Geschichte des Eisschnelllaufs

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Kurzstreckenwettkampf in Hindelopen 1828

Dieser Artikel behandelt die Geschichte des klassischen Eisschnelllaufs auf der 400-m-Laufbahn (Longtrack).

Anfänge bis 1850[Bearbeiten]

1763

  • England: der erste bekannte Eislauf-Wettkampf wird in den Fens von Cambridgeshire durchgeführt. Teilnehmer sind zwei Läufer aus dem englischen Adel und der Sieger erhielt ein Preisgeld von 10 Guineen. Die Laufstrecke soll 15 Meilen (ca. 24 Kilometer) lang gewesen sein und der Gewinner benötigte dafür 46 Minuten. Später entwickeln sich daraus die Fen Skating Wettbewerbe, die bis etwa 1890 durchgeführt wurden.

Um 1800

  • In den Provinzen Friesland und Groningen werden während der Frostperioden auf zugefrorenen Wasserflächen vielfach von Wirten und Besitzern der Imbiss- und Kaffeebuden Schlittschuhläufe organisiert, um den Besuch ihrer Einrichtungen sowie einträgliche Wetteinnahmen zu fördern. Es werden vor Tausenden von Zuschauern Kurzstreckenrennen über 140 Meter für Frauen und 160 Meter für Männer ausgetragen. Als Gewinne werden gelegentlich Gegenstände aus Gold oder Silber, wie etwa 1803 in Sneek eine silberne Tabakdose ausgelobt. Bald werden jedoch auch Geldpreise üblich, die im vergangenen Jahrhundert 120 bis 150 Gulden betragen konnten. Sehr gute Läufer können sich damit ein kleines Vermögen erlaufen.[1]

1801

  • In Groningen wird erstmals ein überliefertes Wettrennen zweier Frauen über 30 englische Meilen durchgeführt.

1805

  • In Leeuwarden wird ein Kurzstreckenrennen mit 130 weiblichen Teilnehmern geführt, wobei zuvor bezweifelt wurde, dass Frauen speziell im Hinblick auf ihre Kleidung auch Rennen laufen können.[1]

1821

  • Newmarket, England: ein Mann bietet demjenigen 100 Guineen, der eine Meile auf dem Eis mit fliegendem Start in drei Minuten durchlaufen könne. John Gittam von Nordelph schafft dies 7 Sekunden unter der Zeit. Eine Generation später wagt William Smart die gleiche Wette für zweieinhalb Minuten, braucht dann jedoch zwei Sekunden mehr.

1823

  • London ein für jedermann offenes Schlittschuhrennen wird durchgeführt. Es gab kein Preisgeld, demnach ist dies eines der weltweit ersten überlieferte Amateurrennen.

Frühe Entwicklungen in einzelnen Ländern[Bearbeiten]

England[Bearbeiten]

Fen Skater an der Wendemarke der Doppelbahn

Im Jahre 1763 wird in den Fens von Cambridgeshire erstmals ein bekannter Eislauf-Wettkampf durchgeführt. Zwischen etwa 1850 bis 1890 werden Wettbewerbe ausgetragen, bei denen auch Preise zu gewinnen sind. Die Landeigner und Adligen, die die Wettkämpfe ausrichten, erheben Teilnahmegebühren, aus denen das Preisgeld in der Größenordnung von etwa £10 gewonnen wird.

Als Laufbahn werden Strecken von 660 Yards auf dem Eis abgemessen und mit Markierungen in zwei Bahnen geteilt. An den Enden befinden sich Wendemarken, die beispielsweise aus Fässern mit einer eingesteckten Fahne bestehen. Die Bahn hat damit etwa die Form einer Haarnadel, die Biegung an den Wendemarken ist dabei nicht geteilt.

Die Wettbewerbe werden im K.-o.-System ausgeführt, wobei von etwa 16 bis 32 Wettbewerbern Läuferpaarungen ausgelost werden, deren Gewinner in der nächsten Runde gegen den Gewinner einer anderen Paarung antritt. Von den ausgelosten Läuferpaaren startet jeder auf seiner zugewiesenen Seite und läuft an der Wendemarke auf die andere Bahn hinüber. Für ein Eineinhalb-Meilen-Rennen absolvierten die Läufer zwei Runden, wobei sie dreimal die Wendemarken umlaufen. Bei 16 Teilnehmern musste der Endsieger dann insgesamt 6 Meilen gelaufen sein.

William See und William Smart
James Smart

Von dem Preisgeld bekommt der Gewinner die Hälfte, und der Rest wird an die anderen Läufer anteilsmäßig je nach ihrem Fortkommen im Wettbewerb verteilt. Die Gewinner lokaler Wettkämpfe werden dabei auch eingeladen, an größeren Wettbewerben mit Eisläufern des ganzen Fen-Gebietes teilzunehmen. Es gibt auch Frauen-Wettbewerbe, die jedoch nicht so große Aufmerksamkeit und Preisgelder bekommen wie die Männer.

Neben den allgemein organisierten Wettkämpfen fordern herausragende Läufer auch zu Einzelkämpfen um einen ausgesetzten Geldbetrag heraus. So wird im Cambridge Chronicle von 1853 berichtet, dass die Brüder Larman und Robert Register einen Wettlauf gegen ein anderes Läuferpaar um ein Preisgeld von £ 20 anboten. Drei Jahre später tat sich zudem Larman Register mit seinem Herausforderer William „Turkey“ Smart zusammen um mit ihm als Team Wettläufe anzubieten. Der überragende englische Läufer der damaligen Zeit, William “Turkey” Smart, gewinnt von 1854 bis 1868 fast sämtliche Rennen in England [2] lediglich 1867 sorgt sein Schwager William See für die einzige Niederlage von Smart.

1878 gewinnt der Neffe von William Smart, George “Fish” Smart, sein erstes Rennen und bleibt in England bis 1889 bis auf wenige Ausnahmen bei mehreren hundert Wettbewerben unbesiegt. Anschließend übernimmt sein jüngere Bruder James Smart die Vorherrschaft in den englischen Eislaufwettbewerben.[2]

1879 veranstaltet der Englische Verband die erste Meisterschaft von Großbritannien über eineinhalb englische Meilen für Berufsläufer, desgleichen 1880 eine erste Meisterschaft von Großbritannien für Amateure.

Bis 1885 kann vor allem der überragende James Smart bei gelegentlichen Wettkämpfen in den Niederlanden „Weltrekorde“ und eine „Weltmeisterschaft“ auf „internationalem“ Niveau für sich verbuchen. Trotz der frühen und respektablen Tradition des Eisschnelllaufes in England findet dies keine Fortsetzung auf internationalem Niveau in die darauf folgende Zeit. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass zu jener Zeit für Laufwettbewerbe nur Natureis zur Verfügung steht, und dem stehen speziell in England, durch den Golfstrom bedingt häufige milde Winter entgegen, die zu oft jahrzehntelangen Pausen des Wettkampfbetriebes führen. In den Annalen der ISU zu den regulär anerkannten Weltrekorden (seit 1891), den Olympischen Winterspielen (seit 1924) und Weltmeisterschaften (seit 1996) tritt bislang kein einziger Läufer aus Großbritannien erfolgreich in Erscheinung (Stand 2011).

Norwegen[Bearbeiten]

Am 1. März 1863 tragen in Kristiania (dem späteren Oslo) 70 Akteure das erste dort überlieferte Wettrennen aus. Angeblich feuerten 10.000 Zuschauer die Läufer an. Der anfänglich bekannteste und erfolgreichste Läufer, der auch in anderen Ländern antritt, ist Axel Paulsen, der 1872 in Kristiania in 11:11,0 Minuten über 5000 Meter die erste Bestzeit auf einer der heute üblichen Strecken aufstellt. Um die Jahrhundertwende löst Oscar Mathisen Paulsen als erfolgreichsten Läufer ab. Norweger zeigen sich hinsichtlich der gelaufenen offiziellen Bestzeiten, beginnend mit Oskar Fredriksen 1890, bis zum Zweiten Weltkrieg als die erfolgreichsten Eisschnellläufer. Nur der Niederländer Jaap Eden und der Finne Clas Thunberg können auf diesem Niveau zwischenzeitlich mithalten. Weitere besonders erfolgreiche norwegische Läufer aus dieser Epoche sind Ivar Ballangrud und Hjalmar Andersen.

Niederlande[Bearbeiten]

Gemälde von Andreas Schelfhout, ca. 1850
Eisläufer bei Loosdrecht, 2009

In den Niederlanden begünstigt das ausgedehnte Grachtensystem das Schlittschuhlaufen bei genügend kalter Witterung.

1882

  • Gründung des Niederländischen Eislaufverbandes.
Weltmeister Jaap Eden, hier bereits mit „Norweger-Schlittschuhen“
10. Elfstädte-Tour (1954)

1885

  • In Leeuwarden wird ein Wettlaufen über vier Runden zu jeweils einer Meile durchgeführt. Es siegt der Niederländer Pieter Bruinsma gegen die Konkurrenz aus Norwegen, Kanada und Großbritannien. Die besten Norweger um Paulsen und Hagen fehlen allerdings auf Grund anderer Verpflichtungen.
  • Am 22. Januar stellt Wiebe H. Vries in Heerenveen mit 58,0 Sekunden über 500 Meter die erste Weltbestzeit eines niederländischen Läufers auf einer der heute üblichen Strecken auf.

1886

  • Hamar: Jaap Eden wird Weltmeister durch Sieg auf drei von vier Laufstrecken.

1887

  • Slikkeveer: Der erste Schnelllauf-Wettkampf auf einer niederländischen Doppelbahn wird durchgeführt.

1888

  • In Amsterdam werden Titelkämpfe der Berufsläufer durchgeführt, bei denen Harald Hagen aus Norwegen als Sieger hervorgeht.
  • in Trondheim gibt es im gleichen Jahr am 12. Februar ein erstes Frauenwettrennen über die heute üblichen Strecken. Die Norwegerin Line Bye läuft 86,2 sec über 500 Meter.

1889

  • Der Amsterdamer IJsclub veranstaltet vom 8. bis 10. Januar die ersten noch “inoffiziellen” Weltmeisterschaften. Der Russe Panschin siegt über die halbe und über eine ganze englische Meile, der Amerikaner Donoghue über drei englische Meilen.

1896

  • St. Petersburg: Jaap Eden wird Weltmeister durch Sieg auf drei von vier Laufstrecken.

1909

  • In Leeuwarden startet am 2. Januar der erste Lauf der Elfstedentocht über fast 200 Kilometer.

Deutschsprachiger Raum[Bearbeiten]

Bereits frühzeitig ist in den großen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ein reges Interesse am Eisschnelllauf vorhanden, das sich zunächst in Veranstaltungen mit internationalen und nationalen Beteiligungen niederschlägt. Es dauert dann jedoch noch etwa 20 Jahre bis deutsche Eisschnellläufer bedeutende Erfolge auf internationalem Niveau erzielen.

Nationaler Verband[Bearbeiten]

1888 Gründung des Deutschen Nationalen Eislauf Verbandes

1890 Der Deutsche Eissport-Verband (DEV) wird als Nachfolger des Deutschen Nationalen Eislauf Verbandes gegründet und vertritt zunächst die Interessen aller Eissportarten in Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg.

1911 Der Schweizer Eislauf-Verband wird gegründet. Er ist neben dem Eiskunstlauf auch für den Eisschnelllauf zuständig.

1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der DEV aufgelöst und als Nachfolger fungiert zunächst die Deutsche Eis- und Rollsport Arbeitsgemeinschaft (DERAG) und später die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Eissport (DAGE).

1949 wird der DEV in Mannheim wiedergegründet und als dessen Pendant 1954 der Deutsche Eislauf-Verband der DDR (DELV)

Im Laufe der Zeit verliert der DEV zunehmend an Bedeutung, da sich mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB), der Deutschen Eislauf-Union (DEU), der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), dem Deutschen Eisstock-Verband (DESV) und dem Deutschen Curling-Verband (DCV) fünf Einzelsportarten-Verbände gründeten und der Arbeit des DEV somit die Grundlage entzogen ist.

1965 Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) wird gegründet. Gründungspräsident ist Ludwig Schwabl.[3]

1990 Auflösung des DELV der DDR.

Organisationen und Veranstaltungen[Bearbeiten]

1869

  • Wien: Am 24. Jänner wird das erste Wiener Eisrennen durchgeführt. Sieger im Hauptlauf um den Preis des Jockey-Clubs ist der preußische General Artur Graf Schlippenbach.[4]

1872

  • Frankfurt: Der erste überlieferte Eisschnelllaufwettkampf in Deutschland wird am 2. Januar durch den Frankfurter Schlittschuhclub veranstaltet. Die Ergebnisse sind nicht überliefert.
  • Wien: Vom 5. bis 7. Januar wird der erste internationale Eissporttag (Kunst- und Schnelllaufen) durchgeführt, wobei eigentlich nur österreichische und deutsche Läufer beteiligt sind. Im Schnelllaufen siegt wie schon 1869 Artur Graf Schlippenbach, der zu dieser Zeit auch der beste deutsche Kunstläufer ist.

1884

  • Hamburg: Der Hamburger Schlittschuh-Club von 1881 und der Schlittschuhläuferverein von Altona 1876 schreiben gemeinsam das erste internationale Preisschlittschuhlaufen für Schnelllauf und Kunstlauf auf dem Heiligengeistfeld aus. Trotz der hohen Eintrittspreise sollen zehntausende Zuschauer die Veranstaltung besucht haben.

1885

  • Das zweite internationale Schnelllaufen in Hamburg wird am 18. Januar abermals auf dem Heiligengeistfeld durchgeführt, es ist zudem das erste mit Ergebnissen überlieferte Rennen in Deutschland. Der Norweger Axel Paulsen gewinnt das Rennen über 3750 Meter.
  • Hamburg: die erste Hamburger Meisterschaft endet mit Sieg von Claus Hansen vom Hamburger Schlittschuh Club von 1881.

1886

  • Hamburg: Nach den beiden Veranstaltungen in den Vorjahren wird am 22. und 23. Januar erstmals eine “Internationale Meisterschaft von Deutschland” auf dem Heiligengeistfeld ausgeschrieben. Gelaufen werden eine Meile und die 3500 Meter jeweils mit einem Vorlauf und Finallauf. Abermals setzt sich Axel Paulsen gegen die Konkurrenz aus den eigenen Land, den Niederlanden, Dänemark und Deutschland durch.
  • Berlin: Der erste “Berliner Eislaufverein 1886″ wird gegründet. Nach einem Streit trennen sich einige Mitglieder ab und gründeten den “Eislaufverein Berlin”

1887

  • Hamburg: Am 17./18. Februar endet die erste (inoffizielle) Deutsche Meisterschaft auf dem Heiligengeistfeld mit dem Sieg des Hamburgers J.H.Harms jr.. Er stellt dabei als erster Deutscher mit 7:01,5 Minuten eine inoffizielle 3000 Meter-Weltbestzeit auf; über 1500 Meter siegt er in 3:21,5 Minuten.

1889

  • Hamburg: Am 15. Januar finden die dritten inoffiziellen deutschen Meisterschaften statt, zum dritten Mal heißt der Sieger J.H. Harms jr.
  • Hamburg: Am 17. und 18. Januar bestreitet Deutschland seinen ersten Länderkampf. Gegner sind die Niederlande, die auf allen vier Strecken (halbe Meile, ganze Meile und zweimal 2 Meilen) durch Pander, Jurrjens und Couvée einen Dreifacherfolg feiert. Der deutsche Meister J.H.Harms jr. ist der beste deutsche Läufer und taucht nach diesem Länderkampf nie wieder in einem Wettbewerb auf.

1891

  • München: Am 17. Januar wird die erste offizielle Deutsche Meisterschaft auf dem Kleinhesseloher See ausgetragen. Der für den Berliner Eislaufverein startende Däne Emil Schou gewinnt den Titel.

1892

  • Altona / Elbe: Die neue “Eisbahn an der Allee” (heutige Max-Brauer-Allee) wird eröffnet und bietet den Altonaern und den Hamburgern für viele Jahre gute Trainings- und Wettkampfbedingungen.

1894

  • Schweiz: Die neue Natureisbahn im schweizerischen Davos wird für die nächsten 70 Jahre die schnellste Bahn der Welt

1895

  • Berlin: Auf dem Halensee findet am 13. Januar der erste deutsche Wettkampf auf einer Doppelbahn statt.

1897

  • Darmstadt: Das erste bekannte Frauenwettrennen in Deutschland über 500 Meter wird durchgeführt. Die Siegerin M.Trümpert benötigt 2:07,6 min.

1907

  • Berlin: Der DEV führt die 3000 Meter als offizielle Wettkampfstrecke ein

1950

  • Berlin: Mit dem Bau der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin ergibt sich ein Aufschwung des Eisschnelllaufs in der DDR.
  • Bad Reichenhall: Die erste Meisterschaft nach der Gründung der Bundesrepublik wird durchgeführt. Sie endet mit Siegen der Kölner Lilli Balg-Bauer und Bernd Geuer

1953

  • Geising: die erste DDR Meisterschaft auf dem Hüttenteich endet mit Siegen der Berliner Waltraud Thun-Scheunemann und Günter Samp

1963

  • Berlin: Die erste 400-Meter-Kunsteisbahn in der DDR wird eröffnet.

1965

  • Inzell: Die erste 400-Meter-Kunsteisbahn in der Bundesrepublik wird eröffnet.[3]
  • Gründung der DESG.[3]

1969

  • Inzell: Erstmals wird in Deutschland nach dem Krieg eine Europameisterschaft durchgeführt.
  • Berlin: Die DDR streicht Eishockey zugunsten von Eisschnelllauf aus dem Sportförderprogramm. Viele Trainer u. a. Joachim Franke wechseln daraufhin zum Eisschnelllauf.

1974

  • Chemnitz: Die Bahn im Küchwald wird eröffnet, auf der Athleten der DDR zahlreiche Landesrekorde aufstellen

1990

  • Inzell:Erstmals nach 1943 werden wieder Gesamtdeutsche Meister ermittelt, Markus Tröger aus Nürnberg und Heike Warnicke aus Erfurt sichern sich die Mehrkampftitel
Der Eisläufer und Kunstmaler Julius Seyler
Helga Haase

Nationale und internationale Erfolge[Bearbeiten]

1890

  • Amsterdam: Fritz Ahrendt (Hamburg) nimmt als erster Deutscher an Weltmeisterschaften teil.

1891

  • Amsterdam: Erste offizielle Weltmeisterschaft. August Underborg (Hamburg) wird inoffizieller Dritter der WM.
  • Hamburg: Die erste Europameisterschaft über die Strecken von einer halben, einer ganzen und über drei englische Meilen wird durchgeführt. August Underborg sorgt dabei über 3 Meilen für den ersten deutschen Streckensieg bei einer internationalen Meisterschaft

1896

  • Hamburg: Erstmals wird auch bei der Europameisterschaft der große Vierkampf gelaufen. Julius Seyler aus München gewinnt dabei erstmals Gold für Deutschland.

1897

  • Amsterdam: Julius Seyler gewinnt ein zweites Mal Gold für Deutschland bei der Europameisterschaft. Danach dauert es 63 Jahre bis zur nächsten deutschen Goldmedaille.

1898

  • Davos: Julius Seyler gewinnt die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft, Wilhelm Sensburg (München) stellt eine neue Weltbestzeit im Rennen über 1 Stunde auf

1906

  • München: Julius Seyler tritt nach elfjähriger Pause wieder bei Deutschen Meisterschaften an und gewinnt ein zweitesmal den Titel.

1910

  • Garmisch: Alfred Lauenburg sichert sich seinen siebten Deutschen Meistertitel im Mehrkampf und bleibt damit seit 1901 bei Meisterschaften ungeschlagen

1924

  • Helsinki: Mit dem Berliner Hans Kleeberg jr. startet erstmals wieder ein Deutscher bei den Weltmeisterschaften

1930

  • Karpacz: Arthur Vollstedt sichert sich wenige Tage nach seinem 38. Geburtstag seinen vierten Deutschen Meistertitel und geht damit als bislang ältester Deutscher Meister in die Annalen ein

1933

  • Oslo: Die erste (inoffizielle) Weltmeisterschaft der Frauen endet mit dem Sieg der Österreicherin Liselotte Landbeck

1935

  • Garmisch: Die erste (inoffizielle) Deutsche Meisterschaft der Frauen, Irmgard Sames (Berlin) siegt.
  • Oslo: Irmgard Sames ist die erste deutsche WM-Teilnehmerin

1956

  • Davos: Bei den Weltmeisterschaften in der Schweiz startet mit dem Kölner Theo Meding erstmals nach dem Krieg wieder ein deutscher Athlet bei internationalen Titelkämpfen. Er überrascht mit Rang 11 im Mehrkampf und Platz vier über 10.000 Meter bei einem Teilnehmerfeld von 31 Startern.

1960

  • Davos: 63 Jahre nach Julius Seyler gewinnt mit Helmut Kuhnert (Bronze); wieder ein deutscher Eisschnellläufer eine WM-Medaille; Helga Haase stellt den ersten deutschen Weltrekord dieses Jahrhunderts auf, gewinnt ferner olympisches Gold über 500 Meter und Silber über 1000 Meter.[3]

1963

1972

  • Medeo: Bei den Landesmeisterschaften der Frauen der damaligen UdSSR stellt Tamara Pirnasarowa den Landesrekord auf.

1974

  • Chemnitz: Bei den Weltmeisterschaften der Frauen im Küchwald kommen gleich vier deutsche Frauen unter die ersten sechs, der Titel geht an Andrea Schöne vor Karin Enke

1984

  • Deventer: Bei den Weltmeisterschaften gehen erstmals alle Medaillen an die deutschen Damen
  • Sarajevo: Christa Rothenburger gewinnt die Goldmedaille über 500 Meter bei den olympischen Winterspielen in Sarajevo.

1985

  • Heerenveen: Christa Rothenburger wird Weltmeisterin im Sprintvierkampf.

1988

  • Dresden: Karin Enke tritt als bis dahin erfolgreichste deutsche Eisschnellläuferin zurück. Sie errang drei Olympiasiege in den Jahren 1980 und 1984, sowie fünf weitere olympische Medaillen, elf Weltmeistertitel im Sprint- und kleinen Vierkampf und zehn Weltrekorden auf allen Strecken von 500 bis 3000 Metern, 21 Weltcupsiege und dreimal den zweiten Platz bei Europameisterschaften von 1981 bis 1983.
  • Calgary: Christa Rothenburger gewinnt die Goldmedaille über 1000 Meter bei den olympischen Winterspielen.
  • West Allis: Christa Rothenburger wird Weltmeisterin im Sprintvierkampf.
Claudia Pechstein
Gunda Niemann-Stirnemann, hier 1988 noch als G. Kleemann

2002

  • Claudia Pechstein wird mit nunmehr vier Olympiasiegen in den Jahren 1994, 1998 und 2002 sowie vier weiteren olympischen Medaillen die erfolgreichste deutsche Winterolympionikin aller Zeiten.

2004

  • Seoul: Anni Friesinger sichert mit Gold über 1000 Meter ihren 100. Titel im Zeitraum 1980–2004 bei Olympia, WM und EM

2005

  • Mit acht Olympischen Medaillen (dreimal Gold, viermal Silber, einmal Bronze) aus vier Spielen, 19 WM-, 8 EM- und 34 deutschen Meistertiteln, 99 Einzelstrecken- und 19 Gesamtsiegen im Weltcup sowie zahlreichen zweiten und dritten Plätzen, 18 Weltrekorden und 11-jährigem Besitz des inoffiziellen Rekords über 10.000 Meter der Damen wird Gunda Niemann-Stirnemann am Ende ihrer Karriere als erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten angesehen.

Schlittschuhe[Bearbeiten]

Friesische „doorlopers“: Holzschlittschuhe zum Unterschnallen mit Stahlkufen; 19. Jahrhundert
Englische „Fen Runner“-Schlittschuhe, 19. Jahrhundert
Klemmschlittschuhe zum Anschrauben an den Schuh

Die ersten für Laufwettbewerbe verwendeten „Schlittschuhe“ haben mit Schuhen noch nichts zu tun. Es sind Geräte, die aus einer 2,5 bis 5 Millimeter dicken Metallkufe bestehen, die mit einer hölzernen, später auch metallenen Halteplatte fest verbunden sind. Die Halteplatte ihrerseits hat Riemen, Zapfen oder Schraubvorrichtungen, mit denen sie am Fuß oder auch den Schuhen des Läufers festgemacht werden kann. In England wurden sie nach den dortigen Wettkämpfen als „Fen Runner“ bezeichnet, in Holland bzw. Friesland als „doorlopers“. Die damals verwendeten Kufen waren relativ kurz und begünstigten einen Laufstil, bei dem in annähernd aufrechter Haltung ähnlich wie beim heutigen Eishockey gelaufen wurde. Dies kam vor allem athletischen Läufern sehr zugute. Diese Geräte wurden bis um die Jahrhundertwende 18./19. Jh. verwendet.

Schlittschuhe von Strauss Skates, Inc., St. Paul, Minnesota, ca. 1925 mit hohem Schaft
„Ballangruds Modell“ von Vang, Norwegen, 1960er Jahre

1890 wird erstmals mit den “Norwegerschlittschuhen” gelaufen, deren fest am Schuh montierten Kufen sich als die deutlich bessere Lösung erweisen. Die Kufenblätter sind nur noch 1,5 Millimeter dick, der Lauf ist zudem zur Mitte hin leicht ausgebaucht, bildet also eine schwache Kurve. Zudem ist die Schiene mehr nach hinten verlängert, was einen besseren Abstoß ermöglicht. Dadurch ändert sich die Laufform zum „Skandinavischen Stil“, bei dem insbesondere der Abstoß seitlich nach hinten erfolgt und das Standbein in der Gleitphase stets „hockend“ gebeugt bleibt. Um dabei die Balance zu halten, muss gleichzeitig der Oberkörper tiefer nach vorn gebeugt werden, was zu dem gelegentlich verwendeten Synonym „Krummbuckel“ für die Eisschnellläufer führt. Damit werden längere Gleitphasen und ein ökonomischerer Krafteinsatz ermöglicht. Der spätere Weltklasseläufer Alfred Lauenburg schätzte, dass auf einer Strecke von 1500 Meter ein Zeitgewinn von 8–10 Sekunden mit den Norwegerschlittschuhen möglich sei. Diese Schlittschuhe werden in leichten Variationen (etwa der Schafthöhe) bis zur Erfindung der Klappschlittschuhe verwendet.

Klappschlittschuh (2010)
Christine Nesbitt auf Klappschlittschuhen. Deutlich ist hier zu sehen, wie das Stoßbein länger gestreckt werden kann.
Normaler Schlittschuh und Klappschlittschuh

Der letzte Entwicklungsstand ist seit 1996 der Klappschlittschuh mit vorne klappbar montierter Kufe und Feder, die die Kufe hinten zur Schuhschale zieht. So kann zu Ende der Abstossphase, die Ferse abgehoben werden und doch der Vorfuss noch Druck ausüben, währenddessen die Kufe parallel am Eis bleibt. Vor allem auf Langstrecken wird davon profitiert.

Bekleidung[Bearbeiten]

Läufer in der bis 1974 üblichen Kleidung

Die Bekleidung hatte in der Anfangszeit vor allem die Funktion des Kälteschutzes.

Bei den frühen Wettkämpfen in den Fens von England (siehe oben) gab es eine folkloristisch anmutende Bekleidung, die aus halblangen, dunklen Hosen, Strümpfen, hellen Pullovern und einem schwarzen Käppi bestand. Einen etwas abgewandelten Stil mit ebenfalls weißen Pullovern und Käppi zeigten auch damalige norwegische Sportler, jedoch mit enger anliegenden und langen Beinkleidern.

Stromlinienförmig: Karin Enke mit einteiligem Anzug 1983

Im 20. Jahrhundert wurden wollene Strumpfhosen und enganliegenden Pullover sowie eine enganliegende Mützen getragen. Den Schweizer Architekt und Läufer Franz Krienbühl leiteten 1974 aerodynamischen Überlegungen dazu, einen einteiligen hautengen Anzug zu entwerfen. Damit wurde er jedoch anfänglich eher amüsiert verspottet. Als er aber selbst bei den Olympischen Spielen 1976 mit diesem Anzug als 47-Jähriger den achten Platz erreichen konnte, änderte sich diese Einstellung. Seither wird im modernen Eisschnelllauf im Wettkampf aerodynamisch optimierte Bekleidung getragen.

Während ursprünglich klimabedingt in Strümpfen bzw. Strumpfhosen gelaufen wurde, wird im Spitzensport barfuß in den optimal anliegenden Schlittschuhen gelaufen, da so ein besseres Laufgefühl erreicht wird, was Höchstleistungen entscheidend fördert.

Wettkampfstätten[Bearbeiten]

Die Eisbahn von Davos in den 1920er Jahren
Die 1700 Meter hoch gelegene Medeo-Eisbahn in Kasachstan
Eislaufstadion Inzell

Natureisbahnen[Bearbeiten]

Naturgemäß wurden erste Eislauf-Wettkämpfe auf Natureis, also auf zugefrorenen Seen und Wasserläufen durchgeführt, auf denen Wettkampfbahnen abgesteckt wurden. Norwegen mit seinen alljährlich verlässlich zugefrorenen Seen und die Niederlande mit seinem zwar nicht so verlässlich zufrierenden, dafür aber weit ausgedehnten Grachtensystem trafen hier auf besonders gute Bedingungen für eine weite Verbreitung des Schlittschuhlaufes. In anderen Ländern wurden ersatzweise geeignete Flächen bei hinreichend kalter Witterung und nach ausreichendem Schneefall zunächst festgetreten und dann unter Wasser gesetzt, das dann mit etwas Glück zu einer wettkampftauglichen Eisbahn gefror („Spritzeisbahn“). Dies wurde beispielsweise auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg häufig zwischen 1887 und der Jahrhundertwende 19./20. Jh. praktiziert.

1883 Davos: Die Natureisbahn wird angelegt[5] und ist 70 Jahre lang die schnellste Wettkampfbahn der Welt.

1909 Kristiania: Eröffnung des Bislett-Stadions

1951 Alma-Ata: Die Natureis-Hochgebirgsbahn Medeo in der damaligen Kasachischen SSR wird eröffnet und löst Davos als schnellste Bahn der Welt ab.

1959 Mit der Wiederentdeckung des Frillensees als Eislaufort beginnt der Aufschwung von Inzell als Eisschnelllaufhochburg

Offene Kunsteisbahnen[Bearbeiten]

1959 Göteborg: Die erste Kunsteisbahn mit 400-Meter-Laufbahn wird zur Europameisterschaft errichtet. Das Stadion fasst 55.000 Zuschauer.

1963 Berlin: Erste 400-Meter-Kunsteisbahn in der DDR

1961 Amsterdam: Die Jaap-Eden-Bahn wird als erste 400-Meter-Kunsteisbahn in den Niederlanden eröffnet.

1965 Inzell: Bau des Eisstadion Inzell mit 400-Meter-Kunsteisbahn im Ort selbst.

1967 Eröffnung des Thialf-Eisstadions in Heerenveen als 400 m-Freiluft-Kunsteisbahn.

1971 Die Hochgebirgsbahn Medeo wird zur Kunsteisbahn umgerüstet.

1974 Berlin: Das Horst-Dohm-Eisstadion in Berlin-Wilmersdorf mit einer 400-Meter-Bahn wird am 29. November 1974 eröffnet.[6]

1987 Butte (Montana): Im 1500 Meter hoch gelegenen US-amerikanischen Butte in Montana wird von dem lokalen U.S. High Altitude Speed Skating Center eine offene Hochgebirgs-Kunsteisbahn angelegt. Sie ist während des Eisschnelllauf-Weltcup 1987/88 vom 28. Bis 29. November 1987 eine von mehreren Austragungsorten, sowie danach auch von nationalen US-Meisterschaften. Nach 15 Betriebsjahren entsteht erheblicher Verschleiß an den Kühlanlagen. Angesichts dem aktuellen Trend zu geschützten Hallenanlagen und mangels Interesse und Finanzierungsmöglichkeiten wird der Eislaufbetrieb und die Anlage daraufhin aufgegeben.[7]

Hallenbahnen[Bearbeiten]

1983

1984

  • In der Olympiahalle Zetra in Sarajevo werden erstmals die Eisschnelllaufwettbewerbe bei Olympischen Winterspielen in einer Halle ausgetragen.
Sportforum Berlin-Hohenschönhausen
Hallen-Eislaufstadion Thialf in Heerenveen

1986

  • 17. November: im Sportforum Hohenschönhausen wird die weltweit erste reine 400 m-Hallen-Eisschnelllaufbahn eröffnet. Sie hat 4.000 Zuschauerplätze.
  • 18. November: Die Thialf-Eishalle in Heerenveen wird als zweite Eisschnelllauf-Hallenbahn der Welt eröffnet und hat eine Kapazität von 12.500 Zuschauern.

1988

Olympic Oval in Calgary
Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle in Erfurt (Luftbild 2007)

1982 - 2001

  • Erfurt: Die seit 1957 bestehenden Kunsteisbahn die sowohl für Eisschnelllauf, als auch für Eishockey genutzt wurde, wird zu einer 333 m-Laufbahn umgebaut. 1997 wird sie durch eine 400 m-Bahn ersetzt. 2001 wurde die nach einjähriger Bauzeit komplett überdachte und mit 4000 Zuschauerplätzen ausgestattete Anlage mit der Benennung nach der erfolgreichsten Erfurter und deutschen Eisschnellläuferin als Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle feierlich eröffnet.

2002

  • Salt Lake City: mit dem auf knapp 1300 Metern noch höher gelegenen Utah Olympic Oval wird Calgary als schnellste Bahn der Welt abgelöst.

ISU und Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

1889 Amsterdam: Erstmals wird eine informelle Weltmeisterschaft im Eisschnelllauf ausgetragen.

1891 Hamburg: Erstmals wird eine informelle Europameisterschaft im Eisschnelllauf ausgetragen, Ausrichter sind der Österreichische und der Deutsche Eissport-Verband.

1885 Leeuwarden: Auf Antrag des britischen Verbandes wird in Holland erstmals eine Einigung über die zu absolvierenden Strecken absolviert, man einigt sich auf eine Standardstrecke von einer Meile (1609 Meter).

Verband und Regeln[Bearbeiten]

Mit dem Erscheinen von internationalen Wettkämpfen sowohl im Eisschnelllauf als auch im Eiskunstlauf sowie durch die Gründung von nationalen Verbänden entstand ein Bedarf an internationalen Standards und Regeln.

1892: Im Juli 1892 beruft der niederländische Eislaufverein eine Versammlung für alle an internationalen Eislaufwettkämpfen interessierten Länder ein. Es folgt der Kongress in Scheveningen, in dessen Verlauf vom 23.–28. Juli die der Internationale Eislauf-Verband (IEV), die spätere ISU, gegründet wird. Grundungsmitglieder sind 15 europäische Staaten.

1892: Die IEV führt die Regel für das paarweise Laufen ein.

1893: Die IEV führt die metrischen Stecken ein, für Weltmeisterschaften werden 500, 1.500, 5.000 und 10.000 Meter vorgeschrieben. Bei der Europameisterschaft werden die 10.000 Meter noch nicht gelaufen

Weltmeisterschaft 1971, Video * Atje Keulen-Deelstra (NED) gewinnt die 500m vor Tuula Vilkas (FIN) * über 1500 m muss Keulen-Deelstra gegen Ludmilla Titowa (URS) aufgeben * über 3000 m siegt Stien Kaiser vor Nina Statkevitsj (URS)

Berlin: Die ersten offiziellen Europameisterschaft unter der Regie der IEV werden durchgeführt.

1894: Mit Kanada tritt erstmals ein Verband außerhalb Europas der ISU bei.

1910: IEV: Einführung des Platzziffernsystems im Mehrkampf, die Titel werden nunmehr an den Athleten mit der geringsten Platzziffer in den vier Mehrkampfstrecken vergeben

1925: ISU: Einführung eines Punktsystems im Mehrkampf

1954: ISU: Die 5000 Meter der Frauen werden aus dem offiziellen Wettkampfprogramm gestrichen

1983: ISU: Die 5000 Meter der Frauen werden wieder offizielle Wettkampfstrecke

2002: ISU: Für Laufdistanzen ab 1500 Metern wird der Quartettstart zugelassen. Die Bekanntgabe erfolgte am 17. Juni 2002 auf dem ISU-Kongress in Kyoto.[9]

2011: ISU: Auf den langen Strecken wird der Massenstart zugelassen.[10]

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

  • Bei den Männern werden unter der Regie der IEV bzw. ISU seit 1893 alljährlich Weltmeisterschaften im Vierkampf bzw. Allround-Mehrkampf ausgeführt, desgleichen bei den Frauen seit 1933. Unterbrechungen gab es in dieser Abfolge jeweils während der beiden Weltkriege.

Inoffizielle Meisterschaften wurden bereits ab 1889 für die Männer und ab 1933 für die Frauen veranstaltet.

  • Seit 1970 werden für Männer wie auch für Frauen alljährlich Sprint-Mehrkampf-Weltmeisterschaften über jeweils zweimal 500 und 1000 Meter durchgeführt.
  • Seit 1996 werden für Männer wie auch für Frauen alljährlich Einzelstrecken-Weltmeisterschaften durchgeführt.
    • Die Disziplinen sind für Männer 500, 1.000, 1.500, 5.000 und 10.000 Meter sowie die Teamverfolgung.
    • Die Disziplinen sind für Frauen 500, 1.000, 1.500, 3.000 und 5.000 Meter sowie die Teamverfolgung.

Die Meisterschaft wird ab 1996 für Frauen und Männer an gleichen Orten, gemeinsam veranstaltet.

Die Deutsche Gunda Niemann ist mit acht Goldmedaillen die Erfolgreichste WM-Teilnehmerin. Der Finne Clas Thunberg und der Norweger Oscar Mathisen sind mit fünf Goldmedaillen die erfolgreichsten Männer. Die Niederlande führt mit 41 Goldmedaillen die Nationenrangliste an.

Eisschnelllauf bei den Olympischen Winterspielen[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

  • Bereits bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 sind Eisschnelllaufwettbewerbe vorgesehen, jedoch zunächst nur für Männer über die Laufstrecken 500, 1.500, 5.000 und 10.000 Meter. Bei den ersten Winterspielen wird auch ein Mehrkampf durchgeführt, dies dann jedoch bei den folgenden Spielen nicht mehr wiederholt.
  • 1932 werden bei den Spielen in Lake Placid Demonstrationswettbewerbe für Frauen über die Laufstrecken 500, 1.000 und 1.500 Meter ausgetragen. Das Feld der Starterinnen umfasste 10 Athletinnen aus den USA und Kanada. Es dauert dann aber noch 28 Jahre, bis Wettbewerbe der Frauen regulärer Bestandteil der Winterspiele werden.
  • Die 53. IOC-Session 1956 in Melbourne beschließt die feste Aufnahme der Frauen-Wettbewerbe ins Programm der olympischen Winterspiele. Darauf werden 1960 in Squaw Valley erstmals reguläre Wettkämpfe bei den Frauen ausgetragen. Die Laufstrecken der Frauen sind 500, 1.000, 1.500 und 3.000 Meter.
  • Bei den Spielen 1976 in Innsbruck werden die 1000 Meter als zusätzlicher Wettbewerb bei den Männern und 1988 bei den Frauen die 5.000 m-Laufstrecke neu in das Programm aufgenommen.
  • 2006 wird sowohl für Frauen als auch für Männer der Teamverfolgungs-Wettbewerb in das Programm aufgenommen.
Clas Thunberg in Chamonix 1924
Julius Skutnabb
St. Moritz, Winterolympiade 1928

Einzelne Spiele[Bearbeiten]

1924

1928

  • St.Moritz: Im Eisstadion Badrutts-Park sind abermals nur vier Laufstrecken für Männer vorgesehen. Aufgrund des schlechten Wetters wird zudem der Wettkampf über 10.000 m abgebrochen. Die Goldmedaille über 500 Meter teilen sich der Norweger Bernt Evensen und der Finne Clas Thunberg, den 3. Platz teilen sich drei Läufer aus verschiedenen Ländern mit der gleichen Zeit. Über 1500 Meter siegt jetzt Clas Thunberg vor Bent Evensen und dessen Landsmann Ivar Ballangrud. Der letztere wiederum siegt über 5000 Meter vor dem Finnen Julius Skutnabb und Bernt Evensen.
  • Erstmals sind mit Arthur Vollstedt (Hamburg), Erhard Mayke (München) und Fritz Jungblut (Wien) deutsche und österreichische Eisschnellläufer an den Olympischen Spielen beteiligt.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1928/Eisschnelllauf

1932

  • Lake Placid: Auf einer Natureisbahn werden wieder vier Wettbewerbe für Männer ausgetragen. Es finden Massenstarts statt, bei denen die Läufer aus Europa fast ohne Chance sind.
  • Vor heimischem Publikum teilen sich John Shea und Irving Jaffee die vier Goldmedaillen. Die beteiligten Kanadier heimsen eine Silbermedaille und vier Bronzene ein. Nur die Norweger Ivar Ballangrud und Bernt Evensen können sich mit je einer Silbermedaille zwischen die Amerikaner schieben.
  • Daneben wurden drei Laufstreckenwettbewerbe für Frauen als Demonstrationsbewerb ausgetragen. Das Feld der Starterinnen umfasste 10 Athletinnen aus den USA und Kanada.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1932/Eisschnelllauf

1936

  • Garmisch: Es werden vier Wettbewerbe auf dem zugefrorenen Riessersee ausgetragen. Drei Laufstrecken werden von dem Norweger Ivar Ballangrud und nur die 1.500 m-Strecke von seinem Mannschaftskameraden Charles Mathiesen gewonnen. Erstmals beteiligt sich mit Shozo Ishihara ein Japaner an den Wettbewerben. Er erreicht über 500 Meter einen achtbaren 4. Platz.
  • Willy Sandner verbessert nach 40 Jahren den letzten offiziellen Deutschen Rekord, den Julius Seyler 1896 über 10.000 Meter aufgestellt hatte.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1936/Eisschnelllauf

1948

1952

1956

1960

  • Squaw Valley: Die Eisschnelllaufwettbewerbe werden erstmals auf einer künstlichen Eisbahn und mit regulären Wettkämpfen bei den Frauen ausgetragen. Bei den Männern teilen sich Norweger und Russen die meisten ersten und zweiten Plätze, bei den Frauen holt Helga Haase erstmals olympisches Eisschnelllauf-Gold sowie eine Silbermedaille für die Gesamtdeutsche Mannschaft. In den drei anderen Läufen außer der von Helga Haase gewonnenen Sprintstrecke siegen russische Läuferinnen.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1960/Eisschnelllauf
1968: Die drei erstplatzierten Frauen des 3000 m-Laufs, von links: Kaija Mustonen (2. Platz), Ans Schut (1.Platz), Stien Kaiser (3. Platz)
Erhard Keller

1964

1968

1972

1976

1980

  • Lake Placid: Letztmals bei olympischen Winterspielen werden hier die Wettbewerbe auf einer Freiluft-Eisbahn ausgetragen.
  • Eric Heiden gewinnt vor heimischer Kulisse alle fünf Goldmedaillen der Männer-Wettbewerbe und stellt auf allen Strecken einen neuen Olympischen Rekord auf.
  • Bei den Frauen gewinnt Karin Enke (DDR) die Goldmedaille über 500 Meter. Insgesamt belegen Läuferinnen aus der DDR in allen vier Läufen bei dieser Olympiade achtmal Plätze unter den ersten Sechs.
Andrea Schöne, Gabi Zange, Karin Enke und Sabine Brehm bei den Weltmeisterschaften der Frauen 1983

1984

  • Sarajevo: In allen Frauen-Wettbewerben werden die Gold- und die Silbermedaille jeweils von einer Läuferin aus der DDR errungen, insbesondere von Karin Enke, Andrea Schöne und Christa Rothenburger. Bei den Männern ist das Feld der Sieger sehr durchmischt. In den verschiedenen Läufen können sich fünf Läufer aus der DDR insgesamt sechsmal unter den ersten Sechs platzieren.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1984/Eisschnelllauf

1988

  • Calgary: Erstmals wird bei einer Olympiade auf einer 400-Meter-Hallenbahn gelaufen, die Olympic Oval-Bahn ist nunmehr die schnellste der Welt.
  • Bei den Frauen ist die 5.000 m-Laufstrecke neu in das Programm aufgenommen.
  • Erfolgreichste Sportlerin ist die Niederländerin Yvonne van Gennip mit Siegen über die 1500, 3000 und 5000 Meter.
  • Dennoch zeigt sich die Mannschaft der DDR als die erfolgreichste mit 3 Gold-, 6 Silber- und 4 Bronzemedaillen. Die Siege von Uwe-Jens Mey, André Hoffmann und Christa Rothenburger tragen entscheidend dazu bei.
  • Gunda Niemann-Stirnemann erscheint hier noch als Gunda Kleemann erstmals in den olympischen Ergebnislisten.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1988/Eisschnelllauf

1992

  • Albertville: Die Mannschaft des jetzt vereinten Deutschland zeigt sich - ausschließlich mit den Läufern der ehemaligen DDR - als abermals erfolgreichste Mannschaft mit jetzt 5 Gold-, 3 Silber und 3 Bronzemedaillen aus 10 Laufwettbewerben, davon bei den Frauen allein 8 Medaillen.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1992/Eisschnelllauf

1994

  • Lillehammer: Überragender Läufer ist hier der Norweger Johann Olav Koss, der vor heimischem Publikum auf drei Strecken, jeweils mit Weltrekord, den ersten Platz erreicht und zum Volkshelden erklärt wird. Die erfolgsverwöhnten zumeist ostdeutschen Läufer verspüren erstmals die Auswirkungen der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse im wiedervereinigten Deutschland und erreichen diesmal in der Nationenwertung nur den vierten Platz, dabei jedoch die meisten Medaillen. Dabei gewinnt nur Claudia Pechstein eine goldene von den ausschließlich durch die Frauen errungenen Medaillen.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1994/Eisschnelllauf

1998

  • Nagano: Der zwei Jahre zuvor eingeführte Klappschlittschuh sorgt für deutlich schnellere Zeiten. Überragende Läufer sind diesmal die Niederländer Gianni Romme und Marianne Timmer, die jeweils auf zwei Laufstrecken mit Welt- bzw. Olympischem Rekord in der M-Wave-Halle siegen. Dramatisch verläuft bei den Frauen das Rennen über 5000 Meter, hier läuft zunächst Gunda Niemann als erste Frau die Strecke unter 7 Minuten und damit neuen Weltrekord. Ihre Zeit wird dann jedoch von der nach ihr laufenden Claudia Pechstein noch um vier Hundertstelsekunden unterboten.
  • Neun Nationen erreichen diesmal die Medaillenränge.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 1998/Eisschnelllauf

2002

  • Salt Lake City: Die Niederlande, Deutschland und die USA erweisen sich diesmal als die dominierenden Nationen mit jeweils 3 goldenen und jeweils 8 insgesamt errungenen Medaillen. Die restlichen sechs von 30 Medaillen teilen sich Kanada, Norwegen und Japan. Das Feld der Nationen, die in die Medaillenränge gekommen sind, schrumpft damit auf sechs.
  • Ergebnisliste: Olympische Winterspiele 2002/Eisschnelllauf

2006

Moderne Wettkampfsituation (2008)

2010

Literatur[Bearbeiten]

  • Handbook Of Fen Skating ( 1882) by Neville Goodman and Albert Goodman Kessinger Publishing, LLC (August 18, 2008), ISBN 978-1-4369-3747-4
  • Speed Skating by Larry Dane Brimner, Children’s Press(CT) (October 1997), ISBN 978-0-516-26206-2
  • Welney Division: History of the Smart Family - Speed Skating Champions in the Golden Age of Fen Skating by Hilary A. Winter, Spindrift Print & Publishing (September 1994), ISBN 978-1-898762-03-4
  • The skaters of the Fens by Alan Bloom (Heffer - 1957)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Quellen für die Daten und Namen, sofern nicht anders angegeben: 2009 Deutsche Eisschnelllauf Gemeinschaft (mit Copyright-Hinweis „Nichtkommerzielle Anbieter können unter Quellen-Angabe die Texte frei verwenden.“)

  1. a b Kortebaanschaatsen in der niederländischsprachigen Wikipedia
  2. a b Englische WP, Fen Skating
  3. a b c d e DER SPIEGEL 6/1966 „Millionen für Medaillen“
  4. Geschichte des Eislaufs in Österreich (Version vom 23. August 2007 im Internet Archive)
  5. urlaub-im-web.de
  6. Info Horst-Dohm-Eisstadion
  7. Speed skating's forgotten Mecca, 2010, abgerufen am 4. Oktober 2012
  8. cnn.com, Bob Ottum:"Now Bring On The Torch" (Version vom 9. Februar 2009 im Internet Archive) in Sports Illustrated, 14. März 1983
  9. Quartett-Starts ab 2002, Speedskatingnews
  10. Eisschnelllauf-Massenstart 2011 auf eurosport.yahoo.com
  11. Sports-Reference

Siehe auch[Bearbeiten]

Historische Entwicklung der Weltrekord-Zeiten
Frauen 500 m 1000 m 1500 m 3000 m 5000 m
Männer 500 m 1000 m 1500 m 3000 m 5000 m 10 000 m
Ergebnisse der Olympischen Winterspiele
1924 1928 1932 1936 1948 1952 1956 1960 1964 1968 1972 1976 1980
1984 1988 1992 1994 1998 2002 2006 2010
Liste der Eisschnelllaufweltmeister
Frauen Allround-Mehrkampf Sprint-Mehrkampf Einzelstrecken
Männer Allround-Mehrkampf Sprint-Mehrkampf Einzelstrecken