Geschichte Europas

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Europa als Reichskönigin in: Heinrich Bünting: Itinerarium Sacrae Scripturae. 1588.

Die Geschichte Europas ist die Geschichte der Menschen auf dem europäischen Kontinent, von dessen erster Besiedlung bis zur Gegenwart.

Die klassische Antike begann im antiken Griechenland, das im Allgemeinen als der Beginn der westlichen Zivilisation angesehen wird und einen immensen Einfluss auf Sprache, Politik, Erziehungssysteme, Philosophie, Naturwissenschaften und Künste ausübte. Die griechische Kultur, die sich während des Hellenismus über weite Teile der östlichen Mittelmeerwelt ausgebreitet hatte, wurde vom Römischen Reich übernommen, das sich nach der Eroberung Italiens seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. von Italien aus nach und nach über den gesamten Mittelmeerraum ausbreitete und im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. seine größte Ausdehnung erreichte. Der römische Kaiser Konstantin der Große förderte mit der Konstantinischen Wende den Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion im Imperium und verlegte seine Residenz in den Osten des Reiches nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches 476 blieben große Teile Südosteuropas im Machtbereich des Oströmischen Reiches (Byzanz), während das Gebiet des früheren Weströmischen Reiches im Laufe der Völkerwanderung eine instabile Zeit durchlebte und sich hier mehrere germanisch-romanische Reiche bildeten. Karl der Große, 800 vom Papst zum Kaiser (im Westen) gekrönt, beherrschte große Teile Westeuropas, das jedoch bald darauf von Wikingern, Muslimen (Islamische Expansion bereits seit dem 7. Jahrhundert) und Magyaren (Ungarneinfälle) angegriffen wurde. Das Paderborner Epos, ein Werk der das Abendland erfassenden Karolingischen Renaissance, erklärte ihn zum „Vater Europas“ (pater Europæ).[1] Im weiteren Verlauf des Frühmittelalters entstanden eine Reihe neuer Reiche in Europa und es fand eine Umformung des römischen Erbes statt. Das europäische Mittelalter war unter anderem geprägt von der Entstehung des Lehnswesens, einer ständischen Herrschaftsordnung und einer starken Rolle der christlichen Religion in Kultur und Alltag. Der Mongolensturm in der Mitte des 13. und die Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts versetzten dem europäischen Feudalsystem schwere Schläge.

Die Renaissance, das erneute kulturelle Aufleben der griechisch-römischen Antike, begann im 14. Jahrhundert in Florenz. Die Ausbreitung des Buchdrucks, ausgehend von der Erfindung der Druckerpresse durch Johannes Gutenberg in Mainz, förderte die Bewegungen des Humanismus und der Reformation. Das Zeitalter der Reformation und Gegenreformation war von zahlreichen Religionskriegen gekennzeichnet, die ihren Abschluss im Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden 1648 fanden. Die christliche Reconquista Spaniens und Portugals führte zum Zeitalter der Entdeckungen in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien, zum Aufbau europäischer Kolonialreiche sowie zum „Columbian Exchange“, dem Austausch von Pflanzen und Tieren zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre.

Die Industrielle Revolution, ausgehend von Großbritannien, förderte die Mechanisierung der Arbeitsprozesse und den internationalen Handel. Die Aufklärung forderte die Gewaltenteilung. Sie war der Vorbote der Französischen Revolution von 1789, aus welcher als neuer Herrscher Frankreichs Napoleon hervorging, der bis 1815 mehrere Kriege führte.

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war von weiteren Revolutionen gekennzeichnet, aus denen das Bürgertum und die Arbeiterklasse in Frankreich und England gestärkt hervorgingen. 1861 entstand das Königreich Italien und 1871 das Deutsche Reich als Nationalstaaten, wie die meisten damaligen Staaten Europas in Form von konstitutionellen Monarchien. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte sich im Zuge des Imperialismus der Konkurrenzkampf der europäischen Großmächte, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914. Die russische Oktoberrevolution von 1917 führte zur Bildung der kommunistischen Sowjetunion. Die Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Ersten Weltkrieges sowie die Weltwirtschaftskrise von 1929 begünstigten den Aufstieg des Faschismus in Italien, des Franquismus in Spanien, des Nationalsozialismus in Deutschland und führten letztlich zum Zweiten Weltkrieg.

Historische Regionen → siehe Artikel Kulturareal

Nach dem Kriegsende 1945 war Europa in der Periode des Kalten Krieges durch den „Eisernen Vorhang“ zwischen dem von den USA dominierten Westen und dem von der Sowjetunion beherrschten Ostblock getrennt. Gegen Ende der 1980er Jahre wurden die meisten sowjetischen Gliedstaaten unabhängig, und die Sowjetunion selbst löste sich auf. Mit der EU-Erweiterung sind bis 2007 die meisten Staaten und Gebiete des ehemaligen Ostblocks der EU beigetreten.

Der Einfluss der Geschichte auf die Kulturen Europas kann geografisch in sechs unterschiedlichen Historischen Kulturregionen abgebildet werden.[2]

Topografie von Europa
Satellitenfoto Europas
Politische Karte Europas

Herkunft des Begriffes „Europa“[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Name „Europa“ lässt sich in Europa selbst am weitesten in Form der griechischen Εὐρώπη zurückverfolgen: Hier wurde Eurṓpē meist als Kompositum aus altgriechisch εὐρύς eurýs „weit“ und ὄψ óps „Sicht“, „Gesicht“ aufgefasst, daher Eurṓpē, „die [Frau] mit der weiten Sicht“.

Eine andere Erklärung für das Wort „Europa“ stammt vom semitischen Wort „ereb“ für „Dunkel“. Man findet auf assyrischen oder auf den iberischen Denkmälern, je nach der Sichtweise:

  • „Land der aufgehenden Sonne“
  • „Land der Dunkelheit“ oder „Land der untergehenden Sonne“[3]

Mythos[Bearbeiten]

Tizian: Raub der Europa, 1559–1562, Tafelmalerei, 185 x 205 cm,
Isabella Stewart Gardner Museum in Boston

Der griechische Mythos erzählt, dass Europa, die Tochter des phönizischen Königs Agenor, sich mit ihren Gefährtinnen am Strand des Mittelmeeres vergnügt habe. Zeus verliebte sich in das schöne Mädchen und beschloss, es zu entführen. Er nahm die Gestalt eines weißen Stiers an, der dem Meer entstieg und sich Europa näherte. Das Mädchen streichelte das überaus schöne, zutrauliche Tier und fand sich schließlich bereit, auf dessen Rücken zu klettern. Darauf erhob sich der Stier und stürmte ins Meer, das er mit Europa auf dem Rücken durchquerte. Aber wie durch ein Wunder wurden sie und der Stier nicht einmal nass. Zeus entführte Europa nach Kreta, wo er sich ihr in seiner göttlichen Gestalt zu erkennen gab und mit ihr drei Söhne zeugte: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Aufgrund einer Verheißung der Aphrodite wurde der heimatliche Erdteil nach ihr benannt.

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten]

Älteste Nachweise von Vertretern der Gattung Homo stammen derzeit aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Mio. Jahre alt.[4] Noch ältere Fossilfunde aus Georgien (außerhalb der heute gültigen Grenzen Europas) sind 1,8 Mio. Jahre alt und werden als „Homo georgicus“ bezeichnet. Im nordalpinen Europa beginnt der älteste Besiedlungshorizont mit Homo heidelbergensis vor ca. 600.000 Jahren. Die Zuordnung der Funde zu einer eigenständigen Art ist allerdings umstritten; viele Paläoanthropologen bezeichnen die Angehörigen der ersten Auswanderungswelle aus Afrika (Out-of-Africa-Theorie) einheitlich als Homo erectus, der vor ca. 1,8 Mio. Jahren bereits Java besiedelt hatte.

Während die Entwicklung des Homo sapiens vor ca. 160.000 Jahren in Afrika ihren Ausgang von den dort verbliebenen Populationen des Homo erectus nahm, wurde Europa zur Domäne des hier aus Homo erectus bereits entstandenen Homo heidelbergensis und des aus diesem hervorgegangenen Neandertalers. Erst vor ca. 35.000 Jahren gelangte Homo sapiens in einer zweiten Auswanderungswelle der Gattung Homo nach Europa (vgl. Ausbreitung des Menschen) und ersetzte nach und nach den Neandertaler (vgl. Cro-Magnon-Mensch). Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.

Für Nordeuropa waren mehrere Eiszeiten für die weitere Entwicklung vor allem der geologischen Formationen bestimmend. Diese Vereisungen betrafen das heutige Skandinavien, Island, Irland, den Norden Deutschlands, Polens und Russlands. Die letzte Hauptvereisungszeit dauerte etwa von 23.000 bis 8000 v. Chr.

Im Wesentlichen werden unterschieden

Hinweise auf dauerhafte Siedlungen des Menschen (Homo sapiens) gibt es von 7000 v. Chr. an.

Bei Ausgrabungen längs der Lahn in Wetzlar-Dalheim wurden größere, 7000 Jahre alte Siedlungsreste einer Bandkeramiker-Kultur gefunden. Die Fachwerkhäuser haben einen je 30 Meter langen Grundriss. Sie werden von einem rund zwei Meter tiefen Graben sowie einem vorgelagerten Wall geschützt. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung bestanden zwei voneinander unabhängige Brunnen innerhalb der Befestigung.

Mittelsteinzeit[Bearbeiten]

In der Zeit vor 5000 v. Chr. lebten die Menschen meist nomadisch in kleinen Sippen von etwa 20 Personen als Jäger und Sammler.

Jungsteinzeit, Neolithikum[Bearbeiten]

In einer langen Entwicklung, beginnend im 9. Jahrtausend v. Chr., begann sich im Fruchtbaren Halbmond die Landwirtschaft zu entwickeln. Diese Entwicklung, auch als "Neolithische Revolution" bezeichnet, verbreitete sich im 8. Jt. nach Kleinasien, von dort in alle nördlichen Richtungen.

Nach Westen verlief diese Ausbreitung entlang der Küsten des Mittelmeeres, nach Nordwesten entlang der Donau ins westliche Mitteleuropa. Nach Nordosten um oder entlang der Küsten des Schwarzen Meeres. Die Ausbreeitungswege nach Osten sind bisher wenig erforscht.

Bronzezeit[Bearbeiten]

Um 1800 v. Chr. setzte sich die Bearbeitung von Bronze durch. Gleichzeitig strebten in immer neuen Wellen Völker aus den Tiefen der sibirischen Steppe nach Europa (Kimmerier, Skythen).

Eisenzeit[Bearbeiten]

Etwa um 800 v. Chr. begannen die Menschen in Mitteleuropa mit der Verhüttung von Eisen. Träger waren die den Illyrern und Kelten zugeschriebenen Kulturen der Hallstattzeit und der Latènezeit.

Hochkulturen[Bearbeiten]

Die erste Hochkultur in Europa war die der Minoer und Achäer auf der Insel Kreta sowie dem nahe gelegenen Griechenland, die um 2000 v. Chr. begann. Etwa zur gleichen Zeit breiteten sich die Kelten über Mitteleuropa bis nach Spanien und die heutige Türkei aus. Da sie keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen, ist das Wissen über sie nur bruchstückhaft. Die Römer begegneten ihnen und schrieben etliches über sie nieder. Diese Aufzeichnungen und archäologische Grabungen bilden den Kern unserer Informationen über diese sehr einflussreiche Kultur. Die Kelten stellten einen gigantischen, wenn auch wenig organisierten Gegner für die Römer dar. Später eroberten und kolonialisierten die Römer große Teile Südeuropas.

Antike[Bearbeiten]

Griechen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Antike und Antikes Griechenland
Die Athener Akropolis

Am Ende der Bronzezeit brachen die älteren griechischen Königreiche zusammen und eine neue Zivilisation erwuchs an ihrer Stelle. Die griechische Zivilisation war eine Ansammlung von Stadtstaaten (Poleis), die bedeutendsten davon waren Athen und Sparta. Unter den Stadtstaaten gab es viele verschiedene Regierungsformen und Kulturen, welche neue Formen der Regierung hervorbrachten und Philosophie, Wissenschaft, Politik, Sport, Theater und Musik weiterentwickelten. Die hellenischen Stadtstaaten gründeten viele Kolonien an den Küsten des Mittelmeeres, vor allem im Gebiet der heutigen Türkei, auf Sizilien und in Süditalien. Im 4. Jahrhundert v. Chr. jedoch wurden diese Kolonien zu einer leichten Beute für König Philipp II. von Makedonien, da die Stadtstaaten durch Kriege untereinander geschwächt waren. Die Feldzüge von Philipps Sohn, Alexander dem Großen, verbreiteten die griechische Kultur nach Persien, Ägypten und Indien, brachten die Griechen aber auch in Kontakt mit dem Wissen dieser Länder, wodurch eine neue Entwicklung, der Hellenismus, entstand.

Rom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Römisches Reich
Die Expansion des Römischen Reiches

Nach der Königszeit wandelte sich Rom (der Sage nach um 509 v. Chr., wahrscheinlich jedoch erst im frühen 5. Jahrhundert v. Chr.) zu einer Republik. Rom übernahm viel vom Wissen der Griechen, als es sich von Italien her ausbreitete. Die Römer nutzten es zu ihrem Vorteil, dass ihre Gegner nicht in der Lage waren, sich gegen Rom zu vereinigen. Die einzige wirkliche Gefahr für Roms Aufstieg kam von der phönizischen Kolonie Karthago. Mit der entscheidenden Niederlage Karthagos am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. (siehe Punische Kriege) stieg Rom endgültig zur unbestrittenen Vormacht im westlichen Mittelmeerraum auf. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. weitete Rom seine Einflusssphäre auf die hellenistischen Mächte im Osten aus. Die Republik wurde nach fast hundert Jahren Bürgerkriegen gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. unter Augustus zum römischen Kaiserreich (Prinzipat) umgestaltet.

Das Imperium hatte sein Zentrum am Mittelmeer und kontrollierte alle Länder, die ans Mittelmeer grenzten. Unter Kaiser Trajan im 2. Jahrhundert erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung; England, Rumänien und Teile Mesopotamiens waren Teil des Reichs. Der Augusteische Frieden, der auch als Pax Romana bezeichnet wurde, wurde in der Reichskrise des 3. Jahrhunderts durch Bürgerkriege geschwächt. Darauf gelang es Kaiser Diokletian, das Imperium durch Verwaltungsreformen entscheidend zu stabilisieren, und es begann die Spätantike. Sein Nachfolger Konstantin förderte das Christentum, das unter Theodosius I. Ende des 4. Jahrhunderts zur Staatsreligion im Imperium erhoben wurde. Es kam zur Ausbildung der Reichskirche, wenngleich immer wieder theologische Konflikte ausgetragen werden mussten (siehe Arianismus, Monophysitismus).

Völkerwanderung und Ende der Antike[Bearbeiten]

Hauptartikel: Völkerwanderung

Im Jahre 476, nach wiederholten Invasionen germanischer Stammesverbände in der Endphase der Völkerwanderung, kam es zum Untergang des Weströmischen Reiches. Nach dem Ende der Antike bestimmten mehr oder weniger langlebige Neubildungen verschiedener Reiche die historische Landschaft in Westeuropa. Das hellenistisch geprägte Oströmische Reich, nach seiner Hauptstadt Byzanz auch Byzantinisches Reich genannt, konnte sich hingegen noch ein weiteres Jahrtausend bis zur Eroberung seiner Hauptstadt 1453 halten.

Im 7. Jahrhundert brachte die Ausbreitung der Araber die islamische Kultur an die Mittelmeerküsten, von Kleinasien über Sizilien bis nach Spanien. Dies bedeutete das endgültige Ende der Antike, wobei die Epochengrenze zwischen Spätantike und Frühmittelalter fließend ist. Eine Invasion nördlich der Pyrenäen wurde durch Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers zurückgeschlagen.

Mittelalter[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mittelalter
Karte: die Eroberungen Karls des Großen
Europa, 814

In der Epoche des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter, der Merowingerzeit, verkümmerte die städtische Kultur, der Handel ließ stark nach und die Menschen kehrten zu ländlichen Gemeinschaften zurück. Der Feudalismus ersetzte die römische Zentralverwaltung. Die einzige Institution, die den Zusammenbruch des westlichen Reiches überlebte, war die Kirche, die einen Teil des römischen kulturellen Erbes bewahrte und bis zum 14. Jahrhundert außerhalb von Byzanz einen Schwerpunkt der Bildung und Wissenschaft darstellte.

Nach der Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. zum römischen Kaiser im Jahre 800 wurde die neue Hauptresidenz des Kaisers Aachen zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften und gab damit den Anstoß zur karolingischen Renaissance, der Neubelebung der Kultur unter Rückbesinnung auf die Antike. Karl eroberte große Teile von Italien und anderen umliegenden Ländern und vergrößerte damit sein Reich (siehe Karte). Er bekam dabei Hilfe durch den Papst, der nicht länger auf den Schutz des Byzantinischen Reiches vertrauen konnte. Auf diese Art wurde der Papst zunächst ein Lehnsmann des Kaisers, der Rom vor der Gefahr von Langobarden und Sarazenen schützte, später aber wurden die Güter des Papstes zum unabhängigen Kirchenstaat in Mittelitalien. Die Aufteilung des Reiches unter seinen Nachkommen führte zur Entstehung des Westfrankenreiches, aus dem im 9. und 10. Jahrhundert Frankreich hervorging, und des Ostfrankenreiches, aus dem 962 mit der Kaiserkrönung Ottos I. das Heilige Römische Reich wurde. Während und auch nach den Erbfolgekriegen gewann das feudalistische System an Bedeutung.

Die normannische Eroberung Englands und Süditaliens waren Meilensteine in der europäischen Geschichte.

Im 11. Jahrhundert war in den unabhängigen Stadtstaaten Italiens wie Venedig und Florenz eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte zu verzeichnen, gleichzeitig wurden in Italien die ersten Universitäten Europas gegründet. Neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und dem Kirchenstaat formten sich Königreiche wie England, Spanien (siehe Reconquista), Königreich Ungarn, Königreich Polen und die Kiewer Rus. Im Gegensatz dazu blieben Deutschland und Italien noch in eine Vielzahl kleiner Feudalstaaten und unabhängiger Städte zersplittert, die dem Kaiser nur formell unterstanden. Im Morgenländischen Schisma 1054 spaltete sich die Kirche in die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche auf. Dies führte zu einer nachhaltigen Entfremdung zwischen den Regionen, in denen diese Konfessionen vorherrschend waren. Ein Tiefpunkt der Entwicklung war die Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Vierten Kreuzzug 1204.

Eine der größten Katastrophen, die Europa heimgesucht haben, war die Pest. Es gab eine Reihe von Epidemien, aber die schwerste von allen war der „Schwarze Tod“ von 1346 bis 1352, die vermutlich ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte.

Das Ende des Mittelalters wird normalerweise mit dem Fall von Konstantinopel 1453 und der endgültigen Eroberung des Byzantinischen Reichs durch die Osmanen verbunden. Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das bis 1919 Bestand hatte und in seiner größten Ausdehnung den Nahen Osten, Nordafrika, die Krim, den Kaukasus und den Balkan umfasste.

Renaissance und Reformation[Bearbeiten]

Hauptartikel: Renaissance und Reformation
Raphael Santi: Die Schule von Athen (1510/11), Stanzen des Vatikans, Rom

Im 15. Jahrhundert, am Ende des Mittelalters, waren mächtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte viel von ihrer Macht durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die Ausbreitung der Kultur verloren, die zur Weiterentwicklung von Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Technik im Renaissance-Zeitalter führte.

Die neuen Nationalstaaten waren im Kampf um die Vormachtstellung in Europa andauernd in einem Zustand politischer Veränderung und in Kriege verstrickt. Besonders mit dem Losbrechen der Reformation (nach gesamteuropäischer Betrachtung ab 1520), die Martin Luther mit seiner Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 mitbedingte, verwüsteten politische Kriege und Religionskriege den Kontinent. Das „Zeitalter der Glaubensspaltung“ führte zum Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus. In England brach König Heinrich VIII. mit Rom und erklärte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche. In Deutschland einte die Reformation die verschiedenen protestantischen Fürsten gegen die katholischen Kaiser aus dem Hause Habsburg. In Frankreich konnte nach acht Hugenottenkriegen, mit dem Massaker der Bartholomäusnacht 1572 als Höhepunkt, mit dem Edikt von Nantes 1598 eine zeitweilige Beruhigung der Lage erreicht werden.

Koloniale Expansion[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kolonisation und Europäische Expansion

Die zahlreichen Kriege hielten die neuen Staaten nicht von der Erforschung und Eroberung großer Teile der Welt ab, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frühen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung führend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in Südamerika sowie Handelsposten an den Küsten Afrikas und Asiens gründeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.

Spanien hatte die Kontrolle über große Teile Südamerikas und die Philippinen, Großbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und große Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an Großbritannien), Teile Südostasiens (Französisch-Indochina) und große Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien. Später erwarben auch andere Mächte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, außerhalb Europas die USA und Japan einige Kolonien.

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der 1776 zur Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten führte, sowie die Unabhängigkeitserklärungen der südamerikanischen Staaten setzten der europäischen Kolonialisierung Grenzen.

17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Versailles im Jahr 1715

In diesen zwei Jahrhunderten erreichten die religiösen und dynastischen Spannungen ihren Höhepunkt im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, der längsten Kriegsperiode, an dem nahezu der gesamte Kontinent beteiligt war. Dieser Krieg begann mit dem sogenannten Prager Fenstersturz und endete mit dem Westfälischen Frieden, der den Territorialherren im Heiligen Römischen Reich weitgehende Souveränität verschaffte und die Entwicklung von Nationalstaaten einleitete. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurden ganze Landstriche verwüstet und entvölkert, und es bedurfte mehr als einer Generation, bis sich die Bevölkerung wieder erholt hatte. Die mittelalterliche Feudalordnung löste sich im 17. Jahrhundert weitgehend auf. Die Grafen und Fürsten verloren mit der stetigen Unabhängigkeit der Bevölkerung viel Vermögen und dem Kaiser blieb am Ende nur die Ohnmacht des Reiches, wobei die Kleinstaaterei ihren Anfang nahm und die Nationalstaaten weiter gestärkt wurden bzw. der Absolutismus sich zur vorherrschenden Regierungsform entwickelte.

Das veränderte Machtgefüge hinterließ bleibenden Eindruck in der Kultur und im kollektiven Gedächtnis der Menschen, das hervorgegangen war aus dieser Unzufriedenheit und den daraus resultierenden Kriegsfolgen und nun ganz langsam zum Aufstieg des Bürgertums führte. Durch den resultierenden Aufschwung des Handels kam der Merkantilismus als Wirtschaftsform auf.

Eine Erschütterung wiederholte sich 1683 in Europa mit der zweiten Belagerung Wiens nach 1529 durch die Türken. Durch Einwirkung des Papstes kam es zu einer umfassenden Koalition zur Verteidigung gegen die Türken. Die damals stärkste Militärmacht Europas, Frankreich unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV., beteiligte sich nicht an der Koalition, sondern nutzte die Tatsache, dass der deutsche Kaiser mit der Türkenabwehr beschäftigt war, zur Fortsetzung seiner Reunionskriege.

Geistesgeschichtlich wurde die Renaissance durch die Philosophie der Aufklärung fortgesetzt, die die Stellung der Religion schwächte und die Grundlage für erste Demokratiebewegungen legte. Die Naturwissenschaften erzielten große Fortschritte; mit Erfindungen wie der Dampfmaschine begann im späten 18. Jahrhundert die Industrielle Revolution, die Wirtschaft entwickelte sich zum frühen Kapitalismus. Ab 1756 wurde der Siebenjährige Krieg von Preußen und Großbritannien auf der einen Seite gegen Österreich, Frankreich und Russland auf der anderen Seite geführt. Die Hauptveränderung auf dem Kontinent war der Aufstieg Preußens zur Großmacht, das weltpolitische Ergebnis war, dass Frankreich einen großen Teil seiner Kolonien an Großbritannien verlor, das dadurch den Grundstein zu seinem Weltreich legte.

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Weigerung von König Ludwig XVI. von Frankreich, unterstützt vom Adel und der Kirche, dem sogenannten dritten Stand mehr Einfluss zu geben, zur Französischen Revolution von 1789. Es war ein maßgeblicher Versuch, einen neuen Staat nach den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (Liberté, Egalité, Fraternité) zu schaffen. Der König wurde hingerichtet, in Frankreich wurde die Republik ausgerufen und eine Art demokratischer Regierung wurde errichtet. In den darauf folgenden Wirren, die unter anderem durch die Kriegserklärungen der meisten europäischen Monarchien ausgelöst wurden, übernahm General Napoleon Bonaparte nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII die Macht. Die Trennung von Exekutive und Legislative, also die Gewaltenteilung zwischen Gesetzgebung und Kontrolle, wurde nun in Frankreich vollzogen und war der Anfang vom Ende des Feudalismus in ganz Europa. Um ein Übergreifen von Revolutionen sowie veränderte Machtgefüge in Europa zu verhindern, nahmen am Ende des 18. Jahrhunderts die Koalitionskriege ihren Anfang.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Europa im Jahr 1849

In den zahlreichen Kriegen des napoleonischen Zeitalters besiegte Napoleon mehrmals das Kaisertum Österreich, dessen Kaiser den Titel Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ablegte, sowie Russland, Preußen und andere Mächte. Napoleon errichtete zeitweilig erneut das Königreich Polen, das im ausgehenden 18. Jahrhundert von Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt worden war. 1804 ließ er sich zum französischen Kaiser ernennen. 1815 wurde er endgültig bei Waterloo geschlagen.

Nach der Niederlage Frankreichs versuchten die anderen europäischen Mächte beim Wiener Kongress von 1814/1815 unter Federführung des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich und in der Zeit des Vormärz zwischen 1815 und 1848, mit Hilfe von Restaurationsmaßnahmen die Situation vor 1789 wiederherzustellen. Sie waren jedoch längerfristig nicht in der Lage, die Ausbreitung der revolutionären Bewegungen aufzuhalten. Die Bürgerschicht war stark von den demokratischen Idealen der Französischen Revolution beeinflusst. Außerdem brachte die Industrielle Revolution im Lauf des 19. Jahrhunderts tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit sich. Die Arbeiterklasse wurde zunehmend von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Ideen beeinflusst, besonders von den Theorien, die von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 zusammengefasst worden waren. Weitere Destabilisierung kam durch die Gründung nationalistischer Bewegungen unter anderem in Deutschland, Italien und Polen, die die nationale Einheit und/oder die Befreiung von Fremdherrschaft forderten. Als Folge dieser Entwicklungen gab es in der Zeit zwischen 1815 und 1871 eine große Anzahl von Umsturzversuchen und Unabhängigkeitskriegen, etwa die Julirevolution 1830 oder die Revolutionen von 1848/49. Auch wenn die Revolutionäre oft besiegt wurden, hatten die meisten Staaten bis 1871 eine Verfassung erhalten und wurden nicht mehr absolutistisch regiert. Deutschland wurde 1871 nach den drei Einigungskriegen (1864 Deutsch-Dänischer Krieg, 1866 Deutscher Krieg gegen Österreich und 1870/1871 Deutsch-Französischer Krieg) im Schloss Versailles zum Deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt, siehe dazu auch Bündnispolitik Otto von Bismarcks.

Europa im Jahr 1890

Ähnlich wie in Deutschland wurde nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen in den italienischen Fürstentümern der italienische Nationalstaat als Königreich Italien unter sardischer Führung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour spielte für Sardinien-Piemont und Italien eine ähnliche Rolle wie Bismarck für Preußen und das Deutsche Reich. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser Napoleon III. als Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und die anderen deutschen Staaten zur Ausrufung der Dritten Französischen Republik. Im Verlauf der Umwälzungen in Frankreich hatten sich 1871 die Pariser Bürger und Arbeiter gegen die preußenfreundliche Politik der jungen Republik erhoben und die Pariser Kommune gegründet. Sie gilt als der erste sozialistisch-kommunistische Revolutionsversuch, wurde aber schon nach wenigen Wochen blutig niedergeschlagen. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der Großmächte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Großbritanniens bestimmt. Diese Konkurrenz führte unter anderem zu einer verstärkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem Rüstungswettlauf, dem „Wettlauf um Afrika“ und Asien („Great Game“) und zu einem Höhepunkt des Imperialismus und Nationalismus. Diese Entwicklungen führten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des bismarckschen Bündnissystems unter Kaiser Wilhelm II., das bis 1890 für eine gewisse zwischenstaatliche Stabilität gesorgt hatte, zum Ersten Weltkrieg.

Frühes 20. Jahrhundert: Weltkriege[Bearbeiten]

Das 20. Jahrhundert brachte dramatische Veränderungen des Machtgefüges innerhalb Europas und den Verlust seiner kulturellen und wirtschaftlichen Dominanz über die anderen Kontinente mit sich.

Schon während der Belle Époque eskalierten die Rivalitäten der europäischen Mächte, bis 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien stand die Entente gegenüber, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Russland, die 1915 durch Italien und 1917 durch die USA und noch weitere Staaten verstärkt wurden. Trotz der Niederlage Russlands 1917 siegte Ende 1918 die Entente. Der Krieg war eine der Hauptursachen für die Oktoberrevolution, die zur Gründung der Sowjetunion führte.

Im Friedensvertrag von Versailles erlegten die Sieger Deutschland harte Bedingungen auf, worauf in den weiteren Pariser Vorortverträgen auf dem Gebiet des vormaligen österreichisch-ungarischen Reiches statt des Vielvölkerstaates eine Reihe neuer Staaten wie Österreich, Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien geschaffen wurden, mit dem theoretischen Ziel, die Selbstbestimmung der Völker zu fördern. In den folgenden Jahrzehnten führten die Angst vor dem Kommunismus und die Weltwirtschaftskrise zur Machtübernahme autoritärer und totalitärer Regierungen: Faschisten in Italien (1922), Nationalsozialisten in Deutschland (1933), Franquisten in Spanien (nach Ende des Bürgerkriegs 1939) und auch in vielen anderen Ländern wie etwa in Ungarn.

Nachdem 1936 Deutschland und Japan über den Antikominternpakt zusammengefunden hatten, dem 1937 Italien beitrat und der 1940 im Dreimächtepakt durch militärische Kooperation ergänzt wurde, löste NS-Deutschland, ermutigt durch das Münchner Abkommen von 1938 und gestützt auf einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus. Nach anfänglichen Erfolgen, unter anderem der Besetzung Polens, Frankreichs und des Balkans bis 1940, übernahm sich Deutschland durch den Krieg gegen die Sowjetunion und die Kriegserklärung an die USA zur Unterstützung Japans. Nach anfänglichen Erfolgen wurde die Wehrmacht im Dezember 1941 in der Schlacht um Moskau gestoppt und erlitt ein Jahr später eine entscheidende Niederlage in der Schlacht von Stalingrad. Die alliierten Streitkräfte siegten in Nordafrika in den zwei Schlachten von El Alamein, besetzten ab 1943 Italien und eroberten 1944 mit der Operation Overlord Frankreich zurück. Im Frühjahr 1945 wurde Deutschland von Osten von den sowjetischen Truppen und von Westen her von den US-amerikanischen und britischen Truppen besetzt. Den einrückenden alliierten Soldaten bot sich vielerorts ein Bild des Grauens. In Tausenden von Konzentrations- und KZ-Außenlagern innerhalb Deutschlands und in den besetzten Gebieten waren Millionen Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Kommunisten, Geistliche, Arbeitsunfähige, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilisten erschossen oder vergast worden, viele verhungerten oder starben an Krankheiten. Eine Woche nach dem Suizid Hitlers kam es zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Japan ergab sich im August 1945, nachdem zwei Atombomben die Städte Hiroshima und Nagasaki zerstört hatten.

Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des Kalten Krieges[Bearbeiten]

Militärbündnisse zu Zeiten des Kalten Kriegs

Die beiden Weltkriege, insbesondere der zweite, beendeten die herausragende Rolle Europas in der Welt. Die Landkarte Europas wurde neu gezeichnet, als der Kontinent das Hauptspannungsfeld im Kalten Krieg zwischen den neu entstandenen Supermächten, den kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion, wurde. Der „Eiserne Vorhang“ bildete die Trennlinie zwischen der westlichen Welt und dem sowjetisch beherrschten Ostblock mit Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der DDR. Militärisch standen sich die von der USA geführte NATO und der sowjetisch kontrollierte Warschauer Pakt gegenüber.

Mitgliedsstaaten und Beitrittskandidaten der EU

Von West- und Mitteleuropa ausgehend begann innerhalb der westlich orientierten Staaten ein Prozess wirtschaftlicher und politischer Integration: Von einer Montanunion aus entwickelte sich die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (1957), die nach dem Maastrichter Vertrag 1992 von der Europäischen Union abgelöst wurde.

Im Ostblock entwickelte sich in den Satellitenstaaten ein starkes Freiheitsbedürfnis, das trotz mancher Rückschläge (1956 in Ungarn, 1968 in der CSSR) nach einer Schwächung der Sowjetunion aufgrund von wirtschaftspolitischen Fehlern und einer Überlastung durch den Rüstungswettlauf schließlich zum Ende der Teilung Europas führte. Die sowjetischen Satellitenstaaten konnten ihre kommunistischen Regierungen abschütteln, und die deutsche Wiedervereinigung wurde am 3. Oktober 1990 abgeschlossen. Infolge der Auflösung der Sowjetunion 1991 entstand eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien.

Nach der Auflösung des Warschauer Paktes[Bearbeiten]

Zunächst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges und die Auflösung der Blöcke aufgrund allgemeiner Abrüstung zu einer Friedensdividende und zu weitreichender Demokratisierung führen. Und es herrschte in der Mehrzahl der europäischen Staaten weitgehende Einigkeit darüber, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Deregulierung und Globalisierung geprägt sein sollte. Der Washington Consensus von 1990 und der Umbau des GATT in die WTO mit stärkeren Kompetenzen sollte einen Zollabbau erzwingen. Andererseits entstand Kritik an dieser Politik durch Attac (1998 gegründet) oder etwa den Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz in Die Schatten der Globalisierung (2002). Das Auseinanderbrechen Jugoslawiens und mehr noch die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA durch al-Qaida beendeten diese Friedenshoffnung. Es kam zu Terroranschlägen auch in Europa: in Madrid (2004) und in London (2005).

Russland kehrte unter Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin zu einer nationalistischeren Politik zurück. Wirtschaftsführer bereicherten sich unverhältnismäßig, während ein großer Teil der Bevölkerung verarmte. Ab 2000 setzte Wladimir Putin mit diktatorischen Methoden die staatliche Autorität wieder durch, doch bei dem inneren Konflikt mit Tschetschenien ließ er schwere Menschenrechtsverletzungen zu. Beim Kaukasuskrieg 2008 trat Russland deutlich als Hegemonialmacht auf.

Die europäische Integration machte weiterhin Fortschritte durch die Einführung einer gemeinsamen Währung, des Euro, in mittlerweile 17 Ländern der Europäischen Union und durch die Erweiterung der Europäischen Union um Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und die Republik Zypern am 1. Mai 2004 sowie um Bulgarien und Rumänien am 1. Januar 2007. Mit dem Vertrag von Lissabon von 2009 (unterzeichnet 2007, endgültig ratifiziert 1. Dezember 2009) wurde die Struktur an die neue Situation angepasst, nachdem ein Verfassungsvertrag 2005 an Negativvoten bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war.

2009 geriet Griechenland im Zuge der Weltfinanzkrise wegen seiner hohen Schulden in eine schwere Finanzkrise, die sich 2010 zur Eurokrise entwickelte, gegen die ein Europäischer Stabilitätsmechanismus entwickelt wurde. Dieser verhinderte mit immer neuen Maßnahmen eine Katastrophe, die grundsätzliche Krise konnte aber bislang nicht beendet werden. Von diesen Wirtschaftskrisen wurden auch Irland, Spanien, Portugal und Italien ergriffen. Während Irland in den Jahren 2012/2013 seine Wirtschaft stabilisieren konnte, sind die anderen Staaten, aber insbesondere Griechenland, nach wie vor hoch verschuldet.

Im März 2014 kam es im Zuge einer Revolution in der Ukraine zu einer Sezession der Halbinsel Krim, unterstützt durch russisches Militär, die ob ihrer russischen Bevölkerungsmehrheit einen Anschluss an Russland anstrebte. Ein Votum der Bevölkerung ergab, das die Bevölkerung sich mit deutlicher Mehrheit von mehr als 90% für einen Anschluss an Russland ausspricht. Trotz der Tatsache, das EU-Wahlbeobachter keine Unregelmäßigkeiten während der Wahl meldeten, erkennen viele Nationen, insbesondere NATO-Staaten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA die Wahl und damit die Unabhängigkeit der Krim bzw. ihre Zugehörigkeit zu Russland nicht an.

Literatur[Bearbeiten]

Sammelwerke[Bearbeiten]

  • Handbuch der europäischen Geschichte. Hrsg. von Theodor Schieder. 7 Bände. Stuttgart 1968–1987.
  • Handbuch der Geschichte Europas. Hrsg. von Peter Blickle. 10 Bände, Stuttgart 2000 ff.
  • Penguin History of Europe. Hrsg. von David Cannadine. London 2001 ff. (angelegt auf 8 Bände, noch nicht abgeschlossen).
  • Propyläen Geschichte Europas. 6 Bände, Berlin 1975 ff., ISBN 3-549-05529-3.
  • Studienbuch Geschichte. Eine europäische Weltgeschichte. Hrsg. von Reinhard Elze und Konrad Repgen, 2 Bände, Stuttgart 1999/2000.

Einzelwerke[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Europa – Quellen und Volltexte
 Commons: Geschichte Europas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dieter Hägermann: Karl der Große, Herrscher des Abendlandes, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-549-05826-8, S. 10.
  2. Christian Giordano: Interdependente Vielfalt: Die historischen Regionen Europas. in: Karl Kaser u.a. (Hg.): Europa und die Grenzen im Kopf, Wieser-Verlag, Klagenfurt 2003, S. 113 - 134.
  3. Wissen.de – Wissen Media Verlag, Gütersloh; und Bernd Lutz (Hrsg.), Karl Löwith: Der Mensch inmitten der Geschichte. Philosophische Bilanz des 20. Jahrhunderts. Metzler, Stuttgart 1990, ISBN 3-476-00713-8, S. 49.
  4. E. Carbonell et al. (2008): The first hominin of Europe. Nature 452, 465–469.