Geschäftsbericht

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Ein Geschäftsbericht ist die Veröffentlichung eines Unternehmens, in der es den Anteilseignern und der interessierten Öffentlichkeit gegenüber Rechenschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr ablegt.

Der Geschäftsbericht ist eine der wichtigsten Informationsquellen für den Eigentümer (z. B. bei einer Aktiengesellschaft die Aktionäre) über Strategie, Tätigkeit und Erfolg des Unternehmens.

Gesetzliche Vorschriften[Bearbeiten]

Die im deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) festgelegte Publizitätspflicht für Kapitalgesellschaften verlangt die Veröffentlichung bestimmter Rechnungslegungsunterlagen innerhalb einer Frist von zwölf Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres (vier Monate bei kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften). Dies geschieht meist als Teil eines umfangreicheren Geschäftsberichts.

Der vorgeschriebene Inhalt der Veröffentlichung ist abhängig von der Größe der Gesellschaft. Er muss zumindest eine Bilanz und einen erläuternden Anhang enthalten. Bei größeren Gesellschaften sind außerdem vorgeschrieben:

Das deutsche Aktiengesetz schreibt für Aktiengesellschaften zusätzlich die Veröffentlichung eines halbjährlichen Zwischenberichts vor, nicht jedoch dessen Inhalt und Form.

Für alle ab Dezember 2005 endenden Geschäftsjahre schreibt es außerdem die Veröffentlichung eines Jahresabschlusses nach dem internationalen Rechnungslegungsverfahren IFRS vor. Für Gesellschaften, die auch an US-amerikanischen Börsen notiert sind und bereits Zahlen nach US-GAAP veröffentlichen, gilt eine Übergangsfrist bis 2007. Die Veröffentlichung eines Abschlusses nach IFRS oder US-GAAP befreit von der HGB-Publizitätspflicht.

Umfang von Geschäftsberichten[Bearbeiten]

Häufig enthalten Geschäftsberichte über die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben hinaus freiwillige Angaben, die detailliertere Finanzinformationen liefern oder der Selbstdarstellung des Unternehmens dienen. Vorgeschriebener und freiwilliger Teil des Berichts müssen dann klar getrennt sein.

Auch viele Unternehmen, die nicht publizitätspflichtig sind, veröffentlichen Geschäftsberichte. Diese enthalten neben der Selbstdarstellung des Unternehmens in der Regel nur ausgewählte Zahlen zum Jahresabschluss, aber keine vollständige Bilanz und GuV.

Pflicht zu unterjähriger Berichterstattung[Bearbeiten]

Quartalsbericht[Bearbeiten]

Aktiengesellschaften, die sich für eine Mitgliedschaft im Prime Standard der Deutschen Börse AG entscheiden, verpflichten sich damit zusätzlich zur Veröffentlichung von Quartalsberichten. Diese müssen zumindest eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung, eine Kapitalflussrechnung sowie einige weitere Angaben zu Geschäftstätigkeit und Unternehmen enthalten.

Auch viele Gesellschaften außerhalb des Prime Standard veröffentlichen Quartalsberichte, die allerdings in Umfang und Aussagekraft sehr variieren.

Die in den Quartalsberichten veröffentlichten Zahlen werden häufig Quartalszahlen genannt.

Geschichte des Quartalsberichts[Bearbeiten]

Der Quartalsbericht ist bereits in der Frühgeschichte der Industrialisierung nachzuweisen. So berichtet Georgius Agricola 1556, dass die Anteilseigner im Bergbau in sogenannten Gewerken organisiert waren. Sie forderten vom Bergverwalter viermal im Jahr Rechenschaft: „Wie es vier Jahreszeiten gibt, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, so gibt es auch viermal jährlich Berichte über Einnahmen und Ausgaben. Im ersten Monat eines jeden Quartals wird Rechenschaft abgelegt, zuerst über das Geld, das der Bergverwalter im letzten Vierteljahr für die Grube aufgewendet hat, dann über den Ertrag, den er in der gleichen Zeit aus ihr erzielt hat“.

Ein Versagen des Bergverwalters wurde damals konsequent geahndet: „Wenn nun ein Bergverwalter das Geld der Gewerken nützlich für das Bergwerk verwendet und es treu verwaltet hat, so erteilen ihm alle das Lob eines umsichtigen und braven Mannes; hat er dagegen wegen Unkenntnis der Verhältnisse Schaden verursacht, so wird er meistens seines Amtes entsetzt. Hat er aber durch seine eigene Nachlässigkeit und Unachtsamkeit den Gewerken Schaden zugefügt, so zwingt ihn die Behörde zum Schadenersatz; wenn er endlich Betrug oder Diebstahl begangen hat, so wird er mit einer Geldbuße oder mit Gefängnis oder mit dem Tode bestraft“ [1]

Inhaltliche und graphische Gestaltung[Bearbeiten]

Grafik[Bearbeiten]

Weil Geschäftsberichte ein zentrales Mittel der Selbstdarstellung sind, werden Geschäftsberichte oftmals sehr aufwendig gestaltet. Sowohl Typographie und Grafik als auch die Bildgestaltung werden häufig angesehenen Werbeagenturen anvertraut. Gelegentlich werden Kunstfotografen oder Künstler mit der Gestaltung oder Illustration beauftragt, zudem wird aus Prestigegründen hochwertiges Papier verwendet.

Wettbewerbe[Bearbeiten]

Die League of American Communications Professionals LLC (LACP) vergibt jährlich Preise in 9 Kategorien für Geschäftsberichte, wie z. B. „Beste Titelseite“ (Best Report Cover), kreativste Gestaltung (Most Creative), „Beste Finanzinformationen“ (Best Report Financials), etc. Etwa mit 1900 Geschäftsberichten gehen Werbeagenturen und PR-Abteilungen in die Konkurrenz um die 36 Preise (jede der 9 Kategorien in Platin, Gold, Silber und Bronze) sowie um Platzierungen in der Gesamtliste (Addition der Kategorienpunkte) und die Listen der Sparten. Auffällig ist das starke Abschneiden der Gesellschaften aus Deutschland und Österreich. Siehe Gewinner 2004 [2] und 2005 [3].

Die deutsche Wirtschaftszeitschrift „manager magazin“ lässt jährlich etwa 200 Geschäftsberichte aus den wichtigsten deutschen Börsenindices DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und dem europäischen Leitindex STOXX 50 testen. Hinzu kommen alle Börsenneulinge, die sich in jenem Jahr im Prime Standard der Deutschen Börse notieren ließen.[4] Untersucht werden von unabhängigen Lehrstuhlinhabern jeweils spezifisch in den Kategorien Inhalt, Design-Gestaltung und Sprache.[5] Lediglich die fünf Besten jedes Indexes werden zusätzlich von einer fünfköpfigen Jury aus Börsenexperten auf Prägnanz, Glaubwürdigkeit und Berichtseffizienz geprüft. Die Gesamtsieger erhalten im Rahmen eines Festakts die Plastik „Der Rufer“ des Künstlers Vadim Sidur.

Kosten[Bearbeiten]

Das Medienhaus Theodor Gruda in Meerbusch recherierte anhand von Geschäftsberichten namhafter Unternehmen in Deutschland, wie sich die Aufwendungen prozentual verteilen. Nicht selten liegen die Kosten für einen Geschäftsbericht bei über 100.000 Euro.

Kostenverteilung (Stand: 2012):

  • 28 % Druck
  • 23 % Fotos inklusive Rechte
  • 22 % Prepress (Druckvorstufe)
  • 12 % Agenturleistung
  • 7 % Logistik
  • 5 % Papier
  • 3 % Beratung

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitate aus: Georgius Agricola: De re metallica libri XII 1556, Viertes Buch; Neuausgabe VDI 1928 (S. 76), Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-20870-4.
  2. http://www.lacp.com/2004vision/competition.htm
  3. http://www.lacp.com/2005vision/competition.htm
  4. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/geschaeftsbericht/
  5. Manager magazin: „Methode: So werden die Reports bewertet“
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