Geschichte der Jungdemokraten

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Die Jungdemokraten sind ein radikaldemokratischer Jugendverband, der 1919 gegründet wurde, in der Nachkriegszeit bis 1982 den Jugendverband der FDP darstellte und seitdem parteiunabhängig arbeitet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Weimarer Republik

Die Jungdemokraten wurden im April 1919 als Reichsbund der Deutschen Demokratischen Jugendvereine gegründet. Später nannten sie sich dann in Reichsbund der Deutschen Jungdemokraten um. Die Jungdemokraten wurden damals als ein der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahe stehender Jugendverband gegründet. Die DDP war als linksliberale Partei eine der Stützen der Weimarer Republik. Zusammen mit der Sozialdemokratie (SPD) und dem Zentrum trat die DDP für den weiteren Aufbau der ersten deutschen demokratischen Republik gegen Widerstände der scheinbar entmachteten Adelskaste ein, (ohne Zentrum) auch gegen erstarkende Großindustrielle und katholischen Klerus.

Die DDP verlor jedoch zunehmend Wähler und rückte zum Ende der Weimarer Republik immer weiter nach rechts, liebäugelte dem Zeitgeist gehorchend mit nationalistischen Strömungen. 1930 fusionierte die DDP schließlich mit dem rechten Jungdeutschen Orden (JungDO) zur Deutschen Staatspartei. Die Linken innerhalb der DDP widersetzten sich erbittert der Vereinigung und gründeten im gleichen Jahr die Radikaldemokratische Partei. Dort arbeiteten führende Jungdemokraten dieser Zeit mit, jedoch mit wenig Erfolg. Unterstützt wurde die Radikaldemokratische Partei unter anderem von Ludwig Quidde. Weitere bekannte Mitglieder der Jungdemokraten waren damals Ernst Lemmer, Julie Meyer, Erich Lüth, Thomas Dehler, die Schriftstellerin Lilo Linke, die Schauspielerin Inge Meysel (hier ist ein Fragezeichen angebracht weil Meysel sich später nicht daran erinnern konnte oder wollte), die Antifaschisten Ernst Strassmann und Hans Robinsohn - siehe Robinsohn-Strassmann-Gruppe - und der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann. 1933 beschlossen die Jungdemokraten unfreiwillig ihre Selbstauflösung.

[Bearbeiten] Zeit des Nationalsozialismus

Inwieweit nach 1933 noch Strukturen der Jungdemokraten oder der liberalen Parteien bestanden, ist bis heute unerforscht. Viele Jungdemokraten passten sich wohl den neuen Umständen an - wenige andere entschieden sich für eine politische und lebensgefährliche Arbeit im Widerstand.

[Bearbeiten] Nachkriegszeit

Im Jahr 1947 gründeten sich die Jungdemokraten unter dem Namen Deutsche Jungdemokraten (DJD) als Jugendverband der FDP neu. Es war damals die Idee Thomas Dehlers, wieder den Namen Jungdemokraten zu verwenden. Es sollte so direkt an die Geschichte der linksliberalen Jungdemokraten der Weimarer Republik angeknüpft werden. In den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Krieg waren die Jungdemokraten jedoch eher, parallel zum stärksten FDP Landesverband Nordrhein-Westfalen, rechtsliberal positioniert, wenngleich Walter Scheel als Repräsentant der dortigen "Jungtürken" schließlich Anfang der sechziger Jahre wider den Stachel des damaligen FDP-Parteivorsitzenden Erich Mende löckte und die Ablösung des "schönen Erich" als Vizekanzler Adenauers mit betrieb. Die DJD unterstützten ein gutes Jahrzehnt darauf nachdrücklich die "linksliberalen" Freiburger Thesen von Karl-Hermann Flach, kämpften vergeblich für eine wenigstens scheinparätätische Mitbestimmung mit einem entscheidenden Stimmrecht für die "leitenden Angestellten" um die Unternehmerherrschaft "im Griff" zu bekommen, arbeiteten auf eine künftige parlamentarische Koalitionsmehrheit mit der SPD hin, waren insbesondere inhaltlich maßgeblich mit beteiligt, an der Entwicklung einer neuen Ostpolitik als Vision der friedlichen Koexistenz. So knüpfte der Berliner Landesverband 1964 Kontakte zur LDPD und der FDJ (Hartmut Röseler).

Unter dem Einfluss der Studentenbewegung bewegten sich die Jungdemokraten für ihre Verhältnisse vergleichsweise radikal nach links. Im Gegensatz zu den damaligen Jungsozialisten gab es in der DJD-Satzung keine Koppelung an Parteimitgliedschaft, die FDP wurde als lediglich "parlamentarischer Ansprechpartner" fest gehalten. Effekt war seitdem: Nur noch weniger als die Hälfte der DJD-Mitglieder waren auch Mitglied der FDP.

Parallel dazu orientierte sich der FDP-nahe Liberale Studentenbund Deutschlands (LSD) während der Studentenbewegung nach links, trennte sich von der FDP, zerbrach jedoch schon 1969 an den inneren Widersprüchen, weil er als bürgerlicher Intellektuellen - Verband denn doch mit "revolutionären" Forderungen nach grundelegender Umgestaltung des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems nicht so recht klar kam, schon gar nicht mit der FDP. Der Liberale Hochschulverband (LHV) gründete sich als Nachfolgeverband 1972, dieser erklärte sich der F.D.P. als auch den DJD nahestehend, kämpfte jedoch gleichermaßen gegen innere Widersprüche.

Anfang der 1970er Jahre kam es in Niedersachsen zu politischen Auseinandersetzungen, die zur Gründung eines auf Niedersachsen beschränkten Jugendverband, die Sozial Liberale Jugend (SLJ) führte.

[Bearbeiten] Sozialliberale Koalition

Die Jungdemokraten arbeiteten seit der Regierungsablösung von Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger durch Willy Brandt ("mehr Demokratie wagen") und Walter Scheel auch im parlamentarischen Bereich verstärkt mit. Diese wenigen Jahre prägten das neue Selbstverständnis der DJD. In ihrem "Leverkusener Manifest" hatten sie festgeschrieben, dass Macht und Herrschaft gebrochen bzw. kontrolliert werden müssen, dabei marxistische Ansätze entwickelt und einbezogen.

Die Jungdemokraten vertraten seit 1967 zunehmend die „Strategie der beiden Wege“: Bei den Jusos wurde diese Strategie später als „Doppelstrategie“ bekannt. Das bedeutete: Auf parlamentarischer Ebene präsent sein, jedoch gleichermaßen "Basisarbeit" zu betreiben, um Machtverhältnisse grundlegend zu knacken. Danach sollte einerseits in den Institutionen – also FDP, Gewerkschaften etc. – gehandelt und andererseits im außerparlamentarischen Raum (APO) gewirkt werden [1]. 1970 wird im Bonner Manifest der DJD „..die Strategie der beiden Wege“ kritisiert, denn sie habe „nur den praktizierenden Vorrang der Bemühungen um die F.D.P. verschleiert“ „und der andere Weg beschränke sich im wesentlichen auf verbalradikale Proteste.“ [2] Im Bonner Manifest wird der Kapitalismus abgelehnt und dem „Sozialismus gegenüber dem Liberalismus“ - der Idee aber nicht der Praxis nach - der Vorzug eingeräumt. Bundesvorsitzender Heiner Bremer fordert moderat: „Es darf den Rückzug der DJD aus den täglichen sozialen Konflikten nicht geben, weil die DJD dadurch die Möglichkeit verlieren, sich größere Gruppen als Verbündete im Kampf um auch nur geringfügige Verbesserungen vertraut zu machen und weil sie sich dadurch letztlich isolieren.[3] Um so mehr die FDP sich in den folgenden Jahren zu einer liberalen Wirtschaftspartei wandelte, trat ebenfalls diese Isolierung dann auch ein.

In diese Zeit fiel der Parteiausschluss des damaligen Juso- Bundesvorsitzenden Benneter, der einem "staatsmonopolistischem Kapitalismus" (Stamokap) das Wort redete. Just hatten 1972 die DJD erstmals eine Frau zur Bundesvorsitzenden gewählt: Ingrid-Matthäus. Matthäus´ Nachfolger machten es der FDP nicht leichter, insbesondere Christoph Strässer. Schon Ende der 70er Jahre war den Jungdemokraten klar, dass die damalige FDP geprägt von Graf Lambsdoff, Josef Ertl und Hans-Dietrich Genscher mit Kanzler Helmut Schmidt nicht weiter machen wollte. Auch den DJD gefiel die Regierungspolitik unter Schmidt nicht besonders (etwa der berüchtigte Pershing-Nachrüstungsbeschluss). Die Jungdemokraten bereiteten sich deshalb schon Jahre zuvor auf eine Trennung von der FDP vor.

Der in der Parteibasis nicht abgesprochene Koalitionswechsel der FDP am 1. Oktober 1982 (Sturz der SPD/FDP-Regierung durch CDU/CSU/FDP) war das längst erwartete Signal. Daraufhin beschloss die Bundeskonferenz der Jungdemokraten in Bochum am 27. November 1982 einstimmig die Trennung von der FDP - durch Streichung der FDP als parlamentarischen Ansprechpartner aus der eigenen Satzung.

Schon zwei Jahre zuvor hatte sich ein konkurrierender, frisch gegründeter Jugendverband vergeblich darum bemüht, von der FDP als Ersatz-Jugendverband anerkannt zu werden: Die Jungen Liberalen. Hier sammelten sich zuerst auffällig junge Menschen mit Nationalpathos. Ihr nächster Bundesvorsitzender, eine Karriere in der FDP absolvierend, hieß dann Guido Westerwelle. Er und die "Julis" wurden von der FDP begrüßt, da diese ihren DJD - Jugendverbandes verloren hatten.

Die Jungdemokraten initiierten zunächst die Gründung der Liberalen Demokraten (LD). Die bisherigen linksliberalen Mandatsträger der FDP, ebenfalls über die FDP-Wende empört, konnten sich aber nicht zum Schritt einer alternativen Parteigründung entschließen. Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum, Hildegard Hamm-Brücher oder Friedrich Hölscher verblieben in der FDP. Sie setzten auf eine erhoffte "Rückbesinnung" in der FDP, auch wenn die beim folgenden Berliner Bundesparteitag der FDP gründlich misslang: Da wurde die Wende zu und mit Helmut Kohl nach erbitterten Diskussionen mehrheitlich anerkannt.

Stattdessen glaubten die meisten linksliberalen Parlaments- Mandatsträger, mit einer "Liberalen Vereinigung" die FDP retten zu können, darunter übrigens auch der ehemalige nordrhein- westfälische Jungdemokrat Günter Verheugen. So versuchten die DJD ohne deren Unterstützung die Liberalen Demokraten zu etablieren, gezielt als Versuch, die FDP zu spalten und deren fortschrittlichen Teil der Mitglieder und Wähler mit zu nehmen. Erster Bundesvorsitzender der LD wurde Uli Krüger. Er verhinderte jedoch, dass die LD bei den nächsten Landtagswahlen, so in seinem Stammland Hessen, antrat. Schließlich wurde klar, dass die Liberalen Demokraten, auch mit ihrer überregionalen Prominenz, bei den nächsten Bundestagswahlen kaum über den Status einer Splitterpartei hinaus kommen würden.

Schließlich arbeiteten die Jungdemokraten relativ eng mit den Grünen zusammen. Mit dauerhafter Unentschlossenheit, der zunehmenden Professionalisierung grüner Parteiarbeit und später der Bildung der Grünen Jugend lockerte sich diese Zusammenarbeit. Einige Jungdemokraten, wie z.B. Claudia Roth, konnten bei den Grünen später zu ständigen hauptberuflichen Politikern aufsteigen. Andere, wie etwa der damalige baden- württembergische DJD- Landesvorsitzende Jürgen Gneitig, versprachen ohne Mandat ihres Verbandes den Wechsel zu den Grünen.

[Bearbeiten] Wendezeit

Nach der Wende in der DDR kam es ab 1990 zur Zusammenarbeit mit der Marxistischen Jugendvereinigung Junge Linke. Im Jahre 1993 fusionierten Jungdemokraten und MJV Junge Linke unter dem Namen Jungdemokraten/Junge Linke. Von 1990 bis 1994 war der Verband als politische Vereinigung selbst im Sächsischen Landtag vertreten und bildete mit anderen linken Organisationen und Parteien die Fraktion "Linke Liste/PDS". Heute sind JungdemokratInnen/Junge Linke deutlich im linken Spektrum positioniert und stehen politisch inzwischen links der Linkspartei. Mitglieder von JD/JL sind heute vor allem über die Linkspartei in diversen Landtagen vertreten, z. B. Benjamin-Immanuel Hoff, Steffen Zillich oder Heike Werner.

Doch von rein sozialistischen Positionen grenzt die JungdemokratInnen das Bekenntnis zur Radikaldemokratie ab.

[Bearbeiten] Abspaltung der Antinationalen

In den 90er Jahren beherrschte die Debatte zwischen dem radikaldemokratischem und dem antinationalem Flügel die Verbandsarbeit. 1999 verließen schließlich die Antinationalen den Verband und gründeten die Junge Linke, die anfangs vor allem in Niedersachsen, Berlin, Bremen, Hamburg und Thüringen aktiv war.

[Bearbeiten] Bekannte DJD-Mitglieder aus der Umbruchzeit

Aus der Zeit des politischen Umbruchs der Jungdemokraten in der Zeit von 1967 bis etwa 1982 gab es Persönlichkeiten, die nach ihrer Jungdemokratenzeit bundesweit einen erheblichen beruflichen oder politischen Aufstieg hatten. Viele verließen spätestens 1982 die FDP und waren in der SPD oder bei den Grünen wieder zu finden. Einige sind heute bei der Linken, ganz wenige noch in der FDP oder sogar in einem rechtsliberalen Lager. Dazu folgende bekanntere DJD-Mitglieder aus dieser Zeit und ihre besonderen Karriereschritte als Beispiele der politischen Wandlungen:


siehe dazu auch Übersicht über die in der Wikipedia erfassten Mitglieder der Jungdemokraten

[Bearbeiten] Weblinks

Die Sozial Liberale Jugend / Braunschweiger Manifest mit Downloads

[Bearbeiten] Quellen

  1. Grundsatzprogramm der DJD vom November 1967
  2. Bonner Manifest der DJD von 1970
  3. Heiner Bremer: Zum Selbstverständnis der Jungdemokraten, aus liberal Heft 6 in 1971
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