Geschichte der Stadt Stettin

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Altes Stadtwappen
Otto von Bamberg
Herzog Bogislaw X
Stadtplan von Stettin von 1898
Alphabetisches Verzeichnis der Straßen, Plätze, Gebäude etc. mit Angabe der Planquadrate im Stadtplan (siehe oben), A - K
Alphabetisches Verzeichnis der Straßen, Plätze, Gebäude etc. (Fortsetzung), K - Z

Die Geschichte der Stadt Stettin reicht bis in das 8. Jahrhundert zurück. Das heute in Polen liegende Stettin (polnisch Szczecin) hat eine über 700 Jahre dauernde Geschichte als deutsche Stadt.

Vorzeit[Bearbeiten]

Während für die bis zur Völkerwanderungszeit in der Gegend ansässigen Odermündungsgermanen kaum Siedlungsspuren gefunden wurden, kann für das 8. Jahrhundert eine slawische Siedlung auf einem Hügel oberhalb des linken Ufers der Odermündung in das Stettiner Haff nachgewiesen werden. Im Laufe des 9. Jahrhunderts entwickelte sich daraus ein mit Palisaden geschützter Burgwall. 967 wurde das Gebiet gemeinsam mit Pommern von dem polanischen Herzog Mieszko I. in Lehnsabhängigkeit gebracht. Weitere hundert Jahre später war unterhalb der Burg eine neue wendische Siedlung namens Kessin entstanden, die rasch zu einem bedeutenden Handels- und Hafenplatz wurde. Zu dieser Zeit war das umliegende Land Teil des polnischen Königreiches, von dem es 1091 erobert worden war. Unter Herzog Boleslaw III. von Polen wurde Pommern erneut unterworfen, so rief man Anfang des 12. Jahrhunderts Bischof Otto von Bamberg ins Land, um die heidnischen Wenden zum Christentum zu bekehren. Von 1124 bis 1128 kam er zweimal ans Stettiner Haff, und bei seiner letzten Visite zerstörte er die heidnischen Tempel, um an ihrer Stelle eine hölzerne Kirche zu errichten. Während des Wendenkreuzzuges des Bischofs Anselm von Havelberg wurde die Burg 1147 belagert, die Einnahme konnte aber durch das Eingreifen des Camminer Bischofs abgewendet werden. Er hatte geltend gemacht, dass die Bewohner bereits zum Christentum übergetreten waren. 1173 eroberten die Dänen die Burg, zerstörten sie, bauten sie 1190 aber wieder auf. Die Dänen herrschten bis 1227 im Land.

Mittelalter[Bearbeiten]

Inzwischen hatten sich südlich und westlich der Wendensiedlung deutsche Siedler niedergelassen, die zuerst die so genannte Oberstadt, später die Unterstadt gründeten. In der Oberstadt wurde von 1180 bis 1187 die Jakobikirche erbaut, gestiftet von dem Kaufmann Beringer von Bamberg. Mit dem Machtantritt der Herzöge aus dem Geschlecht der Greifen im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts hatte sich Pommern mehr und mehr zu einem eigenständigen Staatsgebilde entwickelt, dessen Politik unter Barnim I. von 1226 bis 1278 einen ersten Höhepunkt erreichte. Barnim I. ging als Städtegründer in die Geschichte ein und verlieh auch der Wendensiedlung Kessin zusammen mit den deutschen Vorstädten als „oppidum Stetin“ 1243 das Stadtrecht, eine Stettiner Variante des Magdeburger Stadtrechtes. Die Tatsache, dass bereits 1220 mit Bogislaw II. erstmals ein pommerscher Herzog in der Jakobikirche beigesetzt worden war, belegt die Sonderstellung Stettins als Machtzentrum Pommerns. Sie wurde unter Barnim I. durch Zollerlass, Handelsprivilegien und Fischereirechte weiter gefördert, sodass die Stadt auch wirtschaftlich erstarkte. Zusätzlich wurde in Stettin der Oberhof für alle Städte mit Magdeburgisch-Stettiner Stadtrecht eingerichtet. 1245 erlaubte der Herzog den Bau eines Rathauses. Auf dem alten Burgwall wurde 1263 mit dem Bau der Marienkirche als Zeichen des vollendeten Zusammenwachsens der drei Siedlungen begonnen. Der Bau eines Hafens gab der Stadt einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, der 1278 zur Mitgliedschaft in der Hanse führte. Die 1295 erfolgte Teilung Pommerns mit der Errichtung des Herzogtums Pommern-Wolgast, das Stettin von der Küste abschnitt, brachte zunächst wirtschaftliche Nachteile mit sich, die sich unter anderem in dem schwindenden Einfluss in der Hanse bemerkbar machten.

1309 begann Herzog Otto I. mit dem Bau eines Schlosses und machte damit Stettin offiziell zur Residenzstadt Pommerns. Sein Nachfolger Barnim III. geriet mit der Stettiner Bürgerschaft in Streit, als er begann, auf dem den Bürgern vorbehaltenen Burgplatz ebenfalls ein Schloss zu errichten. Erst der Vertrag vom 24. August 1346 brachte eine Einigung, und es entstand ein fester Steinbau, der Ursprung des heute noch bestehenden Stettiner Schlosses. Zu Ehren des Bischofs Otto von Bamberg stiftete der Herzog die Ottenkirche, die gemeinsam mit dem Schloss errichtet wurde. Am 15. Juli 1345 erwarb die Stadt vom Herzog das Münzregal und konnte damit ihre hervorragende Stellung in Pommern weiter ausbauen. Zum Ende des 14. Jahrhunderts kam es zu einem weiteren Anschub für Stettins Wirtschaft, als im Zuge des Konflikts zwischen Polen und dem Deutschen Orden sowohl Polen als auch Pommern der Stadt weitgehende Handelsprivilegien einräumten, um das vom Orden beherrschte Danzig als Handelsmetropole ablösen zu können.

Im 15. Jahrhundert stand Stettin weitgehend im Zeichen sich wiederholender Pestepidemien, denen 1451 und 1464 auch die Stettiner Herzöge Joachim der Jüngere und Otto III. zum Opfer fielen. Das 16. Jahrhundert begann mit einem neuerlichen Streit zwischen Herzog und Stadt. Die Einführung neuer Zölle und die Beschneidung des Münzrechtes durch Bogislaw X. brachte 1503 die Stettiner Bürgerschaft so sehr auf, dass sie den herzoglichen Rat unter Arrest stellten. Erst als Bogislaw die Stadt durch seine Truppen belagern ließ, fügte sich der Stadtrat. Schon 1512 waren die Parteien so weit versöhnt, dass Herzog Bogislaw mit dem Vertrag von Fraustadt vom 18. April 1512 der Stadt zur Hilfe eilte, als deren Handel durch weitgehende brandenburgische Privilegien für Frankfurt/Oder in Gefahr geriet. Durch den Vertrag musste Brandenburg seine Aktivitäten wieder rückgängig machen.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

1532 wurde der der Kunst und den Wissenschaften zugetane Barnim IX. Herzog von Pommern-Stettin. Er berief den bekannten Baumeister Caspar Teiß an seinen Hof und beauftragte ihn 1538 mit dem Ausbau des Ostflügels des Schlosses. Barnim IX. war maßgeblich an der Einführung der Reformation in Pommern beteiligt, und in deren Folge gründete er 1543 als erste weltliche Hochschule in Stettin das Pädagogium, allerdings nicht als eine Universität, sondern als eine Hohe Schule. Das Pädagogium entwickelte sich zu dem angesehenen Marienstiftsgymnasium. Die Förderung der Wissenschaften wurde auch deutlich durch die Einrichtung der ersten pommerschen Druckerei in Stettin. Im Jahre 1569 erteilte Barnim IX. dem in Frankfurt an der Oder wirkenden Buchdrucker Johann Eichorn (1524–1583) eine Bestallung als Drucker; die Druckerei in Stettin wurde durch dessen Schwiegersohn Andreas Kellner († 1591) aufgebaut, der sie 1572 selbst übernahm. Der zweite Stettiner Buchdrucker war Georg Rhete, dessen erster überlieferter Druck aus dem Jahre 1577 stammt. Im Jahre 1570 wurde in Stettin ein Friedenskongress abgehalten, der zur Beendigung des Dreikronenkriegs zwischen Dänemark und Schweden durch den Frieden von Stettin führte.

Einen Rückschlag musste die Stadt hinnehmen, als 1572 das Handelshaus Loitz in Konkurs ging und damit als wichtiger Finanzier ausfiel. Nur mit Hilfe des Herzogs konnte der finanzielle Zusammenbruch der Stadt vermieden werden, unter anderem dadurch, dass 1580 Stettin das Privileg erhielt, die für Pommern neu eingeführten Münzen zu schlagen.

In den Jahren 1575 bis 1577 wurde auf Veranlassung des seit 1560 herrschenden Herzogs Johann Friedrich das Herzogsschloss im reinen Renaissance-Stil umgebaut. In diesem Rahmen wurde auch die Ottenkirche abgerissen und durch die neue Schlosskirche zu Stettin ersetzt. Weitere Bauarbeiten am Schloss ließ Herzog Philipp II. durchführen, der seine Regentschaft 1606 antrat. Er war in hohem Maße wissenschaftlich und künstlerisch interessiert und hatte eine umfangreiche Bibliothek und Kunstsammlung angelegt. Zu deren Unterbringung fügte er dem Schloss einen Westflügel an. Zusätzlich baute er 1612 anstelle des ehemaligen Kartäuserklosters Grabow das Sommerschloss Oderburg, in dem er eine Bildergalerie einrichtete. Dies alles ließ sich nur durch erhöhte Abgaben der pommerschen Städte finanzieren, die Stettin durch die Einführung einer Biersteuer kompensieren wollte. Das veranlasste vom 16. bis 18. Juli 1616 einen Volksaufstand, in dessen Folge die Steuer wieder zurückgenommen und eine herzogliche Finanzkommission für die Stadt eingesetzt wurde.

Dreißigjähriger Krieg bis zum Frieden von Stockholm[Bearbeiten]

Der 1618 ausgebrochene Dreißigjährige Krieg berührte Stettin zunächst nicht. Erst am 10. Julijul./ 20. Juli 1630greg.[1] besetzten die Schweden unter Gustav Adolf die Stadt und richteten in der Oderburg ihr Quartier ein. Während ihrer Besatzungszeit verstärkten die Schweden die Befestigungsanlagen rund um die Stadt. Auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 blieb Stettin in schwedischer Hand. Dies wollte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm nicht hinnehmen, denn nach dem Aussterben des Greifengeschlechts nach dem Tode von Bogislaw XIV. 1637 hätte Hinterpommern und damit auch Stettin an Brandenburg fallen sollen. Deshalb zog der Kurfürst im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg 1676 mit seinen Truppen nach Stettin, belagerte es zwei Jahre lang und zwang die Stadt am 6. Januar 1678 zur Kapitulation. Der Friedensvertrag von St. Germain zwang den Kurfürsten jedoch schon 1679 wieder zum Abzug. Während des Nordischen Krieges zwischen Schweden und Russland wurde Stettin 1713 von den Russen belagert. Mit dem Frieden von Stockholm 1720 gelang es dem König Friedrich Wilhelm I. endlich, Stettin für Preußen zu erwerben.

Königreich Preußen und Deutsches Reich[Bearbeiten]

Preußisches Wappen am Königstor in Stettin

Durch die Einrichtung bedeutender Verwaltungen, wie der Pommerschen Kriegs- und Domänenkammer, des Hofgerichts und des evangelischen Konsistoriums erlangte Stettin schnell wieder eine hervorgehobene Stellung. Das Altpreußische Infanterieregiment No. 7 wurde nach Stettin verlegt und Stettin wurde so zur preußischen Garnisonsstadt. Zugleich ließ König Friedrich Wilhelm I. in den Jahren 1724 bis 1740 die Festungsanlagen der Stadt durch den Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Walrave grundlegend neugestalten und modernisieren. Die von Walrave angelegten Festungsbauwerke bestanden aus drei Forts, darunter das im Vorfeld der Stadt gelegene Fort Preußen, und neun Bastionen. Die reich geschmückten Festungstore, das Königstor und das Berliner Tor, sind bis heute erhalten. Ferner wurden nach Walraves Entwürfen das Landeshaus (1727 vollendet) und der Turm der Marienkirche (1732 vollendet) errichtet.[2]

Die von Friedrich II. für die östlichen Provinzen in Gang gesetzten Förderpläne ließen auch Stettins Wirtschaft wieder aufblühen. So profitierte der Handel ab 1746 von der Wiederherstellung des Finowkanals nach Berlin, und durch die Entwässerung des Oderbruchs gewann Stettins südliches Umland an Bedeutung. Durch den Wegfall der Oderzölle 1752 erlangten die Stettiner Reedereien freie Fahrt bis nach Schlesien. Durch den 1740 begonnenen Ausbau der Swine mit der Eröffnung des Ostseehafens Swinemünde 1746 entwickelte sich Stettin zum Ende des 18. Jahrhunderts zum wichtigsten Hafen Preußens. 1760 wurde in Stettin eine Freimaurerloge gegründet, die sich später St. Johannis-Loge zu den drei Zirkeln nannte [3] und deren Zeremonienmeister 1787-1795 der Historiker Johann Jakob Sell war.

Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon I. im Jahre 1806 wurde Stettin vorübergehend Exil für die Berliner Minister und Behörden. Obwohl Festungsstadt, fiel Stettin am 29. Oktober 1806 nach der Kapitulation des preußischen Generals Friedrich Gisbert Wilhelm von Romberg kampflos in französische Hände. Die Besatzung dauerte bis zum 5. Dezember 1813. Nach der Vertreibung Napoleons begann Preußen ab 1815 seine Verwaltung neu zu ordnen. So wurde unter anderem die Provinz Pommern errichtet, zu deren Hauptstadt Stettin bestimmt wurde. Auch die Verwaltung des neu gebildeten Regierungsbezirkes Stettin wurde in der Stadt angesiedelt. Im Rahmen der Kreiseinteilung erhielt die Stadt kreisfreien Status. Als Vorbote der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden Industrie wurde 1817 in Stettin die Zuckersiederei Dohm gegründet. Mit der Fertigstellung der Chaussee nach Berlin 1827 begann der Anschluss an das moderne Verkehrswegenetz, der 1843 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Berlin-Stettin durch König Friedrich Wilhelm IV. einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Gleichzeitig wurde der Hafen immer weiter ausgebaut. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Stettin ein ‚Stettiner Kochbuch‘[4] herausgegeben, dessen 5. Auflage 1845 erschien und das 1858 auch als ‚Danziger Kochbuch‘ aufgelegt wurde.[5] Trotz des industriellen Fortschritts litt Pommern 1847 unter einer Hungersnot, die auch in Stettin zu Krawallen führte. Bis 1870 dehnte sich Stettin im Süden durch die Errichtung der Neustadt erheblich aus. Die Aufhebung der Festungswerke 1873 ermöglichten neue Stadterweiterungen nach Westen hin. Auf den ehemaligen Festungsanlagen entstanden unter Führung des Pariser Architekten Georges-Eugène Haussmann moderne Wohnquartiere mit weiträumigen Boulevards. In dieser Zeit siedelten sich auch zwei große Maschinenbaufirmen in den Vororten an: Die Stettiner Maschinenbau A.G. „Vulcan“ in Bredow und die Stettiner Maschinenbau-Anstalt und Schiffsbauwerft-Actien-Gesellschaft (ab 1903 Stettiner Oderwerke AG) in Grabow. Mit der Fertigstellung eines privaten Elektrizitätswerkes wurde Stettin ab 1890 mit Strom versorgt. 1898 eröffnete Kaiser Wilhelm II. den neuen Freihafen.

Hafen von Stettin 1900

1900 dehnte sich Stettin erneut durch die Eingemeindung der Vororte Bredow, Grabow und Nemitz aus, denen 1911 weitere Ortschaften folgten. Um die Jahrhundertwende gab es in und um Stettin zahlreiche Gaststätten.[6]

Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg hinterließ auch in Stettin ihre Spuren. Den größten Einschnitt bildete die Schließung der Vulcan-Werft im Jahre 1928. Während der Weimarer Republik bestand von 1930 bis 1932 die Pädagogische Akademie Stettin.

Die für 1500 Besucher gebaute und im Jahre 1875 eingeweihte Synagoge zu Stettin an der Grünen Schanze wurde im Novemberpogrom 1938 Opfer der Brandstiftung. Die Ruine wurde 1940 abgerissen.

Mit Eingemeindung der Städte Altdamm und Pölitz sowie weiterer 36 Gemeinden wurde die Stadt 1939 als Groß Stettin flächenmäßig zur drittgrößten Stadt Deutschlands. Vom Oktober 1939 bis ins Frühjahr 1940 wurden die Patienten der psychiatrischen Anstalten in und um Stettin von der SS ermordet, um angeblich für die „Rücksiedlung“ der Baltendeutschen „Platz zu schaffen“.

Von den Stettiner Juden wurde ein Teil - etwa 1200 Personen - in Richtung Osten verbracht.[7] Sie waren die ersten auf deutschem Gebiet, die von den Nationalsozialisten ins nun besetzte Polen deportiert wurden; dies unter dem Vorwand, sie müssten Volksdeutschen in seenahen Berufen weichen. Am 12. Februar 1940 war ihre Verhaftung im ganzen Stadtkreis Stettin erfolgt; nur die Schulkinder des Waisenhauses, einige Altenheimbewohner und einige in Mischehe lebende Juden blieben verschont. [8]

Stettin 1945

Im Januar und August 1944 war Stettin Ziel schwerer Bombenangriffe des Bomber Command der Royal Air Force, denen die Altstadt zu 90 Prozent, das übrige Stadtgebiet zu 70 Prozent zum Opfer fielen. Am 26. April 1945 eroberte die Rote Armee Stettin und setzte zunächst eine kommunistisch dominierte deutsche Stadtverwaltung ein. Erster Nachkriegsbürgermeister war der erst 25 Jahre alte Erich Spiegel, ihm folgte vom 26. Mai 1945 bis zum 5. Juli 1945 Erich Wiesner (1897–1968). Vom 20. Mai 1945 bis zum 10. Juni 1945 gab die sowjetische Besatzungsmacht in Stettin die Deutsche Zeitung als Tageszeitung heraus.

Am 5. Juli 1945 jedoch übergab die sowjetische Besatzungsmacht Stettin – unter Verletzung bestehender alliierter Vereinbarungen, die einen Grenzverlauf „unmittelbar westlich von Swinemünde und von dort die Oder entlang bis zur Einmündung der westlichen Neiße“ [9] vorsahen – an polnische Stellen. Dies geschah im Rahmen sowjetischer Bestrebungen, die Westmächte in Bezug auf die deutsche Ostgrenze vor ein fait accompli zu stellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute[Bearbeiten]

Polnisches Denkmal zu Ehren der Taten der Polen in Stettin

Am Tage der Übernahme der Verwaltung durch polnische Stellen, dem 5. Juli 1945, lebten in Stettin nur noch ca. 84.000 Deutsche, welche in der Folgezeit aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben wurden. Erster polnischer Stadtpräsident wurde Piotr Zaremba. Im Dezember 1946 lebten 108.000 Polen in Stettin. Der polnische Staat benannte die Stadt in Szczecin um und machte sie zur Hauptstadt der Woiwodschaft Stettin, die unter diesem Namen bis 1999 in unterschiedlicher Ausdehnung bestand. Unter Reaktivierung des Hochschulwesens wurden zwischen 1947 und 1955 eine Handelsakademie, eine Ingenieurhochschule, eine Ärzteakademie, eine landwirtschaftliche Hochschule und eine technische Hochschule eröffnet. Der Hafen blieb zunächst in sowjetischer Hand, ehe er 1947 teilweise und 1955 vollständig an Polen übergeben wurde. Wegen des Hafens gab es mit der DDR bis in die achtziger Jahre hinein Spannungen, denn die DDR sah im Stettiner Hafen eine Konkurrenz für ihre eigenen Ostseehäfen. Das führte zu dem letztendlich vergeblichen Versuch der DDR, durch Erweiterung der Hoheitsrechte im Stettiner Haff die Zufahrtswege zum Stettiner Hafen erheblich einzuschränken. In den sechziger Jahren wurde Stettin auch als Industriestandort weiter ausgebaut, an dem die Werft, der Maschinenbau und die Lebensmittelindustrie den größten Anteil hatten.

1970 und 1980 war die Stadt Schauplatz von Streiks und Arbeiterunruhen und wurde neben Danzig Keimzelle der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc. Die katholische Kirche errichtete 1972 das Bistum Stettin-Cammin mit Bischofssitz in Stettin, das 1992 zum Erzbistum Stettin-Cammin erhoben wurde. 1985 begann die Universität Stettin ihren Lehrbetrieb. Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus in Polen fand am 27. Mai 1990 die erste demokratische Kommunalwahl in Stettin statt. 1999 wurde Stettin Hauptstadt der neugebildeten Woiwodschaft Westpommern.

Demographie[Bearbeiten]

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war die Bevölkerung Stettins überwiegend protestantisch.

Entwicklung der Einwohnerzahlen
Entwicklung der Einwohnerzahl
Jahr Einwohner Anmerkungen
1720 6.081[10]
1740 12.360[10]
1756 13.533[10]
1763 12.483[10]
1782 15.372 keine Juden[10]
1794 16.700 keine Juden[10]
1812 21.255 davon 476 Katholiken und fünf Juden.[10]
1816 21.528 davon 742 Katholiken und 74 Juden.[10]
1831 27.399 davon 840 Katholiken und 250 Juden.[10]
1852 48.028 davon 724 Katholiken, 901 Juden und zwei Mennoniten.[10]
1861 58.487 davon 1.065 Katholiken, 1.438 Juden, sechs Mennoniten, 305 Deutschkatholiken
und drei Bürger anderer Religionszugehörigkeit.[10]
1905 224.119 einschließlich der Garnison, darunter 209.152 Protestanten,
8.635 Katholiken und 3.010 Juden.[11]
1925 254.466 davon 230.054 Protestanten, 9.213 Katholiken und 2.615 Juden[12]
1933 269.557[13]
2009 408.427

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alte Ansichten von Stettin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Fr. Thiede: Chronik der Stadt Stettin – Bearbeitet nach Urkunden und den bewährtesten historischen Nachrichten. Müller, Stettin 1849, 936 Seiten; bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reichende detaillierte Stadtchronik (Online-Fassung).
  • Heinrich Berghaus: Geschichte der Stadt Stettin, der Hauptstadt von Pommern – Topographisch-statistisch beschrieben nach allen Richtungen ihres politischen, bürgerlichen, merkantilischen und kirchlichen Lebens. 2 Bände, Berlin/Wriezen 1875-76 (1. Band 1102 Seiten, 2. Band 1115 Seiten).
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865 (Nachdruck 1996 durch Sändig Reprint Verlag, Vaduz, ISBN 3-253-02734-1), S. 376–412 (Online-Fassung. Bis in die 1860er Jahre reichende Stadtchronik mit zahlreichen Quellenangaben.)
  • Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 378-398 (Online-Fassung).
  • Martin Wehrmann: Geschichte der Stadt Stettin. Weltbild, Augsburg 1993 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von Stettin 1911), ISBN 3-89350-119-3. (Letzte größere Stadtchronik in deutscher Sprache.)
  • Ernst Völker: Stettin – Daten und Bilder zur Stadtgeschichte. G. Rautenberg, Leer 1986, ISBN 3-7921-0317-6.
  • Stettiner Verkehrsverein GmbH (Hrsg. 1929): Stettin – Ein Führer durch die Hafen- und Industriestadt im Grünen. Stettin, Berliner Tor Nr. 5, Reprint dieser Ausgabe durch G. Rautenberg, Leer 1989, ISBN 3-7921-0387-7.
  • Stettin-Szczecin 1945–1946, Dokumente-Erinnerungen, Dokumenty-Wspomnienia. Hinstorff, Rostock 1995, ISBN 3-356-00528-6. Dokumente und Augenzeugenberichte aus der Zeit 1945–1946.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Theatrum Europaeum: Band 2, S. 238 (Digitalisat der Universität Augsburg)
  2. Eckhard Wendt: Was schuf Gerhard Cornelius von Walrave (1692–1773) in Stettin? In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 2/2012, ISSN 0032-4167, S. 17–21.
  3. Adolf Georg Carl Lincke: Geschichte der St. Johannis-Loge ZU DEN DREI ZIRKELN, früher la partaite union im ORIENTE STETTIN. Zur Säcular-Feier der Loge am 3. und 4. April 1862. Stettin 1862 (Volltext).
  4. Marie Rosnack: Stettiner Koch-Buch: Anweisung auf eine feine und schmackhafte Art zu kochen, zu backen und einzumachen. 4. Auflage, Nicolai'sche Buch- & Papierhandlung (C. F. Gutberlet), Stettin 1838 (Volltext)
  5. Marie Rosnack: Danziger Koch-Buch. Anweisung auf eine feine und schmackhafte Art zu kochen, zu backen und einzumachen. Nach durch fünzigjährige eigene Erfahrung bewährten Recepten bearbeitet. Leon Saunier, Stettin 1858.
  6. Kristin Maronn: Schöne Gaststätten in und um Stettin: In alten Ansichtskarten von 1890 bis 1943. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2001.
  7. Esriel Hildesheimer: Jüdische Selbstverwaltung unter dem NS-Regime. Mohr, Tübingen 1994, ISBN 3-16-146179-7, S. 181 ff.
  8. Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die "Judendeportationen" aus dem Deutschen Reich, 1941-1945. Wiesbaden 2005. ISBN 3-86539-059-5, S. 34 und Haus der WSK / Stettin (pdf)
  9. Potsdamer Abkommen bei documentarchiv.de
  10. a b c d e f g h i j k Kratz (1865), S. 405
  11. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig und Wien 1909, S. 9.
  12. Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Pommern. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Oktober 1932. Berlin 1932, S. 81.
  13. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 18, Leipzig 1934, S. 153.