Geschichte der Vereinigten Staaten

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Die Vereinigten Staaten von Amerika gingen aus den dreizehn britischen Kolonien hervor, die 1776 ihre Unabhängigkeit erklärten. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung 1788 wurden die zuvor souveränen Einzelstaaten Teil einer Bundesrepublik. Mit der Westexpansion der weißen Siedler, die mit der Verdrängung der indianischen Urbevölkerung einherging, wurden immer neue Territorien als Bundesstaaten in die Union aufgenommen, zuletzt 1959 Alaska und die Inselgruppe Hawaii. Heute sind die Vereinigten Staaten der flächenmäßig drittgrößte Staat und die größte Volkswirtschaft der Erde.

Territoriale Expansion der Vereinigten Staaten 1776–1959.
Angegeben ist das Jahr des Beitritts als Bundesstaat.
  • 1776–1790
  • 1791–1799
  • 1800–1819
  • 1820–1839
  • 1840–1859
  • 1860–1879
  • 1880–1899
  • 1900–1950
  • 1950–1959

Indianische Kulturen[Bearbeiten]

Ruinen einer Anasazi-Siedlung im Mesa-Verde-Nationalpark, um 1200
Totempfahl der Tlingit in Ketchikan, Alaska

Die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents erfolgte vor über 15.000 Jahren. Sibirische Jäger und Sammler erreichten über eine damals noch bestehende Landbrücke über die Beringstraße das heutige Alaska und drangen über die Westküste nach Süden und von dort ostwärts vor.[1] Die ältesten Funde sind die Paisley-Höhlen in Oregon und der Buttermilk Creek Complex in Texas. Die erste flächig verbreitete Kultur des Kontinents ist die auf ein Alter von 11.000 bis 10.800 Jahren datierte[2] Clovis-Kultur, deren charakteristische Projektilspitzen sich an zahlreichen Fundorten im gesamten Gebiet der heutigen USA nachweisen lassen. Sie und die folgenden Kulturen der paläoindianischen Periode lebten von der Jagd auf die Megafauna, die gegen Ende der Eiszeit entweder durch diese Bejagung oder infolge des Klimawandels ausstarben. In den folgenden Jahrtausenden, der sogenannten „archaischen Periode“, lässt sich die Ausdifferenzierung regionaler Kulturen beobachten. Das Ende der archaischen Periode wird vom Übergang zur Landwirtschaft und der Sesshaftwerdung der Jägerkulturen markiert. Diese Entwicklung erreichte den Südwesten der heutigen USA ausgehend von Mittelamerika vor rund 5.000 Jahren, erfasste in den folgenden Jahrtausenden jedoch nur Teile des Kontinents. So gingen etwa die Stämme der Pazifikküste bis in die historische Zeit nicht zum Ackerbau über.

Nach der Zeitenwende zeigten sich vereinzelt Ansätze zur Städtebildung, so in den Kulturen der Hohokam und der Anasazi im trockenen Südwesten. Auch die Stämme zwischen Mississippi und Atlantikküste wurden überwiegend sesshaft. Manche ihrer Siedlungen wuchsen zu Städten heran, so wird etwa die Bevölkerung von Cahokia im heutigen Illinois um das Jahr 1100 auf bis zu 20.000 Menschen geschätzt. Anders als die mittelamerikanischen Hochkulturen blieben die Stämme in den heutigen USA jedoch durchweg schriftlos.

Zum Zeitpunkt der „Entdeckung“ Amerikas durch die Europäer 1492 lebten auf dem nordamerikanischen Kontinent nördlich von Mexiko schätzungsweise 7 Millionen Indianer in vielfältigen Stammeskulturen. Die Erschließung und Besiedlung des Landes durch weiße Kolonisten führte in den nächsten Jahrhunderten zu einer demographischen Katastrophe. Besonders durch eingeschleppte Infektionskrankheiten, aber auch durch eine oft rücksichtslose Vertreibungspolitik wurden Stämme dezimiert, starben teils aus oder wurden in immer unwirtlichere Regionen abgedrängt. Heute stellen die Indianer kaum anderthalb Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung.

Kolonialzeit[Bearbeiten]

Entdeckungsfahrten und frühe Kolonisationsansätze[Bearbeiten]

Für rund ein Jahrhundert nach der „Entdeckung“ Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 konzentrierte sich das Interesse der europäischen Mächte (Spanien, Portugal, England und Frankreich) auf Süd- und Mittelamerika. Erst 1524 erforschte Giovanni da Verrazano als erster Europäer auf der Suche nach der Nordwestpassage den Verlauf der heutigen Ostküste der Vereinigten Staaten. Die ersten Expeditionen ins Landesinnere und an die Pazifikküste gingen von den Spaniern aus: 1539 bis 1542 erforschte Hernando de Soto den Südosten, Francisco Vásquez de Coronado den Südwesten der heutigen Vereinigten Staaten, zugleich erreichte der Seefahrer Juan Rodríguez Cabrillo 1542 die Küste Kaliforniens. Diese ersten Entdeckungsreisen kündeten jedoch nicht von Gold oder sonstigen Reichtümern, sondern von abweisenden, fast menschenleeren Landschaften, so dass Nordamerika noch für Jahrzehnte von europäischen Kolonialisierungsbestrebungen weitgehend unberührt blieb. Allein die Fischgründe vor dem heute kanadischen Neufundland lockten häufiger europäische Schiffe an, doch erst mit dem Aufschwung des Pelzhandels mit den Indianern entstanden hier um 1600 erste dauerhafte Handelsposten.[3] Die erste dauerhafte europäische Niederlassung auf dem Gebiet der heutigen USA war das spanische Fort San Agustín an der Ostküste Floridas, das heutige St. Augustine. Es war jedoch nicht als Siedlungskolonie, sondern als militärischer Stützpunkt konzipiert, der den Seeweg der spanischen Galeeren von Mexiko nach Europa vor Piratenangriffen schützen sollte.

Die englischen Ansprüche auf Nordamerika gründeten sich auf die Entdeckungsfahrten Giovanni Cabotos (1497), doch kamen die englischen Kolonisationsbemühungen erst ab 1580 in Gang, befördert insbesondere durch die Schriften Richard Hakluyts und die Entdeckungsfahrten Walter Raleighs. Im Gegensatz zu seinen europäischen Rivalen – insbesondere Frankreich, später auch die Niederlande – rückte im Falle Englands von Beginn an nicht nur die Ausbeutung, sondern auch die dauerhafte Besiedlung Nordamerikas als Motiv in den Vordergrund. 1585 und 1587 scheiterten jedoch die ersten Versuche, eine englische Kolonie auf Roanoke Island vor der Küste des heutigen North Carolina zu etablieren; die zurückgelassenen Siedler wurden von den Indianern getötet, starben an Hunger oder Krankheiten. Erst 1607 gelang es England mit der Gründung von Jamestown dauerhaft Fuß zu fassen, doch war auch dieser Erfolg teuer erkauft: Von den 105 Siedlern überlebten nur 33 die ersten sieben Monate. Eine zweite englische Kolonie, Sagadahoc im heutigen Maine, musste nach kaum einem Jahr 1608 wieder aufgegeben werden.

Religiös motivierte Kolonisation[Bearbeiten]

1620 folgte die nächste größere Immigration durch die puritanischenPilgerväter“. Mit dem Schiff Mayflower gelangten sie zu Cape Cod im heutigen Massachusetts und gründeten die Kolonie Plymouth (siehe Mayflower-Vertrag). 1630 wurde eine größere Siedlung in Boston durch Puritaner gegründet, die „Massachusetts Bay Colony“.[4] Die Puritaner waren ursprünglich auf Grund ihrer Gegnerschaft zum anglikanischen Glauben ihrer Heimat, der ihrem Denken nach zu viele römisch-katholische Praktiken enthielt, nach Nordamerika ausgewandert. Aber religiöse Spannungen unter den Puritanern führten zu neuen Glaubensrichtungen innerhalb der Gemeinschaft. Bereits 1635 wanderte ein Teil der dortigen Siedler auch in das Gebiet des heutigen Connecticut aus, weil sie sich in religiösen Fragen nicht mit der Führung der Massachusetts Bay Colony einigen konnten. Roger Williams, ein Puritaner aus Massachusetts, trat für eine Trennung von Kirche und Staat ein. Er verließ die Gruppe und gründete die Kolonie Rhode Island. Die Kolonie Maryland entstand als ein Zufluchtsort für Katholiken. Pennsylvania, 1681 durch den Quäkerführer William Penn gegründet, zeichnete sich durch seine religiöse Toleranz aus. Viele deutsche Bauern siedelten sich in dieser Region an.

Nichtbritische Kolonisation[Bearbeiten]

Europäische Kolonien in Amerika um 1750
Niederländische Siedlungen in Nordamerika

Schwedische Auswanderer gründeten die Kolonie Neuschweden im heutigen Delaware. Bereits 1626 kauften niederländische Kaufleute den am Hudson River ansässigen Indianern die Insel Manahatta (heute: Manhattan) ab und gründeten dort die Stadt Nieuw Amsterdam. 1664 wurde die Kolonie durch England annektiert und hieß fortan New York. Dieser Name setzte sich auch für die ganze Kolonie durch, die vorher „Nieuw Nederland“ hieß.

Anfänglich stritten sich gleich sechs europäische Mächte – Franzosen, Niederländer, Schweden, Russen, Briten und Spanier – um die Vorherrschaft in Nordamerika. Mit der Zeit kristallisierten sich jedoch die Spanier, Franzosen und Briten als ambitionierteste Mächte heraus. Spanien dehnte sich im Süden und Westen Nordamerikas aus, die Franzosen im Nordosten und entlang des Mississippi. Die Briten hingegen beanspruchten den Osten für sich. Im Jahr 1733 umfasste der nordamerikanische Kontinent neben spanischen und französischen Mandatsgebieten auch 13 britische Kolonien. Das Gebiet erstreckte sich von New Hampshire im Norden bis nach Georgia im Süden.

Die Motivationen der kolonisierenden Mächte wichen allerdings stark voneinander ab. Frankreich war hauptsächlich am Pelzhandel und an der Missionierung der dort lebenden Bevölkerung interessiert. Dazu schlossen sie Allianzen mit verschiedenen Indianerstämmen. Die eingewanderten Briten hingegen waren meist Farmer. Sie suchten Land, auf dem sie sich permanent niederlassen konnten. Dieses versuchten sie durch Verträge mit den Indianern oder aber durch Kriege gegen sie zu erlangen. Insgesamt waren die Briten für ihre recht harsche Indianerpolitik bekannt.

Der Franzosen- und Indianerkrieg[Bearbeiten]

Der von 1756 bis 1763 dauernde Siebenjährige Krieg in Europa zwischen Großbritannien und Frankreich wurde auch in den Kolonien ausgetragen und wurde dort als Franzosen- und Indianerkrieg bezeichnet, bei dem der spätere Präsident der Vereinigten Staaten George Washington erste militärische Erfahrungen sammelte. Anlass für den Krieg vor Ort war die Expansion britischer Händler und Siedler über die Appalachen in das von Frankreich beanspruchte Tal des Ohio. Es kämpften Briten gegen Franzosen, jeweils mit ihren indianischen Verbündeten. Den Franzosen gelangen zwar einige Abwehrerfolge, aufgrund der Überlegenheit zur See konnten die Briten jedoch französische Verstärkungen verhindern. Zwischen 1758 und 1760 eroberten die Briten die wichtigsten französischen Stellungen in den heutigen Vereinigten Staaten und Kanada und siegten am 13. September 1759 in der entscheidenden Schlacht auf der Abraham-Ebene bei Québec. Frankreich akzeptierte im Friedensabkommen von Paris 1763 den Verlust seiner Besitzungen in Nordamerika; das Louisiana-Territorium westlich des Mississippi zuzüglich New Orleans ging an Spanien, Kanada und das übrige Louisiana-Territorium an Großbritannien. Nach Verdrängung der recht beliebten Franzosen waren die Indianer nun gezwungen, Handel mit den Briten zu treiben. Diese wurden als geizig und unfreundlich angesehen. Sie gaben den Indianern keine großzügigen Geschenke, wie es die Franzosen zu tun gepflegt hatten. Der Unmut gegen die Briten nahm zu. Noch im selben Jahr schlossen sich zwölf bis fünfzehn, sonst teilweise auch untereinander verfeindete Stämme unter der Führung von Ottawa-Häuptling Pontiac zu einer Allianz gegen die Briten zusammen. Nach einigen Erfolgen zerbrach die Allianz beim Angriff auf Fort Detroit. Um die weitere Beziehung zu den Indianern zu normalisieren, erließ die britische Regierung die Königliche Proklamation von 1763, die jedoch kaum Beachtung unter den Kolonisten fand, außer ihre wachsenden Ressentiments gegenüber der britischen Krone zu verstärken. Des Weiteren beendete die britische Regierung nach dem Franzosen- und Indianerkrieg ihre bisher verfolgte Politik des salutary neglect, nämlich die Kolonien weitgehend sich selbst zu überlassen, was maßgeblich zur Entstehung einer Siedlerbewegung beitrug.

Die amerikanische Revolution (1763–1783)[Bearbeiten]

Die britischen Staatsfinanzen waren nach dem Krieg zerrüttet. Nach Meinung der Briten sollten auch die Menschen in den Kolonien einen Teil der Kriegskosten tragen; die Siedler jedoch waren der Ansicht, dass sie bereits genug beigetragen hätten und der europäische Teil des Krieges sie nichts angehe. Schmugglern wurde jetzt regelmäßig bei Ergreifung das Handwerk gelegt. Zollvergehen wurden vor Militärgerichten und ohne einheimische Geschworene verhandelt. Zusätzliche Steuern auf Zucker, Kaffee, Textilien und andere Waren verschlechterten die Stimmung weiter. Der Quartering Act zwang die Kolonisten, britische Soldaten zu beherbergen und zu versorgen. Nach Einführung des Stamp Act mussten besondere Steuermarken an sämtlichen Zeitungen, juristischen Dokumenten und Lizenzen angebracht werden.

Die Lage verschärfte sich dadurch, dass die Siedler im britischen Parlament in London keine politische Vertretung hatten. Die Kolonisten waren der Meinung, dass Besteuerung ohne Mitsprache unrechtmäßig sei („No taxation without representation“). 1765 kam es zu einer ersten Versammlung von Vertretern aus neun Kolonien, die den Stamp Act ablehnten. Die britische Regierung musste dem Druck nachgeben, konnte aber den Quartering Act durchsetzen. Die Einführung eines Zolls auf Tee trug dazu bei, den Widerstand der Kolonisten zu verschärfen. Erst als der neue britische Schatzkanzler Lord North alle Steuern bis auf die Teesteuer einfror, kam es zu einer gewissen Entspannung.

Trotzdem kam es 1773 zur Boston Tea Party. Radikale amerikanische Patrioten verkleideten sich als Indianer, überfielen britische Schiffe im Hafen von Boston und warfen insgesamt 342 Kisten mit Tee in das Hafenbecken. Die britische Regierung reagierte mit den Intolerable Acts: Truppen wurden nach Boston verlegt, der Hafen geschlossen und der Handel unterbunden. Die Amerikaner beriefen daraufhin im September 1774 in Philadelphia den ersten Kontinentalkongress ein. Alle Kolonien wurden aufgefordert, sich den Repressionen der Briten zu widersetzen und den Handel mit den Briten einzustellen. Weiterhin wurde beschlossen, Milizen aufzustellen und Waffen zu sammeln.

Am 19. April 1775 marschierten etwa 700 britische Soldaten von Boston in Richtung Concord, einer nahe gelegenen Ortschaft. Die Briten hatten erfahren, dass sich in dem Ort ein illegales Waffenlager befinde. Bei Lexington wurden sie von 70 Mitgliedern einer Bürgerwehr aufgehalten. Damit begann der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg. Die Briten nahmen Lexington und Concord ein. Hunderte von Freiwilligen aus Massachusetts verfolgten die Armeeeinheit und begannen mit der Belagerung von Boston. Bis Juni hatten sich 10.000 Amerikaner zur Belagerung eingefunden, und die Briten mussten im März 1776 die Stadt verlassen.

Im Mai 1775 trat der Zweite Kontinentalkongress in Philadelphia zusammen, um das Vorgehen der Aufständischen zwischen den Kolonien zu koordinieren. Der Kongress gründete im Verlauf der Sitzungen eine Armee und eine Marine. Kontinentalarmee und -marine wurden dem Oberbefehl von George Washington, einem Plantagenbesitzer aus Virginia und Veteranen des Franzosen- und Indianerkriegs, unterstellt. Geld wurde gedruckt und diplomatische Beziehungen mit verschiedenen Ländern wurden aufgenommen, unter anderem mit Frankreich. Thomas Jefferson, ein Landsmann Washingtons aus Virginia, schrieb mit Unterstützung anderer die Declaration of Independence. Am 4. Juli 1776 wurde der Text der Erklärung von dem Kongress beschlossen, nachdem ein Antrag auf Erklärung der Unabhängigkeit schon am 2. Juli eine Mehrheit gefunden hatte.

Für die Amerikaner verlief der Krieg zu Beginn nicht besonders gut. Die Briten eroberten im September 1776 New York und ein Jahr später Philadelphia. Erst mit dem Sieg in der Schlacht von Saratoga änderte sich die Situation. Frankreich nutzte die Gelegenheit und trat neben den Vereinigten Staaten in den Krieg ein. Die Kriegshandlungen endeten im Jahre 1781 nach der Schlacht von Yorktown. General Charles Cornwallis unterlag der amerikanisch-französischen Allianz in einer der heftigsten Schlachten des Krieges. Im September 1783 unterzeichneten die Kriegsparteien den Frieden von Paris. Dadurch wurden die Vereinigten Staaten von Amerika auch von Großbritannien anerkannt.

Die junge Republik (1783–1825)[Bearbeiten]

Konföderationsartikel und die neue Verfassung[Bearbeiten]

Die vom Zweiten Kontinentalkongress beschlossenen Konföderationsartikel erwiesen sich bald als ungeeignet, um die Geschicke einer souveränen Nation zu leiten. Nach einigen Aufständen unzufriedener Steuerzahler in Shays’ Rebellion rief der (immer noch tagende) Kontinentalkongress eine Verfassungskonvention nach Philadelphia ein. Vorsitzender wurde George Washington. Nach heftigen Debatten wurde am 17. September 1787 ein Verfassungsentwurf verabschiedet, der zwar die Befugnis der Zentralregierung entscheidend stärkte, den einzelnen Staaten aber dennoch ein hohes Maß an Autonomie vorbehielt. Dieser Entwurf musste nun durch 9 der 13 Staaten (Connecticut, Delaware, Georgia, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Virginia) ratifiziert werden, um in Kraft zu treten. Aus dem Dualismus zwischen den Befürwortern einer starken Bundesregierung (den sogenannten Föderalisten) und Verfechtern der Souveränität der Einzelstaaten (den sogenannten Anti-Föderalisten) entstand ein früher Vorgänger des modernen Zweiparteiensystems der Vereinigten Staaten. Erst nach der Ratifizierung durch alle 13 Staaten und dem Zustandekommen des ersten Kongresses wurde die Bill of Rights in der Form von zehn Zusatzartikeln verabschiedet.

Staaten und Territorien der USA 1782–1802

Mit der Verfassung gaben die Staaten die Gebiete westlich des Appalachen-Gebirges an die Bundesregierung ab, um dort später eigene Staaten zu bilden (Territorien).

Erste Präsidenten[Bearbeiten]

George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten 1789–1797

Der erste Präsident der Vereinigten Staaten unter der neuen Verfassung wurde der ehemalige Revolutionsgeneral und Vorsitzende des Verfassungskonvents George Washington, ein wohlhabender Sklaven- und Plantagenbesitzer aus Virginia. Er gewann die Wahl 1789 einstimmig. Bereits 1791 wurde aus einem zwischen New York, New Hampshire und Massachusetts strittigen Gebiet der neue Staat Vermont gebildet, ein Jahr darauf aus dem westlich der Appalachen gelegenen Teil Virginias der Staat Kentucky. Die Gebiete nördlich und südlich des Ohio River wurden als Nordwest- und Südwest-Territorium verwaltet. 1796 wurde Tennessee als 16. Staat in die Union aufgenommen.

Außenpolitisch verfolgte Washington einen Neutralitätskurs, um nicht in die Revolutionskriege in Europa hineingezogen zu werden. Innenpolitisch polarisierte der Streit um die Bewertung der Französischen Revolution jedoch breite Bevölkerungsschichten. Dies zeigte sich in der Krise um die Abberufung des französischen Botschafters Edmond-Charles Genêt 1793 und führte zur Herausbildung des ersten Parteiensystems. In dieser Entwicklung setzte sich das ideologische Zerwürfnis fort, das zuvor bereits in der Verfassungsdebatte deutlich geworden war: Die Föderalistische Partei um Washingtons Finanzminister Alexander Hamilton verfocht ein konservativ-hierarchisches Gesellschaftsmodell und fühlte sich Großbritannien näher, während sich die aus den Anti-Föderalisten hervorgegangene Demokratisch-Republikanische Partei um Außenminister Thomas Jefferson dem egalitären Gesellschaftsideal der französischen Republik verbunden fühlte. Einen erneuten Krieg mit Großbritannien konnte Washington mit dem im Land sehr unpopulären Jay-Vertrag von 1794 vermeiden. Der Vertrag führte zu teilweise gewalttätigen Protesten, doch erreichte die Regierung darin die Räumung von bislang von den Briten besetzt gehaltenen Forts im Westen (Fort Oswego, Fort Niagara), womit diese Regionen für Siedler geöffnet wurden. In seiner Abschiedsansprache forderte Washington 1796 die USA auf, sich nicht an Bündnissen mit europäischen Mächten zu beteiligen und nur in Notfällen temporäre Verbündete zu suchen.

Louisiana Purchase 1803 (dunkelgrünes Gebiet), Territorien bis 1810 (hellblau), Gebietsansprüche (hellgrün)

Auf Washington folgte 1797 der Föderalist John Adams. 1801 wurde der Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung Thomas Jefferson der dritte Präsident der USA. Jefferson kaufte für die USA im Jahr 1803 das Louisiana-Territorium von der französischen Regierung (Louisiana Purchase) für 80 Millionen Franc (15 Millionen US-Dollar). Spanien hatte dieses 1800 im Dritten Vertrag von San Ildefonso an Frankreich rückübertragen. Die Lewis-und-Clark-Expedition von 1804 bis 1806 sollte der Erkundung des Landesinneren bis zur Pazifikküste und der Vorbereitung der weiteren Westexpansion dienen. 1810 annektierten die USA das Territorium von West Florida (heute das Gebiet um Mobile (Alabama), Biloxi (Mississippi) und Louisiana östlich des Mississippi River); obwohl dieser Anspruch von Spanien erst 1819 anerkannt wurde, hatten Siedler und Truppen aus den USA auf dem Boden die faktische Kontrolle. 1803 trat der erste der aus dem Nordwestterritorium gebildeten Staaten, Ohio, als 17. Staat der Union bei; 1813 wurde Louisiana der erste aus dem ehemaligen Louisiana-Territorium zugelassene Bundesstaat. Danach traten unter dem Missouri-Kompromiss von 1820 Bundesstaaten immer nur noch paarweise dem Bund bei, ein Staat mit legaler Sklavenhaltung (Sklavenstaat) südlich des Breitenkreises 36° 30' und ein freier Staat nördlich davon, um das Gleichgewicht im US-Senat nicht zu stören.

Der Krieg von 1812[Bearbeiten]

Durch die napoleonischen Kriege in Europa kam es wiederholt zu Spannungen zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich. Amerikanische Schiffe wurden wiederholt von britischen Schiffen aufgebracht und man unterstellte den Amerikanern Parteinahme für die Franzosen; es kam auch vor, dass die Schiffsbesatzung in die britische Armee gezwungen wurde. 1812 mündete dieser Konflikt in den Britisch-Amerikanischen Krieg. Die Amerikaner konnten einige Siege auf See erzielen, trotzdem waren sie der größten Seemacht der Welt hoffnungslos unterlegen. Der Versuch der Amerikaner, in Kanada einzumarschieren, scheiterte kläglich, darüber hinaus besetzten die Briten im August 1814 kurzzeitig die neu gegründete Hauptstadt Washington, D.C. und verwüsteten die Stadt. Der Amtssitz des Präsidenten, das Weiße Haus und auch das Kapitol wurden nicht verschont. Ein Versuch der Briten, New Orleans zu erobern, scheiterte jedoch. General Andrew Jackson gelang es mit Hilfe des französischen Piraten Jean Laffite, die britischen Einheiten abzuwehren. Die Bombardierung von Fort McHenry bei Baltimore durch eine britische Flotte im September 1814 inspirierte Francis Scott Key zu einem Gedicht, dessen Vertonung seit 1931 die Nationalhymne der USA ist.

Nachdem Großbritannien den Krieg mit Frankreich beendet hatte, stand zu befürchten, dass Großbritannien nun mit ganzer Kraft gegen die USA vorginge. Daher vereinbarten die beiden Kriegsparteien am 24. Dezember 1814 den Frieden von Gent (heute Belgien). Der Vertrag stellte lediglich den status quo ante bellum (Zustand vor dem Krieg) wieder her und sah eine friedliche Regelung strittiger Grenzfragen durch Schiedskommissionen vor. Alle anderen Konfliktpunkte wie die Zwangsrekrutierung amerikanischer Seeleute wurden darin nicht erwähnt, erledigten sich aber durch das Ende der napoleonischen Kriege von selbst. Es gelang beiden Regierungen nachfolgend, das Kriegsende in der Öffentlichkeit als Sieg darzustellen.

Weitere neue Bundesstaaten[Bearbeiten]

Seminolenkriege, 1817–1858

Als 1817 Indianer aus Florida, provoziert durch Razzien von US-Siedlern, die sich auf Einladung der Kolonialregierung in Florida niedergelassen hatten, auch Dörfer in Georgia angegriffen hatten, schickte die US-Regierung General Jackson in den ersten Seminolenkrieg. Jackson griff nicht nur die Indianer an, sondern nahm ebenfalls einige spanische Festungen ein. Spanien, geschwächt durch die drohende Unabhängigkeit seiner lateinamerikanischen Kolonien, sah sich zu Verhandlungen gezwungen und übergab in einem Vertrag 1819 Florida gegen eine Geldzahlung an die USA. In diesem Vertrag akzeptierte Spanien auch die Annexion West-Floridas durch die USA und die beiden Parteien einigten sich auf den Sabine River als die Westgrenze von Louisiana (und Ostgrenze des noch spanischen Texas).

Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung in den westlichen Territorien weiter an, und es wurden in der Zeit von 1816 bis 1821 jährlich abwechselnd ein Nordstaat und ein Südstaat dem Bund zugelassen: Indiana (1816), Mississippi (1817), Illinois (1818), Alabama (1819), Maine (1820) und Missouri (1821). Die weitere Ausdehnung des Gebiets, in dem die Sklaverei zugelassen war, wurde in den Nordstaaten zunehmend kontrovers, so dass der Missouri-Kompromiss eingegangen werden musste.

Durch die Unabhängigkeit der spanischen Kolonien zwischen 1810 und 1826 auf dem amerikanischen Festland (siehe Mexikanischer Unabhängigkeitskrieg und Südamerikanische Befreiungskriege) entdeckten die USA und Großbritannien erste gemeinsame außenpolitische Ziele. Aufgemuntert durch die Briten, formulierten die Amerikaner 1823 die Monroe-Doktrin („Amerika den Amerikanern, Europa den Europäern“), die es den europäischen Kolonialmächten untersagte, weitere Kolonisierungen der westlichen Hemisphäre vorzunehmen.

Die Marktrevolution[Bearbeiten]

Die Marktrevolution ist zeitlich zwischen der politischen Revolution und der industriellen Revolution angesiedelt und änderte das Gesicht der Vereinigten Staaten gewaltig. Sie umfasst den Zeitraum 1815 bis 1848 und wurde von vier sich gegenseitig bedingenden Faktoren ausgelöst: dem raschen Anstieg der Bevölkerung im Nordosten und Mittleren Westen, dem Ausbau des Verkehrswesens (Kanäle, Beginn des Eisenbahnbaus), dem Ausbau der Landwirtschaft und der beginnenden Industrialisierung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Einwohnerzahl der USA (die Bevölkerung New Yorks vervierfachte sich sogar in dieser Zeit). Dies lag an dem niedrigen Durchschnittsalter der Einwanderer und an der hohen Geburtenrate der Einwohner. Die ansteigende Bevölkerungszahl führte zur Erschließung neuer Siedlungsräume weiter westlich, so dass sich das gesamte 19. Jahrhundert hindurch die Siedlungsgrenze stetig in diese Richtung verschob. Diese Expansion hatte zur Folge, dass die Infrastruktur des Verkehrswesens in den westlichen Gebieten verbessert werden musste. Dabei spielten die Wasserwege eine bedeutende Rolle. Nach dem Krieg von 1812 begann die Ära der Kanalbauten, unter anderem der Bau des Eriekanal. Die Kanäle kurbelten die Wirtschaft an und wurden dennoch ab den 1830er Jahren von neuen technischen Entwicklungen des Verkehrs- und Kommunikationswesens abgelöst. Die Eisenbahn und der Telegraf gewannen immer mehr an Bedeutung.

Verschärfung der Sklavereifrage (1825–1861)[Bearbeiten]

Mit der Wahl von John Quincy Adams zum Präsidenten (1824) und seinem knappen Sieg über Andrew Jackson ging eine eher unparteiische Ära der US-Geschichte zu Ende. Die folgenden Jahre sahen enorme wirtschaftliche Schwankungen. Trotz der Wirtschaftskrise von 1837 ist die Zeit jedoch insgesamt von Wachstum geprägt. Die Infrastruktur wurde immer weiter ausgebaut und die Industrialisierung nahm erste Schritte. Neben dem Bau einer Nationalen Straße – heute US 40 respektive I-70 von Washington über den Cumberland Gap nach Columbus (Ohio) und Vandalia (Illinois) – sind hier auch der Kanalbau (Illinois-Michigan-Kanal, Eriekanal) und die ersten Eisenbahnstrecken zu erwähnen.

Vor allem die Frage der Sklaverei führte immer häufiger zu Auseinandersetzungen. Das föderale System der USA erlaubte es den einzelnen Staaten, selbst über diese Frage zu entscheiden. Der schon teilweise industrialisierte Norden war nicht auf Sklaven angewiesen, zumal hier die Immigranten ins Land strömten und das Klima weniger günstig für den Anbau von arbeitsintensiven Agrarprodukten geeignet war. 1833 bildete sich hier die American Anti-Slavery Society. Für die Südstaaten dagegen waren die Sklaven von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Die harte Arbeit auf den Baumwollfeldern unter sengender Sonne wollten die Nachfahren der Europäer nicht auf sich nehmen.

Sowohl die Monroe-Doktrin von 1823 als auch die Erhebung von Handelszöllen hängen mit dem entstehenden Nord-Süd-Konflikt zusammen. Manche Historiker sehen darin den Beginn eines Isolationismus in der amerikanischen Außenpolitik, durch den die Südstaaten mit Europa ihren wichtigsten Absatzmarkt für Agrarprodukte verloren. Für den Norden dagegen war die isolationistische Politik günstig, da so die eigene Industrie gestärkt und vor Konkurrenz geschützt werden würde.

Die Zahl der Bundesstaaten vergrößerte sich weiter mit den Beitritten der Staaten Arkansas (1836) und Michigan (1837).

Schlacht von Molino del Rey im Krieg gegen Mexiko, 1845
Mexikanisch-Amerikanischer Krieg

Texas, das nach der Texanischen Revolution 1835/36 seine Unabhängigkeit von Mexiko als Republik Texas erreichte, trat den USA im Jahre 1845 als bislang flächenmäßig größter Staat des Bundes bei. Ein Grund für die Verzögerung des Beitritts lag in Befürchtungen, dies könne das Gleichgewicht im Konflikt zwischen dem industriellen Norden und dem von der Landwirtschaft abhängigen Süden verschärfen. Der Beitritt war eine der Voraussetzungen für die weitere Westexpansion unter der Devise der Manifest Destiny, die besonders von Präsident James K. Polk (1845–1849) verfolgt wurde (Oregon-Vertrag 1846).

Kurz nach dem Beitritt von Texas ergaben sich Anlässe für Grenzkonflikte mit Mexiko, aus denen sich der Mexikanisch-Amerikanische Krieg 1846–1848 entwickelte. Da das Ziel dieses Kriegs die weitere Landgewinnung im Südwesten war und weitere Sklavenstaaten auf dem eroberten Land erwachsen könnten, gab es starke Widerstände gegen den Krieg, insbesondere im Nordosten der Republik. Aus dem religiösen Milieu, in dem der Abolitionismus besonders stark war, kamen der heftigste Widerstand und sogar Impulse zur Sezession. Die USA erreichten Anfang 1848 im Vertrag von Guadalupe Hidalgo die Überlassung des gesamten Gebiets zwischen Texas und dem Pazifik nördlich von Rio Grande und Gila River. Im gleichen Jahr begann der Kalifornische Goldrausch, der Hunderttausende neue Siedler an die Westküste zog. Nach dem Kompromiss von 1850 wurde Kalifornien als 31. Staat in die Union aufgenommen. Später wurden durch den Gadsden-Kauf noch weitere Gebiete von Mexiko übernommen.

Die Sklavenfrage wurde durch das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Dred Scott v. Sandford verschärft, in dem die Richter erklärten, dass Schwarze, ob Sklave oder nicht, nie die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten erhalten könnten. Weiterhin sei die Abschaffung der Sklaverei durch den Kongress verfassungswidrig, da sie eine Enteignung der Sklavenbesitzer ohne gerechten Prozess darstelle. Über die Zukunft des Kansas-Territoriums als Sklaven- oder sklavenfreier Staat kam es zum langjährigen Konflikt, was als Bleeding Kansas in die Geschichte einging. Die Sklavenfrage führte darüber hinaus zum Niedergang der Whig Party, als neue politische Kraft entstand 1854 die Republikanische Partei.

1860 wurde der Republikaner Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt. Lincoln, bekennender Gegner der Sklaverei, war für viele Menschen in den Südstaaten untragbar, und so kam es zur Sezession. Lincoln und seine Regierung erklärten zu dieser Zeit große Gebiete im Westen zu US-Territorium: Colorado, Nevada, Arizona, Idaho, Montana. Die Besiedelung dieser Gebiete war ihnen wichtig. So unterzeichnete Lincoln am 20. Mai 1862 den Homestead Act. Personen über 21 Jahren konnten ein 160 Acres großes Stück Land in Besitz nehmen und es bewirtschaften. Wenn sie fünf Jahre auf dem Land lebten, gehörte es ihnen.

Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sezessionskrieg

Einige Wochen nach der Wahl Abraham Lincolns, aber noch vor seiner Amtseinführung, sagte sich der Bundesstaat South Carolina von der Union los. Wenige Wochen später folgen die Staaten Mississippi, Florida, Alabama, Georgia und Louisiana. Diese Staaten erklärten sich selber zu einer eigenständigen, neuen Nation – den Confederate States of America (Konföderierte Staaten von Amerika). Später traten auch Arkansas, Virginia, Texas, Tennessee und North Carolina den Konföderierten Staaten bei. Für Lincoln bedeutete die Abspaltung Krieg, denn der Erhalt der Union war sein vorrangiges Ziel.

Offiziell ging es aus der Sicht des Südens um die Wahrung der einzelstaatlichen Rechte, aus der Sicht des Nordens um den Erhalt der Union. Die tieferen Gründe verdeutlichte Abraham Lincoln in seiner berühmten Gettysburg Address: Es ging um die Frage, ob eine Demokratie überhaupt auf Dauer Bestand haben kann, wenn die Minderheit nach einem ihr nicht genehmen Beschluss der Mehrheit jederzeit das Recht hat, die staatliche Einheit aufzukündigen. Entzündet hatte sich der Konflikt an der Sklavenfrage und an den unterschiedlichen wirtschaftlichen Auffassungen und Interessen, die sich aus ihr ergaben.

Präsident Lincoln favorisierte den Unionsgeneral Robert E. Lee zur Führung der Unionstruppen. Lee aber entschied sich für seine Heimat Virginia – kämpfte also auf der Seite der Konföderierten. Das sollte den Krieg entscheidend verlängern. Die Südstaaten, unter ihrem Präsidenten Jefferson Davis, hatten zu dieser Zeit brillante Befehlshaber und eine hervorragend motivierte Armee, da es für sie um grundlegende Interessen ging. Die Nordstaaten hingegen waren zahlenmäßig weit überlegen und besser ausgerüstet, hatten aber Probleme in der militärischen Führung. Dies zeigte sich besonders in den ersten Monaten des Krieges. Nach dem Beschuss des Forts Sumter durch die Konföderierten kam es zur ersten offenen Feldschlacht bei Bull Run. Die Schlacht war schnell entschieden und der Süden hatte seinen ersten Sieg errungen. Es folgten weitere erfolgreiche Schlachten für den Süden. Erfolge blieben für den Norden aus.

Dazu kam, dass der Süden auf Unterstützung aus Europa, das von der Baumwolle abhängig war, hoffen konnte. Diese Tatsache erst machte die Befreiung der Sklaven zum wichtigen Kriegsziel des Nordens. So erließ Lincoln am 22. September 1862 die Emanzipations-Proklamation der Schwarzen und rechtfertigte somit den Krieg als einen Kampf gegen die Sklaverei. Dies machte es europäischen Politikern schwer, die Öffentlichkeit für eine Intervention gegen den Norden zu begeistern. Diese wäre aus handelspolitischen Gründen insbesondere für Großbritannien interessant gewesen, das Industrieprodukte gegen die Agrarprodukte des US-Südens (vor allem Baumwolle für die britische Textilindustrie) tauschen wollte. Die Nordstaaten hatten bisher für Schutzzölle zugunsten der eigenen Industrie gesorgt, die durch die Unabhängigkeit des Südens wegfallen würden.

Die Kriegswende kam nach zwei Jahren für den Norden. General Robert E. Lee wollte eine Entscheidung des Krieges herbeiführen und marschierte in Pennsylvania ein. In der Schlacht von Gettysburg, die drei Tage andauerte, konnten sich die Nordstaaten erstmals behaupten. General Ulysses S. Grant nahm gleichzeitig die strategisch wichtige Stadt Vicksburg am Mississippi ein. Sprichwörtlich wurde dem Süden mit der Einnahme dieser Stadt das Rückgrat gebrochen, da der Süden danach über kein zusammengehöriges Gebiet mehr verfügte. 1864 marschierte General William T. Sherman in den Konföderierten Staat Georgia ein und hinterließ verbrannte Erde.

General Ulysses S. Grant verfolgte General Lee und verwickelte ihn in ständig neue Gefechte. Am 2. April 1865 musste Lee Grant die Hauptstadt der Konföderierten, Richmond, übergeben. Eine Woche später kapitulierte Lee im Appomattox Court House. Der Krieg war vorbei.

Mehr als 600.000 Soldaten hatten in diesem Bürgerkrieg ihr Leben verloren. Die Sklaven wurden mit dem 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten freie Bürger, aber gleichberechtigt waren sie noch lange nicht. Dieser Konflikt wird heute noch in manchen Teilen der USA ausgefochten. Im Süden wurden durch den Wegfall der Sklaverei die großen Plantagen aufgeteilt und es bildete sich mit der Zeit eine Mittelstandsgesellschaft. Die Wirtschafts- und Finanzkraft ging an den Norden über.

Die Nachwirkungen des blutigen Krieges sind auch heute noch zu spüren. Trotzdem hatte Lincoln ein Ziel erreicht: Die USA waren keine Nation von lose verbundenen Staaten mehr, sondern ein unzertrennbarer Nationalstaat. Doch Abraham Lincoln konnte diese Auswirkungen nicht mehr miterleben; er wurde noch im selben Jahr bei einem Theaterbesuch ermordet.

Rekonstruktion und Industrialisierung (1865–1918)[Bearbeiten]

Nordamerika am Ende des 19. Jahrhunderts

In der Zeit nach dem Bürgerkrieg standen die Vereinigten Staaten vor der schwierigen Aufgabe, den Süden wieder aufzubauen und die Abschaffung der Sklaverei konstitutionell zu verankern. Letzteres geschah mit dem 13., 14. und 15. Zusatzartikel zur Verfassung. Trotzdem wird der Prozess der Reconstruction von den meisten Historikern nicht als Erfolg gewertet. In vielen Staaten wurden ab 1876 die so genannten Jim-Crow-Gesetze verabschiedet, die die Rechte der ehemaligen Sklaven drastisch minderten und dadurch die Rassentrennung verstärkten. In die Jahre 1862 bis 1890 fällt die letzte Phase der Indianerkriege.

Ein weiteres prägendes Motiv der amerikanischen Geschichte gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war die Landnahme gen Westen, die die frontier, das heißt die Grenze zum offenen, „unzivilisierten“ Land, immer weiter Richtung Kalifornien verschob. Dieses zu jener Zeit offene Land ist in der Folklore als „Wilder Westen“ in Erinnerung geblieben. Geprägt war diese historische Periode von den Indianerkriegen, die sich bis 1890 (Wounded Knee) hinzogen, dem „Goldrausch“ 1848/49 nach Goldfunden in Kalifornien, der Besiedlung durch wilde Siedler (Squatter), sowie den oft gewalttätig ausgetragenen „Weidekriegen“ um die Inbesitznahme des offenen Landes (bekanntestes Beispiel: der Lincoln County War in New Mexico 1878 unter Beteiligung von John Chisum und Billy the Kid). Einen erheblichen Einfluss auf die zunehmende Besiedlung des Westens hatte auch der „Homestead Act“ von 1862, der Land in Staatsbesitz kostenlos an Niederlassungswillige übertrug. Beschleunigt wurde die Erschließung durch den Bau der Eisenbahnen vom Mittleren Westen nach Kalifornien ab 1862 (siehe Geschichte der Eisenbahn in Nordamerika). Dieser Prozess der kontinentalen Ausdehnung der USA fand seinen Ausdruck auch darin, dass sich neue Bundesstaaten bildeten und in die Union aufgenommen wurden: Texas (1845), Iowa (1846), Wisconsin (1848), Kalifornien (1850), Minnesota (1858), Oregon (1859), Washington (1882) und weitere. 1867 kauften die USA Alaska für 7 Millionen Dollar von Russland. Die Ära der Erschließung des Westens fand ihren Abschluss mit dem Ende der Indianerkriege (1890); die frontier wurde nach dem Census-Bericht von 1890 für geschlossen erklärt. Dieser Census belegte, dass es keine durchgehende Siedlungsgrenze in den USA mehr gab, der Kontinent war besiedelt.

Industrialisierung[Bearbeiten]

Stahlwerk in Pittsburgh, Pennsylvania, um 1905

Im Jahr 1877 war das offizielle Ende der militärischen Reconstruction; die Zeit nach der Reconstruction wird als Gilded Age bezeichnet. Die Gesellschaft der USA wurde immer mehr von Industrie und Wirtschaft geprägt. Die Weltausstellungen von Philadelphia 1876 und Chicago 1893 demonstrierten diesen Aufschwung nach außen hin. Der Westen des Landes zog viele Spekulanten und Glücksritter an. Neue Staaten traten nach und nach der Union bei.

In den 1880er Jahren und im Jahrzehnt von 1905 bis 1915 erreichte die europäische Einwanderung in die USA einen Höhepunkt, die daraufhin im Immigration Act von 1924 beschränkt wurde. Neben New York überschritten um 1890 mit Philadelphia und Chicago zwei weitere Städte die Zahl von einer Million Einwohnern; die Gesamtbevölkerung der USA stieg im Zeitraum von 1870 bis 1920 von 38,5 Millionen auf 106 Millionen.

Durch die Zweite Welle der Industrialisierung 1865–1914 stiegen die Vereinigten Staaten zur weltweit führenden Wirtschaftsmacht auf. Namen wie Bell, Edison, Carnegie, Westinghouse, Vanderbilt, Rockefeller, J.P. Morgan und William Jennings Bryan prägten von nun an die Geschichte. 1869 wurde durch die Verbindung von Central Pacific Railroad und Union Pacific Railroad die erste Transkontinentale Eisenbahn vollendet.

1883 wurde der Öffentliche Dienst mit dem Pendleton Civil Service Reform Act reformiert. Der Sherman Antitrust Act von 1890 war ein erster Versuch, die Monopolbildungstendenzen der amerikanischen Wirtschaft einzuschränken. In dieser Zeit entstanden erste große Gewerkschaften, darunter die American Federation of Labor. Streiks wie der Große Eisenbahnstreik von 1877, der Haymarket Riot von 1886 und der Pullman-Streik von 1894 erregten landesweites Aufsehen. Mit der Präsidentschaft Theodore Roosevelts (1901–1909) begann der Siegeszug des Progressivismus.

Interventionismus[Bearbeiten]

Die Philippinen als Trittstein nach China, Cartoon um 1900

Bereits 1854 hatte Commodore Matthew Perry die Öffnung der japanischen Häfen für den Handel mit Amerika durchgesetzt. Mit der Politik der offenen Tür (Open Door Policy) gegenüber China unter William McKinley (US-Präsident 1897-1901) begann erneut eine expansionistische Phase der US-Außenpolitik. 1898 führten die USA den Spanisch-Amerikanischen Krieg und eroberten die letzten spanischen Kolonien Kuba und – nach dem mehrjährigen Philippinisch-Amerikanischen Krieg gegen die dortige Unabhängigkeitsbewegung – die Philippinen. Während Kuba unabhängig wurde, kamen die USA zu ihren ersten eigenen Kolonien mit den Philippinen und Puerto Rico.

Unter Präsident Theodore Roosevelt (1858–1919) adaptierte die USA die Politik des Big Stick. 1904 legte er mit dem Roosevelt-Corollary, einem Zusatz zur Monroe-Doktrin, den Grundstein für eine expansionistischere Außenpolitik, wonach die Vereinigten Staaten als internationale Polizeigewalt auftreten sollten. Ein wichtiger Baustein dieser Politik war der Bau des Panamakanals zwischen 1903 und 1914 (Eröffnung: 1920), durch den der amerikanische Export beflügelt und der amerikanischen Flotte eine höhere Flexibilität verliehen wurde. Zahlreiche Interventionen in Lateinamerika folgten. Die Präsidentschaft William Howard Tafts (1909–1913) markiert den Übergang zur Dollar-Diplomatie. Unter seinem Nachfolger Woodrow Wilson traten die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg ein.

Zwischen den Kriegen (1918–1941)[Bearbeiten]

Frauenwahlrecht in den einzelnen Bundesstaaten vor Verabschiedung des 19. Amendments 1920:
  • Volles Wahlrecht für Frauen
  • Wahlrecht bei Präsidentschaftswahlen
  • Wahlrecht bei den Primaries, das heißt Vorwahlen
  • Kommunales Wahlrecht
  • Wahlrecht in Schul-, Steuer- und Schuldenangelegenheiten
  • Kommunales Wahlrecht in einigen Städten
  • Kommunales Wahlrecht bei den Primaries in einigen Städten
  • Kein Wahlrecht

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Roten Angst (Red Scare), einer antikommunistischen Welle unter dem Eindruck der Revolution in Russland, die ihren Höhepunkt in den Palmer Raids, einer großangelegten Verfolgung linker Organisationen durch Justizminister Alexander Mitchell Palmer, fand. 1919 wurde der 18. Verfassungszusatz zum landesweiten Verbot von Herstellung, Verkauf und Konsum von Alkohol (Alkoholprohibition) verabschiedet. Mit dem 19. Zusatzartikel von 1920 erhielten die Frauen in allen Staaten und auf Bundesebene das Wahlrecht.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Präsident Wilsons Absicht, durch den im Versailler Vertrag begründeten Völkerbund auf die internationale Politik einzuwirken, wurde durch das gegenteilige Votum des Kongresses verhindert. Die USA waren eines der wenigen Länder, die dem Völkerbund immer fernblieben. Die Vereinigten Staaten lehnten den Versailler Vertrag der Alliierten mit dem Deutschen Reich ab und verzeichneten infolge der Schwächung der europäischen Mächte durch den Krieg eine deutliche Zunahme ihres wirtschaftlichen Einflusses, kehrten aber ansonsten zum Isolationismus beziehungsweise zur Neutralitätspolitik zurück. Nennenswerte außenpolitische Initiativen der Periode waren die Abhaltung der Washingtoner Flottenkonferenz von 1922, verschiedene Vermittlungen im Reparationsstreit mit Deutschland und der Briand-Kellogg-Pakt von 1928 zur Ächtung des Krieges. Aus Anlass der Mandschurei-Krise wurde 1932 die Hoover-Stimson-Doktrin über die Nichtanerkennung von Grenzänderungen durch kriegerische Mittel formuliert.

Roaring Twenties[Bearbeiten]

Menschenansammlung vor der New Yorker Börse nach dem Schwarzen Donnerstag von 1929

Die 1920er-Jahre waren geprägt durch einen großen Rausch, der durch die Wirtschaft ging (Roaring Twenties, vgl. Goldene Zwanziger). Gestützt auf die Theorien des Fordismus, nach denen hohe Löhne und dadurch steigende Nachfrage das Heilmittel gegen wirtschaftliche Krisen wären, bildete sich zum ersten Mal eine Konsum- und Wohlstandsgesellschaft heraus. Die Präsidentschaft in diesem Jahrzehnt wurde von den Republikanern Warren G. Harding, Calvin Coolidge und Herbert Hoover gehalten.

Die Desillusionierung mit dem modernistischen Zeitgeist wurde von den Künstlern der Lost Generation zum Ausdruck gebracht. Afro-amerikanische Künstler begründeten die Harlem Renaissance. In die 1920er-Jahre fallen auch die Blütezeit des Jazz, der Tanzmusik und das Aufkommen der großen Film- und Rundfunkgesellschaften. Die 1920er-Jahre waren auch die Blütezeit des Ku-Klux-Klan, der damals über vier Millionen Mitglieder hatte.

Große Depression und New Deal[Bearbeiten]

Verlassene Farm im Dust Bowl, South Dakota, 1936

Der große Börsenkrach 1929, der mit dem schwarzen Freitag (englisch: „Black Thursday“, wegen der Zeitverschiebung) am 24. Oktober begann, läutete eine globale Weltwirtschaftskrise ein. Die Vereinigten Staaten wurden von der Wirtschaftskrise besonders stark getroffen. Die Arbeitslosenquote stieg von 3 % im Jahr 1929[5] auf ihren Höchststand von 24,9 % im Jahr 1933.[6] Anders als in Europa gab es in den Vereinigten Staaten zu Beginn der Großen Depression noch kein soziales Sicherheitsnetz.[7] Es gab auch noch keinen Einlagensicherungsfonds. Als tausende von Banken in Insolvenz fielen, verloren viele Bürger all ihre Ersparnisse.[8] Zahlreiche Arbeitslose und Geringbeschäftigte lebten in nach Präsident Hoover benannten „Hoovervilles“. Zu der Wirtschaftsmisere gesellte sich eine Dürreperiode im Great-Plains-Gebiet, die zur Abwanderung großer Bevölkerungsteile führte (vgl. Dust Bowl).

Hauptartikel: New Deal

Zur Überwindung des desolaten Zustands der Wirtschaft und zur Linderung der hohen Arbeitslosigkeit wurde unter Präsident Franklin Delano Roosevelt von 1933 bis 1938 eine Serie von Wirtschafts- und Sozialreformen umgesetzt, die später als New Deal bezeichnet wurden. Einige dieser Maßnahmen dienten nur dazu, kurzfristig die Not der Arbeitslosen und Armen zu lindern, andere Maßnahmen wie beispielsweise die Änderung der Geldpolitik und Maßnahmen gegen die Deflation sollten die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Zu den bis heute bestehenden Reformmaßnahmen gehörte u. a. die Regulierung des Bankensystems, die Schaffung des Einlagensicherungsfonds Federal Deposit Insurance Corporation, die Kontrolle von Wertpapiergeschäften durch die 1934 geschaffene Securities and Exchange Commission und die Einführung von Sozialversicherungen. Die Wirtschaft erholte sich seit 1933 von dem Absturz. Die Arbeitslosigkeit sank jedoch nur langsam, Vollbeschäftigung trat erst mit Kriegseintritt in den Zweiten Weltkrieg ein.

Zweiter Weltkrieg (1941–1945)[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg versuchten sich die USA lange in einer Politik des Stillhaltens, begannen aber nach Hitlers Überfall auf Belgien eine enorme Aufrüstung. Die anfängliche Zurückhaltung war vor allem einer starken isolationistischen Haltung in der amerikanischen Bevölkerung geschuldet, die von der oppositionellen Republikanischen Partei aufgenommen wurde. Es herrschte in der amerikanischen Öffentlichkeit die Ansicht vor, dass schon einmal, nämlich im Ersten Weltkrieg, Amerikaner hätten sterben müssen, um einen europäischen Krieg zu führen. Zwar unterstützte die US-Regierung die britischen Verteidigungsanstrengungen materiell (Leih- und Pachtgesetz/lend-lease bill), vertrat aber die Haltung, nicht selbst in den Krieg hineingezogen werden zu wollen. Durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbor, der ohne Kriegserklärung erfolgte (7. Dezember 1941), waren diese Überlegungen bedeutungslos geworden. Nachdem sich Japan durch den Angriff de facto mit den USA im Kriegszustand befand, erklärten die USA am 8. Dezember 1941 Japan den Krieg. Daraufhin wiederum erklärten Deutschland und Italien am 11. Dezember den USA den Krieg.

Durch eine Konzentration aller Ressourcen und durch eine Reihe staatlicher Vorgaben für die Industrie konnte die Zerstörung der amerikanischen Flotte, die allerdings nicht die strategisch wichtigen Flugzeugträger umfasste, ausgeglichen werden. Der Krieg war aber auch für die USA sehr verlustreich und kostete über 400.000 amerikanischen Soldaten das Leben.

Nachdem die japanischen Streitkräfte über drei Jahre lang einen Seekampf gegen die Amerikaner Schritt für Schritt verloren hatten, war die politische Führung noch immer nicht bereit, den Krieg mit den USA zu beenden. Erst nach dem Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 und einer zweiten Atombombe auf Nagasaki am 9. August 1945 mit insgesamt mehr als 255.000 Zivil-Toten war Japan, der auch den verstärkten Einsatz seines sowjetischen Nachbars, nachdem dieser mit seinem amerikanischen Bündnispartner den Krieg in Europa beendet hatte, bedroht war, zur Kapitulation bereit. Der Abwurf der beiden Atombomben auf Japan fiel in die Amtszeit Harry S. Trumans, der Roosevelt nach dessen Tod im Amt des Präsidenten gefolgt war und bei der Wahl von 1948 als Staatsoberhaupt offiziell (und für viele zeitgenössische Beobachter überraschend) zum Präsidenten gewählt wurde.

Beginn des Kalten Krieges (1945–1964)[Bearbeiten]

Entstehen[Bearbeiten]

Als der Zweite Weltkrieg in Europa am 8. Mai 1945 offiziell endete, wurde der Südosten Deutschlands und der Nordwesten Österreichs Amerikanische Besatzungszone. Durch die Teilung Deutschlands entstand der Eiserne Vorhang, der Europa in die Interessenbereiche der USA und der Sowjetunion teilte. Nach dem Kriegsende in Asien im Herbst 1945 wurde Japan und der Süden Koreas amerikanisch besetzt, während der dünner besiedelte Norden Koreas sowjetisch besetzt wurde. Nachdem die Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg 1949 Festland-China eroberten, waren etwa ein Drittel der Erde kommunistisch regiert, während die anderen zwei Drittel von den USA, deren Verbündeten und Kolonien eingenommen wurden.

Es gab grundsätzliche Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten mit ihrem marktwirtschaftlich-demokratischen System und dem kommunistischen Einparteiensystem der Sowjetunion.

Die Vereinigten Staaten konnten nach 1945 unter Präsident Harry S. Truman ihre Ziele in der westlichen Welt durchsetzen. Diese entstammen großteils der Atlantik-Charta von 1941. Des Weiteren wurden die Weltbank und der IWF mit Sitz in Washington gegründet. Die Sowjetunion beteiligte sich nicht daran.

Die Sowjetunion setzte in Osteuropa kommunistische Einparteiensysteme durch und erfüllte damit nicht ihr Versprechen der Konferenz von Jalta, in diesen Staaten freie Wahlen abzuhalten.

Containment-Politik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Containment-Politik

Nach dem Krieg verfolgten die Vereinigten Staaten die Containment-Politik zur Eindämmung des Kommunismus und des sowjetischen Einflusses in der Welt. Um die Position als mächtigstes Land der Welt zu sichern, wurden die Rüstungsausgaben auf einem hohen Niveau gehalten. Dazu gehörte auch der Marshallplan zum Wiederaufbau Westeuropas und das Inkrafttreten des Nordatlantikpakts (NATO) am 24. April 1949. Die Vereinigten Staaten unterstützten die Royalisten im Griechischen Bürgerkrieg, Südkorea im Krieg gegen den kommunistischen Norden (Korea-Krieg) und Frankreich im Indochinakrieg, in den später der Vietnamkrieg aufging. Mit der Türkei und dem Iran wurden zwei westlich orientierte, islamische Staaten vor Gebietsansprüchen der Sowjetunion beschützt. Truman warnte davor, dass Griechenland und die Türkei ohne Hilfe in kommunistische Hände fallen würden, was einen Dominoeffekt in aller Welt auslösen könnte. 1946 wurde die School of the Americas zur Ausbildung lateinamerikanischer Militärs gegründet. 1947 wurde die CIA gegründet.

Mit seiner Stuttgarter Rede vom 6. September 1946 läutete der amerikanische Außenminister James F. Byrnes eine Wende in der amerikanischen Deutschlandpolitik ein: Die Vereinigten Staaten wendeten sich vom Morgenthau-Plan ab und befürworteten eine Politik des Wiederaufbaus in Deutschland. Mit dem Marshallplan investierte Amerika 12 Milliarden Dollar in Westeuropa, Japan, Südkorea und die Republik China (Taiwan). Die Sowjetunion lehnte eine Integration der Berliner Westsektoren in die Bundesrepublik ab, was zur Berlin-Blockade 1948/49 führte. Die US-Armee versorgte die Berliner Bevölkerung fast ein Jahr lang über die sogenannte Berliner Luftbrücke. 1949 wurde die NATO gegründet; zum ersten Mal in ihrer 170-jährigen Geschichte befanden sich die USA in einem Verteidigungsbündnis mit anderen Ländern. Daraufhin folgten 1949 die ersten sowjetischen Atomtests und die Unterzeichnung eines Bündnisses mit der Volksrepublik China und die Gründung des Warschauer Paktes im Jahr 1955.

Anfang der 1950er-Jahre hatten die USA Pläne zur Bildung einer westdeutschen Armee (Bundeswehr) und zu einem Friedensvertrag mit Japan, der die Stationierung von US-Truppen in Ost-Asien enthalten sollte.

Die Vereinigten Staaten unterstützten Frankreich im ersten Indochinakrieg die Kolonien von Französisch-Indochina gegen die kommunistische Unabhängigkeitsbewegung Việt Minh zu verteidigen.

Koreakrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Koreakrieg

Im Koreakrieg konnten die USA die Ausbreitung des Kommunismus auf die gesamte Koreanische Halbinsel verhindern. Stalin hatte im Juni 1950 einen Plan zur Invasion Südkoreas vom kommunistischen Norden aus. Präsident Truman stationierte daraufhin US-Streitkräfte im Süden des Landes. Dies geschah nicht durch Zustimmung des Kongresses, sondern der Vereinten Nationen, um die Koreaner wieder zu vereinen.

Nach anfänglichen Niederlagen des Westens wendete sich der Krieg in der Schlacht bei Incheon (Operation Chromite) durch General Douglas MacArthur um. Danach konnten die Amerikaner fast die gesamte Koreanische Halbinsel erobern, wurden aber bald schon wieder zurückgedrängt. Der Krieg führte zu einer Pattsituation mit 33.000 toten und 100.000 verletzten US-Soldaten. Präsident Truman entließ MacArthur, der nicht in der Lage war, den Krieg zu beenden. 1953 beendete Präsident Eisenhower den Krieg mit einem Waffenstillstand, einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht.

Regierung Eisenhower (1953–1961)[Bearbeiten]

John Foster Dulles

Bei der Wahl 1952 wurde zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder ein Republikaner ins Präsidentenamt gewählt, nämlich der General Dwight D. Eisenhower, der auch als Kandidat für die Demokraten gehandelt wurde. Sein Außenminister war bis 1959 John Foster Dulles. Dulles beendete die Containment-Politik von Truman und begann mit der Rollback-Politik, die auch das Ziel hatte, den Einfluss der Sowjetunion zu verringern. Ein Teil dieser Politik war die Massive Vergeltung und die Brinkmanship. Die USA wollten den Frieden sichern, indem sie die Sowjetunion abschreckten, den Westen anzugreifen.

Beide Weltmächte versuchten, ihre Einfluss-Sphären zu erweitern. Der neue sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow verbesserte die Beziehungen der Sowjetunion zu Indien und anderen Dritte Welt-Ländern. 1957 entsandte die Sowjetunion den ersten Satelliten (Sputnik) in die Erdumlaufbahn, was zum sogenannten Sputnikschock führte, da man sich beim Wettlauf ins All (der gleichzeitig als Teil des von Chruschtschow ausgerufenen „friedlichen Wettstreits der Systeme“ verstanden wurde) im Hintertreffen wähnte. Schwerwiegender war jedoch, dass die Sowjetunion somit als erstes Land über eine einsatzfähige Interkontinentalrakete verfügte, was die bisher geltende Nukleardoktrin der USA untergrub und dem Wettrüsten einen weiteren Schub verlieh. Der Kalte Krieg wurde auch durch Ereignisse wie die Berlin-Krise 1958 und die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Türkei im folgenden Jahr weiter angeheizt. Nach der Kubanischen Revolution 1959 unter Fidel Castro schloss die Sowjetunion ein Bündnis mit dem Staat in direkter Nachbarschaft zu den Vereinigten Staaten.

Kubakrise (1962)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kubakrise

Der Kalte Krieg erreichte seinen Höhepunkt 1962 mit der Kubakrise durch die Stationierung von sowjetischen Waffen auf Kuba.

Bürgerrechtsbewegung[Bearbeiten]

Regierung Kennedy[Bearbeiten]

John F. Kennedy war nur für 1036 Tage Präsident, allerdings fielen in diese kurze Zeit wichtige Ereignisse, sodass Kennedy heute als einer der bedeutendsten Präsidenten der USA angesehen wird. Dazu gehören die Bürgerrechtsbewegung, die Eskalation im Vietnamkrieg, die Kubakrise und die Invasion in der Schweinebucht. Kennedy ernannte seinen Bruder Robert F. Kennedy zum Justizminister.

Am 22. November 1963 wurde Kennedy in Dallas von Lee Harvey Oswald ermordet (siehe Attentat auf John F. Kennedy). Vier Tage nach seinem Tod berief sein Nachfolger die Warren-Kommission zur Untersuchung des Verbrechens ein.

Regierung Johnson[Bearbeiten]

Direkt nach John F. Kennedys Tod übernahm der bisherige Vizepräsident Lyndon B. Johnson das Amt des Präsidenten.[9] In Johnsons Amtszeit, der 1964 erdrutschartig wiedergewählt wurde und bis Anfang 1969 im Amt blieb, fielen sehr wichtige innenpolitische Ereignisse, insbesondere der Civil Rights Act von 1964 und der Voting Rights Act, womit die landesweite Rassentrennung abgeschafft sowie Wahl- und Bürgerrechte für Afroamerikaner und Minderheiten gestärkt wurden. Außerdem initiierte die US-Regierung unter Johnson mit der Great Society dutzende Sozialprogramme, in deren Folge die Armutszahlen auf fast die Hälfte sanken und Reformen in den Bereichen Bildung und Gesundheit umgesetzt wurden. Außenpolitisch stand in seiner Regierungszeit der Vietnamkrieg im Vordergrund. Johnson bemühte sich darum, die von John F. Kennedy begonnene Entspannungspolitik mit der Sowjetunion fortzusetzen. Z.B. fand die Glassboro Summit Conference (Juni 1967, auch über Abrüstung) höchstes Aufsehen. Am 1. Juli 1968 unterzeichneten drei der damaligen fünf Atommächte (USA, Sowjetunion und Großbritannien) den Atomwaffensperrvertrag.

Kalter Krieg (1964–1989)[Bearbeiten]

Der erste russische Satellit - er hieß Sputnik 1, wog 83,6 kg und startete am 4. Oktober 1957 - erschreckte viele Bürger und Politiker in westlichen Ländern ("Sputnikschock"). Eilig wurde das Apollo-Raumfahrtprogramm entwickelt, und der erste bemannte Mondflug fand 1969 statt.

Die 1960er Jahre symbolisierten in den USA einen neuen Aufbruch und eine Kritik an bisher geltenden Maßstäben. Die Bürgerrechtsbewegung erstritt eine Aufhebung der Segregationspolitik. Insbesondere in Kalifornien entstanden Hippies und Yippies. Durch die Aufhebung des Quotensystems von 1924 im Jahr 1965 veränderte sich die Zusammensetzung der Einwanderung nachhaltig.

Der Vietnamkrieg begann unter den Präsidenten Dwight D. Eisenhower und Kennedy langsam, wobei im Laufe des Jahres 1963 die Türen zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts für kurze Zeit offen standen. Die Möglichkeiten wurden nicht genutzt und so der eskalierte der Krieg ab 1964 unter Lyndon B. Johnson und endete 1975 mit dem Abzug der letzten US-Truppen aus Saigon. Aus Opposition gegen den Vietnamkrieg entstanden Protestbewegungen. Nixon, Präsident von 1969 bis 1974, trat im August 1974 zurück, als ihm wegen der Watergate-Affäre die Amtsenthebung drohte. Ihm folgten der Republikaner Gerald Ford (bis 1977) und der Demokrat Jimmy Carter (bis 1981).

Die 1980er Jahre waren geprägt von einem Rüstungswettlauf ohne Gleichen. Die Devise von Ronald Reagan (Präsident 1981 bis 1989) lautete: Die USA müssen die Führungsmacht in der Welt werden. Das Konzept ging auf; die schon lange marode Sowjetunion brach 1990 zusammen. Gorbatschow, seit 1985 Präsident, konnte den Zusammenbruch nicht abwenden.

Jüngere Geschichte (seit 1989)[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren erlebten die USA unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton (1993–2001) einen länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung („New Economy“). Die weitere Verwahrlosung der Städte wurde aufgehalten – so erwachten die New Yorker Stadtteile Bronx und Harlem zu neuem Leben.

Einen wesentlichen Eingriff in die Sozialgesetzgebung gab es 1996, als der Bezug von Sozialhilfe auf zwei Jahre in Folge und insgesamt fünf Jahre verkürzt wurde. So kam es zu einem beträchtlichen Rückgang der Anzahl der Sozialhilfe-Empfänger.

Präsident Clinton zeichnete auch verantwortlich für die US-Außenpolitik zwischen dem Ende des Kalten Krieges und dem Regierungsantritt von George W. Bush, und zwar mit der Hilfe von Außenminister Warren Christopher (erste Amtszeit) und Madeleine Albright (zweite Amtszeit), der ersten Außenministerin in der Geschichte der USA.

Beobachter haben von der Außenpolitik Clintons behauptet, er habe wohl das Ziel „die Sozialarbeit der Welt“ zu übernehmen, da viele der Aktivitäten sich auf Werteänderungen in eher ärmeren, strategisch nebensächlichen Ländern konzentrierten, darunter auch Somalia, Haiti, und Bosnien-Herzegowina. Das Engagement in Somalia, unter George Bush sen. begonnen, hatte als Ziel die Entmachtung der Kriegsherrn, besonders Mohammed Aidids. Nachdem US-Fernsehsender Bilder übertrugen, die den Leichnam eines US-Soldaten zeigten, der durch die Straßen von Mogadischu geschleppt wurde, überließen die Sondereinsatztruppen das Land seinem Schicksal. Mit der Invasion Haitis 1994 wurde der demokratisch gewählte Jean-Bertrand Aristide an die Macht gebracht und der Militärdiktator Raoul Cédras abgesetzt; die weiteren Probleme des Landes, das 1915 bis 1934 unter US-Besatzung gelebt hatte und unter Cédras von einem Embargo der USA betroffen war, wurden nicht gelöst. Nachdem sich die europäischen Staaten als unfähig erwiesen hatten, nach dem Zerfall Jugoslawiens den Balkan zu befrieden, griffen US-Truppen 1995 und 1999 im Rahmen der NATO in Bosnien und Serbien ein, was den Sturz des Diktators Slobodan Milošević zur Folge hatte. Versuche, im Nahen Osten einen Frieden zwischen Israel und Palästina zu erreichen, erlitten mit dem Attentat auf Jitzchak Rabin einen großen Rückschlag und waren letztlich erfolglos. Clinton reagierte auf Provokationen des irakischen Diktators Saddam Hussein mit sporadischen Luftschlägen, sowie Vergeltungsschlägen gegen Einrichtungen im Sudan und Afghanistan nach Terroranschlägen auf die US-Botschaft in Nairobi und ein US-Kriegsschiff im Jemen, die man dem damals schon bekannten Al-Qaida-Netzwerk des Osama bin Laden zur Last legte. Diese Einzelaktionen, die zumeist im Kontext von UN- oder NATO-Resolutionen stattfanden und bei den westeuropäischen Verbündeten zu keinen oder nur geringen diplomatischen Differenzen führten, wurden nicht vor der Öffentlichkeit als Teil eines dauernden Kriegszustands gerechtfertigt, wie es später mit George W. Bushs Krieg gegen den Terror der Fall war.

George W. Bush, US-Präsident (2001–2009)

Schon bald nach Amtsantritt von Präsident George W. Bush am 20. Januar 2001 zeigte sich dessen Neigung zum Unilateralismus, die im Misstrauen gegenüber multinationalen und multilateralen Institutionen ihren Ausdruck fand. Bush war kritisch gegenüber den Vereinten Nationen eingestellt, der er die Unterstellung von US-Soldaten verweigerte. Außerdem glaubte Bush, durch verbindliche Verpflichtung zur Einhaltung von multinationalen Verträgen die außenpolitische Handlungsfähigkeit der USA aufs Spiel zu setzen (Beispiel: Kyoto-Protokoll). Anklänge an diese neue republikanische Außenpolitik fanden sich schon Mitte der 1990er Jahre in Reden und Anträgen von Newt Gingrich und Jesse Helms. Weder bei „traditionelleren“ Republikanern wie Bob Dole, John McCain, oder Richard Lugar, noch bei den Demokraten fand diese Politik Zustimmung.

Im ersten Jahr des neuen Millenniums trafen die Terroranschlägen vom 11. September 2001 die Vereinigten Staaten. In der Folge kam es zum Krieg in Afghanistan, nachdem das dort herrschende Regime der Taliban sich dazu entschlossen hatte, den Beschlüssen des UN-Sicherheitsrates, den mutmaßlichen Urheber der Anschläge, Osama bin Laden, an die USA auszuliefern, nicht Folge zu leisten. Der Krieg in Afghanistan mit dem Sturz der Taliban war der erste in einer Reihe von Maßnahmen im „Krieg gegen den Terrorismus“ („war on terrorism“), der seitdem einen wesentlichen Schwerpunkt der amerikanischen Politik bildet.

In diesem „Kampf gegen den Terrorismus“ rückte Ende des Jahres 2002 zunehmend der Irak in den Mittelpunkt des Interesses der amerikanischen Regierung. Wiederholt wurde das irakische Regime unter Saddam Hussein beschuldigt, Menschenrechte zu verletzen, den Terrorismus und insbesondere die Al-Qaida zu unterstützen, zudem Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, beziehungsweise zu besitzen, und damit gegen die Resolution 1441 des UN-Sicherheitsrates zu verstoßen.

Am 20. März 2003 begannen amerikanische und britische Truppen unter der Führung der USA den Dritten Golfkrieg, obwohl es dafür kein UN-Mandat gab und trotz weltweiter Proteste. Kritiker bezweifelten die völkerrechtliche Legitimation des Krieges. Nach nur drei Wochen war Bagdad besetzt und das Kriegsende wurde verkündet. Im Dezember 2003 konnte der flüchtige Saddam Hussein gefangengenommen werden. In der Folge waren die Besatzungsmächte damit beschäftigt, die Kontrolle über das Land zu gewinnen und zu halten – und sahen sich mit einem Guerillakrieg Aufständischer konfrontiert. Die Unfähigkeit der amerikanischen und britischen Truppen, die sich inzwischen weitgehend zurückgezogen haben, Sicherheit und Ordnung im Irak herzustellen, verstärkte die Zweifel an der strategischen Konsistenz der Politik der Bush-Regierung. Auch innenpolitisch hatte dies Konsequenzen: Bei den Mid-Term Elections im Jahr 2006 musste die Republikanische Partei eine Niederlage einstecken, die hauptsächlich auf den Irakkrieg zurückzuführen war. Zudem konnten die Behauptungen, der Irak habe in den Jahren 2001 bis 2003 Massenvernichtungswaffen besessen und terroristische Aktivitäten im Ausland unterstützt, bisher nicht belegt werden, angebliche Beweise für den Bezug von waffenfähigem Plutonium aus dem Niger erwiesen sich gar als Fälschung. Der Angriff auf den Irak wurde von George W. Bush als Präventivkrieg zur „Abwehr einer drohenden Gefahr“ gerechtfertigt, da der Irak angeblich Massenvernichtungswaffen besitze, die jedoch nie gefunden werden konnten.[10] Beim Irakkrieg der USA und der Koalition der Willigen handelte es sich nach Ansicht vieler Kritiker daher um keinen Präventivkrieg im Sinne der Vereinten Nationen (s. dazu: Caroline-Kriterien), sondern vielmehr um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.

Die Vereinigten Staaten gerieten in jüngster Zeit außerdem aufgrund von Vorwürfen, sie würden an zahlreichen Stellen internationales Völkerrecht verletzen, vermehrt in heftige Kritik.[11] Es werden ihnen unter anderem Foltermethoden, wie das Waterboarding, das zum Beispiel im Gefangenenlager Guantanamo zum Einsatz kommt[12][13], zu Lasten gelegt (siehe auch Folter in den USA).[14] Außerdem wirft man ihnen zahlreiche Kriegsverbrechen vor; dabei sind vor allem der Folterskandal von Abu Ghuraib, oder die von der Whistleblower-Plattform WikiLeaks enthüllten Luftangriffe in Bagdad vom 12. Juli 2007 zu nennen.[15][16]

Bevölkerungsuhr der Vereinigten Staaten am 17. Oktober 2006

Die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten überschritt am 17. Oktober 2006 die Zahl von 300 Millionen Menschen.

Seit Mitte 2007 wurde zunehmend auch der Öffentlichkeit bewusst, dass der Immobilienmarkt, auf dem der Kreditmarkt und damit die Finanzierung des privaten Konsums zu erheblichen Teilen basierte, zusammengebrochen ist. Damit droht aber nicht nur der Konsum zurückzugehen, sondern die Banken sitzen auf faulen Krediten, deren Ausmaß noch immer nicht absehbar ist. Selbst Banken wie Bear Stearns waren nur durch staatliche Intervention zu retten. Gefährdet sind auch die Hauptträger der Baufinanzierungen Fannie Mae[17] und Freddie Mac,[18] Unternehmen, die bis dato außerhalb der USA völlig unbekannt waren. Trotz Zinssenkungen durch die Zentralbank ist die Bereitschaft der Banken Geld zu verleihen so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Finanzkrise schlägt sich auch in der Realwirtschaft nieder, jedoch sind die Branchen erheblich unterschiedlich stark betroffen. Die Arbeitslosigkeit stieg über 10 Prozent.[19]

In dieser Phase erhöhter Unsicherheit fand am 4. November 2008 die Wahl des neuen Präsidenten statt, bei der Senator Barack Obama aus Illinois als Kandidat der Demokraten gegen den Senator von Arizona John McCain, der für die Republikaner antrat, als klarer Sieger hervorging und am 20. Januar 2009 als 44. Präsident der USA vereidigt wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Paul Adams: Die USA vor 1900. Oldenbourg, München 2000, ISBN 3-486-53081-X.
  • Willi Paul Adams: Die USA im 20. Jahrhundert. Oldenbourg, München 2000, ISBN 3-486-56439-0.
  • Thomas Bender: A Nation Among Nations. America’s Place in World History. Hill and Wang, New York 2006, ISBN 0-8090-7235-1.
  • Manfred Berg: Geschichte der USA. Oldenbourg Verlag, München 2013 (für Leser mit geringen Kenntnissen der amerikanischen Geschichte),[20] ISBN 978-3-486-70482-2.
  • Stephan Bierling: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. Verlag C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49428-5.
  • James W. Cook, Lawrence B. Glickman, Michael O'Malley (Hrsg.): The Cultural Turn in U.S. History. Past, Present, and Future. Chicago: University of Chicago Press 2009, ISBN 978-0-226-11507-8.
  • Volker Depkat: Geschichte Nordamerikas. Eine Einführung. (= Geschichte der Kontinente). Böhlau Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-8252-2614-5.
  • Horst Dippel: Geschichte der USA. Verlag C. H. Beck, München 1996, ISBN 3-406-41051-0.
  • Alexander Emmerich: Geschichte der USA. Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2192-3.
  • Bernd Engler, Oliver Scheiding (Hrsg.): A Companion to American Cultural History. From the Colonial Period to the End of the 19th Century. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 2009, ISBN 978-3-86821-112-2.
  • Philipp Gassert u. a.: Kleine Geschichte der USA. Reclam, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-010629-7.
  • Hans Rudolf Guggisberg: Geschichte der USA. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-017045-7.
  • Jürgen Heideking, Christof Mauch: Geschichte der USA. 5., ergänzte Auflage. mit CD-ROM. UTB, Tübingen 2007, ISBN 978-3-8252-1938-3.
  • National Geographic Society (Hrsg.): Visiting Our Past. America’s Historylands. National Geographic Society, Washington, D.C., 1977, ISBN 0-87044-003-9 (Editorial Consultant: Daniel J. Boorstin; mit zahlreichen Abbildungen und Register).
  • Udo Sautter: Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Stuttgart, 1994, ISBN 3-520-44306-6.
  • Klaus Schwabe: Weltmacht und Weltordnung. Amerikanische Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart. Schöningh Verlag, Paderborn 2006.
  • Ian Tyrrell: Transnational Nation. United States History in Global Perspective since 1789. Houndmills 2007.
  • Hermann Wellenreuther, Norbert Finzsch, Ursula Lehmkuhl (Hrsg.): Geschichte Nordamerikas in atlantischer Perspektive von den Anfängen bis zur Gegenwart. LIT, Münster 2000 - (Auf acht Bände angelegte Reihe. Bis 2011 sind vier Bände erschienen.)
  • Dominik Nagl: No Part of the Mother Country, but Distinct Dominions Rechtstransfer, Staatsbildung und Governance in England, Massachusetts und South Carolina, 1630–1769. LIT, Berlin 2013, ISBN 978-3-643-11817-2.[2]
  • The New Cambridge History of American Foreign Relations, Bd. 2: The American Search for Opportunity, 1865-1913, hgg. v. Walter LaFeber, Bd. 3: The Globalizing of America: 1913-1945, hgg. von Akira Kiriye, Cambridge University Press, 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Für einen Überblick s. etwa David J. Meltzer: First Peoples in a New World: Colonizing Ice Age America. University of California Press, Berkeley/ Los Angeles 2009.
  2. M. Thomas P. Gilbert, Dennis L. Jenkins u. a.: DNA from Pre-Clovis Human Coprolites in Oregon, North America. In: Science. Vol. 320. no. 5877, S. 786–789. doi:10.1126/science.1154116
  3. Zu den Entdeckungsfahrten des 16. Jahrhunderts siehe: Samuel Eliot Morison: The European Discovery of America: The Northern Voyages, A.D. 500–1600. Oxford University Press, New York 1971.
  4. Dominik Nagl, No Part of the Mother Country, but Distinct Dominions - Rechtstransfer, Staatsbildung und Governance in England, Massachusetts und South Carolina, 1630-1769, Berlin 2013, S. 175-252.[1]
  5. Ronald Edsforth: The New Deal: America's Response to the Great Depression (Problems in American History). John Wiley & Sons, 2000, ISBN 1-57718-143-3, S. 35.
  6. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 5. Auflage. Pearson Studium, 2009, ISBN 978-3-8273-7363-2, S. 690.
  7. David M. Kennedy: 'Freedom From Fear, The American People in Depression and War 1929 - 1945. Oxford University Press, 1999, ISBN 0-19-503834-7, S. 87.
  8. Mary Beth Norton, Carol Sheriff, David M. Katzman: A People and a Nation: A History of the United States, Volume II: Since 1865. Wadsworth Inc Fulfillment, 2011, ISBN 978-0-495-91590-4, S. 681.
  9. gemäß 20. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, Section 3
  10. Stephan Bierling: Geschichte des Irakkrieges. Der Sturz Saddams und Amerikas Albtraum im Mittleren Osten. C.H. Beck, München 2010, 978-3-406-60606-9, S. 53 u. S. 96.
  11. Philip Zimbardo: Der Luzifer-Effekt: die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen. Spektrum Verlag, 2007, ISBN 978-3-8274-1990-3.
  12. Süddeutsche Zeitung online am 25. April 2011: Wikileaks enthüllt Geheimpapiere zu Guantanamo. Abgerufen am 29. April 2011.
  13. The Guardian am 25. April 2011: Guantánamo leaks lift lid on world's most controversial prison. Abgerufen am 29. April 2011 (englisch).
  14. Alfred W. McCoy: Foltern und Foltern lassen - 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Zweitausendeins, 2005, ISBN 3-86150-729-3.
  15. Amerikas Terrorkreuzzug - Kriege, Folter und Menschenrechtsverletzungen im 21. Jahrhundert“ von Dennis Kirstein, Mai 2008, ISBN 978-3-8370-5986-1.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTom Cohen: Leaked video reveals chaos of Baghdad attack. CNN, 7. April 2009, abgerufen am 19. August 2010 (englisch).
  17. Eigentlich Federal National Mortgage Association
  18. Eigentlich Federal Home Loan Mortgage Corporation
  19. Eine animierte Karte der USA stellt die Arbeitslosenquote aller Countys zwischen Januar 2007 und November 2009 dar. Sie findet sich hier.
  20. Rezension