Gestaltung

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Gestaltung ist ein kreativer Schaffensprozess, bei welchem durch die Arbeit des Gestaltenden eine Sache (ein materielles Objekt, eine Struktur, ein Prozess, eine Situation, ein Gedankengut etc.) verändert wird, d. h. erstellt, modifiziert oder entwickelt wird und dadurch eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Erscheinungsbild verliehen bekommt oder annimmt.

  1. Gestaltung im weitesten Sinne bezeichnet einen bewussten Eingriff in die Umwelt mit dem Ziel, diese in eine bestimmte Richtung zu verändern. In diesem weiten Sinne zählt dazu neben ästhetischer Gestaltung von unmittelbar Wahrnehmbarem (siehe unten) auch die Gestaltung von mittelbar Spürbarem, z. B. Lebensgestaltung, Persönlichkeitsgestaltung, Politik als Gestaltung der gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen usw.
  2. Gestaltung im engeren Sinne ist die bewusste, verändernde Einflussnahme auf die ästhetische Erscheinung von Dingen oder Zusammenhängen, also auf unmittelbar sinnlich wahrnehmbare Phänomene (wie Räumen, Objekten, Handlungen, Bewegung usw.). Beispiele sind die Bereiche der Kunst, sowie die verschiedenen Designbereiche als Gestaltung von Produkten, Grafik, Mode, Architektur usw. oder die individuelle Körpergestaltung oder Umfeldgestaltung.

Bedeutung des Begriffs[Bearbeiten]

Besondere Bedeutung kommt dem Begriff im Kontext des Designs zu. Hier ist mit Gestaltung in der Regel die zweite Bedeutung gemeint. Dabei bestehen verschiedene Ansätze zur angemessenen Formfindung, je nachdem ob man sich dem Thema funktional, formal oder von Material und Konstruktion ausgehend nähert. (Siehe Funktionalismus, Formgebung, Styling, Dekoration etc.) Manche Hochschulen nennen den entsprechenden Fachbereich explizit „Gestaltung“, um die umgangssprachlich verengende Assoziation von Design im Sinne von Styling zu vermeiden, z. B. Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Der Begriff wird in beiden o. g. Bedeutungen auch im Bereich der Bildenden Kunst sowie der angewandten und darstellenden Kunst verwendet. In der Kunst ergibt sich die Gestaltung in der Regel in Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Realität, der subjektiven und objektiven Realität etc. Kunstobjekte versuchen Realität zu schaffen, abzubilden, auszudrücken oder zu verfremden, sie versucht zu irritieren, in Frage zu stellen oder zu intervenieren. Besonders in der Kunst seit den 60er Jahren ist der weitere Gestaltungsbegriff als Teil des erweiterten Kunstbegriffs weit verbreitet (Joseph Beuys, Wolf Vostell, Videokunst, Aktionskunst, Konzeptkunst).

Auch das Objekt des Prozesses der Gestaltung, die Kreation, wird als Gestaltung bezeichnet.

Berufsbild[Bearbeiten]

Das dazugehörige Berufsbild ist der Gestalter oder Designer, bzw. im Bereich der Architektur der Architekt, mit entsprechenden Studiengängen an Universitäten oder Fachhochschulen. Übliche Studiengangsbezeichnungen sind im Bereich Design z. B. Industrial Design, Industriedesign, Produktdesign oder Kommunikationsdesign (auch: Visuelle Kommunikation, Grafikdesign, Mediendesign, älter: Gebrauchsgrafik).

Handwerker, die sich in Gestaltung professionell weiterqualifizieren wollen, können sich zum „Gestalter/in im Handwerk“ weiterbilden (z. B. in der Akademie für Gestaltung in Aachen, Chemnitz, Dresden, Erfurt, Halle a. d. Saale, Hannover, Kassel, Koblenz, Leipzig, Lüneburg, München, Münster, Stuttgart, Ulm).

Gestaltung und Erziehung[Bearbeiten]

Erziehungssituationen können gestaltet werden. Der Erziehende gestaltet - mehr oder weniger optimal, was in der Folge Auswirkungen auf den Erziehungsprozess und die Sozialisation des Kindes haben wird. Die angemessene Gestaltung setzt ein Mindestmaß an Kompetenz voraus. Bei misslungenen Erziehungssituationen (Misshandlung, unangemessene Bestrafung) spricht man weniger von Gestaltung.

Aber auch das zu erziehende Individuum (das Kind, der Jugendliche) wirkt bei der Gestaltung mit - je nach Art seiner Aktivität, Motivation und seiner sonstigen individuellen Voraussetzungen. Gestaltung aber ist in die Verantwortung des Erziehers gestellt, denn das Ergebnis der Erziehungssituationen, die er schafft, hat längerfristige Konsequenzen für das Kind/den Jugendlichen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Dorschel: 'Gestaltung und Ethik', in: conceptus XXVIII (1995), Nr. 72, S. 63-81.
  • Andreas Dorschel: Gestaltung - Zur Ästhetik des Brauchbaren, 2. Aufl. (Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2003). ISBN 3-8253-1483-9.
  • Michael Schulze: Konzept und Werkbegriff. Die plastische Gestaltung in der Architekturausbildung, 1. Aufl. (Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 2013), ISBN 978-3-7281-3481-3.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Gestaltung – Zitate

Gestaltungsgesetze

Gestalterische Grundaufgaben