Formwandler

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Die Froschprinzessin von Wasnezow: Metamorphose vom Frosch zur Prinzessin (1918)

Der Begriff Formwandler, Gestaltwandler oder Metamorph bezeichnet fiktive Wesen oder Sagengestalten, die ihre eigene äußere Form verändern können. Diese Möglichkeit wird vor allem von Fantasy- und Science-Fiction-Autoren sowie in Comics und Filmen genutzt, aber auch in einigen Volksmythen kommen Formwandler vor, wie zum Beispiel die japanischen Hengeyōkai. Auch Ghule werden oft als Gestaltwandler angesehen.

Begriffsherkunft[Bearbeiten]

Der Begriff Metamorph geht auf das griechische Wort „metamorphosis“ (Umgestaltung, Umwandlung) zurück, welches allgemein als Gestaltwechsel oder Verwandlung übersetzt wird. Dieses bezieht sich dabei eher auf eine natürliche und irreversible oder einmalige Formwandlung.[1]

Als Gestaltwandler wurde bereits der germanische Gott Odin bezeichnet, der sich in Tiere wie Vögel oder Schlangen verwandeln konnte, um so ferne Orte aufzusuchen. In den isländischen Sagas tauchten schon früh die „hamingjur“ (Gestaltwandler) auf, diese besitzen die Fähigkeit sich in Tiere zu verwandeln. Die Bezeichnung stammt laut Rudolf Simek vermutlich von „ham-gengja“, jemand, der seine „hamr“ (Hülle, Körper) gehen lassen kann. Auch Hexen wurde in spätmittelalterlichen Sagas dort manchmal als „ham-hleypa“ (Hüllenläuferin) bezeichnet.[2]

Formwandler (englisch shapeshifter) können sich in Tiere, Pflanzen oder von einer menschlichen Gestalt in eine andere verwandeln, wobei sie auch das Alter, die Ethnie oder das Geschlecht wechseln können. Auch eine innere Transformation einer Figur kann als Formwandlung angesehen werden, wie sie sich beispielsweise in Robert Louis Stevensons Roman The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde aus dem Jahr 1886 darstellt. Ähnlich ist auch die Verwandlung des Hulk oder anderer Superhelden aus dem Marvel-Universum konzipiert. Das Lexikon der Filmbegriffe zählt auch die filmischen Meisterverbrecher Fantômas, Dr. Mabuse, Fu Manchu oder Keyser Soze zu diesen Formwandlern.[3]

Gestaltwandler in Film und Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

Aus der Literatur und der Verfilmung von Romanvorlagen sind viele Werke bekannt, die Formwandler thematisch behandeln. Oftmals kommen Vampire oder Werwölfe in diesen Werken vor, daneben gibt es aber auch Märchen und Volkssagen, die darauf zurückgreifen. J. R. R. Tolkien griff das Motiv des Formwandlers in seiner Mittelerdemythologie ebenfalls auf. Im Buch Der Hobbit ist es beispielsweise die Figur des dort als Pelzwechsler bezeichneten Beorn, dessen Name Ähnlichkeiten mit dem altnordischen Helden Böðvarr Bjarki aus der Hrólfs saga kraka oder zum Beowulf aufweist. Die Figur des Beorn verhält sich zudem einer altnordischen Vorstellung von Menschen, die befähigt waren, ihre Gestalt zu verändern, wie beispielsweise der Berserker Úlfheðnar (Wolfshäuter) oder Kveldúlfr (Abendwolf), der Großvater des Helden Egil aus der Egils saga, der sich des Nachts in einen Wolf verwandelte und in dieser Zeit eine Gefahr darstellte, wie es auch bei der Beschreibung von Beorn im Hobbit der Fall ist.[2]

  • Eine Art kann von der eigenen (meist menschlichen) Form in die einer anderen Spezies (meist Tiere) wechseln. Bekannte Beispiele sind Werwölfe (siehe auch Lykanthropie) und Vampire. In einigen Volksmythen kommt auch der Wechsel von einer tierischen in die menschliche Form vor, zum Beispiel die Kitsune (Rotfüchse) in der japanischen Mythologie, die sich in Menschen verlieben können und dann die Gestalt von hübschen, jungen Frauen annehmen, um diese Männer zu heiraten. Sie verschwinden jedoch, sobald der Mann bemerkt, dass seine Frau eine Kitsune ist.
  • In der Regel kann ein Formwandler lediglich zwischen zwei Gestalten wechseln, Ausnahmen bilden sehr starke oder alte Wesen. So kann sich Dracula in manchen Sagen in einen Wolf, eine Fledermaus, einen Vampir in Menschengestalt und in Nebel verwandeln. Der Nebel kann auch als Zustand zwischen den Verwandlungen angesehen werden kann.
  • Eine weitere Art von Formwandlern kann nur eine andere Form innerhalb der eigenen Spezies annehmen, wie die Facedancer aus Frank Herberts Dune oder der Charakter Mystique aus der Marvel-Comicreihe X-Men.
  • Auch die Figuren der Kinderserie Barbapapa sind in der Lage sich in eine beliebige (Tier-) Gestalt zu verwandeln.
  • Die letzte Art von Formwandlern hat keine richtige eigene Form und kann fast beliebige Formen annehmen. Dazu gehören zum Beispiel der T-1000 aus dem Film Terminator 2, der aus einem synthetischen Flüssigmetall besteht, sowie Odo aus der Star-Trek-Serie Deep Space Nine, der zu den sog. Gründern zählt, die in ihrer natürlichen Form eine Flüssigkeit sind und sich mit wachsender Erfahrung in fast alles verwandeln können – sogar leuchtendes Gas.[4]
Romane
  • Bram Stoker: Dracula. A. Constable & Co., Westminster 1897, OCLC 776540759.
  • J. R. R. Tolkien: Kleiner Hobbit und der große Zauberer. (Übersetzung von Walter Scherf) Paulus Verlag, Recklinghausen 1957, OCLC 73745775.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Metamorphose auf spektrum.de, abgerufen am 22. August 2014.
  2. a b Rudolf Simek: Beorn, der Gestaltwandler. in: Mittelerde. Tolkien und die germanische Mythologie. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52837-6, S. 94–97.
  3. shapeshifter auf filmlexikon.uni-kiel.de, abgerufen am 22. August 2014.
  4. Nadja Sennewald: Alien Gender: die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien. Transcript-Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-899-42805-6, S. 230f. (online).