Geschichtsverein

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Geschichtsvereine, die bei gleichem oder ähnlichem Ziel auch als Historische Vereine oder Historische Gesellschaften firmieren, dienen dem Zweck, die Heimat-, Regional- oder Landesgeschichte zu erschließen und durch Veröffentlichungen, Tagungen und andere Aktivitäten die Kenntnis dieser Geschichte und das Interesse an ihr zu fördern. Mit den Geschichtsvereinen eng verbunden und zum Teil in ihnen aufgegangen sind die Altertumsvereine, die sich besonders der Denkmalpflege [1] und der Beschreibung, Erhaltung und Ausstellung lokaler Sammlungen und Kulturgüter widmen.

Von den Geschichts- und Altertumsvereinen zu unterscheiden sind die Geschichtswerkstätten, die seit den 1970er-Jahren entstanden und den Schwerpunkt in der Regel auf die jüngere Alltagsgeschichte von regional kleineren Einheiten wie Stadtteilen legen.

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichts- und Altertumsvereine entstanden seit dem frühen 19. Jahrhundert. Zu den frühen Gründungen gehört der 1812 gegründete Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung in Wiesbaden und der Historische Verein für Oberfranken. Er wurde 1827 unter dem Namen Verein für Bayreuthische Geschichte und Alterthumskunde, Geographie und Statistik des Obermainkreises gegründet.[2]

Sie sind in Deutschland seit 1852 mit den Historischen Kommissionen sowie landesgeschichtlichen Instituten und Arbeitskreisen unter dem Dach des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine zusammengeschlossen. Gründungszweck des Gesamtvereins war es, durch Zusammenschluss der Geschichtsträger in den damals stark zersplitterten Territorien, den Landschaften und Städten die Einheit der deutschen Geschichte in der Vielfalt zu betonen und damit die landes- und regionalgeschichtliche und auch lokale Forschung anzuregen. In seiner Zeitschrift Blätter für deutsche Landesgeschichte gibt der Gesamtverein jährlich einen wissenschaftlichen Überblick durch Sammelberichte und Rezensionen und behandelt darüber hinaus in wissenschaftlichen Aufsätzen Schwerpunktthemen landes- und regionalgeschichtlicher Forschung. Seit 1968 veranstaltet er den Tag der Landesgeschichte, der sich speziellen Forschungsfragen widmet und dem Erfahrungsaustausch der Landeshistoriker in den Mitgliedsvereinen und an den Universitäten gilt. Im Bereich der Quelleneditionen hat sich der Gesamtverein um die notwendige Vereinheitlichung bemüht. Die von Walter Heinemeyer im Auftrag des Gesamtvereins erarbeiteten Editionsgrundsätze für Urkunden, mittelalterliche Amtsbücher und Quellen zur neueren deutschen Geschichte sind heute fester Bestandteil der geschichtswissenschaftlichen Praxis. Daneben erhält die Vermittlung der Forschungsergebnisse an eine breitere Bevölkerung zunehmend stärkere Bedeutung, um damit das Bewusstsein der Bürger für landes- und regionalgeschichtliche Bezüge zu fördern und die geistige Grundlage für das föderalistische System in Deutschland zu erhalten. Der Gesamtverein wirkt als Sprecher seiner über 200 Mitgliedsvereine, etwa bei der Begutachtung der Archivgesetze der Bundesrepublik und der einzelnen Bundesländern oder bei der Stellungnahme zum Berliner Historischen Museum. Er pflegt zahlreiche Kontakte zu staatlichen Organen und Institutionen im Inland und Ausland. Der Gesamtverein ist als Koordinator landesgeschichtlicher Forschung und Vereinsarbeit tätig, bildet ein Forum des fachlichen Austausches, regt Projekte an und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik und Verwaltung.

Deutschland[Bearbeiten]

Bayern[Bearbeiten]

In Bayern sind die Vereine auch im Verband bayerischer Geschichtsvereine organisiert. Er wurde am 24. November 1906 in Nürnberg als ein Zusammenschluss von 32 historischen und prähistorischen Vereinen in Bayern gegründet. Heute gehören dem Verband über 200 Geschichts-, Heimat-, Landes- und Volkskundevereine an, die sich die Erforschung und Vermittlung der Heimat-, Regional- und Landesgeschichte einschließlich der Landes- und Volkskunde zum Ziel gesetzt haben.

Berlin[Bearbeiten]

Der älteste Geschichtsverein der Bundeshauptstadt ist der Verein für die Geschichte Berlins e.V., der 1865 gegründet wurde. Er hat sich vor allem durch seine Schriftenreihen ein hohes Renommee erarbeitet. Einige seiner bekanntesten Mitglieder sind bzw. waren Willy Brandt, Alfred Döblin, Theodor Fontane, Ernst Friedel, Friedrich Meinecke, Adolf Menzel, Axel Springer, Heinrich von Sybel und Richard von Weizsäcker.

Bremen[Bearbeiten]

In Bremen wird die Aufgabe eines Geschichtsvereins seit 1861/1862 durch die Historische Gesellschaft Bremen wahrgenommen.

Hamburg[Bearbeiten]

Der hamburgische Geschichtsverein nennt sich Verein für Hamburgische Geschichte. Er wurde am 9. April 1839 gegründet und bemüht sich seither um die hamburgische Geschichtsforschung und darum, breiten Kreisen die Erkenntnisse über die Geschichte Hamburgs näherzubringen.[3] Der Verein für Hamburgische Geschichte übernimmt darüber hinaus in Hamburg die Aufgaben einer Historischen Kommission für Landesgeschichte.

Hessen[Bearbeiten]

Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde („VHG“) gehört zu den ältesten und größten Geschichtsvereinen Deutschlands. Er ist Mitglied des 1852 von ihm mitbegründeten Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Mit Sitz in Kassel widmet er sich schwerpunktmäßig den Gebieten des ehemaligen Kurfürstentum Hessen(-Kassel). Im Bereich des Großherzogtum Hessen(-Darmstadt) wurde 1833 der Historische Verein für Hessen gegründet, zunächst als Historischer Verein für das Großherzogthum Hessen.

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten]

Der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens besteht aus zwei Abteilungen. Der ältere Teilverein hat seinen Sitz in Paderborn und wurde 1824 auf Initiative des Domkapitulars Ignaz Meyer gegründet. Seinen Schwesterverein, den Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, gibt es seit 1825; zusammen bringen die Vereine seit 1837 die Westfälische Zeitschrift heraus. Die Historische Kommission für Westfalen wurde im Jahre 1896 vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens gegründet. Sie übernahm die Fortführung der wissenschaftlichen Arbeiten, darunter die Herausgabe des Westfälischen Urkundenbuches. 1914 wurde die Kommission als Verein eingetragen und rechtlich selbstständig, organisatorisch wurde sie 1921 beim Provinzialverband der Provinz Westfalen angesiedelt, aus dem in der Nachkriegszeit der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hervorging.

Seit der Nachkriegszeit existiert der Geschichtsverein für das rechtsrheinische Köln.

Württemberg[Bearbeiten]

Der Württembergische Geschichts- und Altertumsverein e.V. (Stuttgart) wurde 1843 gegründet. Zu den ältesten Vereinen in (Baden-)Württemberg zählt u.a. der Sülchgauer Altertumsverein, der 1852 in der Römer- und Bischofsstadt Rottenburg am Neckar gegründet wurde. Der Verband der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine wurde 1927 als loser Zusammenschluss der Geschichtsvereine in Württemberg gegründet.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich ist die übergreifende Vereinigung der Verband Österreichischer Geschichtsvereine, und es existiert pro Bundesland ein Geschichtsverein, der jeweils an das Landesarchiv (Wien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten), Landesmuseum (Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich) oder landeskundliche Institut (Niederösterreich) angebunden ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Kunz: Verortete Geschichte: regionales Geschichtsbewußtsein in den deutschen historischen Vereinen des 19. Jahrhunderts, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, 413 S. (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 138; zugelassene Dissertation Universität Regensburg 1998), ISBN 3-525-35729-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rolle der Geschichts- und Altertumsvereine in der Frühzeit der Denkmalpflege
  2. Bernd Mayer. "Ein jeder bringe, was er besitzt". in Heimat-Kurier, das historische Magazin des Nordbayerischen Kurier. Heft 2/2002
  3. Sebastian Husen, Vaterstädtische Geschichte im republikanischen Stadtstaat. Studien zur Entwicklung des Vereins für Hamburgische Geschichte (1839-1914). (Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 45. Hamburg 1999)

Weblinks[Bearbeiten]