Gerstungen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gerstungen
Gerstungen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gerstungen hervorgehoben
50.962510.059722222222205Koordinaten: 50° 58′ N, 10° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Höhe: 205 m ü. NHN
Fläche: 75,51 km²
Einwohner: 5872 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99834
Vorwahlen: 036922, 03691 (Clausberg), 036925 (Oberellen), 036927 (Lauchröden, Unterellen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: WAK, SLZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 097
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wilhelmstr. 53
99834 Gerstungen
Webpräsenz: www.gerstungen.de
Bürgermeister: Werner Hartung
Lage der Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis
Kaltennordheim Bad Liebenstein Bad Salzungen Barchfeld-Immelborn Berka/Werra Berka vor dem Hainich Bischofroda Brunnhartshausen Buttlar Creuzburg Dankmarshausen Dermbach Diedorf Dippach Krayenberggemeinde Ebenshausen Empfertshausen Ettenhausen an der Suhl Kaltennordheim Frankenroda Frauensee Geisa Gerstengrund Gerstungen Großensee Hallungen Hörselberg-Hainich Ifta Barchfeld-Immelborn Kaltennordheim Kaltennordheim Kaltennordheim Krauthausen Lauterbach Leimbach Marksuhl Vacha Krayenberggemeinde Mihla Moorgrund Nazza Neidhartshausen Oechsen Ruhla Schleid Bad Liebenstein Seebach Stadtlengsfeld Bad Liebenstein Tiefenort Treffurt Unterbreizbach Urnshausen Vacha Vacha Weilar Wiesenthal Vacha Wolfsburg-Unkeroda Wutha-Farnroda Zella ThüringenKarte
Über dieses Bild

Gerstungen ist eine Gemeinde im Wartburgkreis, Thüringen, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Gerstungen liegt im Bundesland Thüringen an der Grenze zu Hessen an der Werra und der A 4 zwischen dem Richelsdorfer Gebirge im Westen und dem Naturpark Thüringer Wald im Osten. Nachbargemeinden sind Herleshausen im Norden, die kreisfreie Stadt Eisenach im Nordosten, Marksuhl im Südwesten, Berka/Werra im Süden und Wildeck im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Für die Frühgeschichte Gerstungens liegen keine schriftlichen Nachweise vor. Die Endung -ungen deutet, wie die ähnliche Endung -ingen, auf eine germanische Gründung hin, doch lässt sich diese nicht sicher nachweisen. Eine im Codex Eberhardi, welcher aus dem 12. Jahrhundert stammt, erwähnte Schenkung Gerstungens an das 744 gegründete Kloster Fulda durch den fränkischen König Karlmann gilt als erste urkundliche Erwähnung.

Heinrich IV. war während des Sachsenkrieges mehrmals in Gerstungen. 1074 fanden hier die Verhandlungen zwischen dem aufständischen sächsischen und thüringischen Adel und dem König statt. Schließlich wurde der Frieden von Gerstungen geschlossen. Der König musste der Zerstörung seiner Burgen in Nordthüringen und im Harz zustimmen. 1174 wurden die Herren von Gerstungen erstmals erwähnt.

Die ehemalige Burg war dreiseitig von Wassergräben geschützt. Mit ihr sicherte man zu dieser Zeit den Werraübergang, eine „Kurzer Hesse“ genannte Furt.[2][3]

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde vom Bistum Fulda das Amt Gerstungen geschaffen, welches ab 1402 pfandweise, letztlich jedoch dauerhaft an die Landgrafen von Thüringen und in deren Folge das Herzogtum Sachsen-Eisenach ging. Zu ihm gehörten die heutigen Ortsteile Gerstungen, Untersuhl und Neustädt. Die Orte Lauchröden, Sallmannshausen und Unterellen gehörten zum Herrschaftsbereich der benachbarten Brandenburg, sie wurden daher als zum brandenburgische Gerichte zugehörig genannt. Administrativ gehörten die drei Orte wohl zum wettinischen Amt Wartburg (Sachsen-Eisenach). Der Ort Oberellen bildete mit mehreren Höfen eine Exklave des Herzogtums Sachsen-Meiningen.

Infolge eines Brandes musste die Katharinenkirche 1588 erneuert werden, ihr Vorgängerbau an gleicher Stelle gelegen, diente auch als Burgkirche.

Gerstungen war 1657-1658 von Hexenverfolgung betroffen. Sechs Frauen gerieten in Hexenprozesse: zwei wurden verbrannt, zwei starben unter der Folter, eine in der Haft. Von dem Prozess gegen eine Frau aus Neustädt ist der Ausgang unbekannt.[4]

Als 1741 Gerstungen an Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach kam, standen nur noch Vorwerksgebäude der Burg. Die Wasserburg war verfallen. Der neue Landesherr erwarb noch den Knobelsdorfchen Garten und vereinigte ihn mit dem Vorwerk zum Kammergut. Der Marstall wurde vergrößert und der Schlossbau geplant. Die Grundmauern der mittelalterlichen Wasserburg dienten dem Aufbau des Schlosses im 17. und 18. Jahrhundert, das später Sitz des Amtes Gerstungen war und heute Heimatmuseum ist.[5]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 550 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion beim Bau der Autobahnbrücke über das Weihetal Zwangsarbeit verrichten. Weitere 90 Arbeitskräfte waren bei kleineren Firmen und in der Landwirtschaft eingesetzt. 53 Arbeitskräfte mussten in Oberellen zwangsarbeiten. An 107 Todesopfer der Zwangsarbeit erinnert seit 1977 ein Mahnmal auf dem Friedhof von Untersuhl.[6]

Der Bahnhof Gerstungen war von 1963 bis 1990 der drittgrößte Grenzbahnhof der DDR. Er wurde ab 1961 vom Rangier- zum Kontrollbahnhof ausgebaut, einschließlich von Gleissperren. Im September 1961 hatte das ZK der SED die Anweisung zum Bau der Reichsbahn-Ausweichstrecke Gerstungen–Förtha (13 km) erteilt, damit nicht mehr der „Hessische Zipfel“ mit Fluchtmöglichkeit für DDR-Bürger durchfahren werden musste.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Untersuhl wurde am 1. Januar 1960 eingemeindet.[8] Neustädt und Sallmannshausen folgten am 8. März 1994.[8] Am 16. März 2004 wurden die ehemals selbständigen Orte Lauchröden, Oberellen und Unterellen eingemeindet.[9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1994 – 4019
  • 1995 – 4042
  • 1996 – 4057
  • 1997 – 4054
  • 1998 – 3957
  • 1999 – 3910
  • 2000 – 3911
  • 2001 – 3885
  • 2002 – 3859
  • 2003 – 3863
  • 2004 – 6344
  • 2005 – 6324
  • 2006 – 6290
  • 2007 – 6194
  • 2008 – 6114
  • 2009 – 6077
  • 2010 – 6033
  • 2011 – 6003
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik - Werte vom 31. Dezember

Wappen[Bearbeiten]

Das teilweise redende Bild ist seit dem 18. Jahrhundert in den Siegeln der Gemeinde zu finden. Das Gerstunger Wappentier – der Storch – nistet von alters her in Gerstungen auf dem Schloss. Außerdem symbolisiert er die typische Pflanzen-Tier-Gemeinschaft (Flussniederung mit Lachen). Der Halm im Schnabel des Vogels ist Gerste, diese ist im Ortsnamen enthalten und wird, seitdem hier Ackerbau betrieben wird, angebaut. Stroh steht für das Storchennest auf dem Schloss; der grüne Grund symbolisiert die Werraniederung und das Wellenband die Werra – das Wellenband soll die Ortsteile Neustädt und Sallmannshausen vertreten. [10]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Gemeindegliederung

(Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2005)

Das Schloss von Unterellen
Lauchröden, Brandenburg
Gerstungen, Witzlebener Hof

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Gerstungen setzt sich aus 20 Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[11]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Zum hauptamtlichen Bürgermeister wurde Werner Hartung (SPD/FW) am 6. Juni 2010 wiedergewählt.[12]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gewerbegebiet Unterellen

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

In Gerstungen gibt es Betriebe der Metallverarbeitenden Industrie, der Herstellung von Baustoffen und Kunststofferzeugnissen, der Holzverarbeitung, elektrotechnische Teilfertigung und Dienstleistungsbetriebe. Im Kernort Gerstungen als wichtigstem Gewerbestandort gibt es fünf Gewerbegebiete und ein Industriegebiet, ein sechstes Gewerbegebiet ist in Planung. Das größte Gewerbegebiet Oberhalb der Bahn mit einer Gesamtfläche von etwa 24 Hektar liegt am nordwestlichen Ortsrand von Gerstungen, das Gewerbegebiet Auf der Höhe mit einer Gesamtfläche von 11,2 Hektar befindet sich am westlichen Ortsrand von Untersuhl.[13]

Im Ortsteil Unterellen befindet sich das Gewerbegebiet Auf der Aue sowie ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Empfangsgebäude des Gerstunger Bahnhofs

Gerstungen war früher innerdeutscher Grenzbahnhof an der Bahnstrecke Halle–Bebra. Bis der Grenzbahnhof 1990 außer Betrieb genommen wurde, verfügte dieser über mehr als 25 Gleise, mehrere überdachte Bahnsteige sowie ein Bahnbetriebswerk mit drei Lokschuppen und Wasserturm.

Seit Dezember 2006 befährt die cantus Verkehrsgesellschaft die Regionallinie R6 Eisenach–Gerstungen–Bebra.

Gerstungen liegt an der Bundesautobahn 4 Frankfurt am MainDresden mit einer nach dem Ort benannten Auffahrt. Wegen der innerdeutschen Grenze und der infolge der Grenzziehung unvollendeten Talbrücken bei Wommen und Untersuhl konnte der Verkehr im Abschnitt Gerstunger Zipfel erst Anfang der 1990er Jahre aufgenommen werden, zuvor wurde dafür auf hessischer Seite die B 400 als Umgehungsstraße genutzt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Marktplatz Gerstungen mit Storchenbrunnen
Kirche Sallmannshausen
  • Ruine Brandenburg bei Lauchröden
  • Schloss Gerstungen mit dem Werratalmuseum und Storchennest
  • die Katharinenkirche ist die evangelische Pfarrkirche
  • die Rundkirche Untersuhl
  • die Katholische Kirche
  • das Gerstunger Rathaus mit Parkanlage
  • der Gerstunger Marktplatz mit dem Storchenbrunnen
  • der Limpertstein, ein uraltes Denkmal, nach der Sage gilt es einem erschlagenen Bediensteten der nahen Ruine Brandenburg
  • der sagenumwobene Mühlvaltenstein am nördlichen Ortsrand
  • das Kohlbachshäuschen – eine historische Jagdhütte im Gerstunger Forst.
  • der Böller – durch das ausgedehnte Waldgebiet im Osten verläuft der Sallmannshäuser Rennsteig, am Südrand befindet sich der einsam gelegene Ortsteil Lutzberg
  • der historische Ziehbrunnen im Gerstunger Ortsteil Neustädt
  • der Schweddrich, eine ungewöhnliche Fischfangeinrichtung an der Mühle im Gerstunger Ortsteil Sallmannshausen

Naturschutzgebiet Kohlbachtal[Bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet Kohlbachtal befindet sich etwa einen Kilometer westlich der Ortslage Gerstungen. Das über vier Kilometer entlang des Kohlbachs sich erstreckende Gebiet ist ein sehr artenreicher und vielfältiger Lebensraum. 1997 wurde das Gebiet wissenschaftlich untersucht. Zu den dominierenden Pflanzengesellschaften gehören der Erlen-Auwald, Röhrichte und Großseggenriede. Mit Unterstützung des Forstamtes Gerstungen-Marksuhl gelang es binnen kurzer Zeit Randbereiche der Fichtenmonokultur des Wirtschaftswaldes wieder zu renaturieren. Entlang des Hauptwanderweges finden sich zahlreiche Rastplätze und Informationstafeln. Das Kohlbachtal mit dem Kohlbach-Born und dem Jagdhaus Kohlbach ist eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Gerstunger. Der BUND, Kreisverband Wartburgkreis und Stadt Eisenach wies das Gebiet als Biotop des Monats August 2001 aus.[14]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Weitere Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Hermann Otto Stölten (1896–1928), Pfarrer, Heimatforscher und Gründer des Fremden- und Verschönerungsvereins sowie der höheren Schule [15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 324.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und mittelalterliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 108-109.
  4. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 237.
  5. Heiko Laß: Jagd- und Lustschlösser des 17. und 18. Jahrhunderts Michael Imhof Verlag 2006, ISBN 3-86568-092-5 S.318/319
  6. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 323.
  7. Dieter Schneberger: Am Bahnknoten Bebra keimte fünfmal jeden Tag Hoffnung. Zugverkehr im „Kalten Krieg“. In Gerstungen wird Rangierbahnhof zu Kontrollzwecken umgebaut. Thüringische Landeszeitung, 13. August 2011
  8. a b Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  10. Hartmut Ulle: Thüringer Wappenbuch; Arbeitsgemeinschaft Genealogie e.V.(Herausgeber).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 25. Mai 2014. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 27. Mai 2014.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  13. http://www.gerstungen.de/statisch/wohnen.shtml
  14.  Klaus Fink: Naturschutzgebiet „Kohlbachtal“ bei Gerstungen. Biotop des Monats August 2001. In: MFB Verlagsgesellschaft mbH Eisenach (Hrsg.): StadtZeit. Stadtjournal mit Informationen aus dem Wartburgkreis. Septemberheft, Druck- und Verlagshaus Frisch, Eisenach 2001, S. 40-41.
  15. Fredy Richter :Hermann Otto Stölten: Sein Leben. Sein Wirken. Seine Zeit; C-Graphik und Druck: G.Richter, 1997; Einzelanfertigung im Eigenverlag; S. 17–74

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerstungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien