Geschichten vom Herrn Keuner
Die Geschichten vom Herrn Keuner, auch bekannt unter dem Namen Geschichten vom Herrn K., sind Parabeln von Bertolt Brecht. Sie entstanden verteilt über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren. Die erste dieser Geschichten schrieb Brecht im Jahre 1926 im Zusammenhang mit den Arbeiten an dem Stück Fatzer. Aktuell (2008) werden 121 Einzeltexte dem Keuner-Komplex zugeordnet.[1].
Die Figur war zunächst als handelnde Person in das Stück einbezogen und nahm im Verlauf der Bearbeitungen Brechts immer mehr die Rolle des kritischen Kommentators (im Sinne des epischen Theaters) ein. Es entstanden insgesamt 87 Geschichten. Brecht plante zunächst nicht, diese Geschichten zu veröffentlichen. Auch erwähnte er die Geschichten nie in seinen Erläuterungen.
Die Keuner-Geschichten wurden immer in Zusammenhang mit Brechts anderen Werken geschrieben. Sie erschienen in der Heftreihe „Versuche“ zusammen mit anderen experimentellen Texten, Szenen aus Dramen und Gedichten. Es erschienen zunächst sieben Hefte, das Achte konnte 1933 nicht mehr gedruckt werden.
Die Literaturkritik nahm die Keuner-Geschichten in dieser Zeit nicht wahr. Nur Walter Benjamin schrieb darüber. Dieser erklärte auch die Herkunft des Namens unter Bezugnahme auf Brecht von „Keiner“ her, gedacht als eigenschaftslose Figur, die nur als denkender Vermittler in Erscheinung tritt.
1948 erschienen Brechts Kalendergeschichten, in denen 39 Keuner-Geschichten enthalten sind. Nach Brechts Tod wurden weitere Geschichten in weiteren Publikationen veröffentlicht. In Wangen-Brüttisellen im Kanton Zürich fanden sich im Nachlass der im Jahr 2000 verstorbenen Renata Mertens-Bertozzi 15 bislang unbekannte Keuner-Geschichten, die in die sogenannte „Zürcher Fassung“ des Suhrkamp Verlags aufgenommen wurden. Die Ausgabe enthält alle 58 Geschichten, die in der sogenannten „Züricher Mappe“ aufgefunden worden waren [2].
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner – Zürcher Fassung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 108.
- ↑ Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner – Zürcher Fassung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 107f.
[Bearbeiten] Literatur
- Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner – Zürcher Fassung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-51841-660-0.
- Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner. Suhrkamp Verlag 2003, ISBN 978-3-518-22366-6 (Bibliothek Suhrkamp 1366).
Dramen (Auswahl)
Baal | Trommeln in der Nacht | Die Kleinbürgerhochzeit | Im Dickicht der Städte | Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny | Die Dreigroschenoper | Der Flug der Lindberghs | Der Ozeanflug | Der Brotladen | Der Jasager | Die Maßnahme | Jae Fleischhacker in Chikago| Die heilige Johanna der Schlachthöfe | Die Mutter | Die sieben Todsünden | Die Gewehre der Frau Carrar | Furcht und Elend des Dritten Reiches | Leben des Galilei | Mutter Courage und ihre Kinder | Das Verhör des Lukullus | Der gute Mensch von Sezuan | Herr Puntila und sein Knecht Matti | Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui | Schweyk im Zweiten Weltkrieg | Der kaukasische Kreidekreis | Die Judith von Shimoda
Gedichtbände (Auswahl)
Bertolt Brechts Hauspostille | Svendborger Gedichte | Steffinsche Sammlung | Deutsche Satiren | Buckower Elegien
Gedichte (Auswahl)
Alabama Song | An die Nachgeborenen | Die Lösung | Einheitsfrontlied | Erinnerung an die Marie A. | Fragen eines lesenden Arbeiters | Kinderhymne | Anachronistischer Zug | Legende vom toten Soldaten | Taoteking | Morgens und abends zu lesen | Die Moritat von Mackie Messer | Resolution der Kommunarden | Schlechte Zeit für Lyrik | Solidaritätslied
Prosa (Auswahl)
Geschichten vom Herrn Keuner | Der Mantel des Ketzers | Der Augsburger Kreidekreis | Kalendergeschichten | Die unwürdige Greisin | Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar
Theoretische Schriften:
Radiotheorie
Drehbücher:
Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? | Auch Henker sterben | Herr Puntila und sein Knecht Matti