Gewöhnlicher Buchsbaum

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Gewöhnlicher Buchsbaum
Gewöhnlicher Buchsbaum (Buxus sempervirens)

Gewöhnlicher Buchsbaum (Buxus sempervirens)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Eudikotyledonen
Ordnung: Buchsbaumartige (Buxales)
Familie: Buchsbaumgewächse (Buxaceae)
Gattung: Buchsbäume (Buxus)
Art: Gewöhnlicher Buchsbaum
Wissenschaftlicher Name
Buxus sempervirens
L.

Der Gewöhnliche Buchsbaum (Buxus sempervirens), auch nur Buchsbaum oder Buchs genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Buchsbäume (Buxus). Er ist in Südwesteuropa, Mitteleuropa, Nordafrika und Westasien heimisch.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name stammt möglicherweise von lat. buxus, dessen Ursprung im griechischen pyxos vermutet wird, dem von Theophrast verwendeten Namen für eine Pflanze, die man später als Buchsbaum interpretierte. Theophrast war in seiner Beschreibung nicht sehr eindeutig, und seine Manuskripte sind verloren gegangen.

Das schwere Buchsbaumholz wird bis heute in der Drechslerei geschätzt, und bereits der altrömische Schriftsteller Plinius schilderte, dass aus dem Holz des Buchsbaums Dosen und Kästchen gefertigt wurden. Man vermutet daher, dass sich aus pyxis die Bezeichnungen Büchse, box (englisch) und boîte (französisch) entwickelten.

Für den Gewöhnlichen Buchsbaum bestehen bzw bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bosbaum (mittelhochdeutsch), Bossebaum (mittelhochdeutsch), Boyschebaum, Buchs (Graubünden), Buchsboum (althochdeutsch), Buschbom (Altmark, Mecklenburg, Pommern), Bussbom (Mecklenburg, Ostfriesland), Buxbaum, Palm (Eifel, Ostfriesland, Schweiz), Palmenberg (Eifel), Pikesbum (Siebenbürgen), Poxbaum (mittelhochdeutsch), Puchsbaum (mittelhochdeutsch) und Puhs (althochdeutsch).[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Buchsbaum wächst sehr langsam als immergrüner Strauch oder selten kleiner Baum mit Wuchshöhen von bis zu 8 Metern. Im subtropischen Verbreitungsgebiet erreicht er auch Höhen bis 20 Meter. Er bildet kurze, schräg nach oben stehende kantige Zweige aus, die zunächst olivgrün und kurz behaart sind, später aber verkahlen. Die dicht stehenden Laubblätter sind eiförmige bis länglich-elliptisch, glänzend dunkelgrün auf der Oberseite und deutlich heller und matt auf der Unterseite. Sie sind 1 bis 2,5 Zentimeter lang und etwa halb so breit. Ihr Rand ist nach unten umgebogen.[2][3]

Der Buchsbaum ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Von März bis Mai erscheinen in den Blattachseln unscheinbare, gelbliche, wohlriechende Blütenknäuel. Jeder Knäuel besteht in der Regel aus einer endständigen weiblichen Blüte und mehreren seitenständigen männlichen Blüten. Eine Blütenkrone fehlt, vorhanden sind lediglich mehrere sehr kleine Hüll- und Kelchblätter. Die weiblichen Blüten haben drei Griffel, jeweils mit einer zweigeteilten Narbe, die männlichen Blüten jeweils vier Staubblätter.[2][3] Die Blüten produzieren reichlich Nektar und Pollen und werden daher gern von Bienen und Fliegen aufgesucht.

Im September spalten sich die etwa 8 Millimeter langen, dreiklappigen Kapselfrüchte und streuen je zwei schwarze, glänzende Samen. Der Duft der Samenwarzen lockt Ameisen an, die die Samen verschleppen; damit gehört der Buchsbaum – zusammen mit dem Besenginster – zu den wenigen mitteleuropäischen Gehölzen, deren Samen von Ameisen verbreitet werden (Myrmekochorie).

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Buchsbaum bevorzugt ozeanisch geprägtes Klima. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht in nordwestlicher Richtung vom Mittelmeer über Frankreich bis nach Südengland. In östlicher Richtung ist er bis zum Nordiran zu finden. In Europa kommt er in zwei Schwerpunkt-Arealen vor, einerseits von Südwestfrankreich bis Nordspanien, andererseits auf dem Balkan. Bei anderen wilden Vorkommen handelt es sich um Einzelareale.[3] Ursprüngliche Standorte finden sich in Deutschland wohl nur noch im Buchswald Grenzach-Wyhlen (Landkreis Lörrach) und an der Mosel beispielsweise im Brodenbachtal.

Der Buchs wurde und wird häufig als Zier- und Nutzgehölz angepflanzt und kommt infolgedessen gelegentlich auch verwildert vor.

Der Buchsbaum als Gartenpflanze[Bearbeiten]

Aufgrund von Mutationen und nach Jahrhunderten der Züchtung können heute mehr als 60 Buxus-sempervirens-Sorten unterschieden werden, vor allem anhand von Blattfarbe, Blattabstand, Blattgröße, Blattform, Wuchsform und Wachstumsgeschwindigkeit.

Der Buchsbaum spielt eine wichtige Rolle in der Gartenkunst. Er war bereits den Griechen bekannt; die Römer rahmten ihre Gartenbeete mit niedrigen Buchsbaumhecken ein. Ausgrabungsfunde in Großbritannien zeigen, dass die Römer diese Art der Gartengestaltung auch in den von ihnen eroberten Gebieten in Mittel- und Westeuropa pflegten. Ob diese Tradition fortbestand, als sie während und nach der Völkerwanderungszeit die von ihnen eroberten Gebiete wieder verloren, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Im 13. Jahrhundert dokumentierte Albertus Magnus den Anbau des Buchsbaums in Deutschland, 1485 schrieb Leon Battista Alberti, inspiriert von Plinius dem Jüngeren, in seinem Buch De re aedificatoria über den Buxus als Gartenpflanze.

Erst Claude Mollet, der Hofgärtner von Heinrich IV. führte den Buchsbaum wirklich ein und verwendete die winterharte Pflanze als Beeteinfassung in Versailles, wo er vorher nur in den Grotten als Hintergrundbepflanzung gedient hatte. Sie ersetzte die aus Italien übernommene Zypresse, die dem französischen Winter nicht standhielt.[4] Der französische Adel ahmte das Vorbild dieses Parterres bald nach.[5] Sein Sohn André Mollet führte die Buchshecken in den Niederlanden ein, wo er den Garten des Statthalters Prinz Friedrich Heinrich von Oranien und seiner Gattin Amalie zu Solms-Braunfels in Honselaarsdijk gestaltete.[5] In den französischen und italienischen Schlossgärten der Renaissance wurden die geschnittenen, niedrigen Buchsbäume zum unentbehrlichen und typischen Element; zunehmend kamen sie auch in Mitteleuropa in Mode. Wohlhabende Bürger und Bauern ahmten diese Mode nach, sodass die traditionellen Bauerngärten bis heute Buchsbaumeinfassungen aufweisen.

Die Verwendung des Buchsbaums als Gartenpflanze hielt während der Barockzeit an (siehe Topiari), gleichzeitig wurden Sorten mit panaschierten Blättern immer beliebter.

Vermehrung[Bearbeiten]

Buchsbaum wird meist durch Stecklinge vermehrt, weil die Anzucht aus Samen sehr langwierig ist (siehe Pflanzenvermehrung). Als Stecklinge dienen Zweige von mindestens zehn Zentimetern Länge, deren untere zwei Drittel entlaubt und in die Erde gesteckt werden. Stecklinge werden von September bis März gewonnen; August-Stecklinge bilden noch vor dem Winter Wurzeln.

Erkrankungen[Bearbeiten]

Obwohl nahezu alle Buxus-sempervirens-Sorten robust sind, treten gelegentlich Pilzerkrankungen auf. Diese machen sich insbesondere bei engem Bestand in Hecken oder Einfassungen bemerkbar. Die Anfälligkeit des Bestandes erhöht sich mit der Boden- und Laubfeuchtigkeit. Bei allen Erkrankungen ist das vollständige Entfernen der befallenen Pflanzenteile angebracht, diese gehören nicht in den Kompost, sondern sollten verbrannt werden. Gegebenenfalls muss sogar der Boden ausgetauscht werden.[6] Als vorbeugend gelten genügend durchlüftete Bestände, der Rückschnitt verdächtiger Pflanzenteile und die Gabe von Kupfersulfat.

  • Triebsterben: Befall durch Cylindrocladium buxicola. Die Blätter und jungen Triebe verfärben sich an den Befallstellen dunkelbraun bis schwarz. Zunächst vertrocknen die befallenen Pflanzenteile, üblicherweise stirbt die Pflanze in Gänze ab. Der Pilz dringt auch durch unverletzte Blätter ein und kann in abgestorbenen Pflanzenteilen und im Boden (Kompost) über Jahre existieren. Es besteht die Tendenz zum Befall ganzer Anpflanzungen.[7]
  • Buchsbaumkrebs: Befall durch Volutella buxi. Typisch für die Erkrankung sind mattgrüne Laubverfärbungen (das Blatt verliert den Glanz) und ein rötlicher bis orangefarbener Sporenbelag auf der Unterseite der erkrankten Blätter. Triebe und Äste älterer Pflanzen sterben ab, Wucherungen und Risse in der Rinde mit Sichtbarwerden des Holzes treten auf. Es besteht nicht die Tendenz zum Massenbefall, oft sind nur einzelne Pflanzen befallen.[8]
  • Buchswelke: Befall durch Fusarium buxicola. Typisch ist die Braunverfärbung und das langsame ledrige Vertrocknen einzelner Triebe oder der ganzen Pflanze. Auch hier sind oft nur einzelne Pflanzen betroffen.[9]
  • Buchsbaum-Kahlfraß: Befall durch den Buchsbaumzünsler.[10]

Giftigkeit und Heilkraft[Bearbeiten]

Der Buchsbaum ist in allen Teilen giftig; er enthält rund 70 Alkaloide, darunter Cyclobuxin D. Blätter und Rinde weisen einen Gesamtalkaloidgehalt von drei Prozent auf.[11]

Buchsbaum wurde bereits in der Antike gegen Husten, Magen- und Darmkrankheiten verwendet sowie gegen wiederkehrendes Fieber wie die Malaria. Angeblich ist Buchsbaum als Malariaheilmittel vergleichbar mit dem Chinin. Man benutzt Buchsbaum heutzutage wegen seiner Toxizität nur noch selten als Heilkraut, da die Dosierung problematisch ist. Überdosierung führt zu Erbrechen und Krämpfen bis zum Tod. In der Homöopathie kann Buchsbaum bei Rheuma verordnet werden.[12]

Nutzung des Holzes[Bearbeiten]

Adam und Eva aus Buchsbaumholz, geschnitzt 1504 von Hans Wydyz. Heute im Historischen Museum Basel

Buchsbaumholz wird wegen seiner in Europa unübertroffenen Härte,[13] Dichte (0,9–1,03 g/cm³) und annähernden Homogenität geschätzt und gerne zum Drechseln verwendet. Es findet heute noch Verwendung im Holzblasinstrumentenbau, Geigenbau (Wirbel, Endknopf, Saiten- und Kinnhalter) und für Schachfiguren. Vor der Einführung lithographischer und phototechnischer Vervielfältigungsverfahren schnitt man mit Vorliebe vor allem im Buchdruck die Druckstöcke für Holzstiche und Holzschnitte daraus, wobei man die polierte Hirnholzseite wie beim Stahl- oder Kupferstich bearbeitete und für feinste Detaillierung und Haltbarkeit nutzte. Auch das Putzholz des Uhrmachers wird meist aus Buchsbaum gefertigt. Die Härte des Holzes hängt nicht unwesentlich mit dem extrem langsamen Wachstum des Baums zusammen. Buchsbaumholz ist darum bis heute sehr knapp und teuer.

Varia[Bearbeiten]

Katholiken schmücken am Palmsonntag die Kreuze ihrer Wohnung und des „Herrgottswinkels“ mit geweihten Zweigen des Buchsbaums. Gelegentlich werden Buchsbaumzweige auch anstelle von Tannenzweigen für Adventskränze und Weihnachtsschmuck genutzt. In den Niederlanden wurden zu Ostern Buchszweige über Herdstellen und an Stalltüren gehängt.[5]

In China gilt der Buchsbaum als Symbol für langes Leben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marianne Beuchert, Maria-Therese Tietmeyer (Illustrationen): Symbolik der Pflanzen. Von Akelei bis Zypresse. Insel, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-458-16738-2.
  • Jenny Hendy, Steven Wooster (Fotos): Buchs & Co, Formschnitt im Garten. Christian, München 2012, ISBN 978-3-86244-153-2.
  • Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot … Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen. Dölling und Galitz, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-23-7.
  • Gerda Tornieporth: Buchs – Sorten, Pflege, Formschnitt, Gestaltung. BLV, München 2011, ISBN 978-3-8354-0500-4.
  • Gerda Tornieporth, Rudolf Wittmann (Fotograf): Das große Buch vom Buchs. Sorten, Verwendung, Formschnitt und die schönsten Gestaltungsbeispiele aus öffentlichen und privaten Gärten. BLV, München 2005, ISBN 3-405-16808-2.
  • Harry van Trier, Didier Hermans, Hugo Maertens (Fotos): Buchs (Originaltitel: Buxus, übersetzt von Suzanne Voogt). Eugen Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-5167-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gewöhnlicher Buchsbaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 70 f., online.
  2. a b  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 3: Nachtkerzengewächse bis Rötegewächse, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.
  3. a b c  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 4: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Haloragaceae bis Apiaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3315-6.
  4. Arend Jan van der Horst: Art of the formal Garden. Cassell & Co., London, 1995, ISBN 0-304-34742-6, S. 11.
  5. a b c Arend Jan van der Horst: Art of the formal Garden. Cassell & Co., London, 1995, ISBN 0-304-34742-6, S. 75.
  6. Buchsbaumsterben im Schlosspark Benrath
  7. Cylindrocladium buxicola, eine neue Buchsbaumkrankheit in Bayern auf der Seite der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft
  8. Pilzkrankheiten an Buchsbaum, S. 2 des Pflanzenschutzamtes Berlin (PDF; 395 kB)
  9. Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW: Buchskrankheiten, PDF-Datei
  10. Der Buchsbaumzünsler PDF-Datei des Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg
  11. Zur Giftigkeit des Buchsbaums.
  12. http://www.natwiss.ph-karlsruhe.de/GARTEN/material/steckbrief/Giftpflanzen/buchsbaum_ph-ka.pdf
  13. Holzdaten