Geschichte Guatemalas

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Die wechselhafte Geschichte Guatemalas erstreckt sich von 300 n. Chr., dem Beginn der Maya-Kultur, bis in die heutige Zeit.

Maya[Bearbeiten]

Von 300 bis 900 n. Chr. herrschten die Maya über die Region des heutigen Guatemala und viele umliegende Regionen. Die bekannteste Stätte der Maya ist Tikal im Petén-Gebiet im Norden des Hochlands. Etwa 3000 Gebäude, darunter auch Tempelpyramiden, breiteten sich über eine etwa 15 km² große Fläche aus. Rund 40 Kilometer von Tikal entfernt befindet sich eine weitere Mayastätte Cival, mit einer 27 Meter hohen Stufenpyramide. Die Maya verließen das Gebiet jedoch etwa im 10. Jh. aufgrund von Klimaveränderungen, Dürren und ökologischen Zerstörungen. In der Folge wurden im Bergland im Süden des heutigen Guatemala kleinere Reiche gegründet. Zu erwähnen sind vor allem das Reich der Quiché mit den Städten Utatlán, Mixco Viejo und Zapotitlan, das Reich Tzutuhi um Atitlán sowie das Reich von Cakchiquel östlich davon.

Kolonisation[Bearbeiten]

1511 landeten die Spanier in Südamerika und eroberten 1524 unter Pedro de Alvarado von Mexiko aus die genannten Reiche im Hochland, während der Eroberer Mexikos, Hernán Cortés, den Weg weiter nördlich nahm und vom Golf von Mexiko über das Gebiet um den Petén-See zum Golf von Honduras nahm. Die schwer zugängliche Westküste des Golfes von Honduras wurde schließlich 1527 von Montejo und 1531 von Davila erkundet.

Das Land wurde Teil des 1535 gegründeten Vizekönigreiches Neuspanien, wobei sich die 1524 erbaute Stadt Ciudad Vieja zu einem regionalen Verwaltungszentrum des Generalkapitanats Guatemala entwickelte. Die Stadt wurde 1542 durch Überschwemmungen und ein Erdbeben zerstört, so dass der Sitz der Regionalregierung 1543 nach Santiago de los Caballeros (das heutige Antigua) verlegt werden musste. Da auch diese Stadt 1773 zerstört wurde, musste erneut ein neuer Verwaltungssitz gefunden werden; seit 1776 befand sich aber die regionale Verwaltung im heutigen Guatemala-Stadt.

Der Handel mit den Indianern sowie die Ausbeutung der geringen Bodenschätze war kaum ertragreich. Dennoch richteten die Kolonialherren ein System aus großen weltlichen und kirchlichen Gutshöfen mit versklavten Ureinwohnern als Arbeitskräften ein. Schätzungen gehen davon aus, dass die Kolonisierung zu einem Bevölkerungsrückgang im guatemaltekischen Hochland von 800.000 am Anfang der 16. Jahrhunderts bis auf rund 100.000 in dessen Mitte führte. Erst im 17. Jahrhundert erhielt das Gebiet des heutigen Guatemala eine gewisse Bedeutung für die Gewinnung der Farbstoffe Karmesin und Indigo, später auch als Anbaugebiet von Zucker, Kakao, Baumwolle und Tabak.

Die Spanier konnten nicht verhindern, dass sich 1639 die Briten in Britisch-Honduras (später: Belize) festsetzen, woraus sich ein Streit entwickelte, der zwischen beiden Gebieten bis heute andauert.

1784 schaffte die spanische Krone das immer ineffizienter werdende Abgabensystem für indgene Dörfer ab. Ebenfalls Ende des 18. Jahrhunderts setzte eine vor allem von der kreolischen Bevölkerung getragene Unabhängikeitsbewegung ein. Kurz darauf begann sich in der spanischstämmigen Oberschicht eine politische Spaltung in eine liberale Händlerfraktion und eine konservative, dem Klerus und der spanischen Regierung nahestehende Strömung zu etablieren. Der liberale Flügel unterstützte die beginnende Unabhängigkeitsbewegung. Auch Indianeraufstände in Teilen des Landes, die napoleonische Besetzung Spaniens und die Unabhängikeitsbewegung im übrigen Lateinamerika schwächten die spanische Kolonialherrschaft.

Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Am 15. September 1821 erklärte sich Guatemala von Spanien unabhängig, was das Mutterland kampflos akzeptierte, und schloss sich zunächst auf Betreiben Gabino Gaínzas dem gerade unabhängig gewordenen Kaiserreich Mexiko an. Nach der Trennung von Mexiko 1823 trat es der Zentralamerikanischen Konföderation bei. Diese Konföderation, die vom Liberalen Francisco Morazán geführt wurde, stieß jedoch auf den Widerstand konservativer Sezessionsbestrebungen in Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica, und zerbrach im Verlauf des Krieges 1838-1840. So erreichte Guatemala, das sich 1839 zur Republik erklärt hatte, die Eigenstaatlichkeit. De facto wurde der junge Rafael Carrera, der die Rebellion gegen die Konföderation in Guatemala an der Spitze einer von der katholischen Kirche unterstützten konservativen Bewegung angeführt hatte, der starke Mann des Landes.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Guatemala wurde meist von Diktatoren aller politischen Richtungen (so genannten Caudillos) regiert, die ihre jeweilige Macht durch die Unterstützung des Militärs erhielten. Der klerikal-konservative und aus einfachsten Verhältnissen stammende Rafael Carrera wurde 1844 im Alter von 30 Jahren zum Präsidenten gewählt. Wegen seiner Erfolge im Kampf mit der Konföderationsregierung war er sehr populär und mit der Wahl wurde seine Stellung als "starker Mann" institutionalisiert. 1845 schlug er einen Restaurationsversuch von Konföderierten nieder. 1851 besiegte er erneut konföderierte Truppen, die von El Salvador und Honduras aus operierten, bei La Arada. 1854 wurde er Präsident auf Lebenszeit.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine schwere Wirtschaftskrise ein. Wichtiger Grund war die Entwicklung synthetischer Farbstoffe, die die Hauptz-Exportprodukte Karmin und Indigo entwertete. Auch als Folge dieser Krise begann sich eine liberale Opposition zu bilden.

Carera schloss 1859 den Vertrag zur Festlegung der Grenze mit Belize. 1863 erlitt Guatemala in einem Krieg mit dem Nachbarn El Salvador eine demütigende Niederlage bei Coatepeque und verbündete sich in der Folge mit Costa Rica, während El Salvador eine Allianz mit Nicaragua und Honduras einging. Bei einem erneuten Feldzug gelang Carrera ein Sieg und die Einnahme San Salvadors, was die Vorherrschaft Guatemalas in Mittelamerika festigte. Carrera bestimmte die guatemaltekische Politik bis zum Jahre 1865, als er das Präsidentenamt abgab. Gewählt wurde der von ihm bevorzugte Kandidat, General Vincente Cerna.

1871 führteJusto Rufino Barrios eine "liberale Revolution" gegen Cerna an. Zunächst wurde sein Mitstreiter Garcia Granados Präsident, der aber im Juni 1873 stürzte, so dass Barrios zum neuen Präsidenten erklärt wurde. Barrios organisierte die Modernisierung des Landes und sorgte unter anderem für Presse- und Religionsfreiheit, Kirchenbesitz wurde verstaatlicht. Guatemala erhielt erste Eisenbahnlinien und ein Trelegraphennetz sowie eine landesweite Schulversorgung. 1879 erhielt Guatemala zudem erstmals eine eigene Verfassung, nachdem die konservativen Vorgänger diktatorisch auf dem Verordnungswege regiert hatten.

Barrios verbesserte den Handel und ließ neue Feldfrüchte anbauen. Während seiner Regierungszeit wurden Kaffee zum wichtigsten Anbauprodukt. In geringerem Umfang begann auch der Plantagen-Abau von Bananen. Insbesondere deutsche und US-amerikanische Investoren unterstützten den Aufbau dieser Wirtschaftszweige. Die indigene Bevölkerung wurde zur Arbeit auf Latifundien gepresst, die Plantagenflächen wurden zu einem großen Teil aus säkularisiertem Kirchenland sowie aus bisherigen indianischen Almenden gewonnen. Das in dieser Zeit geschaffene, großformatige Gutssystem prägt die guatemaltekische Landwirtschaft bis heute.

Barrios hatte Bestrebungen, Zentralamerika wieder zu vereinen und führte das Land in einen erfolglosen Krieg gegen El Salvador. Er starb 1885 auf dem Schlachtfeld von Chalchuapa. Auf die kurze Übergangsregierung von Alejandro Sinibaldi (er amtierte zwei Wochen) folgte Manuel Lisandro Barillas Bercián. Er wurde 1886 offiziell zum Staatspräsidenten gewählt und setzte während seiner bis 1892 dauernden Amtszeit die von Barrios eingeleiteten Reformen fort.

Sein liberaler Nachfolger José María Reina Barrios (genannt Reinita) hatte mit wachsendem Widerstand von Seiten des Großgrundbesitzes zu kämpfen und sorgte im Übrigen für eine Neugestaltung der Hauptstadt nach Pariser Vorbild. Die Umsetzung dieser Pläne verschlang allerdings hohe Summen und löste eine starke Inflation aus, so dass er bald sehr unpopulär wurde. Reina Barrios fiel 1898 einem Attentat zum Opfer.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Auch das 20. Jahrhundert war politisch geprägt durch Diktatoren und zum Teil erfolgreiche Putschversuche. Bemerkenswert ist die dreijährige Regierungszeit von 1951 bis 1954 unter Jacobo Árbenz Guzmán, die dieses Mal nahezu offensichtlich durch Intervention der USA beendet wurde, um keinen Dominostein in ihrem Hinterland fallen zu sehen. Die Regierungen im Einzelnen:

Von Cabrera bis Guzman[Bearbeiten]

Manuel Estrada Cabrera, der 1898 zum Präsidenten gewählt wurde, holte US-Investoren ins Land und enteignete 1917 deutsches Vermögen. Seine Herrschaft galt als nahezu diktatorisch, so dass sich auch gegen ihn Widerstand erhob. Eine Revolte im Jahr 1906, die durch Nachbarstaaten unterstützt wurde, schlug er nieder, zumal er sich mit dem mexikanischen Diktator Porfirio Diaz verbündete. In seiner Amtszeit etablierte sich 1901 die US-amerikanische United Fruit Company zur einflussreichsten Kraft im Staat.[1] 1902 richtete ein Vulkanausbruch nahe der Stadt Quetzaltenango schwere Schäden an. 1916 und 1917 wurde die Hauptstadt durch zwei Erdbeben weitgehend verwüstet.

1920 erklärte die Nationalversammlung Cabrera für amtsunfähig. Seine Nachfolger wurden Carlos Herrera y Luna, der lediglich bis 1922 regierte, José María Orellana Pinto (1922 bis 1926) und Lázaro Chacón González (1926 bis 1930) waren in den Zwanziger Jahren nacheinander Staatspräsidenten von Guatemala. Sie setzten die US-freundliche Politik Estrada Cabreras fort. Zugleich wurde die panamerikanische Zusammenarbeit intensiviert (1928: Kongress von Havanna). In dieser Phase begannen sich oppositionelle gesellschaftliche Gruppen erstmals zu organisieren. Mehrere Gewerkschaften, ein landesweiter Studentenverband und eine Volkshochschul-Bewegung nahmen ihre Arbeit auf.

1930 war die Nachfolge von Chacón umstritten. Zunächst amtierte Bautillo Palma, der aber im November bereits nach wenigen Tagen von General Manuel María Orellana Contreras gestürzt wurde. Seine Machtergreifung wurde allerdings von den USA nicht anerkannt, so dass auch er nach kurzer Zeit zurücktreten musste. Es folgte die, ebenfalls kurze, Amtszeit von José María Reina Andrade. Erst die Wahl von Jorge Ubico und dessen Amtseinführung im Februar 1931 sorgte wieder für eine kontinuierliche Staatsführung. Von 1929 an wurde Guatemala zudem schwer von der Weltwirtschaftskrise getroffen. Sie führte zu einem weitgehenden Zusammenbruch des Exports.

General Jorge Ubico Castañeda wurde 1931 als Vertreter der liberal-progressiven Partei in einer vermutlich manipulierten Wahl gewählt, entwickelte sich aber bald zum Diktator, unter dem Intellektuelle, Journalisten und Schriftsteller, die seine Regierungsweise kritisierten, verfolgt wurden. Zudem wurde ein allgemeines Zwangsarbeitssystem für die indigene Bevölkerung in Kraft gesetzt. Als die populäre Künstlerin Maria Chinchilla dem staatlichen Terror 1944 zum Opfer fiel und auch der Politiker Juan José Arevalo inhaftiert wurde, kam es zu einem Generalstreik und am 20. Oktober 1944 zu einem von der Armee geführten Umsturz, Ubico musste in die USA flüchten. Es folgte eine Militärjunta aus drei Generälen (Federico Ponce Valdez, Eduardo Villagrán Ariza und Buenaventura Pineda), von denen Ponce Valdez das Amt des Staatsoberhaupts erlangte. Auf Valdez folgte Jacobo Árbenz Guzmán.[2]

Die erste Amtszeit Guzmáns betrug nur wenige Monate. In dieser Zeit wurden allerdings mit einer neuen Verfassung die Weichen für eine liberalere Staatsorganisation gestellt.

Juan José Arévalo Bermejo wurde 1945 bei der ersten freien Wahl in Guatemala überhaupt zum Präsidenten gewählt, nachdem er aus dem Exil zurückgekehrt war. Sein Reformprogramm des „geistigen Sozialismus“ (auch Arévalismo) wurde besonders von der USA mit Argwohn begleitet, tatsächlich hielten sich aber die konkreten wirtschaftlichen Änderungen in Grenzen. Immerhin sorgte die freie Meinungsäußerung der Linken nach den Jahren der Diktatur für ein offeneres politisches Klima in Guatemala. Ein Sozialversicherungssystem wurde eingeführt, ebenso eine moderne Arbeitsgesetzgebung, die das Zwangsarbeitssystems für Indianer abschaffte. Die Banken wurden unter Staatsaufsicht gestellt, den Gemeinden Selbstverwaltungsrechte zugestanden, die Alphabetisierung gefördert.[3] Insbesondere blieb eine Reform der Landverteilung aus. Lediglich die kurz zuvor im Krieg enteigenten Ländereien aus deutschem Eigentum wurden verstaatlicht. Angesichts der Wirtschaftsreformen zogen sich sich zahlreiche ausländische Investoren zurück, was zuKrisen der guatemaltekischen Wirtschaft führte. Während Arévalos Regierung gab es 32 Putschversuche.

Wie erst 2010 bekannt wurde, unternahm der US-amerikanische Arzt John Charles Cutler in der Zeit von 1946 bis 48 geheimgehaltene Menschenversuche mit Syphilis.

Nach Arévalo wurde 1951 Jacobo Árbenz Guzmán zum Präsidenten gewählt. Er die Reformen seines Vorgängers fort. Der Arbeitsbeschaffung und der Verbesserung der Infrastruktur dienten der Bau der ersten Autobahn und eines großen Wasserkraftwerks. Beide Projekten liefen den Interessen mehrerer US-Firmen entgegen. Guzmáns Hauptaugenwerk lag aber auf einer Agrarreform, die den Kleinbauern zugutekam und eine Diversifizierung der Agrarproduktion zum Ziel hatte. Die Legalisierung der linken Arbeiterpartei beförderte dabei die Durchsetzung der Interessen von Bauern und Arbeitern. Die USA reagierten auf diese Entwicklung mit zunehmender Sorge um ihren Einfluss im Land, zumal Arbenz Guzman entschlossen war, auch die United Fruit zu verstaatlichen. United Fruits war zu dieser Zeit der größte private Landbesitzer in Guatemala. Das 1952 zustande gekommene Landreformgesetz gab der Regierung die Möglichkeit, Brachland unter bestimmten eng gefassten Bedingungen gegen Zahlung einer Entschädigung an Kleinbauern zu übertragen.

United Fruit war mit einer Brachquote von 85 Prozent einer der Hauptbetroffenen des neuen Gesetzes. Als die Regierung eine Entschädigung von drei Dollar pro Acre anbot, dem Wert wie er von United Fruit in der Steuerklärung angegeben worden war, machte das Unternehmen geltend, dass das Land tatsächlich 75 Dollar pro Acre wert sei. Mit Hilfe ausgezeichneter Kontakte zur US-Regierung (der Bruder des United-Fruit-Präsidenten war im US-Außenministerium für Lateinamerika zuständig, der Außenminister selbst hatte für United Fruit gearbeitet und dessen Bruder war sowohl Direktor der CIA als auch im Vorstand des Unternehmens)[4] startete United Fruits in den USA eine Public-Relations-Kampagne gegen Arbenz: Es sollte der Eindruck erweckt werden, das Guatemala Gefahr lief, ein Satellitenstaat unter sowjetischer Führung zu werden. Die US-Politiker und United Fruits entschlossen sich daher, konservative Kräfte zu unterstützen, die sich den Sturz Arbenz Guzmans zum Ziel gesetzt hatten: Die so genannte Operation PBSUCCESS wurde von der CIA unterstützt, mit deren Hilfe eine kleine „Befreiungsarmee“ unter Colonel Carlos Castillo Armas von Honduras aus in Guatemala einfiel und die Regierung stürzte. Dem Coup waren Bombardierungen durch US-Piloten auf Guatemala-Stadt vorausgegangen.[5]

Die Militärdiktaturen in der zweiten Hälfte des 20. Jhd.[Bearbeiten]

Auf Guzmán folgte eine Reihe von Militärregimes, unter deren Herrschaft 150.000 bis 250.000 Guatemalteken ums Leben kamen. Carlos Castillo Armas (1954-57) verkündete eine neue Verfassung, die die Reformen der beiden Vorgängerregierungen rückgängig machte und seine eigene autoritäre Regierung legitimieren sollte. Wie bereits in den 1930er Jahren wurde die linke Opposition verfolgt. Die Auslandsinvestitionen stiegen wieder an und die Landwirtschaft wurde noch stärker auf die Exportproduktion ausgerichtet. Castillo kam bei einem Attentat ums Leben. Sein Nachfolger Luis Arturo González López regierte nur wenige Monate, da er im Oktober 1957 starb. Darauf folgte zunächst eine mehrköpfige Militärjunta, innerhalb der sich Guillermo Flores Avendaño schnell durchsetzte. Tatsächlich war er aber nur Übergangspräsident bis zu den Wahlen von 1958, deren Verlauf und Ergebnis vom rechten Lager massiv beeinflusst wurde.

José Miguel Ramón Idígoras Fuentes (1958 bis 1963) unterstützte als Verbündeter der USA den fehlgeschlagenen Invasionsversuch von Exilkubanern in der Schweinebucht. 1960 scheiterte ein Putschversuch, an dem rund ein Drittel der Militärführung des Landes beteiligt war. Aus ihren Reihen ging der später einflussreiche Guerillaführer Luis Augusto Turcios Lima in den Untergrund. Seit 1962 betrieb die Linksopposition in Guatemala vermehrt einen Guerillakampf. Als sich bei der für 1963 angesetzten Wahl ein erneuter deutlicher Sieg Juan José Arévalos abzeichnete, putschte am 30. März 1963 das Militär und rief Verteidigungsminister Enrique Peralta Azurdia zum Präsidenten aus. Guatemala erhielt 1965 eine neue Verfassung, die das autoritäre Regierungssystem etwas liberalisierte. Gewerkschaften wurden zugelassen, ein neues Bürgerliches Gesetzbuch verabschiedet und eine Reihe weiterer vorsichtiger Liberalisierungsmaßnahmen in die Wege geleitet.

1966 wurde Julio César Méndez Montenegro als offiziell „dritter Regierungschef der Revolution“ (nach Juan José Arévalo und Jacobo Árbenz) zum Präsidenten gewählt, da er im Zeitraum 1954–1986 der einzige zivile Präsident Guatemalas war. Der frühere Hochschulprofessor setzte sich besonders für Bildungsreformen ein. Sein Ziel war eine „integrale und funktionale Demokratie“, in der allerdings weiter die Konservativen und das Militär die letzte Entscheidungsgewalt besaßen.

Gerneral Carlos Arana Osorio kam 1970 an die Macht. Er war ein Vertreter der rechtskonservativen MLN. Osorio verhängte angesichts verstärkter Guerillakämpfe den Ausnahmezustand über das Land und verstärkte die Verfolgung Oppositioneller. Dazu bediente er sich im stärkeren Umfang als seine Vorgänger nicht nur staatlicher Stellen, sondern auch rechtsgerichteter Milizen. Diese Strategie führte für einige Jahre zum Abflauen der Guerilla-Aktivität. Zuvor ermordete am 5. April die Gruppe FAR noch den deutschen Botschafter Karl Graf von Spreti. General Kjell Eugenio Laugerud García, der 1974 die Herrschaft übernahm, nachdem sich der konservative Präsidentschaftskandidat Rios Montt wegen zu offensichtlichen Wahlbetrugs zurü+ckziehen musste, profitierte während seiner vierjährigen Amtszeit von der vergleichsweise geringen Guerillatätigkeit. Er erneuerte die Ansprüche Guatemalas auf Belize, das bis 1982 noch britische Kolonie war. Am 4. Februar 1976 wurde der Nordosten des Landes von einem schweren Erdbeben (7,5 auf der Richterskala) erschüttert. Fast 23.000 Menschen starben dadurch. Rund eine Million Guatemalteken verloren ihre Wohnungen. Ein Großteil von ihnen siedelte sich in der Hauptstadt und ihrer Umgebung neu an. Ab 1976 begann sich die Guerilla wieder neu zu formieren.

Unter General Fernando Romeo Lucas García (1978 bis 1982) flammte der Bürgerkrieg wieder auf. Unter anderem fiel seine Amtszeit 1980 die blutige Erstürmung der von Indianern besetzten spanischen Botschft. Trotz seines militärisch harten Vorgehens setzte sich García auch für vorsichtige Reformen des autoritären Regimes ein, wurde aber schließlich durch einen von der CIA unterstützten Putsch des Generals Ríos Montt gestürzt. Efrain Ríos Montt: Ríos Montt wurde im Land meist einfach nur „der General“ genannt. Er setzte die Verfassung außer Kraft und löste das Parlament auf. Den Ausschreitungen während der Herrschaft dieses leidenschaftlichen Antikommunisten fielen allein zwischen März und Juli 1982 mehr als 10.000 Einwohner, darunter zahlreiche Indigene und Geistliche, zum Opfer. Der Präsident bestritt später, von den zahlreichen Massakern gewusst zu haben. Zugleich versuchte er große Teile der Bevölkerung durch Arbeitsbeschaffungsprojekte und die kostengünstige Verteilung von Dünger für sich zu gewinnen. Er konvertierte vom Katholizismus zur baptistischen Konfession, was ihn zwar teilweise von den Katholiken des eigenen Landes entfremdete, ihm aber in den USA zusätzliche Sympathien einbrachte. Gegen den Widerstand des US-Kongresses ließ die Regierung Ronald Reagans ihm militärische Hilfslieferungen zukommen. Ríos Montt wurde bereits 1983 durch einen unblutigen Putsch gestürzt. Es war der vierte während seiner Amtszeit.

Óscar Humberto Mejía Víctores erlangte durch diesen Putsch die Macht. Der General und frühere Verteidigungsminister setzte die gewaltsame Verfolgung der Opposition und der Guerrilleros fort. Sein Staatsstreich wandte sich lediglich gegen den Evangelikalismus seines Vorgängers, der seinen Kampf gegen die Linken als heiligen Krieg gerechtfertigt hatte. Mejia betonte dagegen die konservativ-nationalen Traditionen Guatemalas und setzte sich auch für ältere Militärs ein, die sein Vorgänger durch eine jüngere Generation ersetzt hatte.

Regierungen seit dem Jahr 1986[Bearbeiten]

1986 erlangte Marco Vinicio Cerezo Arévalo durch eine weitgehend demokratische Wahl das Präsidentenamt. Cerezo stammte aus einer liberalen Familie und war ein Vertreter der Christdemokraten. Als erster Zivilist in diesem Amt seit 1966 setzte er sich erstmals für einen Dialog mit den linken Rebellen ein und berief einen nationalen Rat der Versöhnung. Da aber zugleich die Entführungen und Ermordungen weitergingen, scheiterten die Verhandlungen. Zudem führten massive Preiserhöhungen zu Generalstreiks, während die Regierung außerdem zwei Putschversuche durch Militärs abwehren musste. Cerezo garantierte, dass die Präsidentenwahl seines Nachfolgers frei und fair erfolgen sollte, so dass der Machtwechsel von 1991 der erste demokratisch legitimierte seit Jahrzehnten war.

Jorge Serrano Elías trat als Kandidat der Demokratischen Partei der Nationalen Zusammenarbeit zur Präsidentenwahl an und gewann mit 68 Prozent, obwohl seine Partei im Parlament nur über 18 der 116 Sitze verfügte. Er anerkannte die Unabhängigkeit Belizes und stellte das Militär unter zivile Kontrolle. Außerdem gelang es ihm mit einer liberalen Wirtschaftspolitik, Inflation und Arbeitslosigkeit einzudämmen. Im Jahr 1993 zeigten sich allerdings auch wieder autoritäre Züge seiner Regierung, als er das Parlament und den Obersten Gerichtshof auflösen ließ mit der Begründung, damit gegen Korruption vorgehen zu wollen. Allerdings stieß dieser Verfassungsbruch auf heftigen Widerstand der Opposition und gesellschaftlicher Gruppen bis hinein in den Unternehmerverband. Als sich auch das Militär der Kritik anschloss, nahm Elías nach sieben Tagen seine Alleinherrschaftsversuche zurück. Dies reichte jedoch nicht, um die Kritiker zu besänftigen: Serrano trat zurück und ging am 2. Juni ins Exil nach Panama. Für einige Tage amtierte Gustavo Adolfo Espina Salguero, Serranos Vizepräsident, als Übergangspräsident, der dann aber die Macht an Ramiro de León Carpio abgeben musste.

Während seiner zweieinhalbjährigen Präsidentschaft erneuerte Carpio die Friedensgespräche mit den Rebellen der URNG, diesmal allerdings unter internationaler Beteiligung (UNO, OAS). Zugleich sicherte er die Entwaffnung der rechten Milizen der PAC, die für mehrere Massaker verantwortlich gemacht wurden, zu. Die Ermordung des Obersten Richters des Landes sowie ein weiteres Massaker bedrohten zwar den Friedensprozess, dennoch wurde 1994 freie Parlamentswahlen abgehalten, die erstmals von den Präsidentenwahlen getrennt waren. Ende 1995 folgte die Präsidentschaftswahl, aus der Álvaro Arzú Irigoyen, der Kandidat der konservativen PAN, knapp mit 51 Prozent der Stimmen als Sieger hervorging. Ihm gelang es, ein Friedensabkommen mit den linken Rebellen zu unterzeichnen, wie er es im Wahlkampf angekündigt hatte. Damit kam am 29. Dezember 1996 ein langwieriger Verhandlungsprozess zu einem Abschluss, der mit der Osloer Vereinbarung von 1990 begonnen hatte. Die URNG der Guerrilleros wurde als politische Partei zugelassen.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • 2000-2004 Alfonso Antonio Portillo Cabrera: Er gewann die Präsidentschaftswahlen als Kandidat der Republikanischen Front Guatemalas mit 68 %. Er hatte sich den Kampf gegen die Korruption und gegen soziale Ungerechtigkeiten im Land ausgesprochen, konnte aber in seiner Amtszeit den massiven Problemen des Landes kaum wirksam begegnen. Die Korruption nahm eher noch zu und die Opposition deckte schwarze Konten führender Politiker der Partei Portillos im Ausland auf, wobei es um Summen von mehreren hundert Millionen Dollar ging.
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
  • 2004-2008 Óscar Berger Perdomo: Er gewann die Präsidentschaftswahlen mit 54 %, im ersten Wahlgang war auch der frühere Diktator Rios Montt angetreten. Er war früher Bürgermeister der Hauptstadt und vertritt die konservative Nationale Allianz. Die Situation der Menschenrechte hat sich seit seinem Amtsantritt weiter verschlechtert. Die Anzahl der Landkonflikte hat sich erhöht und wurden teilweise mit Gewalt (mehrere Tote, z.B. auf der Finca Nueva Linda) niedergeschlagen.
    • Ende 2004 lief die Mission der Vereinten Nationen in Guatemala zur Überwachung der Friedensverträge aus.
    • 2005, Oktober: Guatemala wurde von Ausläufern des Hurrikans Stan schwer getroffen. Sintflutartige Regenfälle verursachten Schlammlawinen, Erdrutsche und Überschwemmungen. Ganze Dörfer wurden verschüttet, die Infrastruktur schwer beschädigt. Mehr als 1.000 Menschen verloren ihr Leben. Die Kaffee-Ernte wurde stark beeinträchtigt, die Wirtschaft erlitt großen Schaden.
    • Óscar Berger Perdomo verzichtete auf eine zweite Kandidatur bei den Wahlen 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geschichte Guatemalas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 72 ff.
  2. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 7 ff.
  3. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 33 ff. und 44–56.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Mühlbauer: Der Geheimdienst und die Börse. In: Telepolis. Heise Zeitschriften Verlag, 3. November 2008, abgerufen am 3. November 2008.
  5. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala. Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 72–86.
  6. http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID7440556_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  7. FAZ: Guatemala rückt nach links