Juni 1943 im Haager Zuiderpark-Stadion erzielte der Rechtsaußen in der 85. Minute den Siegtreffer zum 1:0 über den Sportclub Enschede.[1] Während der Besatzungszeit arbeitete der 19-Jährige 1942 neben dem Fußball in einem Radiogeschäft, als ihm angekündigt wurde, er solle als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert werden. Um dem zu entgehen, schloss er sich auf Anraten eines Vereinskameraden, eines Mitglieds der mit den Besatzern kollaborierenden Nationaal-Socialistische Beweging (NSB), dem Arbeidsdienst an, was es ihm ermöglichte, in der Heimat zu bleiben und weiter Fußball zu spielen. Damit einher ging eine, nach Vreekens eigenen Worten „im Voraus nicht vereinbarte“ sympathisierende Mitgliedschaft in der NSB.[2] Vreeken gab aber später an, er sei nie auf einer NSB-Versammlung gewesen und habe auch keine Mitgliedsbeiträge gezahlt.[3]

Nach Kriegsende wurde Vreeken wegen seiner NSB-Kontakte für ein Jahr aus dem Verein und damit auch vom Spielbetrieb ausgeschlossen, für zehn Jahre wurde ihm das Wahlrecht entzogen. Als ein Freund aus Monaco ihn zu einem Probetraining bei der AS Monaco einlud, ging er in die zweite französische Liga, wo er nach seiner Zeit im Fürstentum unter anderem von 1949 bis 1954 beim FC Nantes spielte.[4] Er war nach dem Krieg der erste Niederländer, der sein Geld als Berufsfußballspieler im Ausland verdiente. 1953 stand er als rechter Verteidiger in einer niederländischen Profiauswahl, die in Paris gegen Frankreich zu einem Benefizspiel zugunsten niederländischer Hochwasseropfer antrat, das als Watersnoodwedstrijd in die niederländische Fußballgeschichte einging. Dies Spiel, so sagte er anlässlich eines Wiedersehens 50 Jahre später, „ist die schönste Erinnerung meines Lebens. Die Atmosphäre, all die niederländischen Schlachtenbummler die nach Frankreich gekommen waren - das werde ich nie vergessen.“[5]

Nach seiner aktiven Zeit blieb Vreeken in Frankreich und arbeitete dort und eine Zeitlang wieder in den Niederlanden als Trainer. Stationen waren unter anderem die Zwolsche Boys in Zwolle, Be Quick 1887 in Groningen und der lothringische FC Dugny. Zuletzt lebte Vreeken in Villefagnan, etwas 50 Kilometer südlich von Poitiers.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zuiderpark viert 81e verjaardag, Website von ADO Den Haag, gesichtet am 10. Juni 2009
  2. „Je werd wel verplicht sympathiserend lid te worden van de NSB, maar dat was van tevoren niet zo bepaald.“ Gerrit Vreeken, in Gerrit Vreken: Onbegrepen en gebrandmerkt, Interview Voetbalkrant vom Mai 2003 im Archiv der NOS, gesichtet am 3. November 2008. Ein sympathiserend lid war eine Art Probemitglied der NSB. Diese sympathisierenden Mitglieder durften keine Abzeichen, schwarzen Hemden oder Uniform der NSB tragen und wurden auch nicht im zentralen Mitgliedsverzeichnis in Utrecht eingetragen. Sie konnten jedoch nach einem Zeitraum von mindestens drei Monaten, in denen sie für die NSB tätig wurden, Vollmitglied werden. Von diesen sympathiserend leden gab es insgesamt etwa 30.000 in den Niederlanden. Vgl. dazu: Hans Blom, Direktor des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation, Het sympathiserende NSB-lid: een licht geval
  3. Jurryt van de Vooren, De geschiedvervalsing rond ADO Den Haag, nu.nl vom 31. Januar 2005, gesichtet am 3. November 2008
  4. Spielerstatistik des FC Nantes, gesichtet am 6. November 2008
  5. Een sentimenteel feest van de herkenning, NOS nieuws vom Januar 2003, gesichtet am 10. Juni 2009; dort auch ein Link zur Hörfunkaufzeichnung eines Gesprächs mit vier Veteranen des Watersnoodwedstrijd, aus dem das Zitat stammt.
  6. Oud-speler Gerrie Vreken overleden, Vereinshomepage von ADO Den Haag vom 13. März 2013