Gerstheim

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Gerstheim
Wappen von Gerstheim
Gerstheim (Frankreich)
Gerstheim
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Sélestat-Erstein
Kanton Erstein
Koordinaten 48° 23′ N, 7° 42′ O48.3822222222227.7025153Koordinaten: 48° 23′ N, 7° 42′ O
Höhe 149–157 m
Fläche 16,42 km²
Einwohner 3.242 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 197 Einw./km²
Postleitzahl 67150
INSEE-Code
Website www.gerstheim.fr

Gerstheim ist eine französische Gemeinde mit 3242 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gerstheim noch als Gerbodesheim im Jahr 1066. Damals gehörte der größte Teil des Gebiets den Familien von Bock und von Berstett. Bekannt war auch die Familie derer von Geroldseck. Walter von Schwanau wurde durch seine Blockade der Wasserwege für die Händler von seinem Wasserschloss Schwanau aus und für seine Raubüberfälle bekannt. Das Schloss wurde 1333 geschleift.

Religion[Bearbeiten]

Innenansicht der ehemaligen Synagoge

Gerstheim besaß einen nicht geringen jüdischen Bevölkerungsanteil. Die erste Synagoge wurde 1824 auf dem Gebiet des heutigen Friedhofes errichtet. 1874 wurde ein Nachfolgebau an anderer Stelle, in der Rue du Rhin, errichtet. Er wurde 1966 abgebrochen.

Die Angehörigen der beiden christlichen Konfessionen nutzten gemeinsam ein Kirchengebäude, bis 1865 der Bau einer zweiten Kirche beschlossen wurde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die alte Innenstadt mit dem Lachter, auch Muhlbach genannt, der einst die Mühle von Gerstheim antrieb und für die Elektrizitätsversorgung des Ortes sorgte, gilt als Touristenattraktion und wird hin und wieder auch als Klein-Venedig bezeichnet.

In der evangelischen Kirche befindet sich eine Orgel der Gebrüder Wetzel aus der Zeit um 1870. 1917 wurde ein Teil des Instruments von den deutschen Truppen requiriert. 1926 wurde die Orgel von Edmond Alexandre Roethinger wieder vervollständigt. Vermutlich hat er sie damals auch erweitert. 1972 erfolgte eine weitere Restaurierung.

Der Brunnen vor dem Festsaal wurde im Jahr 2000 preisgekrönt.

Ein imposantes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das einst dem Bürgermeister Edouard Lauffenburger gehörte, ist heute in städtischem Besitz.

Die katholische Kirche, die nach dem Beschluss von 1865 errichtet werden sollte, entstand unter persönlichen Opfern der Bürger, denn aus Geldmangel hatte die Kommune zunächst beschlossen, Turm und Kirchenschiff nacheinander zu errichten. Nachdem die private Sammlung auf Initiative des Pfarrers Huss nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt hatte, wandte man sich schließlich an Kaiser Napoleon III. 1869 konnte man doch noch den Bau der kompletten Kirche beschließen. Für die Innenausstattung war die Gemeinde wieder auf private Spenden angewiesen. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 2011 wurde die Kirche durch einen Brand vollständig zerstört. Seit dem benützt die katholische Gemeinde wieder die evangelische Kirche Saint-Guillaume für den Gottesdienst, die bereits bis 1869 als sogenannte "Simultankirche" beiden christlichen Konfessionen zur Verfügung stand.

Überreste der Maginot-Linie und Kasematten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs befinden sich ebenfalls auf Gemeindegebiet.

Bei Gerstheim gibt es auch eine Rheinschleuse.

Grenzübergang[Bearbeiten]

In Gerstheim konnte man einst die deutsch-französische Grenze überqueren. Ein alter Brückenkopf ist noch vorhanden; außerdem wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine Behelfsbrücke über den Schollengiesen hergestellt, die bis 1967 in Betrieb war. Heute überlegt man, die Rheininsel und die Rheinufer zu einer Naturerlebniswelt umzugestalten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ab etwa 1900 fanden viele Einwohner Beschäftigung in der Tabak- und Zuckerindustrie; inzwischen gibt es auch zahlreiche andere Arbeitsmöglichkeiten. Auf dem Gemeindegebiet befindet sich ein Laufwasserkraftwerk am Rhein (→ Kraftwerk Gerstheim).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerstheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien