Geschichte des American Football

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Die Geschichte des American Football wurde größtenteils an US-amerikanischen Universitäten (Colleges) an der Ostküste der USA geschrieben, da der American Football in den 1870er Jahren basierend auf Fußball und Rugby dort entwickelt wurde. Die Profi-Footballer der National Football League (NFL) führten erst in den 1930er Jahren abweichende Regeln ein.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Ballspiele, die als Vorläufer von Football und Fußball gelten könnten, sind aus mehreren Erdteilen und Epochen bekannt. Aber nur die Ballspiele, die als „running game“ oder „kicking game“ in den 1800-er Jahren im angelsächsischen Raum praktiziert wurden, haben direkt zu den heutigen Spielarten geführt. Siehe dazu Geschichte des Fußballs.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Ursprung des Footballs wird allgemein zurückdatiert auf den 6. November 1869, als die Mannschaften der Universitäten von Rutgers und Princeton in New Brunswick (New Jersey) 6:4 spielten – nach fußballähnlichen Regeln, denn American Football sollte erst noch erfunden werden.

Im Jahre 1874 trafen die Mannschaft der Harvard University und das Rugby-Team der kanadischen McGill-Universität aus Montreal, Kanada aufeinander, in Spielen mit Kompromiss-Regeln. Aus diesem Denkanstoß entwickelten sich dann Canadian Football und American Football.

Die maßgebende Persönlichkeit beim American Football war dabei Walter Camp, der ab 1876 als Spieler, Trainer und Funktionär an der Yale-Universität dessen Entwicklung (und die anderer Sportarten) bis 1925 entscheidend prägte. So wurde die Spielerzahl auf elf festgelegt, der exklusive Ballbesitz für mindestens drei Versuche eingeführt, und die Angriffsformation mit sieben Spielern an der Linie und vier im Rückraum üblich. Gespielt wurden ca. zehn Spiele von einschließlich September bis November, markiert durch die Feiertage Labor Day und Thanksgiving.

Camp stellte ebenfalls eine vielbeachtete „All America“-Auswahlmannschaft zusammen, die z. B. vom US-Präsidenten geehrt wird (siehe Filmszene in Forrest Gump). Die Spiele der Studenten an den „Ivy League“-Elite-Universitäten der Ostküste wurden populär, ab den 1890er Jahren waren 30.000 Zuschauer keine Ausnahme. Zu der Zeit gab es auch schon außeruniversitäre Wettkämpfe mit ersten professionellen Ansätzen, die jedoch noch mehrere Jahrzehnte lang im Schatten des College-Footballs stehen sollten. Im Jahre 1902 wurde mit dem Rose Bowl in Pasadena die Tradition der Bowl-Spiele an Neujahr begründet. Ein Turnier zur Bestimmung eines Meisters wurde nie eingeführt; die „National-Championship“-Ehren wurden durch Umfragen bei Trainer und Journalisten bestimmt, wobei oft Uneinigkeit herrschte.

William Heffelfinger

Der 18. November 1892 gilt als der Beginn des Profizeitalters im American Football. Football wurde auch in sogenannten Athletic Clubs gespielt. Es ging dabei lediglich um die Ehre. An diesem Tag spielte die Allegheny Athletic Association (AAA) gegen die rivalisierende Mannschaft der Pittsburg Athletic Association (PAA). Der Club aus Allegheny bot William Heffelfinger, der zuvor schon im Collegefootball für Furore gesorgt hatte, 500 US-Dollar an, wenn er für deren Mannschaft auflaufen würde. Dazu sollte er noch 25 US-Dollar Reisespesen erhalten. Heffelfinger nahm das Geld, sicherte im Spiel einen Fumble und trug diesen zum einzigen Touchdown des Spiels in die gegnerische Endzone. Die AAA gewann mit 4:0. Die Aufregung über das Auftreten des clubfremden Spielers Heffelfinger war bereits vor dem Spiel bei der gegnerischen Mannschaft und der Öffentlichkeit groß, allerdings vollkommen unberechtigt. Auch die Mannschaft der PAA hatte Heffelfinger Geld geboten – allerdings „nur“ 250 US-Dollar, was ihm zu wenig war um seinen Amateurstatus auf das Spiel zu setzen. Da es auch zu dieser Zeit schon üblich war auf die Spielergebnisse Wetten abzuschließen, wurden diese allerdings alle annulliert. Beide Clubs einigten sich nun darauf das Spiel als Freundschaftsspiel auszutragen. Obwohl die AAA Heffelfinger insgesamt 525 US-Dollar bezahlen mussten, machte sie mit 621 US-Dollar einen guten Gewinn[1]. Der Bann für Profifootball war gebrochen, denn auch andere Clubs versuchten nun mit ihren Spielen Geld zu verdienen und boten Spielern Gehälter zwischen 50 und 500 US-Dollar pro Spiel an[2].

Zur gleichen Zeit war der Football allerdings auch schon in der ersten Krise, denn pro Jahr kamen mehr als ein Dutzend Spieler um, weil sie in Keil-Formationen (Flying Wedge) (dt. „fliegender Keil“) [3] miteinander verhakt aufeinander einstürmten. Diese Formation wurde 1894 verboten[4] trotzdem kamen im Jahr 1905 insgesamt noch 18 Spieler ums Leben[5]. US-Präsident Theodore Roosevelt erzwang daraufhin Regeländerungen, die das Spiel sicherer machen sollten. Um das Jahr 1912 hatte Football dann die heutige Form angenommen. Insbesondere die Einführung des Vorwärts-Passes markierte die Trennung vom Rugby endgültig. Ein Touchdown zählte fortan sechs Punkte. Die Spielfelddimensionen wurden an das neugebaute Stadion von Harvard angepasst.

Als wichtigste von diversen Auszeichnungen wird seit 1935 die Heisman Trophy an den besten (Angriffs-)Spieler eines Jahrgangs vergeben, zu deren Gewinnern auch O.J. Simpson gehörte.

Regeländerungen[Bearbeiten]

Langsam aber stetig bekam der Footballsport ein eigenes Gesicht. 1876 trat ein erstes verbindliches Regelwerk in Kraft, das die Spielfeldausmaße auf 140 auf 70 Meter festlegte. Die Spielzeit war damals in zwei 45-minütige Halbzeiten aufgeteilt. Vier Jahre später wiederum erhielt das Spielfeld die Größe von 110 auf 53,34 Yards (100,6 auf 48,8 Meter). Außerdem wurde das im Rugby übliche scrummage (Gedränge) gegen das sogenannte scrimmage (Ballbesitz der angreifenden Mannschaft) ersetzt. Das war der erste große Schritt in Richtung des heutigen American Footballs. Damals hatte die angreifende Mannschaft noch drei anstatt vier Versuche, musste jedoch auch nur 5 Yards überbrücken.

Fast eine Wissenschaft für sich ist der Wandel der Wertungen für verschiedene Punkterfolge. Dies soll die nachfolgenden Tabelle verdeutlichen.

bis 1884 1884 1910 1912
Touchdown 2 5 (1892 4?) 5 6
Extrakick 4 1 1 1
Conversion Die Conversion wurde erst um 1970 eingeführt und zählt seitdem 2 Punkte.
Field Goal 5 5 3 3
Safety 1 2 2 2

Es gab jedoch nicht nur friedliche Entwicklungen, wie die Entwicklung der Flying Wedge zeigte. Trotz Verbots dieser Spielweise kam es immer wieder zu Todesfällen und schweren Verletzungen. Zahlreiche weitere Regeländerungen folgten, zumeist zur Sicherheit der Spieler. So wurden auch die Torpfosten fürs Field Goal 1927 hinter die Endzone verlegt (bis dahin befanden sie sich davor). 1940 wurde das Tragen eines Helms zur Pflicht, 1956 wurde der Griff in das Gesichtsgitter des Helmes verboten (dies hatte häufig schwere Nackenverletzungen zur Folge) und 1962 verschwanden auch die letzten Spieler ohne Gesichtsgitter.

Die Profiliga NFL hatte ihre Anfänge in den 1920er Jahren. 1951 wird das erste NFL Championship Game landesweit übertragen, die NFL erhält dafür 75.000 US-Dollar. 1955 erhielt die NBC gegen eine Zahlung von 100.000 US-Dollar das Recht, das NFL Championship Game zu übertragen, und 1956 wurden die ersten Spiele von CBS regional im Fernsehen gezeigt[6]. Aber erst ab 1958, mit dem von der NBC landesweit übertragenen und von 45 Millionen Zuschauern gesehenen NFL Championship Game zwischen den New York Giants und den Baltimore Colts, wurde sie mit dem Fernsehen und dessen Aufstieg zur heute erfolgreichsten Profiliga der gesamten Sportwelt (9 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz).

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: American Football – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema American Football

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abrechnung der AAA in der Pro Football Hall of Fame
  2. Spielergehälter und Laufbahn von Heffelfinger, dessen Grabstätte
  3. Beschreibung der Flying Wedge
  4. Verbot der Flying Wedge
  5. Geschichte des American Footballs
  6. Chronologie der NFL auf der Homepage der NFL

Weblinks[Bearbeiten]