Gesta Danorum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Titelblatt der von Christiern Pedersen 1514 in Paris herausgegebenen editio princeps Danorum Regum heroumque Historia
Erste Seite der Gesta Danorum, Dänische Königliche Bibliothek, Kopenhagen

Gesta Danorum (deutsch „Taten der Dänen“) ist eine um 1200 entstandene, in lateinischer Sprache geschriebene, großangelegte Geschichte des dänischen Geistlichen Saxo Grammaticus.

Inhalt[Bearbeiten]

Saxos Gesta Danorum hat zwei inhaltliche Schwerpunkte. Zuerst enthält es die Darstellung Dänemarks als eines altehrwürdigen Königreiches: Ein Land mit fest umrissenen Grenzen, einer einheitlichen Sprache und gemeinsamen Bräuchen, dessen Geschichte trotz der Unterbrechungen durch Bürgerkriege Kontinuität aufweist und dessen Bewohner das Bewusstsein einer gemeinsamen Vergangenheit und kultureller Identität verbindet. Darüber hinaus aber dient die Gesta Danorum zur Rechtfertigung der Kriegsführung König Waldemar I. gegen die Slawen (Abodriten und Ranen), vornehmlich durch abwertende Beschreibung und Hervorhebung der Andersartigkeit der Wenden. In seinen Berichten beschreibt er die Dänen als fromme Christen, unschuldige Opfer der slawischen Piratenüberfälle. Die Slawen ihrerseits werden als heidnische Rasse betrachtet, mordlustige Barbaren auf der Stufe wilder Tiere, die zunächst von Waldemar I. und seinen Kriegern und anschließend von christlichen Missionaren gezähmt werden mußten. Zur Veranschaulichung des bösartigen Charakters der Slawen beschreibt Saxo die Zerstörung durch die slawischen Überfälle auf die dänischen Küsten, insbesondere auf die der abodritischen Küste gegenüberliegenden Inseln Lolland und Falster.

Die Bücher 1-9 stellen die sagenumwobene Vorzeit der Dänen dar. Der geschichtliche Teil der Bücher 10–16 reicht bis in die Regierungszeit Knuts VI. (1185). Eine deutsche Übersetzung des geschichtlichen Teils, insbesondere des 14. Buches mit seinen Bezügen zur Geschichte Mecklenburgs, existiert nicht. Die Gesta Danorum gelten als eine der wichtigsten Quellen für die frühe dänisch-nordische Geschichte und als bedeutendes Zeugnis für die Verarbeitung dänisch-nordischer Götter- und Heldensagenüberlieferung im Rahmen einer „Nationalgeschichte“.

Literatur[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Saxonis Gesta Danorum. Primum a C. Knabe & P. Herrmann recensita. Recognoverunt et ed. J. Olrik & H. Raeder. Hauniae: Levin & Munksgaard, 1931 (Band 1: Text);1957 (Band 2: Index) (klassische Ausgabe)
  • Saxo Grammaticus: Gesta Danorum / Danmarkshistorien. Hrsg. von Karsten Friis-Jensen, dänische Übersetzung von Peter Zeeberg. Kopenhagen 2005. (neue, maßgebliche Edition und dänische Übersetzung)

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Paul Herrmann: Erläuterungen zu den ersten neun Büchern der Dänischen Geschichte des Saxo Grammaticus.
Band 1: Übersetzung. Leipzig: Engelmann 1901.
Band 2: Kommentar: Die Heldensagen des Saxo Grammaticus. Leipzig: Engelmann 1922
  • Gesta Danorum. Mythen und Legenden des berühmten mittelalterlichen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus. Übersetzt, nacherzählt und kommentiert von Hans-Jürgen Hube. Wiesbaden: Marix-Verlag 2004. ISBN 3-937715-41-X. (nur Teilausgabe)

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Tore Nyberg (Hrsg.): Saxo and the Baltic region: a symposium. Odense: Syddansk Universitetsforlag 2004 (University of Southern Denmark studies in history and social sciences; 275) ISBN 87-7838-928-3.
  • R. Volz: Gesta Danorum in Lexikon des Mittelalters, Band III, Sp. 1422ff.

Weblinks[Bearbeiten]