Geschwindigkeitsskifahren

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Geschwindigkeitsskifahren, oft auch mit dem englischen Begriff Speedski bezeichnet, ist eine Extremsportart, bei der Sportler auf Skiern eine speziell präparierte Piste hinab fahren und dabei versuchen, möglichst hohe Geschwindigkeiten zu erzielen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Speedski-Wettbewerbe gab es bereits in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Österreicher Gustav Lantschner fuhr damals den ersten offiziellen Rekord mit 105 km/h in St. Moritz. Ein Jahr später verbessert Leo Gasperl den Rekord auf 136,6 km/h. 1978 bricht Steve Mc Kinney (USA) die 200-km/h-Marke in Chile.

Die 1980er-Jahre gehörten einem Österreicher: Speedski-Legende Franz Weber wurde zwischen 1980 und 1985 sechsmal Weltmeister und verbesserte den Weltrekord viermal. 1999 fuhr der Tiroler Harry Egger mit 248,1 km/h erneut einen Rekord, der für drei Jahre Bestand hatte. Philippe Goitschel durchbrach als erster Speedskifahrer die 250-km/h-Marke. Den derzeit gültigen Weltrekord von 252.454 km/h stellte Simone Origone (ITA) am 31. März 2014 in Vars auf.

Geschwindigkeitsskifahren wird ausschließlich als Wettkampfsport betrieben und ist als solcher vom Internationalen Ski-Verband (FIS) reglementiert. Auch der Profiverband (France Ski de Vitesse) veranstaltet regelmäßig Wettkämpfe.

Geschwindigkeitsskifahren war eine Demonstrationssportart bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville. Sieger war Michel Prüfer (FRA) mit 229,3 km/h. Der Wettbewerb wurde jedoch von einem tödlichen Unfall des Schweizer Rennfahrers Nicolas Bochatay überschattet. Der Unfall geschah allerdings nicht auf der Speedski-Strecke, sondern auf einer öffentlichen Skipiste, wo er mit einer Pistenraupe kollidierte. Kurz darauf stellte die FIS eine Geschwindigkeitsbeschränkung mit 200 km/h für FIS-Rennen auf.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Die Sportler tragen einen enganliegenden Rennanzug aus beschichtetem Polypropylen, einen aerodynamisch geformten Sporthelm und dem Körper entsprechend geformte Skistöcke. An den Skischuhen sind zusätzlich Spoiler montiert. Die Skier haben eine Überbreite verglichen mit normalen Skiern und sind zwischen 2,25 und 2,40 Meter lang. Die optimale Haltung beim Abfahren wird vorher im Windkanal erarbeitet; sie bestimmt (bei gegebenen äußeren Bedingungen) entscheidend, welche Geschwindigkeit ein Fahrer erreicht.

Wettkämpfe und Pisten[Bearbeiten]

Die Strecken sind bis zu einem Kilometer lang und weisen ein hohes Gefälle auf - die steilsten Pisten haben am Start ein Gefälle bis zu 112% (48 Grad). Der Höhenunterschied zwischen Start und Messstrecke liegt zwischen 200 und 500 Metern. Der Sportler nimmt auf den ersten 300–400 Metern der Strecke Geschwindigkeit auf, die auf dem folgenden 100 Meter langen Teilstück (der Zeitmesszone) gemessen wird. Somit ist der sportliche Vergleich gesichert. Der schnellste Sportler gewinnt den Wettbewerb. Die letzten 200–600 Meter des Kurses dienen als Bremszone. Bei FIS-Veranstaltungen sind die Rennkurse so angelegt, dass Geschwindigkeiten von 200 km/h nicht überschritten werden (seit 2009 kann die FIS in Ausnahmefällen eine Genehmigung für Geschwindigkeiten über 200 km/h erteilen). Einen durch Tore vorgegebenen Fahrweg gibt es beim Geschwindigkeitsskifahren nicht, die Piste wird in der Falllinie befahren. Bei einigen Rekordversuchen starten die Läufer von einer künstlichen Rampe, um den Anlauf zu verlängern. Es gibt weltweit etwa 50 homologierte Speedskistrecken. Die schnellsten sind in Les Arcs (FRA), Vars (FRA) und Verbier (SUI). Die heutigen Weltrekorde im Geschwindigkeitsskifahren liegen bei 252,454 km/h für Männer und 242,6 km/h für Frauen.

FIS-Weltcup[Bearbeiten]

Der Speedski-Weltcup ist ein vom Internationalen Skiverband (FIS) ausgetragener internationaler Wettbewerb im Geschwindigkeitsskifahren. Der Weltcup wird seit dem Jahr 1989 alljährlich zwischen Januar und April ausgetragen. Die Rennen finden in Europa und Nordamerika statt.

Klassen[Bearbeiten]

Es gibt drei Klassen: Speed 1 (S1, auch klassische oder Profi Klasse), Speed Downhill (SDH, auch Production oder AbfahrtsKlasse) und Speed Downhill Junior (SDH Junior). In der Speed 1-Klasse wird mit Spezialhelm, Spoilern, Spezialanzug und mit 240-cm-Skiern gefahren und in der Downhill-Klasse wird mit ganz normaler Abfahrtsausrüstung gefahren. In den Junioren-Klassen können Athleten von 15 bis 20 Jahren teilnehmen. Die Punkteverteilung ist in allen Klassen gleich wie im Alpinen Weltcup: 100 Punkte für den Sieger, 80, 60, 50, 45, 40, 36, 32, 29, 26, 24, 22, 20, 18, 16, 15, 14 usw.

Modus[Bearbeiten]

Die Athleten treten auf speziell präparierten Pisten gegeneinander an. Im Weltcup gibt es keine Streckenbesichtigung wie bei den alpinen Bewerben, sondern ein freies Training. Die Rennleitung wählt für das freie Training den Startpunkt so aus, dass 160 km/h nicht überschritten werden können. Der Startpunkt wird nach jedem Lauf nach oben verlegt, um die Geschwindigkeit deutlich zu steigern.

Die ersten Rennläufe dienen zur Qualifikation. Die langsamsten Fahrer scheiden aus. Es gibt auch einen sogenannten technischen Cut, bei dem unsichere Fahrer ausscheiden. Nach den Renn- oder Qualifikationsläufen folgen das Halbfinale und das Finale. Es wird in umgekehrter Startreihenfolge gestartet, der Schnellste startet also als Letzter. Beim Finale wird vom höchsten Startpunkt aus gefahren, um die schnellste Geschwindigkeit zu erreichen.

Weltcup und Kristallkugel[Bearbeiten]

Im Speedski Weltcup gibt es für die beste Dame und den besten Herrn eine kleine Kristallkugel, jene, welche man aus dem Alpinen Ski-Weltcup kennt. Theoretisch kann der Speedski-Weltcup auch von einen SDH-Fahrer gewonnen werden. In der Praxis ist das aber unwahrscheinlich, da das Material eines SDH-Fahrers deutlich langsamer ist als in der S1-Klasse. Am Ende der Saison publiziert die FIS eine Speed-Ski-Gesamt-Weltcup-Liste für die S1-Klasse und eine sekundäre Liste für die SDH-Kategorien. Für den besten SDH-Fahrer gibt es bei den Herren den Häkkinen-Cup und bei den Damen der Taplin-Cup.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]