Ghazi Muhammad

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Russisches Bild mit Ghazi Muhammad (Mitte). Beschriftung in Russisch: „Schüler M. Jaragskis: Dschemaletdin, Gasi-Mulla, Schamil“.

Ghazi Muhammad (awarisch Гъази-МухӀаммад Ġazi Muḥammad, arabisch ‏غازي محمد‎, DMG Ġāzī Muḥammad, russisch Имам Гази-Мухаммад Imam Gazi-Muchammad oder Gazi-Magomed, nach dem volkstümlichen Titel Mullah (Meister) auch Gasi-Mulla oder Kasi-Mulla; *1795; †29. Oktober 1832) war ein islamischer Gelehrter und Prediger bei den Awaren in Dagestan, der um 1830 den Widerstand der nordkaukasischen Völker gegen die Expansion Russlands bündelte und das dagestanische Imamat gründete.

Ghazi Muhammad stammte aus dem Dorf Gimry, das zu dem awarischen Gemeindebund von Koysubu gehörte. Nach einem Studium der islamischen Wissenschaften – unter anderem bei dem Gelehrten Saʿīd al-Harakānī – predigte er Mitte der 1820er Jahre in dem Gemeindebund von Koysubu und forderte seine Glaubensbrüder zur kompromisslosen Anerkennung der Scharia als einzig gültiger Rechtsform auf. In einem Sendschreiben an die daghestanischen Gemeinden mit dem Titel „Der klare Beweis der Apostasie der Gewohnheitsrechtsexperten Daghestans“ (Bāhir al-burhān li-irtidād ʿurafāʾ Dāġistān) forderte er den Kampf gegen den ʿUrf ("Gewohnheitsrecht) und für die Durchsetzung der Scharia in allen Rechtsfragen, und stellte die Behauptung auf, dass alle diejenigen Muslime, die nach ʿUrf oder ʿAdat anstelle der Scharia richten, als Kāfirūn („Ungläubige“) zu gelten hätten. Er wurde zum Nachfolger (khalifa) des den Widerstand gegen Russland und verbündete dagestanische Fürsten vertretenden Naqschbandi-Chalidi-Predigers Muhammad al-Jaraghi.[1] Mithilfe seiner Anhänger, die sich um ihn scharten, konnte Ghazi Muhammad ab 1826 in mehreren Koyusubu-Gemeinden die Scharia einführen.

Im Jahre 1827 versuchte der Schamchal von Tarki, Mahdī-Chān, Ghazi Muhammad nach Tarki einzuladen und auf diese Weise auf seine Seite zu ziehen. Ghazi Muhammad folgte dieser Einladung erst 1829, mit dem Ansinnen, den Schamchal zur Einführung der Scharia auf seinem Gebiet zu bringen, was dieser aber ablehnte.

Ende 1829 wurde Ghazi Muhammad von seinen Anhängern zum Imam gekürt. Wenig später kam er zu der Überzeugung, dass er gegen seine Gegner in den Dörfern und unter den Fürsten mit militärischer Gewalt vorgehen müsse und auch einem Konflikt mit der russischen Schutzmacht nicht aus dem Weg gehen könne. Noch im Jahre 1830 unternahm er mit Anhängern aus dem Gemeindebund von Koysubu erste größere militärische Aktionen, unter anderem gegen Chunsach, den Sitz des Chans der Awaren. Im Frühjahr 1831 errichtete er eine Holz-Festung auf dem Gebiet des Schamchal-Reichs, von wo aus er mehrere russische Angriffe erfolgreich abwehrte. Im Mai des gleichen Jahres nahm er mit seinen Reitern Tarki, den Sitz des Schamchals, und die benachbarte russische Festung Burnaya ein. In den Monaten bis zu seinem Tod konnte Ghazi Muhammad auf Feldzügen ganz Daghestan und Tschetschenien zum Kampf gegen Russland vereinen. Er fiel bei der russischen Einnahme seines Heimatdorfes Gimry am 29. Oktober 1832. Sein Nachfolger als Imam des dagestanischen Imamats wurde 1832–34 Hamsat Bek und 1834–59 Imam Schamil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Kemper: Herrschaft, Recht und Islam in Daghestan. Von den Khanaten und Gemeindebünden zum ǧihād-Staat. Wiesbaden 2005. S. 217–247.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Moshe Gammer: Muslim Resistance to the Tsar. Shamil and the Conquest of Chechnia and Daghestan London 2003, S. 69