Gesundheit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Gesundheit als Wohlergehen. Zum Ausruf Gesundheit! siehe Niesen, zur gleichnamigen Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks siehe Gesundheit!

Gesundheit des Menschen ist laut Weltgesundheitsorganisation „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“[1] („Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“)

Weitere Definitionen[Bearbeiten]

„Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen.“
„Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums, für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben für die es sozialisiert (Sozialisation = Einordnungsprozess in die Gesellschaft, Normen- und Werteübernahme) worden ist.“
„Gesundheit wird als mehrdimensionales Phänomen verstanden und reicht über den ‚Zustand der Abwesenheit von Krankheit‘ hinaus.“
  • Aus der Pflegewissenschaft:
Monika Krohwinkel (1992) identifiziert Wohlbefinden und Unabhängigkeit als subjektiv empfundene Teile der Gesundheit. „Krankheit und Gesundheit sind ‚dynamische Prozesse‘, die für die Pflege als Fähigkeiten und Defizite erkennbar sind.“
Reinhard Lay (2004/2012) hat als Teil des Modells der Gesundheitspflege eine neuere pflegewissenschaftliche Definition von Gesundheit vorgelegt: „Gesundheit bedeutet eine zufriedenstellende Entfaltung von Selbstständigkeit und Wohlbefinden in den Aktivitäten des Lebens.“[2] Lay versteht Pflege als Gesundheitsförderung und definiert Pflege entsprechend als „gezielte Interaktion zur Förderung von Selbstständigkeit und Wohlbefinden in den Aktivitäten des Lebens.“[3]
  • Aus der sozialwissenschaftlichen Forschung:
Klaus Hurrelmann (2010) definiert Gesundheit als: „Zustand des objektiven und subjektiven Befindens einer Person, der gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung im Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet.“ In seinem Verständnis, das die Brücke zu den interdisziplinär orientierten Gesundheitswissenschaften schlägt, ist Gesundheit ein angenehmes und durchaus nicht selbstverständliches Gleichgewichtsstadium von Risiko- und Schutzfaktoren, das zu jedem lebensgeschichtlichen Zeitpunkt immer erneut in Frage gestellt ist. Gelingt das Gleichgewicht, dann kann dem Leben Sinn und Freude abgewonnen werden, es ist eine produktive Entfaltung der eigenen Kompetenzen und Leistungspotentiale möglich, und es steigt die Bereitschaft, sich gesellschaftlich zu integrieren und zu engagieren. (Hurrelmann 1999, 2010)
  • Aus der Entwicklungspsychologie:
Der Begriff von Gesundheit bleibt nach I. Seiffge-Krenke (in Rolf Oerter/Leo Montada; S. 836) bei Kindern und Jugendlichen abstrakt. Sie begreifen den Zustand eher in negativer Abgrenzung von Krankheit. Psychische Bestandteile der Gesundheit („keine Sorgen haben“) sind aber im Jugendalter bereits wichtige Bestandteile des Begriffes. Doch auch im Erwachsenenalter bleibt Gesundheit schwerer zu erläutern als die Krankheit.

Begriffsbestimmung[Bearbeiten]

Für eine umfassende Bestimmung von Gesundheit und Krankheit sind folgende Aspekte nach dem salutogenetischen Ansatz von Antonovsky bedeutsam:

  • Gesundheit und Krankheit sind beobachterabhängige Konstrukte, wobei sich die Beobachtung von Gesundheit und Krankheit durch soziale Systeme wie die Medizin oder die Wissenschaft von der Beobachtung durch das Individuum unterscheiden kann (objektivierende vs. subjektivierende Sicht).
  • Die Beobachtung von Gesundheit und Krankheit erfolgt ausschließlich anhand von körperlichen, psychischen und sozialen Symptomen.
  • Gesundheit und Krankheit sind demnach für sich nicht empirisch fassbar; sie entsprechen Konzepten, mit welchen die Symptome erklärt werden.
  • Gesundheit ist die korrekte Ausführung aller physischen und psychischen Funktionen eines Lebewesens.
  • Man kann zwischen physischer und psychischer Gesundheit und Krankheit unterscheiden.
  • Die Positionierung auf dem Kontinuum von Gesundheit und Krankheit wird primär durch das Vorhandensein bzw. die Absenz von physischen und psychischen Krankheiten bestimmt.
  • Das Auftreten dieser Krankheiten wird unter anderem beeinflusst durch Risikofaktoren (Stressoren), welche die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Verletzungen erhöhen, und Schutzfaktoren, welche die Wirkung der Risikofaktoren beschränken.
  • Die Risiko- und Schutzfaktoren können in physische, psychische, soziale und physikalisch-materielle Faktoren unterteilt werden.
  • Durch die Bekämpfung der Risikofaktoren und die Förderung der Schutzfaktoren wird die Chance für das Auftreten neuer Krankheiten verringert und die Positionierung auf dem Kontinuum verbessert oder erhalten.
  • Wenn sich durch die Verminderung von Risikofaktoren und die Förderung von Schutzfaktoren das Wohlbefinden des Individuums verbessert, kann sich seine Positionierung auf dem Kontinuum in Richtung Gesundheit verschieben.

Gesundheitswert[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Gesundheit ist ein wichtiger persönlicher und gesellschaftlicher Wert. Ihre Bedeutung wird oft erst bei Krankheit oder mit zunehmendem Alter erkannt. Welche Einschränkungen mit dem Verlust von Gesundheit verbunden sind, wird oft erst dem alternden Menschen bewusst – durch eigene durchgestandene Krankheiten, gesundheitliche Probleme im Umfeld und das sich nähernde Lebensende. Vorsorgeprogramme für jüngere Altersgruppen werden propagiert, laufen aber oft ins Leere.

Im Allgemeinen sind Frauen gesundheitsbewusster als Männer. Dies kann man beispielsweise an der Beteiligung zur Darmkrebsvorsorge erkennen (Männer ca. 10–15 %, Frauen ca. 30 % Beteiligung). Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt jährliche Krebsvorsorgeuntersuchungen (SGB V §25) für Frauen schon ab 20 Jahren, für Männer erst ab 45 Jahren.

Privilegierte Schichten sind gesünder als unterprivilegierte. Der Abstand ist in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich gewachsen.

Die Förderung und Erhaltung der Gesundheit erfordert im Verhältnis geringe finanzielle Mittel. Die Gesundheit wiederherzustellen, die sog. kurative Medizin, ist demgegenüber erheblich teurer.

Die gesetzliche Krankenversicherung ist neben der gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen-, Unfall- und Pflegeversicherung eine der fünf Säulen des Sozialsystems.

Faktoren für ein gesundes Leben[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Körperliche Faktoren[Bearbeiten]

  • genetische Faktoren wie gesunde Chromosomen bzw. Gene
  • gesunde, frische, vielseitige, vitamin-, spurenelement- und mineralienreiche Nahrung wie Obst, Gemüse, Getreide, Milch, Kartoffeln, Hülsenfrüchte etc.
  • gesunde, unbelastete natürliche Umwelt: Luft, Wasser, Boden, Licht, Druck, Luftfeuchtigkeit etc.
  • gesicherte menschengeschaffene Umwelt: Wärme, Unterkunft, Hygiene, Kleidung, Geborgenheit, Schutz vor Gefahren, Zuwendung, Fürsorge, etc.
  • aufzuchtsbedingte bzw. baby-, kinder- und jugendzeitbedingte Körper- und Bewegungskultur
  • intakte soziale Beziehungen z. B. ein Freundeskreis und gute Beziehungen zu Arbeitskollegen
  • Entspannung und emotionale Ausgeglichenheit (siehe auch unten)
  • selbstbestimmte körperliche Bewegung und Betätigung (Sport, Spiel, Arbeit)
  • genug Schlaf, Zeiten der Anspannung sowie der Entspannung, Ruhe und Erholung, keine Hetze und Stress vermeiden
  • eine erfüllte Sexualität mit sich oder einem bzw. mehreren anderen Menschen, oder deren gelungene Sublimation
  • der Gesundheit förderliche Arbeitsbedingungen, keine dauernde Über- oder Unterforderung.

Seelisch-geistige Faktoren[Bearbeiten]

  • Geliebt sein und selbst lieben können:
    • Lebenspartner, Kinder, Familie, Mitmenschen
    • Freundlichkeit, Kontaktfähigkeit, soziale Kompetenz
  • Selbstachtung, Selbstvertrauen:
  • Sicherheit: Gefühl der Geborgenheit, Religion bzw. Lebenssinn
    • Mindest-Sicherheit, die Nahrung, die Kleidung, das Wohnen betreffend
    • Sicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
    • doch gewisse Spannung ist notwendig, sonst versinkt man in Lethargie.

Materielle Faktoren[Bearbeiten]

  • Mindestens minimaler Wohlstand
  • Wohnsituation
  • "Soziale Sicherheit" - "Geborgenheit"
  • Sauberes Trinkwasser
  • Genügend Nahrung, unbelastet und passend zum Ernährungstyp (siehe Kategorie:Ernährungstyp)

Faktoren der sozialen Ungleichheit[Bearbeiten]

Privilegierte Schichten sind in Deutschland eindeutig gesünder und haben eine längere Lebenserwartung als Menschen, die über geringere Bildung, Einkommen und Berufsstatus verfügen.

Die Gründe dafür liegen nach Mielck (2005, S. 53) in

  • Unterschieden in den gesundheitlichen Belastungen, z. B. Belastungen am Arbeitsplatz,
  • Unterschieden in den Bewältigungsressourcen, z. B. soziale Unterstützung,
  • Unterschieden in der gesundheitlichen Versorgung, z. B. Arzt-Patient-Kommunikation.

Diese Faktoren führen wiederum zu

  • Unterschieden beim Gesundheits- und Krankheitsverhalten, z. B. Ernährung, Rauchen,

und insgesamt zu

Faktoren für ein gesundes Leben sind also stets auch sozialpolitischer Art.

Hauptartikel Soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wikiquote: Gesundheit – Zitate
 Wiktionary: Gesundheit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege[Bearbeiten]

  1. Verfassung der Weltgesundheitsorganisation, deutsche Übersetzung (PDF; 533 kB)
  2. Reinhard Lay: Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schlütersche Verlagsgesellschaft, zweite Aufl., Hannover 2012, S. 201 (Erstaufl. 2004, S. 139), ISBN 978-3-89993-271-3.
  3. Reinhard Lay: Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schlütersche Verlagsgesellschaft, zweite Aufl., Hannover 2012, S. 210 (Erstaufl. 2004, S. 144), ISBN 978-3-89993-271-3.

Literatur[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
  • Aaron Antonovsky: Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. DGVT-Verlag, Tübingen 1997.
  • P. Becker: Psychologie der seelischen Gesundheit. Hogrefe, Göttingen 1982.
  • J. Bengel, R. Strittmatter, H. Willmann: Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussionsstand und Stellenwert; eine Expertise. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln 2001.
  • Gro Harlem Brundtland (Hrsg.): Grundrecht Gesundheit. Vision: Mehr Lebensqualität für alle. Campus, Frankfurt 2000.
  • Verena Corazza, Renate Daimler, Andrea Ernst, Krista Federspiel, Vera Herbst, Kurt Langbein, Hans-Peter Martin, Hans Weiss: Kursbuch Gesundheit. Symptome und Beschwerden. Gesundheit und Wohlbefinden. Rhythmen des Lebens. Krankheiten. Untersuchung und Behandlung. Aktualisierte Neuauflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-03593-3.
  • Josef W. Egger: Gesundheit - Aspekte eines komplexen biopsychosozialen Konstrukts und seine Korrelation zu Optimismus und Glückserleben. In: Psychologische Medizin 21. Jahrgang 2010, Nummer 1, S. 38 - 48 (PDF; 452 kB).
  • M. Hafen: Mythologie der Gesundheit – zur Integration von Salutogenese und Pathogenese. Carl Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 2007.
  • Klaus Hurrelmann: Gesundheitswissenschaften. Springer, Heidelberg 1999.
  • Klaus Hurrelmann: Gesundheitssoziologie. Juventa, Weinheim 2010.
  • T. Lampert, L. E. Kroll: Einfluss der Einkommensposition auf die Gesundheit und Lebenserwartung. DIW Discussion Paper 527/2005 (in elektronischer Fassung hier lesbar).
  • T. Lampert, T. Ziese: Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit. Expertise des Robert Koch-Instituts zum 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. BMGS, Bonn 2005 (Schriftenreihe Lebenslagen in Deutschland) (in elektronischer Fassung hier lesbar).
  • R. Lutz, N. Mark (Eds.): Wie gesund sind Kranke? Zur seelischen Gesundheit psychisch Kranker. Göttingen 1995, Hogrefe.
  • Andreas Mielck: Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Einführung in die aktuelle Diskussion Bern 2005 ISBN 3-456-84235-X.
  • I. Seiffge-Krenke: Gesundheit als aktiver Gestaltungsprozess im menschlichen Lebeneslauf. In: Rolf Oerter, Leo Montada: Entwicklungspsychologie, PVU, Weinheim Basel Berlin, 4. Auflage, 1998
  • P. van Spijk: Definitionen und Beschreibung der Gesundheit – ein medizinhistorischer Überblick. Zürich 1991. Gesellschaft für Gesundheitspolitik SGGP.

Weblinks[Bearbeiten]