Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

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Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW)
Logo der GEW
Zweck: Gewerkschaft
Vorsitz: 1. Marlis Tepe

2. Andreas Keller

Gründungsdatum: 1948
Mitgliederzahl: 270.073 (31. Dezember 2013)[1]
Sitz: Frankfurt am Main
Website: www.gew.de

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Allgemeiner Deutscher Lehrer- und Lehrerinnen-Verband) - Gesamtverband der Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher (GEW) ist eine Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit Sitz in Frankfurt am Main und einem „Parlamentarischen Verbindungsbüro“ in Berlin. Die GEW ist föderal organisiert und besteht aus 16. Landesverbänden. Sie ist Mitglied der Bildungsinternationale.

Die GEW ist die größte Bildungsgewerkschaft Deutschlands; Ende 2013 gehörten ihr mehr als 270.073 Mitglieder an. Damit war die Mitgliedsentwicklung der GEW über sechs Jahre positiv.[2] Größte Landesverbände der GEW sind Baden-Württemberg (49.000), und Nordrhein-Westfalen (48.000), gefolgt von Niedersachsen mit zirka 31.000 Mitgliedern. [3] Laut Satzung regeln die Landesverbände ihre Angelegenheiten unter Bindung an gemeinsam gefasste Beschlüsse selbst.

Mit ihrem monatlichen Mitgliedermagazin "Erziehung & Wissenschaft" (Auflage 270.000) publiziert die GEW eine der größten Fachzeitschriften im Erziehungsbereich. Zusätzlich gibt sie die theoretische Vierteljahreszeitschrift "Die deutsche Schule" heraus.

Die Mitglieder der GEW arbeiten in pädagogischen, sozialpädagogischen und wissenschaftlichen Berufen an den unterschiedlichsten Schularten, in Kindertagesstätten und Jugendheimen, an Hochschulen, wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen, an Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Weiterbildung sowie an Goethe-Instituten. Etwa 40 Prozent der GEW-Mitglieder sind Angestellte, 60 Prozent Beamte. Zudem ist die GEW eine überwiegend von Frauen geprägte Gewerkschaft. Auf sie entfallen 70 Prozent der Mitglieder. [4]

Etwa 63 Prozent der GEW-Mitglieder sind im Bereich Schule organisiert. Nach wie vor prägen Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Internaten, kaufmännischen und gewerblichen Berufsschulen das Bild der GEW in der Öffentlichkeit. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass die Gewerkschaft in den vergangenen Jahren verstärkt Erzieherinnen und Erzieher, Früh- und Sozialpädagogen, Kinderpfleger und Sozialassistenten sowie Hilfskräfte als Mitglieder gewinnen konnte.

Beschäftigte aus Kindertagesstätten wie etwa Kinderkrippen, Kindergärten und Horten sowie Jugendheimen stellen eine wachsende Zahl der GEW-Mitglieder dar, sind nach wie vor aber zahlenmäßig unterrepräsentiert. Die Gewerkschaft sieht in ihnen aber weiterhin ein wichtiges Potential, das es zu organisieren gilt. Zugute kommt ihr dabei, dass sie sich nicht nur für einen Ausbau von Einrichtungen, sondern auch für eine deutliche Aufwertung der Berufe einsetzt.

Aktiv versucht die GEW auch an Hochschulen, wissenschaftliche Instituten und Forschungseinrichtungen sowie in den sonderpädagogischen Berufen die Beschäftigten anzusprechen und dort neue Mitglieder zu gewinnen. Hier wie auch bei den Kindertagesstätten konkurriert die GEW mit ver.di, der zweitgrößten DGB-Gewerkschaft (sie organisiert die staatlichen Beschäftigten), um neue Mitglieder.

Dagegen sieht sich die Gewerkschaft an Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie an den Goethe-Instituten bereits gut aufgestellt.

Ziele[Bearbeiten]

Die GEW tritt für Chancengleichheit, Mitbestimmung sowie für soziale Sicherheit und Demokratie ein. Die GEW favorisiert das gemeinsame längere Lernen über die Grundschule hinaus nach dem Vorbild Skandinaviens und die gleiche Bezahlung der Lehrer aller Lehramtstypen.

Die GEW macht sich für das Menschenrecht auf Bildung in einem inklusiven Bildungssystem stark. Dazu gehören Chancengleichheit und ein längeres gemeinsames Lernen. Nach wie vor aber hingen die Bildungschancen von Kindern in Deutschland vom sozialen Status der Eltern ab. Bildung müsse gesellschaftliche Ungleichheit abbauen, fordert die GEW. Es dürfe keine Aussonderung nach Herkunft und sozialer Stellung, Konfession oder Weltanschauung, Geschlecht oder Nationalität geben. Vielmehr müsse Bildung auf die allseitige Entwicklung des Menschen, auf die Entfaltung seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Talente sowie seiner sozialen Kompetenzen gerichtet sein. Die Politik habe den materiellen und personellen Rahmen für einen Umbau des ausgrenzenden und sortierenden Bildungssystems zu einem inklusiven bereitzustellen.

Die GEW setzt sich für gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, faire Bezahlung, unbefristete Arbeitsverträge und sichere Arbeitsplätze im Bildungsbereich ein. Gleichzeitig sieht sie sich als starke bildungspolitische Stimme im Land.

Die GEW engagiert sich für die Entwicklung und den Ausbau eines starken demokratischen öffentlichen Bildungswesens. Sie verlangt eine grundsätzlich bessere finanzielle Ausstattung des Bildungssystems. Dem gegenwärtigen System mangele es an Gerechtigkeit. Die soziale Herkunft entscheide über Bildungs- und Zukunftschancen. Gleichzeitig steige mit den rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt und den globalen Herausforderungen der Bedarf nach einer guten, umfassenden Bildung für alle Menschen.

Die GEW sieht im Ausbau des Bildungswesens eine Investition in die Zukunft. Unter anderem verlangt sie für alle Kinder einen kostenlosen Platz in einer Kindertagesstätte und den Ausbau der Ganztagsangebote. Kinder und Jugendliche - mit und ohne Behinderung - müssten gemeinsame in der "Einen Schule für alle" lernen können. Die GEW wendet sich gegen Kürzungspolitik zu Lasten der Jugend und lehnt größere Klassen oder eine Einschränkung des Förderunterrichtes ab.[5]

Eine zunehmende Bedeutung spielen in der Praxis der GEW prekäre Beschäftigungsverhältnisse - wie man sie ansonsten aus dem Niedriglohnbereich für gering Qualifizierte kennt. Doch zunehmend greifen sie auf den gesamten Bildungssektor über: Minijobs in Kitas, befristete Lehrtätigkeit mit geringem Verdienst in der Familienbildung oder an Hochschulen, Ein-Euro-Jobs und schlecht bezahlte Zeitverträge an Volkshochschulen - und neuerdings auch an Schulen.

Die GEW fordert volle Verhandlungs- und Mitbestimmungsrechte für alle Beschäftigten, eingeschlossen Beamtinnen und Beamte. Sie kämpft für das Streikrecht für Beamte. Die GEW tritt für ein einheitliches Personalrecht im öffentlichen Dienst und die volle tarifvertragliche Absicherung aller Beschäftigten ein, vor allem auch an privaten Bildungseinrichtungen. Obwohl die Zahl der nicht verbeamteten Lehrerinnen und Lehrer wächst, gibt es nach wie vor keine Entgeltordnung für diese angestellten Lehrkräfte.

Seit 2009 ringen GEW und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) um eine bundesweite tarifliche Entgeltordnung (L-EGO)für angestellte Lehrkräfte. Seit September 2014 wird wieder verhandelt. Aus GEW-Sicht haben angestellte Lehrerinnen und Lehrer wie alle anderen Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes ein Recht auf eine Eingruppierung nach Tarifvertrag.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Die GEW wurde im Jahr 1948 gegründet.

Der Hamburger Landesverband der GEW feierte im November 2005 regional das 200-jährige Bestehen, weil er sich in der Folge der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens sieht. Als weiterer Vorläufer kommt der im August 1848 in Dresden und im Herbst 1848 in Eisenach gegründete Allgemeine Deutsche Lehrerverein in Betracht, dessen Aktivität sich jedoch aufgrund der politischen Restauration ab 1849 weitgehend auf die Herausgabe der Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung beschränkte. Er vertrat von vornherein fast ausschließlich die Lehrer der Volksschule. Ab Dezember 1871 gab es nach der Gründung des Deutschen Reiches reichsweit den Deutschen Lehrerverein (DLV) in Berlin. Die Versammlungen des Vereins, deren Besucherzahl bis gegen 5000 stieg, fanden regelmäßig statt; seit 1876 abwechselnd mit einem Delegiertentag des Deutschen und des Preußischen Landeslehrervereins, bis 1893 die Verschmelzung dieser Vereine zustande kam. Der einflussreiche Verein zählte in 45 Zweigvereinen und rund 3000 Einzelverbänden 1904 gegen 105.000 Mitglieder. Sein Organ blieb die »Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung« (Leipzig).

GEW Fahnen mit altem und aktuellem Logo

1919 wurde die Freie Lehrergewerkschaft Deutschlands in Gotha als sozialistische Alternative zum DLV gegründet. 1933 wurden alle Gewerkschaften gleichgeschaltet und Verbände außerhalb des Nationalsozialistischen Lehrerbundes verboten.

1947 gründete sich in Detmold der Allgemeine Deutsche Lehrer- und Lehrerinnenverband für die Britische Besatzungszone, der dann 1948 in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aufging.[7]

1990 gehörten der GEW rund 189.000 Mitglieder an. Die Mitglieder der Gewerkschaften der DDR "Unterricht und Erziehung" sowie "Wissenschaft" im FDGB wurden zum großen Teil in die GEW aufgenommen, so dass die Mitgliederzahl kurzfristig stark anstieg. Die GEW gilt seither als stark ostdeutsch orientierte Gewerkschaft, was sich 1997 in der Wahl von Eva-Maria Stange zur Bundesvorsitzenden niederschlug. Sie war die erste Ostdeutsche an der Spitze einer DGB-Gewerkschaft.

2012 schloss sich die GEW dem Bündnis Umfairteilen an.[8]

Organisation[Bearbeiten]

GEW-Demonstration in Düsseldorf im Januar 2009

Ihre derzeit gültige Satzung nahm der Gewerkschaftstag, das oberste Organ der GEW, am 4. Juni 1968 an. Die Satzung wurde inzwischen mehrfach geändert. Die Bundesleitung liegt beim Hauptvorstand sowie beim Geschäftsführenden Vorstand. Es gibt Fach- und Gruppenreferate. Darunter arbeiten 16 selbstständige Landesverbände.

Die GEW hat zwei Jugendorganisationen:

  1. Die Junge GEW (Auszubildende und Berufstätige im pädagogischem und wissenschaftlichem Bereich allgemein, Referendare, junge Lehrer) und den
  2. Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten (BASS) (Studierende, Promovierende).

Die Junge GEW ist wie der BASS Mitglied in der DGB-Jugend.

Als "Bildungsgewerkschaft" sieht die GEW Ihre Zuständigkeit in den Bildungsbereichen Kindertagesstätten, Schule, Jugendhilfe, Berufliche Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung.

Der Bereich "Wissenschaft" wird auf Bundesebene im Vorstandsbereich Hochschule und Forschung verwaltet, der seit dem 1. Januar 2007 von Andreas Keller geleitet wird. Der Gewerkschaftstag der GEW 2009 hat ein wissenschaftspolitisches Programm unter dem Motto „Wissenschaft demokratisieren, Hochschulen öffnen, Qualität von Forschung und Lehre entwickeln, Arbeits- und Studienbedingungen verbessern“[9] beschlossen. 2011 stellte die GEW ihr „Templiner Manifest“[10] für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung vor. 2012 gab sie mit dem „Herrschinger Kodex“[11] den Hochschulen und Forschungseinrichtungen Empfehlungen, sich auf stabile Beschäftigungsbedingungen und berechenbare Karrierewege für Wissenschaftler zu verpflichten.

Stiftungen[Bearbeiten]

Die GEW hat 1960 die Max-Traeger-Stiftung gegründet, benannt nach dem ersten GEW-Vorsitzenden im Jahr 1947, dem Hamburger FDP-Bildungspolitiker Max Traeger. Ziel dieser Stiftung ist die Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Erziehungswirklichkeit, der Schulwirklichkeit und der Hochschulwirklichkeit. Gefördert werden Forschungsprojekte und wissenschaftliche Publikationen. Die kleine Stiftung wird aus den Einnahmen der Mitglieder des Geschäftsführenden Vorstands der GEW sowie aus Beiträgen der GEW-Mitglieder gespeist.[12]

Daneben gibt es den Heinrich-Rodenstein-Fonds, das Bildungs- und Förderungswerk und die Initiative "Fair Childhood – GEW-Stiftung Bildung statt Kinderarbeit".

Partner und Konkurrenz[Bearbeiten]

Die GEW gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund an, dessen Mitgliedsgewerkschaft ver.di auch Mitarbeiter der Hochschule, außeruniversitärer Forschung und Weiterbildung, sowie im Sozial- und Erziehungsbereich vertritt. Außerhalb der DGB-Gewerkschaften konkurriert die GEW vor allem im Bereich der Lehrkräfte aus allen Schulformen mit konfessionellen, regionalen und schulartspezifischen Organisationen, von denen viele ihrerseits im Deutschen Beamtenbund organisiert sind. Unterschiede bestehen vor allem in den Positionen zum Streikrecht für Beamte und zur Angleichung von Arbeitszeit und Besoldung. Außerdem favorisiert die GEW im Gegensatz zu anderen Lehrerverbänden das gemeinsame längere Lernen nach dem Vorbild Skandinaviens und tritt für eine stärkere Inklusion ein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Nette und Stefan Romey: Die Lehrergewerkschaft und ihr »Arisierungserbe« - Die GEW, das Geld und die Moral. Konkret Verlag, ISBN 978-3-89458-271-5.

Liste der Vorsitzenden der GEW[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: GEW – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitgliederzahlen 2013
  2. Mitgliederentwicklung der GEW - Pressemitteilung der GEW
  3. Auskunft des GEW-Hauptvorstandes
  4. Mitgliederverteilung laut Auskunft des GEW-Hauptvorstandes
  5. http://www.gew.de/Binaries/Binary115149/GEW-Satzung_2014_web_.pdf
  6. http://www.gew.de/GEW-Publikationen.html#Section55135
  7. Zur Vorgeschichte: Rainer Bölling: Volksschullehrer und Politik, Göttingen 1978
  8. Christian Weßling (Redaktion): Wir. umfairteilen.de, abgerufen am 30. September 2012.
  9. Wissenschaftpolitisches Programm der GEW
  10. Templiner Manifest
  11. Herrschinger Kodex
  12. Satzung der Max-Traeger-Stiftung (PDF; 4,6 MB)