Gewöhnlicher Fransenenzian

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Gewöhnlicher Fransenenzian
Gewöhnlicher Fransenenzian (Gentianopsis ciliata)

Gewöhnlicher Fransenenzian (Gentianopsis ciliata)

Systematik
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Tribus: Gentianeae
Untertribus: Swertiinae
Gattung: Fransenenziane (Gentianopsis)
Art: Gewöhnlicher Fransenenzian
Wissenschaftlicher Name
Gentianopsis ciliata
(L.) Ma
Illustration aus Sturm: Deutschlands Flora.
Blüte aufgeschnitten: die namensgebenden „Fransen“, der gestielte Fruchtknoten und die sitzende Narbe sind gut erkennbar.

Der Gewöhnliche Fransenenzian (Gentianopsis ciliata), auch Gefranster Enzian genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Andere Bezeichnungen sind oder waren Wilder Bittersüss (Tirol bei Fusch), Bläueli (Berner Oberland), Gülden Aurin (Mark Brandenburg) und Himmelsstengel (Schweiz, Schwaben).[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Gewöhnliche Fransenenzian ist eine sommergrüne, zweijährige bis mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 5 und 30 cm.[2] Die kahle[2], vierkantige Stängel ist aufrecht und gelegentlich spärlich verzweigt, aufsteigend und am Grund gebogen. Es wird keine grundständige Blattrosette ausgebildet[2]. Kreuzgegenständige Laubblätter werden nur wenige ausgebildet. Die Grundblätter sind spatelförmig und stumpf. Die Stängelblätter sind ein- bis dreinervig, spitz und lineal-lanzettlich.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von August bis November. Die Blüten sind endständig (selten zu zwei bis vier in den Achseln der obersten Blätter). Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier[2] Kelchzipfel sind lineal-lanzettlich. Die Blütenkelche sind maximal halb so lang wie die Kronröhre und haben schmale Kelchblätter und dazwischen eine Verbindungshaut. Die leuchtend blauen, 3 bis 5 cm langen Kronblätter sind nur relativ kurz verwachsen und die vier Kronzipfel am Rand deutlich bewimpert sind. Der Kronschlund ist nicht bärtig behaart.[2] Der gestielte Fruchtknoten ist keulenförmig.[2] Die sitzende Narbe ist kreisförmig.[2]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Gewöhnliche Fransenenzian ist ein ausdauernder Hemikryptophyt, eine Schaftpflanze, ein Geophyt mit kriechendem Rhizom und ein Flachwurzler. Die Vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms. Bei ihm liegt Saisondimorphismus vor, das bedeutet dass zu unterschiedlichen Jahreszeiten unterschiedlich gebaute Pflanzen heranwachsen.[3]

Blütenökologisch handelt es sich um „Große Trichterblumen“, die die Besucher durch Veilchenduft stark anlocken sowie durch die UV-Reflexion der gefransten Kronblätter. Die Blüten sind vormännlich und verschiedengrifflig; es liegt also Heterostylie vor. Die Blüten werden nur bei ausreichendem Lichtangebot gebildet. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln und Tagfalter.[3]

Bei den Kapselfrüchten dient der elastische Fruchtstiel, der sich nach der Reife stark verlängert und der Blütenkelch als Windfang; deshalb erfolgt ihre Ausbreitung als Wind- und Tierstreuer. Fruchtreife ist von September bis Oktober.[3]

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten]

Der Gewöhnliche Fransenenzian ist in Mittel- und Südeuropa, Vorderasien bis zum Kaukasus verbreitet. Er gedeiht vor allem auf kalkreichen, steinigen Ton- und Lehmböden. Die Hauptverbreitung nach Oberdorfer ist präalpid, genauer gesagt im montan-subalpinen Laub- und Nadelwaldgebiet der süd-, mittel- und osteuropäischen Hochgebirge[4]. Er kommt in vielen Gebirgsregionen bis in Höhenlagen von 2250 Meter vor. Als Standort werden Halbtrockenrasen, Kalkmagerrasen, Schafweiden oder Weiden allgemein und Heiden bevorzugt. In tieferen Höhenlagen sind Standorte meist auf beweidete, mäßig trockenen Kalkmagerrasen beschränkt[5].

In Österreich kommt er häufig bis zerstreut in allen Bundesländern von der submontanen bis zur subalpinen Höhenstufe vor.

In Deutschland ist der Gewöhnliche Fransenenzian nach der Bundesartenschutzverordnung (Rote Liste: 3 -gefährdet) geschützt.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Gentiana ciliata durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 231[6]. Die Neukombination zu Gentianopsis ciliata (L.) Ma erfolgte 1951 durch Ma Yuquan in Acta Phytotaxonomica Sinica, Volume 1, S. 15.[7]

Es gibt einige Unterarten von Gentianopsis ciliata (Auswahl):[7]

  • Gentianopsis ciliata subsp. blepharophora Holub
  • Gentianopsis ciliata L. subsp. ciliata
  • Gentianopsis ciliata subsp. doluchanovii N.M.Pritch.

Nach Euro+Med 2011 ist der akzeptierte Name Gentianella ciliata (L.) Borkh. veröffentlicht in Moritz Balthasar Borkhausen: Archiv für die Botanik (Leipzig), Band 1 (1), 1796, S. 29, gehört dort also zu Gentianella[8].

Literatur[Bearbeiten]

  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5. (Abschnitt Beschreibung und Vorkommen)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Jessen, Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, Seite 161
  2. a b c d e f g Gewöhnlicher Fransenenzian. In: FloraWeb.de. zuletzt abgerufen am 25. Februar 2013
  3. a b c  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  4. Datenblatt bei bayernflora.de. zuletzt abgerufen am 25. Februar 2013
  5. Matthias Hilligardt: Der Fransenenzian (Gentianella ciliata L.) im Naturschutzgebiet Mangerwiese-Wotanseiche, Amt für Umweltschutz Pforzheim: Volltext-PDF mit Verbreitungskarte.
  6. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  7. a b Gentianopsis ciliata bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 25. Februar 2013.
  8. Eintrag bei Euro+Med: K. Marhold, 2011: Gentianaceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. zuletzt abgerufen am 25. Februar 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gewöhnlicher Fransenenzian (Gentianopsis ciliata) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien