Gert von Paczensky

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gert Franz-Joseph von Paczensky und Tenczin (* 21. August 1925 in Hausneindorf) ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Gastronomiekritiker.

Leben[Bearbeiten]

Nach Schulbesuch und dem Kriegs-Reifezeugnis war Gert von Paczensky von 1942 bis 1945 als Soldat bei der Luftnachrichtentruppe. 1946 begann er seine journalistische Tätigkeit als Reporter der Deutschen Allgemeinen Nachrichtenagentur (DANA) in Stuttgart, wurde später Redakteur der DANA-Zentrale in Bad Nauheim und leitete anschließend den Berliner Stadtdienst der DANA. Von 1947 an arbeitete er für Die Welt (Korrespondent in London 1949–1952, in Paris bis 1957, dann Ressortchef „Außenpolitik“). Ab 1960 arbeitete er für den NDR, wo er 1961 zusammen mit Rüdiger Proske das Fernsehmagazin „Panorama“ gründete. Wegen zahlreicher regierungskritischer Berichte in dieser Sendung (z. B. über Franz Josef Strauß im Zusammenhang mit der Fibag-Affäre und der Spiegel-Affäre) wurde sein Vertrag beim NDR 1963 nicht mehr verlängert.

Paczensky war 1963/1964 stellvertretender Chefredakteur des „Stern“. Ende 1965 gründete er gemeinsam mit Bernt Engelmann in Hamburg einen Verlag, in dem ab Anfang 1966 die Zeitschrift Deutsches Panorama erschien (1967 wegen finanzieller Probleme eingestellt). Paczensky war kurzzeitig 1969/1970 und dann wieder seit 1973 Chefredakteur bei Radio Bremen, wo er auch zeitweise als Co-Moderator in der Talkshow 3 nach 9 tätig war. Von März 1972 bis August 1973 war er Leiter des Referats „Grundsatzfragen, Inneres und Justiz“ des Bundespresseamtes, wohin ihn Conrad Ahlers auf Zeit berufen hatte. Auf dem Saarbrücker Kongress des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), heute in ver.di, wurde er in den Bundesvorstand gewählt, dem er von 1984 bis 1987 angehörte.

Seit 1950 hat er Probleme der „Dritten Welt“ in Artikeln, Rundfunksendungen, Fernsehfilmen und Büchern behandelt und vor allem in den 1970er-Jahren mehrere Bücher geschrieben, die sich kritisch mit Kolonialismus und wirtschaftlicher Ausbeutung beschäftigen. 1994 klagte er erfolgreich vor dem Oberlandesgericht Hamburg gegen die Charakterisierung als „linker Antisemit“ durch den Publizisten Henryk M. Broder.

Paczensky schrieb auch beliebte und einflussreiche Restaurantkritiken. Als Mitarbeiter der Zeitschrift "essen & trinken" berichtete er mehrere Jahrzehnte lang aus der deutschen und französischen Spitzengastronomie und setzte sich für die Verbesserung der Esskultur in deutschen Landen ein.[1] In dieser Phase habe er - so ein Kenner der Szene - „die Restaurantkritik zur schönen Kunst erhoben“.[2] Seine Bücher über Cognac und Champagner wurden international zu Standardwerken. Seit 1985 ist er Ehrenbürger der Stadt Cognac. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Privates[Bearbeiten]

Er war von 1947 bis 1969 mit der Journalistin Susanne von Paczensky (geborene Czapski) verheiratet,[3] mit ihr hat er zwei Kinder. Seit 1975 ist er mit der Schriftstellerin Anna Dünnebier verheiratet.

Werke[Bearbeiten]

  • 1970 Die Weißen kommen, Die wahre Geschichte d. Kolonialismus. Hoffmann u. Campe, Hamburg, ISBN 3-455-05900-7 (später bei Hädecke, Weil der Stadt ISBN 3-7750-3418-8, überarbeitete Neuausgabe als Fischer-Taschenbuch Nr. 3418 unter dem Titel: Weiße Herrschaft. Eine Geschichte des Kolonialismus, Fischer, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-596-23418-2)
  • 1971 Unser Volk am Jordan? Ein Beitrag zur Geschichte des Israel-Konflikts. In: Standpunkte. Hoffmann und Campe, Hamburg 1971, ISBN 3-455-05901-5 (spätere Ausgabe unter dem Titel: Faustrecht am Jordan?, Zur Entwicklung des arabisch-israelischen Konflikts. Erdmann, Tübingen / Basel 1978, ISBN 3-7711-0295-2).
  • 1971 Lokaltermin Thailand. Was tut die Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen? In: Materialien zur Welternährungslage. Band 11, Deutsche Welthungerhilfe, Bonn.
  • 1972 Wieviel Geld für die dritte Welt? Entwicklungshilfe kritisch durchgerechnet. In: Problem Nr. 2, Deutsche Welthungerhilfe, Bonn.
  • 1976 Feinschmeckers Beschwerdebuch. Brevier wider die Sünden der Gastronomie In: rororo-Sachbuch rororo 6994, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, ISBN 3-499-16991-6
  • 1980 Über das Fernsehen. Munition gegen das öffentlich-rechtliche Komplott. In: Edition Guido Baumann, Bucher, Luzern / Frankfurt am Main, ISBN 3-88132-199-3.
  • 1981 Aktuelles Bremen-ABC (mit Anna Dünnebier), Atelier am Bauernhaus, Fischerhude, ISBN 3-88132-199-3.
  • 1982 Das Ölkomplott Von der Kunst, uns und andere auszunehmen, Kösel, München, ISBN 3-466-11023-8 (Taschenbuchausgabe als Fischer-Taschenbuch 4325, Fischer, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-596-24325-4).
  • 1984 Nofretete will nach Hause Europa - Schatzhaus der «dritten Welt» (mit Herbert Ganselmayr), Bertelsmann, München, ISBN 3-570-03587-5.
  • 1984 Cognac (Fotos von Jürgen D. Schmidt, Illustrationen von Jean-Pierre Haeberlin), Hädecke, Weil der Stadt, ISBN 3-7750-0129-8 (gilt heute als das allgemeine deutschsprachige Standardbuch zum Thema «Cognac»).
  • 1987 Champagner (Fotos von Jürgen D. Schmidt, Illustrationen von Jean-Pierre Haeberlin), Hädecke, Weil der Stadt, ISBN 3-7750-0168-9 (gilt heute als das allgemeine deutschsprachige Standardbuch zum Thema «Champagner»).
  • 1991 Teurer Segen. Christliche Mission und Kolonialismus. Was im Namen Christi verbrochen wurde, Knaus, München, ISBN 3-8135-2255-5 (Taschenbuchausgabe als Goldmann Taschenbuch 12506, Goldmann, München 1994, ISBN 3-442-12506-5, 2002 neu aufgelegt unter dem Titel: Verbrechen im Namen Christi. Mission und Kolonialismus, Orbis, München, ISBN 3-572-01177-9).
  • 1994 Leere Töpfe, volle Töpfe. Die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens (mit Anna Dünnebier), Knaus, München, ISBN 3-8135-2082-X (Taschenbuchauflage als Goldmann-Tschenbuch 72192, Goldmann, München 1997, ISBN 3-442-72192-X.)
  • 1998 Das bewegte Leben der Alice Schwarzer (mit Anna Dünnebier), Kiepenheuer und Witsch, Köln, ISBN 3-462-02735-2.
  • 1998 Wo Frankreich am besten isst Aquitane, zwischen Pyrenäen und Atlantik. Hädecke, Weil der Stadt, ISBN 3-7750-0310-X.
  • 1999 (mit Anna Dünnebier) Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Orbis, München 1999, ISBN 3-572-10047-X
  • 2003 Journalist mit Appetit. Autobiographie, Hädecke, Weil der Stadt, ISBN 3-7750-0701-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Erwin Seitz: Cotta's Kulinarischer Almanach No. 15: Deutschlands neue Gastlichkeit. Klett-Cotta 2007, S. 91.
  2. Zitiert nach: Martin Eichhorn: Kulturgeschichte der "Kulturgeschichten": Typologie einer Literaturgattung. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, S. 181.
  3. Beide lernten sich im Politressort der Zeitung Die Welt kennen. Da Paare im selben Ressort nicht erlaubt waren, musste sie das Ressort in Richtung Feuilleton verlassen. Siehe: Christina Prüver: Willy Haas: Und das Feuilleton der Tageszeitung"die Welt". Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, S. 57.