Ghetto Krakau

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Der Eingang ins Ghetto, Aufn. etwa 1941
Deportation, März 1943

Das Ghetto Krakau war ein deutsches Sammellager für jüdische Einwohner der polnischen Stadt Krakau (poln. Kraków) in der Zeit des Nationalsozialismus und befand sich südlich der Weichsel im Stadtteil Podgórze. Das ursprüngliche jüdische Viertel befindet sich dagegen im Stadtteil Kazimierz. Die deutsche Bezeichnung „Ghetto“, „jüdische Wohnsiedlung“ oder „jüdischer Wohnbezirk“ verschleierte den Zweck dieses Typs eines Konzentrationslagers, weil es einen längeren Aufenthalt suggerieren sollte.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Krakau wurde am 6. September 1939 während des Polenfeldzuges von deutschen Truppen erobert. Schnell setzten sie zunächst unter der Leitung von Marek Biberstein einen Judenrat ein. SS-Oberscharführer Paul Siebert bestimmte seine Mitglieder. Vom November 1939 an mussten alle jüdischen Einwohner ab dem Alter von zwölf Jahren Armbinden tragen, 53.828 davon wurden vom Judenrat verkauft.

Postkarte der Jüdischen Unterstützungsstelle - J.U.S. im Krakauer Ghetto, in der um Liebesgaben gebeten wird
Reste der Mauer um das Krakauer Ghetto (mit Gedenktafel) im Bezirk Podgorze, Oktober 2010

Am 3. März 1941 befahl der Chef des Verwaltungsdistrikts Krakau, SS-Gruppenführer Dr. Otto Wächter, die Einrichtung einer jüdischen Wohnsiedlung (Ghetto). Zum 20. März 1941 mussten alle jüdischen Bewohner Krakaus in dieses Ghetto umgezogen sein. Der jüdische Rechtsanwalt Artur Rosenzweig wurde gezwungen, den Vorsitz des Judenrats zu übernehmen. 15.000 Menschen waren in einem Stadtteil zusammengepfercht, in dem vorher 3.000 Einwohner lebten.

Nach weiteren Deportationen (1.–8. Juni und 27.–28. Oktober 1942) wurde das Gelände im Dezember in Ghetto A und Ghetto B nach vermuteter Arbeitsfähigkeit unterteilt. Das war die Vorbereitung für die endgültige Liquidation, die am 13. März 1943 begann.

Die letzten Bewohner – etwa 2000 alte und geschwächte Erwachsene und Kinder – des Ghettos A wurden am 13. und die des Ghettos B am 14. März 1943 umgebracht oder zur Zwangsarbeit oder Ermordung in Konzentrationslager deportiert: ca. 4000 Arbeitsfähige wurden ins Konzentrationslager Plaszow gebracht, 2000 Personen wurden nach Auschwitz-Birkenau deportiert.

Zuvor kam es noch zu einem Widerstandsakt, einem Attentat auf das in der Stadt nur für Deutsche vorbehaltene Café Cyganeria. Dabei wurden die Führer der Jüdischen Kampforganisation (poln. Żydowska Organizacja Bojowa) gefangen genommen und getötet.

Danach kam es zu Aufräumarbeiten, bei denen der restliche Besitz der Getöteten und Deportierten durch kleine jüdische Arbeitskolonnen verwertet wurde. Schließlich wurden einige Wochen später die letzten jüdischen Hilfspolizisten und die Mitglieder des nicht mehr benötigten Judenrats nach Plaszow gebracht und dort sofort ermordet.

Heute sind vom Ghetto nur noch Teile der Mauer an der ul. Lwowska sowie die Ghetto-Apotheke erhalten. Der Film Schindlers Liste wurde nicht auf dem Gelände des Ghettos, sondern im unmittelbar nördlich angrenzenden Stadtteil Kazimierz gedreht.

Historische Details[Bearbeiten]

Das Ghetto war von dem übrigen Stadtgebiet hermetisch abgeriegelt und mit einer Mauer umgeben. Die Straßen, die in das Ghetto hineinführten, wurden von der SS streng bewacht. Jedem Krakauer Bürger war es strengstens untersagt, das Ghetto zu betreten. Teile des Ghettos waren mit einer Holzbrücke verbunden. Da dieses Ghetto zentral in der Stadt einige Wohnbezirke voneinander trennte, konnten die Bewohner Krakaus eine Straßenbahn benutzen, um auf die andere Seite des Ghettos zu gelangen. Die Wagen der Straßenbahn wurden während der Fahrt durch das Ghetto versiegelt und deren Fensterscheiben wurden zugeklebt.

Historische Aufnahmen sind beispielsweise zu sehen im Spielfilm Hitlerjunge Salomon (1989) und im Dokumentarfilm Hitler - Eine Karriere (1977) zu sehen.

Reste der Deportation, März 1943
Fragmente der Ghettomauer, deren architektonische Gliederung sich an jüdischen Grabsteinen orientiert hat, Juni 2006

Gedenken[Bearbeiten]

  • Eine Gedenktafel an der Ghettomauer lautet:

Hier haben sie gelebt und gelitten und sind von den Nazi-Henkern ermordet worden.
Von hier aus führte ihr letzter Weg in Vernichtungslager.

  • Ein Mahnmal auf dem Platz der Ghettohelden (früherer Platz der Einheit): „scheinbar leere Stühle“, mitten auf den Platz und an die Straßenbahnhaltestellen hingestellt. Eröffnet im Dezember 2005, von den Krakauer Architekten Piotr Lewicki und Kazimierz Łatak.

Gründung des KZ Plaszow[Bearbeiten]

Hauptartikel: KZ Plaszow

Das Konzentrationslager entstand aus der Verlegung der arbeitsfähigen Häftlinge der jüdischen Wohnsiedlung Krakau aus Podgórze nach Płaszów im Südosten von Kraków. Der Bau eines Arbeitslagers begann dort im Sommer 1940 auf einem Gelände, das Kalksteinbrüche und zwei alte jüdische Friedhöfe umfasste: den Neuen Friedhof an der Abraham-Straße und den Alten Friedhof an der Jerozolimska-Straße. Nichtjüdische Polen waren dort die ersten Zwangsarbeiter. Wiederholt wurde das Lagergelände erweitert. 1941 wurden nach einer ersten Erweiterung auch die ersten jüdischen Gefangenen eingeliefert. Vor der Räumung des Krakauer Ghettos waren ca. 2.000 Menschen in Plaszow eingesperrt, danach über 10.000. Ab Januar 1944 war es als Konzentrationslager ein verwaltungsmäßig eigenständiges Stammlager. 1944 erreichte es mit 81 ha seine maximale Größe.

Der 1. Kommandant des Lagers war Amon Göth, der wegen seiner Grausamkeit von den Insassen Schlächter von Płaszów genannt worden ist. Seine Villa existiert heute noch als eines der wenigen Gebäude des ehemaligen Lagers. Die Zufahrtsstrasse zum Arbeitslager wurde mit den Grabsteinen der Friedhöfe gepflastert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea Löw, Markus Roth: Juden in Krakau unter deutscher Besatzung 1939–1945. Wallstein, Göttingen 2011
  • Alexsander Bieberstein: Zaglada Zydow w Krakowie. Krakow 1985
  • Malvina Graf: The Kraków Ghetto and the Plaszów Camp Remembered. Florida State UP, Tallahassee 1989 ISBN 0-8130-0905-7
  • Jochen Kast, Bernd Siegler, Peter Zinke: Das Tagebuch der Partisanin Justyna. Jüdischer Widerstand in Krakau. Berlin 1999
  • Tadeusz Pankiewicz & Manuela Freudenfeld Übers.: Die Apotheke im Krakauer Ghetto. Herbig, 1997 ISBN 3-7766-7038-X
    • Dt. Erstausgabe Bettendorf, Essen 1995. Aus dem Polnischen: Apteka w getcie krakowskim, 1990
  • Roman Polanski: Roman Polanski. Autobiographie. München 1984 ISBN 3-502-18581-6
  • Tuviah Friedman (Hrsg.): Die zwei Wiener illegale Nazis Dr. Otto Wächter als Gouverneur in Krakau und Lemberg und Rudolf Pavlu als Stadthauptmann in Krakau waren beteiligt an der Ermordung der Juden in Krakau und Lemberg. Institute of Documentation in Israel for the Investigation of Nazi War, Haifa 2002
  • Aufnahmen von Krakauer Juden. in Zs. "Augenblick." Berichte, Informationen und Dokumente der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Verlag wie Hg.; Nr. 12-13, 1998 ISSN 1434-3606 S. 8 - 11: großformatige Fotos, Vorbemerkung Frank Sparing[2]
  • Cracow. In: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Band 1. Jerusalem 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 121-128.
  • Shmuel Krakowski: Kraków. In: Encyclopedia of the Holocaust. Band II, 1990, S. 829-833.

Film[Bearbeiten]

Ein Film unter dem Titel Das Leben der Juden in Kraków wurde vor dem Ausbruch des Krieges gedreht. Ein zweiter Film steht dazu im Kontrast: Umsiedlung in das Krakauer Ghetto. Er wurde für die Bedürfnisse der deutschen NS-Propaganda gedreht (Vorführung in der Apotheke, einer Abteilung des Historischen Museums der Stadt, das auch über eine große Fotografiesammlung verfügt).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ghetto Krakau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Notizen[Bearbeiten]

  1. Im Jahr 1941 kam dann die Gründung des sogenannten „jüdischen Wohnbezirks“, also praktisch des Ghettos, obwohl das Wort „Ghetto“ in den amtlichen Dokumenten nirgends vorkam. Nach etwa zwei Jahren, am 13. und 14. März 1943, wurde dieser jüdische Wohnbezirk grausam und blutig aufgelöst: „mit vielen Toten…“ (Mietek Pemper: im gespräch mit Jochen Kölsch auf BR-Alpha am 13. März 2007)
  2. in der Mahnstätte der Stadt Düsseldorf gibt es 18 solche s/w Fotos, die von einem unbekannten SS-Mann, vermutlich privat, aufgenommen wurden, von denen hier 13 abgebildet werden

50.04527777777819.954722222222Koordinaten: 50° 2′ 43″ N, 19° 57′ 17″ O