Geschichte Kretas

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Die Geschichte Kretas lässt sich in die vorgeschichtliche und die historische Zeit unterteilen. Die Minoische Kultur (ca. 3000 v. Chr.–ca. 1050 v. Chr.) wird teilweise zur vorgeschichtlichen, teils zur historischen Epoche gerechnet.

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Zu der fossil erhaltenen, ausgestorbenen endemischen Fauna Kretas gehörten Zwergflusspferde, Zwergelefanten, Zwerghirsche (Praemegaceros cretensis), außerdem große Nagetiere und Insektenfresser wie Dachse, Marder und eine landlebende Otterart. Große Fleischfresser fehlten dagegen völlig.

Der genaue Zeitpunkt der ersten Besiedlung Kretas ist nicht bekannt. Neueste paläolithische (altsteinzeitliche) Funde von Steinwerkzeugen werden auf ein Alter von mindestens 130.000 Jahren zurückgeführt, sind indes nicht zuverlässig datiert.[1] Die neun Fundstellen liegen an der Südküste bei Plakias (Kotsifou, Schinaria, Timeos Stavros, Gianniou) und am Unterlauf des Megalopotamos (Preveli), alle in der Gemeinde Agios Vasilios. Curtis Runnels, Steinwerkzeug-Fachmann und Expeditionsteilnehmer in Südkreta, hält nach stilistischen Merkmalen der gefundenen Schaber und Faustkeile ein Alter von 130.000 bis 700.000 Jahren für möglich.[2] Damit stammten sie nicht vom modernen Menschen (Homo sapiens), sondern einer vorzeitlichen Menschenart, entweder dem Heidelbergmenschen (Homo heidelbergensis) oder dem Neandertaler (Homo neanderthalensis).[3]

Ebenfalls an der Südküste Kretas in der Gemeinde Agios Vasilios wurden an zwanzig Stellen etwa 1600 mesolithische (mittelsteinzeitliche) Steinobjekte entdeckt, beispielsweise Projektilspitzen, Stichel und Schaber. Diese sind bis zu 11.000 Jahre alt. Die Fundstellen befinden sich bei Damnoni, Ammoudi, Schinaria, Timeos Stavros, Preveli und Agios Pavlos. Die archäologische Expedition von 2008/09 unter Leitung von Thomas Strasser hatte das Ziel, Belege für eine vor dem Neolithikum (Jungsteinzeit) erfolgte Besiedlung Kretas zu finden und damit die bis dahin fraglichen mesolithischen Funde aus der Samaria-Schlucht, die hauptsächlich durch Begehung entstanden sein sollten, beweiskräftig zu ersetzen.[4][5]

In den neolithischen Siedlungen wurden bisher keine Knochen der endemischen Inselfauna gefunden, sie starb vor Ankunft der ersten bäuerlichen Siedler aus, wie dies auch von anderen Mittelmeerinseln (Zypern, Sardinien, Mallorca) bekannt ist. Erste eindeutige anthropomorphe Zeugnisse stammen aus dem frühen Neolithikum und werden auf etwa 6000 v. Chr. datiert. Hier sind die akeramischen Schichten von Knossos bedeutsam. In dieser Periode betrieb man bereits Ackerbau. Erst seit etwa 5500 v. Chr. wurde Keramik hergestellt.

Minoische Zeit[Bearbeiten]

Minoische Kultur auf Kreta

Hauptartikel: Minoische Kultur

Die Minoische Zeit beginnt etwa 3000 v. Chr. und steht einerseits in der Tradition der einheimischen neolithischen Vorgängerkultur, wurde andererseits aber auch durch starke Einflüsse und eventuelle Einwanderung aus Kleinasien befruchtet. Auch die Metallverarbeitung wurde wahrscheinlich aus Kleinasien übernommen. Dies bewirkte einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, der sich im Entstehen der „Minoischen“ Kultur niederschlug. Die Minoische Kultur endete im 13. Jahrhundert v. Chr., als sich auf Kreta die Mykenische Kultur vom griechischen Festland durchsetzte.

Archaische und klassische Zeit[Bearbeiten]

Nach dem Untergang der minoischen Kultur wurde Kreta von den mykenischen Griechen beherrscht, ihnen folgten seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. weitere Eroberer vom griechischen Festland. Auf der Insel bildeten sich eine Anzahl selbstständiger Poleis heraus. Auf die Geschehnisse des griechischen Festlands nahmen diese keinen Einfluss und umgekehrt versuchten die Hauptmächte des antiken Griechenlands – allen voran Sparta und Athen – niemals, Kreta zu erobern. Gering war das Interesse der griechischen Historiker an den Geschehnissen auf der Insel und es gibt daher eher wenige schriftliche Zeugnisse über die Geschichte Kretas.

Theseus und Minotaurus
(antikes Mosaik)

Über das archaische Zeitalter lässt sich aber mit Sicherheit aussagen: In der Zeit vom 6. bis zum 4. Jahrhundert währte auf der Insel Kreta eine relative Friedensperiode, durch umfassende herrschaftspolitische Maßnahmen (u. a. Gesetze, vgl. das Stadtrecht von Gortys) war oberflächlich ein Ausgleich zwischen den dominierenden aristokratischen Kräften ersichtlich. Erst in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts ging die alte aristokratische Ordnung, die stark an den Machterhalt einiger weniger Familien orientiert war, durch Machtkämpfe zwischen diesen zu Grunde.

Die Gesellschaft des archaischen Kretas kann man als recht eigentümlich auffassen. Durch Päderastie und Mahlgemeinschaften mit anderer Ausprägung als z. B. in Sparta betrieb der Adel Herrschaftspolitik. Bürger konnte man nur sein, sofern man an den gemeinsamen Mählern, die überwiegend von den wohlhabenden Kretern finanziert wurden, teilnahm. „Regiert“ wurde Kreta durch Kosmen, deren Anzahl pro Stadt differierte. Jenes Amt wurde nach dem Rotationsprinzip an die einflussreichsten Familien vergeben – freilich um Machtkämpfe zu vermeiden. Wohl einen großen Stellenwert im archaischen Kreta hatte die Familie – ihr Schutz und Erhalt wurde von vielerlei Gesetzen (vgl. das Erbschafts-, Schuld- und Familienrecht der "Großen Inschrift" von Gortys) gewährleistet. Das wirtschaftliche Potential der Insel wurde durch fortwährende Kriege zwischen den verschiedenen Poleis geschwächt.

Hellenismus und Kaiserzeit[Bearbeiten]

Personifikation Kretas, Haus des Theseus, Paphos (Zypern), 4.Jhdt.n.Chr.

Zwischen 267 und 261 v. Chr. intervenierten die ägyptischen Ptolemäer auf Kreta, aber sie konnten die Insel nicht befrieden. 220 folgte eine Intervention Philipps V. von Makedonien, der mit der kretischen Stadt Gortyn verbündet war. Er konnte die Verhältnisse auf Kreta stabilisieren, zog aber die Kreter in seinen Konflikt mit der römischen Republik hinein. In den Makedonischen Kriegen zwischen 214 und 196 war Kreta mit Philipp verbündet, ohne dass sich die Niederlagen des Königs auf die Insel auswirkten. Der römische Sieg führte nur zur erneuten Unabhängigkeit der kretischen Städte und die alten Rivalitäten zwischen Knossos, Cydonia und Gortyna flammten unverzüglich wieder auf. Der römische Senat schickte mehrfach (184, 180 und 174 v. Chr.) Gesandte als Vermittler, ohne dass diese etwas bewirkten. Die Instabilität Kretas bot den besten Nährboden für Piraten, die auf der Insel leicht Unterschlupf fanden und mit dieser oder jener Stadt paktierten. Die Rhodier, als wichtigste griechische Handelsmacht jener Zeit, versuchten die Situation zu ordnen und unternahmen 154 v. Chr. einen Kriegszug nach Kreta. Sie wurden jedoch vernichtend geschlagen. Nur eine römische Intervention verhinderte die totale Niederlage.

Im ersten Jahrhundert v. Chr. begannen die Römer ernsthafter gegen die Piraten in der Ägäis vorzugehen. 74 v. Chr. ordnete der Senat deshalb die Eroberung Kretas an. Der erste Versuch unter dem Befehl des Marcus Antonius war schlecht vorbereitet und es standen zu wenig Schiffe und Truppen zur Verfügung. Antonius erlitt eine herbe Niederlage und viele Römer gerieten in Gefangenschaft. Unterdessen verhinderte der Krieg gegen Mithridates von Pontus und der Aufstand des Spartacus für einige Jahre einen neuen römischen Eroberungsversuch.

Kreta in römischer Zeit

69 v. Chr. wurde der Konsul Quintus Caecilius Metellus vom Senat mit der Eroberung Kretas beauftragt. Mit Erfolg nahm er eine kretische Stadt nach der anderen ein, während Pompeius die Piraten zur See bekämpfte. Die geschlagenen Kreter wollten sich nur Pompeius unterwerfen und dieser nahm diese Unterwerfung an, obwohl Quintus Caecilius Metellus der eigentliche Eroberer war. Nicht nur dieser selbst sondern die ganze gens der Meteller haben das Pompeius sehr verübelt. 63 v. Chr. kehrte Metellus jedoch nach Kreta zurück und machte die Insel endgültig zur römischen Provinz. In Rom feierte er einen Triumph und nahm das Cognomen Creticus an.

Einmal befriedet fanden sich die Kreter ohne Widerstand mit der römischen Herrschaft ab. Die Insel war eine der ruhigsten Provinzen des ganzen Imperiums. Unter Kaiser Augustus wurde sie mit Gebieten in Libyen zur Provinz Creta et Cyrenaica vereinigt. Kaiser Diocletian trennte beide Gebiete 298 n. Chr. und bildete eine eigene Provinz Kreta. Im 3. und 4. Jahrhundert verbreitete sich das Christentum auf der Insel.

Im Jahr 365 wurde Kreta von einem sehr starken Erdbeben erschüttert. Dieses Erdbeben vor Kreta 365 richtete nicht nur in Kreta, sondern in den meisten Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeeres Verwüstungen an.

Byzantinisches Reich (395–1204) und Sarazenenherrschaft (826–961)[Bearbeiten]

In den Zeiten der Völkerwanderung blieb Kreta von Eroberungsversuchen germanischer und slawischer Völkerschaften verschont, sieht man von einem Zug slawischer Seefahrer im Jahr 623 ab, die möglicherweise in der Absicht kamen, dort zu siedeln.[6]

674 erfolgte ein erster arabischer Angriff, 692 ein weiterer.

Die arabische Flotte greift Kreta an
(Chronik des Johannes Skylitzes)

Unter ihrem Führer Abu Hafs al-Balluti (später al-Ikritishi, der Kreter genannt, die Griechen nannten ihn Apohapsis) wurden im Jahr 816 Muladí als Rebellen aus dem islamischen Spanien vertrieben. Diese 10 bis 15.000 Menschen gelangten auf Umwegen nach Ägypten, wo sie Alexandria einnehmen konnten. Nach einer schweren Niederlage gegen die Truppen des Kalifen wandten sich die Andalusier gegen Kreta, das sie möglicherweise bereits zuvor mit Raubzügen heimgesucht hatten.[7] Ob sie es ab etwa 824 tatsächlich ganz eroberten, ist nicht sicher, und auch ihre Rolle beim Niedergang der Städte auf der Insel ist aus den wenigen Quellen nicht ablesbar. Sicher ist nur, dass sie Kreta als Basis für Kaperfahrten gegen Byzanz benutzten, dass sie es Al-Khandaq nannten, und dass das spätere Iraklion ihre Hauptstadt war.

Siehe auch: Emirat von Kreta

Byzanz versuchte mehrfach, die Insel zurückzuerobern. So scheiterten Versuche in den Jahren 826 und 828 trotz erheblicher Erfolge auch 843-844, dann erneut 865.

961 fiel die Insel wieder an das Byzantinische Reich, dessen Feldherr und späterer Kaiser Nikephoros Phokas die Insel eroberte.

Venezianische Herrschaft (1204–1669)[Bearbeiten]

Sestieri von Kreta

Siehe auch: Venezianische Kolonien#Candia (Kreta)

Nach dem Vierten Kreuzzug erwarb die Republik Venedig 1204 Kreta von Bonifaz von Montferrat für den offiziellen Preis von 1.000 Silbermark. Noch wichtiger als das Geld war aber die Garantie des Dogen, dass Bonifatius im Gegenzug Gebiete des gleichen Werts in Griechenland bekam.[8] Damit begann die Periode der venezianischen Herrschaft, auch Venetokratie (Βενετοκρατία) genannt. Die Insel wurde zur wichtigsten venezianischen Kolonie. In sechs Provinzen, deren Namen den Stadtsechsteln (sestieri) der Mutterstadt entsprachen, siedelten rund 4000 Venezianer auf die Insel über und nahmen Feudalgüter in Besitz (unter anderen die Familie der Falier, aus welcher der venezianisch-kretische Dichter Marinos Phalieros stammte). Doch die Kreter wehrten sich in etwa zehn Aufständen, die das ganze 13. Jahrhundert durchzogen – letztlich ohne Erfolg. Der größte Aufstand dauerte unter der Führung von Alexios Kalergis von 1283 bis 1299. Zwischen katholischen Venezianern und orthodoxen Griechen herrschte ein strenges Heiratsverbot.

Zugleich unternahmen Genua und Byzanz (bzw. Nikaia) mehrere Versuche, die Insel zurückzuerobern. Die Einwohnerzahl wuchs von rund 50.000 auf 200.000 an. Die Hauptstadt Candia wurde zu einem der wichtigsten Handelsrelais im östlichen Mittelmeer. 1363–1366 rebellierten die venezianischen Siedler selbst gegen die harte Fiskal- und Handelspolitik der Mutterstadt – ebenso erfolglos wie zuvor die griechischen Kreter.

Nach dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 flohen viele Festlandsgriechen nach Kreta; ab der Eroberung Zyperns durch die Osmanen 1570/71 war Kreta das größte verbliebene griechische Siedlungsgebiet außerhalb des Osmanischen Reiches. Die kulturelle Tradition von Byzanz wurde auf Kreta, gemischt mit italienischen Einflüssen, noch 200 Jahre nach dem Fall Konstantinopels fortgeführt. Man spricht von der Byzantinischen Renaissance. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten dieser Periode war der Maler Domínikos Theotokópoulos, der in Spanien als El Greco (der Grieche) berühmt wurde, jedoch auf Kreta als Ikonenmaler begonnen hatte.

Osmanische Herrschaft (1669–1897)[Bearbeiten]

Türkisches Reich

Von 1645 bis 1669 eroberte das Osmanische Reich im 6. Venezianischen Türkenkrieg als eine der letzten venezianischen Bastionen auch Kreta und leitete damit die Periode der Osmanischen Herrschaft, auch Turkokratie (Τουρκοκρατία) genannt, auf der Insel ein. Zuletzt fiel Candia nach mehr als zwanzigjähriger Belagerung.

Unter der Herrschaft der Osmanen konvertierten viele Kreter zum Islam. In den Städten bildeten Moslems bald 70 % der Bevölkerung und die Christen waren in der Minderheit. Auf dem Land waren hingegen nur ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung Moslems.[9] Widerständler gegen die osmanische Herrschaft zogen sich in unwegsame Gebiete wie die Sfakia zurück. Dort begann der erste kretische Aufstand gegen die türkischen Besatzer unter Daskalogiannis im Jahre 1770, er wurde jedoch blutig niedergeschlagen.

Nach dem Ausbruch der griechischen Freiheitskämpfe auf dem Festland 1821 erhoben sich die Kreter erneut, wurden jedoch 1824 von ägyptischen Truppen geschlagen. Weitere Aufstände wie die Einnahme der Festungsinsel Imeri Gramvousa (1825–1828) und die Tragödie vom Arkadi 1866 zeigten den Freiheitswillen der Kreter. 1866 wurden sie durch das italienisch-bulgarische Garibaldi-Bataillon unterstützt. Im Jahr 1896 rebellierte die griechisch-orthodoxe Bevölkerung wieder gegen die osmanische Herrschaft. Ein Eingreifen Griechenlands führte zum Türkisch-Griechischen Krieg, der 1897 mit einer Niederlage Griechenlands endete. Im Friedensvertrag vom 4. Dezember 1897 erhielt Kreta auf Druck der europäischen Großmächte den Status eines internationalen Protektorats.

De-facto-Unabhängigkeit (1898–1913)[Bearbeiten]

Flagge des Kretischen Staates
Kretische Briefmarke von 1901

Seit 1898 war Kreta de facto ein unabhängiger Staat unter der nominellen Oberhoheit des Sultans.

Hauptartikel: Kretischer Staat

Wiedervereinigung mit Griechenland (seit 1913)[Bearbeiten]

1913 wurde die Insel infolge des Ersten Balkankriegs mit Griechenland vereinigt. Nach dem griechisch-türkischen Krieg (1919–1922) und dem Vertrag von Lausanne wurde die muslimische Bevölkerung Kretas zwangsumgesiedelt. Auswahlkriterium bei dieser Vertreibung war primär die Religionszugehörigkeit, nicht die ethnische Zugehörigkeit, d.h. auch griechischstämmige muslimische Familien wurden ausgewiesen.[10]

abgeräumte türkische Grabsteine in Iraklio

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges standen 1941 griechische, britische und neuseeländische Truppen auf Kreta. Sie sollten die Insel gegen die Deutschen und Italiener halten, um die britische Schifffahrt im Mittelmeer zu sichern. Das gelang nicht, ab dem 20. Mai 1941 war Kreta Schauplatz des ersten großangelegten Luftlandeangriffs im Zweiten Weltkrieg, mit dem Ergebnis, dass die Insel von deutschen und italienischen Truppen erobert wurde. Der anschließende Partisanenkampf, dem sich große Bevölkerungsteile anschlossen, führte zu eskalierenden Kriegsverbrechen. So wurden auf Befehl von Generaloberst Kurt Student am 2. Juni 1941 die meisten männlichen Bewohner des Ortes Kondomari erschossen und die Stadt Kandanos zerstört. In der Gemeinde Viannos wurden am 14. September 1943 500 Bewohner, zumeist Frauen und Kinder erschossen. Am 20. Mai 1944 umstellten Einheiten unter dem Befehl des deutschen Kommandanten der Festung Kreta“ General Bruno Bräuer das jüdische Viertel (278 Mitglieder) der Stadt Chania. Flüchtende Einwohner wurden erschossen, alle anderen per Schiff nach Iraklio gebracht und zwei Wochen später nach Griechenland deportiert. Der ehemals griechische Frachter Tanais (Danae), der die überlebenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde zusammen mit Hunderten griechischer Geiseln und einigen italienischen Kriegsgefangenen nach Athen bringen sollte, wurde am 9. Juni 1944 von dem britischen U-Boot Vivid torpediert und sank.[11][12] Nur vier der jüdischen Einwohner Chanias sollen überlebt haben.

Plan des deutschen Überfalls auf Kreta, Denkmal in Iraklio

Bis zum Herbst 1944 blieb die gesamte Insel unter deutscher - Ostkreta bis zum Ausscheiden Italiens aus dem Achsenbündnis 1943 unter italienischer - Besatzung. Die letzten Soldaten des deutschen Küstenjägerregiments wurden erst einen Monat nach Kriegsende von den Alliierten in Chania entwaffnet. Während der Besetzung kamen etwa 8.000 Kreter bei Kämpfen oder bei Massakern zu Tode. Bruno Bräuer wurde nach Kriegsende an Griechenland überstellt und zum Tode verurteilt. Mit dem ebenfalls wegen Kriegsverbrechen auf Kreta verurteilten General Friedrich-Wilhelm Müller wurde er am 20. Mai 1947 um 5 Uhr hingerichtet. Als bemerkenswert gilt ferner auch die Entführung des deutschen Generals Heinrich Kreipe am 26. April 1944 von Kreta nach Ägypten durch den britischen Special Operations Executive in Zusammenarbeit mit Kretern.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tilmann Bechert: Kreta in römischer Zeit. Zaberns Bildbände zur Archäologie, Darmstadt/Mainz 2011, ISBN 978-3-8053-3901-8.
  • Angelos Chaniotis: Das antike Kreta. C.H.Beck, München 2004, ISBN 3-406-50850-2.
  •  Theocharis E. Detorakis: Geschichte von Kreta. Th. Detorakis, Iraklio 1997 (übersetzt von Johanna Ribow, Gregori Kapandaidakis), ISBN 960-90199-4-3.
  • Paul Faure: La Vie quotidienne en Crète au temps de Minos (1500 avant Jésus-Christ). 2. akt. Auflage. Hachette, Paris 1987, ISBN 2-01-005526-8 (Deutsch: Kreta. Das Leben im Reich des Minos. 3. Auflage. Reclam, Stuttgart 1983, ISBN 3-15-010261-8).
  • Klaus Gallas, Klaus Wessel, Manolis Borboudakis: Byzantinisches Kreta. Hirmer, München 1983, ISBN 3-7774-3240-7 (Reise und Studium).
  • Klaus Gallas: Kreta. Von den Anfängen Europas bis zur kreto-venezianischen Kunst. 8. Auflage. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-1729-8. (DuMont Dokumente. DuMont Kunst-Reiseführer)
  • Stefan Link: Das griechische Kreta. Untersuchungen zu seiner staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklung vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. Steiner, Stuttgart 1994, ISBN 3-515-06554-7.
  • Joshua Starr: Jewish Life in Crete Under the Rule of Venice. In: Proceedings of the American Academy for Jewish Research. 12, 1942, S. 59–114. (Zur älteren Geschichte der jüdischen Gemeinden auf Kreta)
  • Adonis Vassilakis: La Crète minoenne. Du mythe à l'histoire. Adam, Athen 1999, ISBN 3-15-010261-8.
  • Marlen von Xylander: Die deutsche Besatzungsherrschaft auf Kreta 1941–1945. (Einzelschriften zur Militärgeschichte, 32). Rombach, Freiburg 1989, ISBN 3-7930-0192-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Noble Wilford: On Crete, New Evidence of Very Ancient Mariners. (Version vom 18. Februar 2010 im Internet Archive) The New York Times, 15. Februar 2010.
  2.  Thorwald Ewe: Das Rätsel der drei Inseln. In: Bild der Wissenschaft. Nr. 06/2011, Konradin Mediengruppe, Leinfelden-Echterdingen Juni 2011, Fall Nummer zwei: Kreta, S. 58/59.
  3.  Sebastian Witte, Stefanie Peters: Der Weg in die Welt. In: GEOkompakt. Nr. 24, Gruner + Jahr, Hamburg August 2010, S. 6.
  4.  Thorwald Ewe: Das Rätsel der drei Inseln. In: Bild der Wissenschaft. Nr. 06/2011, Konradin Mediengruppe, Leinfelden-Echterdingen Juni 2011, Fall Nummer zwei: Kreta, S. 56/57.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThomas F. Strasser u. a.: Stone age seafaring in the Mediterranian. Hesperia 79 (2010) – The Journal of the American Scool of Classical Studies at Athens, abgerufen am 18. Juni 2011 (PDF-Datei 3,39 MB, englisch).
  6. Michael Wilhelm Weithmann: Slaven auf der griechischen Halbinse, Tofenik 1978, S. 27 und S. 147 bezieht sich auf die Chronik des Thomas Presbyter von Emesa aus dem 7. Jahrhundert (E. W. Brooks, I. B. Chabot (Hrsg.): Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, Löwen 1907, 115). Hingegen sprechen ihnen Klaus Gallas, Klaus Wessel, Manolis Borboudakis: Byzantinisches Kreta, Hirmer 1983, S. 16 jede Siedlungsintention ab, sondern halten sie für Plünderer.
  7. V. Christides: The conquest of Crete by the Arabs (ca. 824). A turning point in the struggle between Byzantium and Islam. Athen 1984, S. 81–84.
  8. Thomas Madden: Enrico Dandolo & the rise of Venice. Baltimore 2003, S. 184f.
  9. Lambert Schneider: Kreta. 5000 Jahre Kunst und Kultur. Minoische Paläste, byzantinische Kapellen und venezianische Stadtanlagen. DuMont, Köln 1998, ISBN 3-7701-3801-5, S. 74f.
  10. Pandelis Prevelakis: Die Chronik einer Stadt.
  11. K. E. Fleming: Greece. A Jewish History. Princeton University Press, Princeton 2007, ISBN 978-0-691-10272-6, S. 110.
  12. Jürgen Rohwer (u. a.): Allied Submarine Attacks of World War Two. Greenhill Books, London 1997, ISBN 3-7637-5975-1, S. 216.