Gersthofen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gersthofen
Gersthofen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gersthofen hervorgehoben
48.41666666666710.866666666667469Koordinaten: 48° 25′ N, 10° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Augsburg
Höhe: 469 m ü. NHN
Fläche: 33,95 km²
Einwohner: 21.106 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 622 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 86368,
86456 (Peterhof)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 0821, 08230 (Batzenhofen, Edenbergen, Rettenbergen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: A
Gemeindeschlüssel: 09 7 72 147
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
86368 Gersthofen
Webpräsenz: www.gersthofen.de
Bürgermeister: Michael Wörle (parteilos)
Lage der Stadt Gersthofen im Landkreis Augsburg
Ammersee Baden-Württemberg Augsburg Landkreis Aichach-Friedberg Landkreis Dachau Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Donau-Ries Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Günzburg Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Ostallgäu Landkreis Starnberg Landkreis Unterallgäu Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Schmellerforst Adelsried Allmannshofen Altenmünster Aystetten Biberbach (Schwaben) Bobingen Bonstetten (Schwaben) Diedorf (Schwaben) Dinkelscherben Ehingen (Landkreis Augsburg) Ellgau Emersacker Fischach Gablingen Gersthofen Gessertshausen Graben (Lechfeld) Großaitingen Heretsried Hiltenfingen Horgau Kleinaitingen Klosterlechfeld Königsbrunn Kühlenthal Kutzenhausen Langenneufnach Langerringen Langweid am Lech Meitingen Mickhausen Mittelneufnach Neusäß Nordendorf Oberottmarshausen Scherstetten Schwabmünchen Stadtbergen Thierhaupten Untermeitingen Ustersbach Walkertshofen Wehringen Welden Westendorf (Landkreis Augsburg) ZusmarshausenKarte
Über dieses Bild

Gersthofen ist eine Stadt im bayerisch-schwäbischen Landkreis Augsburg und grenzt unmittelbar an die Stadt Augsburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtentwicklung[Bearbeiten]

Gersthofen, an der Via Claudia gelegen, entwickelte sich aus einem alemannischen Dorf des 6./7. Jahrhunderts zu einer bäuerlichen Siedlung im Besitz des Bistums Augsburg. Erste urkundliche Erwähnung war 969 unter dem Namen Gerfredeshoua (was mit bei den Höfen des Gerfred übersetzt werden kann), der sich über die Jahre in Gershouen und schließlich das heutige Gersthofen (um 1424) umformte. Bis 1803 gehörte Gersthofen dem Domstift Augsburg und fiel 1803 im Zuge der Säkularisation an das Kurfürstentum Bayern, und wurde 1950 zum Markt und 1969 zur Stadt erhoben. Gersthofen erhielt 1904 den Flugplatz Gersthofen-Gablingen, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Truppen als Kaserne benutzt wurde und seitdem auf den Fluren der Gemeinde Gablingen liegt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1809 439
1840 690
1900 1.707
1910 2.138
1919 2.272
1933 3.193
Jahr Einwohnerzahl
1939 4.581
1946 5.928
1956 8.931
1961 10.783
1971 15.713
1981 17.002
Jahr Einwohnerzahl
1988 17.032
1997 20.166
2003 21.173
2006 21.013
2007 20.902
2009 21.031
Jahr Einwohnerzahl
2011 20.870
2012 21.625

Stadtteile[Bearbeiten]

Auf freiwilliger Basis haben sich die ehemaligen Gemeinden Hirblingen (1. Januar 1975)[2], Batzenhofen, Edenbergen und Rettenbergen (alle 1. Januar 1978)[2] der Stadt Gersthofen angeschlossen. Wirklich freiwillig ging aber nur Hirblingen bereits im Vorfeld der Gemeindereform 1975 nach der Amtsaufgabe des damaligen Bürgermeisters Pfiffner in Ermangelung eines Nachfolgers diesen Schritt. Die anderen drei Gemeinden hatten lediglich die Wahl zwischen dem Anschluss an Gablingen oder Gersthofen.

Ein Zusammenlegen der drei Gemeinden Batzenhofen, Edenbergen und Rettenbergen wurde vor dem Ersten Weltkrieg noch als schädlich erachtet und demzufolge auch strikt abgelehnt. Im Rahmen der Gemeindereform 1975 wäre dies jedoch für viele Bürger die Wunschlösung gewesen. Durch die Entscheidung Hirblingens waren die Weichen für die restlichen „westlichen Stadtteile“ jedoch bereits gestellt.

Batzenhofen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Batzenhofen
Batzenhofen an der Schmutter

Der nordwestlich von Gersthofen am linken Schmutterufer beiderseits des hier mündenden Böglegrabens gelegene Stadtteil wurde schon im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Die Gründung Batzenhofens fällt ebenfalls ins 8. Jahrhundert. Auch die dem Heiligen Martin geweihte Mutterkirche der Hirblinger Urmark gehört – v.a. wegen des Ortsnamens – möglicherweise in diese sehr frühe Zeit. Das hohe Alter Batzenhofens ergibt sich aus seiner Lage im Altsiedelgebiet an der Schmutter sowie aus der Tatsache, dass es den fränkischen Reichsheiligen St. Martin zum Kirchenpatron hat[3]. Friedrich Barbarossa machte auf dem Weg von Göggingen nach Goslar 1154 in Batzenhofen Station. Eckpfeiler der urkundlichen Tradition ist die Ulrichsurkunde von 969. Damals erhielt das neu gegründete Frauenkloster St. Stephan in Augsburg schenkungsweise als Erstausstattung Güter in Batzenhofen. Der Ort stieg zu einem der drei stephanischen Ämter auf und wurde die Zentrale der ländlichen Besitzungen des Stifts, 1750 wurde Schloss Batzenhofen vom Stift errichtet. Batzenhofen veränderte seinen Ortsnamen oft, so wird der Ort in der Ulrichsurkunde 969 als Pazenhoua bezeichnet. Später im 11. Jahrhundert hieß er Pacenhoven, im 12. Jahrhundert Battzenhouen, Pacinhouen und Pazzenhouen. Um 1195 wurde der Ort Bazzenhouen genannt, 1257 Bazinhovin. Ab 1440 erhielt der Ort seinen bis heute gültigen Namen, Batzenhofen, was bei den Höfen des Bazzo bedeutet.

Die eigentliche Entwicklung begann nach 1945, Infrastruktureinrichtungen wurden geschaffen, Baugebiete ausgewiesen und eine Mehrzweckhalle erstellt. Am 1. Januar 1978 wurde Batzenhofen eingemeindet.[2] Batzenhofen zählt heute rund 900 Einwohner, seine Gemeindefläche beträgt 344 ha, wovon 99 ha auf Wald entfallen.

Edenbergen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Edenbergen

Edenbergen ist wahrscheinlich im 11. Jahrhundert auf dem Höhenrücken zwischen dem Gailenbach und dem Böglebach als Rodesiedlung im Bereich der Urmark Hirblingen entstanden. Von 1382 bis 1803 war Edenbergen im Besitz des Damenstiftes St. Stephan. Zu Edenbergen gehören der 1283 urkundlich erstmals erwähnte Weiler Gailenbach mit dem gleichnamigen Schloss und Gutshof sowie die Gailenbacher Mühle. Etwas mehr als 300 Bewohner zählt der westlich gelegene Stadtteil. Über seine 441 ha große Gemeindefläche – 217 ha davon sind Wald – verläuft die Autobahn A 8. Edenbergen wurde am 1. Januar 1978 eingemeindet.[2]

Hirblingen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hirblingen

Hirblingen wird urkundlich im 11. Jahrhundert erstmals aufgeführt. Bodenfunde bezeugen aber, dass der Ort eine so genannte Ursiedlung alemannischen Ursprungs ist. Die Grundherrschaft übten im Mittelalter das Reichsstift St. Ulrich und Afra sowie Augsburger Klöster und Patrizierfamilien aus. Im Jahre 1699 kam Hirblingen an die Hospitalstiftung zu Augsburg, die bis zur Säkularisation Grundherr blieb. Der Ortsteil hat etwa 820 Einwohner, seine Gemeindefläche umfasst 446 ha. Hirblingen wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet.[2]

Rettenbergen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rettenbergen

Auch Rettenbergen ist vermutlich im 11. Jahrhundert als Rodeort in der Hirblinger Urmark entstanden. Im 12. Jahrhundert wird Rutinbergen zum ersten Male erwähnt. Im Gemeindegebiet liegt das beliebte Ausflugsziel Peterhof, seit 1488 als St. Peter urkundlich nachgewiesen. Obwohl Rettenbergen seit 1575 die eigene Dorfkirche St. Wolfgang besitzt, gehört der Ort, wie auch Edenbergen seit eh und je zum Pfarrsprengel Batzenhofen. Der 450-Seelen-Ortsteil liegt direkt am Wald, seine Fläche umfasst 684 ha. Rettenbergen wurde am 1. Januar 1978 eingemeindet.[2]

Adalbert-Stifter-Siedlung[Bearbeiten]

Von 1939 bis zum Juli 1954 wuchs die Einwohnerzahl Gersthofens von 4.584 auf 8.164 Personen, was einen Anstieg der Bevölkerungszahl um 78,1 % bedeutete. Der Anteil der Vertriebenen an der Gesamtbevölkerungszahl lag 1954 bei 22,6 % bzw. 1847 Personen. Um den katastrophalen Wohnraummangel nach dem Krieg zu beheben, entstanden in Gersthofen zwischen 1950 und 1954 280 neue Wohngebäude. Die ersten Blocks für die Flüchtlinge entstanden südlich der Pestalozzischule, schließlich vergab die Gemeinde an die Flüchtlinge Grund und Boden im Erbbaurecht in der Langemarkstraße und entlang der Ludwig-Herrmannstraße.

Beim Bundeswettbewerb „Die beste Kleinsiedlung“ erhielt die Adalbert-Stifter-Siedlung 1956 in der Gruppe der Neusiedelungen sowohl im Regierungsbezirk von Schwaben wie auch in Bayern den ersten Preis, auf Bundesebene einen Sonderpreis.

Politik[Bearbeiten]

Erste Bürgermeister seit 1945[Bearbeiten]

Name (Parteizugehörigkeit) Amtszeit
Hans Sturm sen. 2. Mai 1945 bis 31. Januar 1946
Josef Scheifele 31. Januar 1946 bis 31. März 1947
Josef Helmschrott 1. April 1947 bis 30. April 1952
Georg Wendler 1. Mai 1952 bis 1. Juli 1967
Karl J. Weiß (CSU) 1. Juli 1967 bis 30. April 1984
Siegfried Deffner (CSU) 30. April 1984 bis 30. April 2008
Jürgen Schantin (W.I.R., bis 2013 CSU) 1. Mai 2008 bis 1. Mai 2014
Michael Wörle (parteilos)[4] seit 1. Mai 2014

Sitzverteilung im 30-köpfigen Stadtrat (2014–2020) [5][Bearbeiten]

Parteien 2014
Anteil Sitze
CSU 30,88 % 9
Freie Wähler 19,26 % 6
SPD 14,93 % 4
Pro Gersthofen 5,94 % 2
Bündnis 90/Die Grünen 5,05 % 2
W.I.R. 24,44 % 7

Wappen[Bearbeiten]

Da das damalige Dorf Gersthofen territorial lange Zeit zum Domstift Augsburg gehörte, kommt in den Wappenfarben Rot und Silber zum Ausdruck. Die Lage der Gemeinde am Lech wurde durch die Aufnahme des blauen Querflusses versinnbildlicht. Aufgrund der starken Industrialisierung Gersthofens erhielt sein Wappen als weiteres leicht deutbares Beizeichen das Kammrad. Der Entwurf stammt vom Heraldiker Otto Hupp und wurde der Gemeinde am 10. März 1937 verliehen. Die heraldische Beschreibung lautet: „Gespalten von Rot und Silber, im Fuß belegt mit einem Querfluss, über dem ein Kammrad in verwechselten Farben schwebt.“

Partnerstadt[Bearbeiten]

Seit 1969 ist Gersthofen anlässlich seiner Tausendjahrfeier mit Nogent-sur-Oise in Frankreich verschwistert. Die Kleinstadt liegt 50 Kilometer nördlich von Paris.

Kultur[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

Kirche St. Jakobus in Gersthofen
Kirche St. Blasius in Hirblingen
Wegkapelle am Mähder bei Edenbergen

Christentum[Bearbeiten]

Ein Großteil der Gersthofer sind Katholiken. Die alte Pfarrkirche St. Jakobus major ist eine Station auf dem Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg über Augsburg nach Lindau. Die Pfarrkirche ist eine neuromanische Saalkirche, die von 1854 bis 1855 durch Georg von Stengel erschaffen und von 1924 bis 1925 durch Michael Kurz durchgreifend verändert wurde. Die Pfarrkirche Maria, Königin des Friedens, ein Beispiel nachkonziliarer Architektur nach einem Entwurf von Hermann Öttl, wurde 1968 konsekriert. Beide Pfarreien wurden 2006 zu der Pfarreiengemeinschaft Gersthofen zusammengelegt. In den westlichen Ortsteilen liegen die Pfarrkirchen St. Martin und St. Blasius in Hirblingen sowie die Filialkirche St. Wolfgang in Rettenbergen. Gersthofen verfügt zudem über die große Kapelle St. Emmeram und mehrere kleine Kapellen in den Stadtteilen: St. Sebastian in Batzenhofen, die Feldkapelle Mariahilf, die Ortskapelle und die Wegkapelle am Mähder in Edenbergen und eine Wegkapelle in Hirblingen.

Die evangelisch-lutherische Bekenntniskirche ist Zentrum einer Diasporagemeinde, welche die Ortschaften Langweid, Gablingen und auch Gersthofen umfasst. Die Protestanten stellen die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Gersthofen dar.

Des Weiteren befindet sich auch eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche in Gersthofen.

Islam[Bearbeiten]

Die Moscheegemeinde Gersthofen der Türkisch-Islamischen Union übt ihre Glaubenslehre in der Eyüp-Sultan-Moschee aus.

Öffentliche Gebäude[Bearbeiten]

Zwei der wichtigsten öffentlichen Gebäude sind die Stadthalle Gersthofen und das Einkaufszentrum City Center.

Museen[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Fasching
  • Lechana Gersthofen e.V.
  • Kol-la e.V.
Sport

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die wirtschaftliche Entwicklung[Bearbeiten]

Die Veränderungen der wirtschaftlichen Struktur Gersthofens zeigen sich am deutlichsten in der Veränderung der einzelnen Wirtschaftszweige. Neben 79 landwirtschaftlichen Betrieben verschiedener Größe waren 1930 110 gewerbliche Betriebe vorhanden. 1968 hingegen waren es nur noch 50 landwirtschaftliche, jedoch 337 gewerbliche Betriebe. Die Differenz stieg bis zum Jahre 1985 bzw. 1987 auf 90 landwirtschaftliche zu 724 gewerbliche Betriebe an. Einen besonderen Schub erhielt die Entwicklung Gersthofens durch den Bau des Lechkanals mit Wasserkraftwerk und des dadurch mit Elektrizität versorgten Hoechst-Werks um 1900.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich von 1949 bis 1968 von 98 auf 50 verringert und damit fast halbiert. Betroffen waren in den ersten fünf Jahren die Betriebe in der Größe unter 2 ha und in der Größe von 2 bis 5 ha, welche sich um 15 + 9 = 24 verminderten, während die nächsthöhere Klasse um einen Betrieb zunahm. In den Jahren von 1954 bis 1959 dehnte sich dieser Schwund auch auf die nächstgrößeren Betriebe, nämlich in der Größe von 5 bis 20 ha, aus: sie nahmen um 8 + 7 = 15 ab, jedoch die Klasse der Betriebe von 20 bis 50 ha um drei zu, woraus wohl mit Recht auf ein Streben nach höherer Rentabilität im größeren Betrieb und als Voraussetzung dazu nach einer Vergrößerung der Betriebsfläche geschlossen werden kann. Die landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) betrug 1956: 1094 ha, 1960: 1027,84 ha, 1965: 1021,65 ha und 1968: 970,11 ha. Der Verlust beträgt also zwischen 1956 und 1968 124 ha oder 11,3 %, die Anzahl der Betriebe jedoch verminderte sich von 1954 bis 1968 um 23 oder 31,5 %, womit die oben erwähnte Tendenz zur Verbreiterung der Betriebsbasis im Zuge der Entwicklung der deutschen und europäischen Landwirtschaftspolitik bewiesen ist. Bedingt durch die Eingemeindungen hat die landwirtschaftlich genutzte Fläche zugenommen. 1985 belief sie sich auf 1750 ha. Diese Fläche wurde von 90 landwirtschaftlichen Betrieben bearbeitet.

Handwerk[Bearbeiten]

Einer der ältesten handwerklichen Betriebe im Ort war die Werkmannsche Säcklerei. Der Gründer war der 1838 in Pappenheim geborene und 1910 in Gersthofen verstorbene Friedrich Werkmann. Er ließ sich im Frühjahr 1867 im Hause Donauwörther Straße 12 nieder – bis dahin arbeitete in Gersthofen noch kein Säcklermeister – heiratete im Herbst desselben Jahres und errichtet 1870 das jetzige Anwesen Augsburger Straße 26. Seit dieser Zeit wurden in dieser Werkstatt alle Arten von Lederhosen und Lederbekleidungen hergestellt. Der Betrieb wurde am 24. November 1980 eingestellt. Der 1830 in Gebenhofen geborene Schreiner Andreas Pfaffenzeller erwarb nach seiner Wanderschaft am 4. März 1858 die damalige Schreinersölde Haus Nr. 15 in Gersthofen und machte sich dort selbständig. Schon 1861 konnte er auf dem Grundstück Donauwörther Straße 12 ein Wohnhaus mit zugehöriger Werkstatt errichten. Später kamen handwerkliche Betriebe wie z. B. die ehemalige Wagnerei an der Hauptstraße, der heutigen Donauwörther Straße oder die Schmiede beim Spanner an der Bauernstraße dazu. Größere Betriebe wie das ehemalige Kies- und Schotterwerk folgten.

Bankwesen[Bearbeiten]

Bereits am 19. März 1882 wurde der Spar- und Darlehenskassenverein Gersthofen gegründet. Eingeladen zur Gründerversammlung hatte der Bürgermeister und Landwirt Michael Deuringer. Es war die erste Niederlassung der Raiffeisengesellschaft im Landkreis Augsburg und die zweite im Regierungsbezirk Schwaben. 16 Männer erklärten ihren Beitritt und wählten den Mühlenbesitzer Thomas Kirner zum ersten nebenberuflichen Rechner des Vereins. Die Industrialisierung Deutschlands, sein Anschluss an den Weltmarkt und die damit verbundene wirtschaftliche Machtkonzentration in Industrie und Handel hatten die heimische Landwirtschaft sowie mittelständische Handwerksbetriebe und Gewerbetreibende infolge Fehlens geeigneter Krediteinrichtungen in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht. Privater Geldwucher war verbreitet und Betriebsschließungen blieben nicht aus. Diese Kreditnot suchte Friedrich Wilhelm Raiffeisen durch gegenseitige Hilfe auf der Basis der Spar- und Darlehenskassenvereinen zu beheben. Der Anfang der Geschäftstätigkeit stand im Zeichen der Darlehenshergabe und des gemeinsamen Warenbezugs der Landwirte. Das alte, im Jahre 1930 erbaute Bankgebäude wurde schon 1937 durch einen Neubau ersetzt; Umbau und Erweiterung folgten 1957, desgleichen 1979/80. Der letzte wesentliche Umbau, der dem Bankgebäude die jetzige Gestalt gab, erfolgte in den Jahren 1979/80. Eine große Bedeutung im Bankwesen des Landkreises Augsburg hat auch die Kreissparkasse. Sie wurde 1855 vom Distrikt Zusmarshausen ins Leben gerufen. Nach Fischach 1930, Göggingen 1931, und Welden 1932 errichtete man 1934 in Gersthofen eine Zweigstelle.

Industrie, Handel und Dienstleistungen[Bearbeiten]

In Gersthofen sind elf Unternehmen ansässig, die auch überregional von Bedeutung sind:

Ferner steht in Gersthofen die Filiale „Augsburg“ des Möbelhauses IKEA.

Schulen[Bearbeiten]

Am Schulstandort Gersthofen befinden sich vier Grundschulen, eine Förderschule, eine Mittelschule, das Paul-Klee-Gymnasium, sowie die International School Augsburg mit ihrem Sitz in Gersthofen, wo der Abschluss International Baccalaureate erworben werden kann. Zudem gibt es in Gersthofen noch eine Musikschule.

Verkehrs-Anbindungen

Straßenverkehr[Bearbeiten]

In Ost-West Richtung durchquert die A 8 Gersthofen. In Süd-Nord Richtung verläuft die vierspurige B 2 bzw. die B 17, welche mit mehreren Anschlussstellen Gersthofen anbindet.

Busverbindungen[Bearbeiten]

Der Busbetrieb der Stadtwerke Gersthofen ist zum 1. Oktober 2006 auf die neue private Gersthofer Verkehrsgesellschaft (GVG) übergegangen, nachdem aufgrund hoher Defizite der Stadtrat Anfang 2006 gar eine Schließung des Betriebes erwogen hatte. An der neuen Verkehrsgesellschaft ist die Stadt Gersthofen mit 49 % beteiligt, die übrigen Anteile hält die Schwaben Mobil Nahverkehr Service GmbH mit Sitz in Bobingen (Landkreis Augsburg). Seit 10. Dezember 2006 fahren die üblicherweise grün lackierten Niederflurbusse nicht mehr zum Augsburger Hauptbahnhof. An der Haltestelle Augsburg-Nord muss zur Kostenersparnis in die Stadtbahnlinie 4 umgestiegen werden. Mit den dort eingesetzten Combino-Tramwagen mit 100 Sitzplätzen besteht so zur Hauptverkehrszeit trotz des Umsteigens alle 5 Minuten eine Verbindung zum Augsburger Hauptbahnhof. Weiterhin gibt es bis Augsburg-Zentrum durchfahrende Regionalbusse, die mehrere Haltestellen in Gersthofen bedienen. Die Linie 512 fährt von Gersthofen über Hirblingen, Täfertingen, Neusäß und Augsburg West nach Steppach.

Bahnverbindungen[Bearbeiten]

Gersthofen hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg. Vom Bahnhof Gersthofen gibt es in der Regel stündliche Verbindungen nach Augsburg, München und Donauwörth. In den Hauptverkehrszeiten fahren zusätzliche Züge, die aber schlecht vertaktet sind (15/45 Min. o. ä.).

Das Bahnhofsgebäude von 1845 befindet sich in einem maroden Zustand und wurde Ende 2010 gar zum „Gammeligsten Bahnhof Bayerns“ gewählt.[6] Konkrete Nutzungspläne gibt es keine, ein Abriss wird erwogen. Auf der Westseite Gleise befindet sich seit 2013 ein Park-and-ride-Parkplatz für knapp einhundert Fahrzeuge.

Flughafen[Bearbeiten]

Rund sechs Kilometer östlich liegt der Flughafen Augsburg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Die Stadt Gersthofen hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • Georg Ebner (* 20. November 1840 in Joshofen; † 25. Juni 1927 in Altenmünster, beerdigt in Gersthofen), von 1882 bis 1904 Lehrer und bis 30. Juni 1908 Gemeindeschreiber in Gersthofen.
  • Vinzenz Langhans (* 4. April 1861 in Gersthofen; † 29. November 1936 in Gersthofen), von 1897 bis 1900 Kassier der Gemeindekrankenversicherung, von 1900 bis 1903 Beigeordneter, vom 15. April 1903 bis 30. Juni 1919 Bürgermeister.
  • Franz Wolf (* 2. Juli 1855 in Hegnenbach (Altenmünster); † 24. Oktober 1935 in Dinkelscherben), vom 1. Februar 1905 bis 31. Dezember 1921 Lehrer, zuletzt Oberlehrer und Organist in Gersthofen.
  • Dr.-Ing. Paul Heisel (* 7. Mai 1903 in Rockenhausen), Vorstandsmitglied der Farbwerke Hoechst AG und Direktor des Werkes Gersthofen (1945 bis 1968).
  • Franz Pfiffner (* 14. September 1890 in Hirblingen; † 9. November 1976 in Augsburg), 1. Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Hirblingen von 1933 bis 31. Dezember 1974, Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde Hirblingen seit 3. Dezember 1965.
  • Michael Kuchenbaur (* 19. Februar 1897 in Rettenbergen; † ?), 1. Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Rettenbergen von 1933 bis 1955, Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde Rettenbergen seit 19. Februar 1972.
  • Georg Wendler (* 21. Dezember 1895 in Horb a. d. Steinach; † 6. Dezember 1980 in Gersthofen), 1. Bürgermeister der Gemeinde Gersthofen von 1940 bis 1945 und des Marktes Gersthofen vom 1. Mai 1952 bis 30. April 1967.
  • Markus Deffner (* 1907; † 1. August 1981 in Gersthofen), ehrenamtliches Wirken in ernährungswirtschaftlichen und berufsständischen Organisationen, Mitglied des Marktgemeinde- bzw. Stadtrates, sowie Mitglied des Kreistages Augsburg

Medien[Bearbeiten]

  • Die Landausgabe der Augsburger Allgemeinen Zeitung (Tageszeitung)
  • Die Gersthofer Stadtzeitung (kostenloses Wochenblatt)
  • Das myheimat Stadtmagazin gersthofer (kostenloses Monatsmagazin)

Wissenswertes[Bearbeiten]

Europaweiher
  • 1999 erlangte Gersthofen deutschlandweit kurzzeitig großes Aufsehen. Die Stadt zahlte jedem Einwohner 100 DM aus, da sie im Jahr davor einen Überschuss von 5 Millionen DM erwirtschaftet hatte und davon 2 Millionen an die Bürger zurückgab. Das Landratsamt hatte die ungewöhnliche Aktion rechtlich geprüft und als „gerade noch akzeptabel“ bezeichnet.
  • Beim Alpenhochwasser 2005 wurden die provisorischen Fundamente des Neubaus der A8-Autobahnbrücke über den Lech bei Gersthofen unterspült. Die noch nicht fertiggestellte Brücke drohte einzustürzen und die bestehende alte Brücke mitzureißen.
  • Seit 2009 findet jährlich im Juni das Internationale Salsa Festival Augsburg in Gersthofen statt.
  • Östlich von Gersthofen, auf der anderen Seite des Lech liegen der Augsburger Müllberg sowie der Europaweiher
  • Seit 1967 findet jährlich am 31.12. der Internationale Silvesterlauf statt

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Krauße (Hrsg.): Chronik der Stadt Gersthofen: 969 – 1989. Gersthofen 1989, DNB 891256881

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gersthofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d e f  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 767.
  3. Walter Pötzl: Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit in „Der Landkreis Augsburg, Band 5/1994“, Hrsg.: Prof. Walter Pötzl, Augsburg 1994
  4. Gerald Lindner: Stichwahl: Der neue Rathauschef weint Freudentränen. Augsburger Allgemeine, 31. März 2014, abgerufen am 13. April 2014.
  5. http://www.stadt-gersthofen.de/wahl/772147_000058/index.html
  6. Artikel der Gersthofener Grünen mit eingebettetem TV-Bericht zum Bahnhof. Website der Gersthofer Grünen, abgerufen am 18. Februar 2014.