Gersdorff
Die Familie der Reichsgrafen, Freiherren, Ritter und Herren von Gersdorff, auch Gersdorf, ist ein uradeliges Geschlecht mit gleichnamigem Stammhaus in Gersdorf in der Oberlausitz, das 1241 zuerst urkundlich erwähnt wird. Die ununterbrochene Stammfolge beginnt mit dem erstmals am 25. April 1301 urkundlich erwähnten dominus Christianus aduocatus provincie Gorlicensis dictus de Gerhardisdorff[1].
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Geschichte [Bearbeiten]
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren die Gersdorffs vor allem in der Oberlausitz und Sachsen ansässig. Aber auch in der Niederlausitz, in Schlesien und in Böhmen gehörten Gersdorffs zu den Landständen. Angehörige der Familie bekleideten seit dem 14. Jahrhundert in den genannten Ländern ständische Ämter, oder sie waren in Diensten verschiedener Fürsten, insbesondere der Kurfürsten von Sachsen und der böhmischen Könige, tätig.
Wappen [Bearbeiten]
Der Schild des Stammwappens ist geteilt in oben Rot und unten Schwarz und Silber gespalten. Auf dem Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-silbernen Decken sitzt ein silbern und schwarz gestulpter roter Turnierhut, der mit 6 Hahnenfedern (3 silber, 3 schwarz) bestückt ist.
Bekannte Namensträger [Bearbeiten]
- Joachim von Gersdorff (1611–1661), Reichshofmeister[2] von Dänemark (1650–1660), verhandelte den Frieden von Roskilde
- Anna Magdalena von Gersdorff, Gemahlin des Hans von Raußendorf, Grundherr des Dorfes Spremberg in der Oberlausitz seit 1617, (verst. 1632), Rittergutsbesitzerin von Nieder-Spremberg (1619-1632), heute Stadt Neusalza-Spremberg
- Nikol von Gersdorff (1629–1702), Oberkämmerer, Geheimer Rasdirektor, Diplomat und Landvoigt der Oberlausitz, sowie seine dritte Ehefrau Henriette Catharine von Gersdorff (1648–1726), Wohltäterin, Dichterin und Rittergutsbesitzerin
- Hans von Gersdorff (1630–1692), Herr auf Weicha bei Bautzen, Privatgelehrter
- Christoph Friedrich Graf von Gersdorff (1666–1725), auf Klix, Geheimer Rat und Vizehofrichter, Reichstagsgesandter
- Friedrich Caspar Graf von Gersdorff (1699–1751), sächsischer Geheimrat, seit 1731 Oberamtshauptmann der Oberlausitz, als Freund Zinzendorfs auch missionarisch bei den Wenden tätig
- Adolf Traugott von Gersdorff (1744–1807), Gelehrter, Mineraliensammler, Sozialreformer, Mitbegründer der Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, seit 1756 Herr auf Meffersdorf und Schwerta
- Karl Friedrich Wilhelm von Gersdorff (1765–1829), auf Neukirchen und Steinbach bei Nossen, sächsischer General und Militärschriftsteller
- Ernst Gustav von Gersdorf (1780–1843), Rittergutsbesitzer, Jurist und Politiker, erster Präsident der I. Kammer des Sächsischen Landtags
- Johann Rudolf Ritter von Gersdorff (1781–1849), Bergbaufachmann und Unternehmer. Nach ihm wurde aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen das Mineral Arsennickelglanz „Gersdorffit“ benannt.
- Ernst Christian August Freiherr von Gersdorff (1781–1852), Staatsminister Sachsen-Weimar-Eisenachs (1819–1848), vertrat das Land auf dem Wiener Kongress, wo er Gebietsvergrößerungen und Großherzogswürde aushandelte, Mitinitiator einer Verfassung, die auch Pressefreiheit gewährleisten sollte
- Carl Ernst Rudolf Freiherr von Gersdorff (1803–1876), Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung
- Hermann Konstantin von Gersdorff (1809–1870), bei Sedan tödlich verwundeter preußischer Divisionskommandeur
- Claire (Clara Johanna Caroline) von Gersdorff (* 18. Dezember 1858 in Danzig; † 17. Oktober 1927 in Potsdam), von 1881 bis 1918 Hofstaatsdame der späteren Kaiserin Auguste Victoria, ab 1888 Stiftsdame im Stift Wallenstein in Fulda
- Carl Freiherr von Gersdorff (1844–1904) war ein lebenslanger Freund Friedrich Nietzsches (umfangreicher Briefwechsel)
- Wigand von Gersdorff (1851–1920), preußisch-deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant
- Ada von Gersdorff (Ada von Knobloch, Ada von Maltzahn, Pseudonym: Harry von Gersdorff; 1854–1922), deutsche Schriftstellerin
- Hans Otto von Gersdorff (1864–1908), Mitglied des Deutschen Reichstags
- Wolf von Gersdorff (1867–1949), Königlicher Kammerherr, Regierungspräsident in Merseburg (1910–1922), Ehrendoktor der Universität Halle-Wittenberg
- Ernst-Carl Freiherr von Gersdorff (1902–1977), Rechtsanwalt und Notar, Generalbevollmächtigter des vormals regierenden Preußischen Königshauses
- Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff (1905–1980), Generalmajor, plante 1943 beim Besuch einer Ausstellung im Berliner Zeughaus, sich mit Hitler gemeinsam in die Luft zu sprengen; das Attentat scheiterte, da Hitler die Ausstellung vorzeitig verließ.
- Horst Freiherr von Gersdorff (1910–1995), Schulleiter und Geschäftsführer der Schule Schloss Salem
- Gero von Gersdorff (1913–1942), Offizier und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
- Dagmar von Gersdorff (* 1938), Schriftstellerin
Sonstige Personen mit Familiennamen (von) Gersdorff o.ä. [Bearbeiten]
- Hans von Gersdorff (ca. 1455–1529), Wundarzt, der vermutlich aus dem unterelsässischen Görsdorf stammte. Seine Zugehörigkeit zum Oberlausitzer Adelsgeschlecht von Gersdorff gilt als unwahrscheinlich.
- Julius Gersdorff (1849–1907), deutscher Dichter.
Literatur [Bearbeiten]
- Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Görlitz 1930, S. 231–232 (Volltext)
- Genealogisches Handbuch des Adels, Band 67, 1978, Adelslexikon
- Gersdorffsche Familien-Nachrichten, 1818 GDZ Göttingen
Weblinks [Bearbeiten]
- Gersdorff, von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 318–323 (Digitalisat).
- Website des Familienverbandes von Gersdorff
- Gersdorff Artikel in „Genealogisches Handbuch der livländischen Ritterschaft“ 1935
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Cod. dipl. Lus. sup. I, S. 166
- ↑ Das Amt des Reichshofmeisters entstand um 1430 und war das höchste Staatsamt im dänischen Reich. Er war eine Art Premierminister und Vertreter des Königs. Neben seiner hervorgehobenen konstitutionellen Stellung hatte er eine Reihe wichtiger Aufgaben, wenn seine Pflichten auch nicht klar definiert waren. Im 16. Jahrhundert leitete er die Finanzverwaltung und hatte die Oberaufsicht über die Rentkammer und das Zollwesen.