Ghil’ad Zuckermann

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Ghil’ad Zuckermann (hebräisch ‏גלעד צוקרמן‎, 諸葛漫 Zhūgěmàn; 佐藤幸永 Sato Yukinaga; * 1. Juni 1971 in Tel Aviv) ist ein israelischer Sprachwissenschaftler. Er ist Professor für Linguistik an der Universität Adelaide, Australien.

Leben[Bearbeiten]

Zuckermann besuchte von 1987 bis 1989 das United World College (UWC) of the Adriatic. Anschließend absolvierte er seinen Dienst bis 1993 in der israelischen Armee. Danach war er von 1993 bis 1997 Stipendiat an der Universität Tel Aviv und erhielt einen Magisterabschluss (summa cum laude) von der Abteilung für Linguistik im Jahr 1997. Er studierte von 1997 bis 2000 in Oxford am St. Hugh's College, wo er den Dr. phil. Academia Oxoniensis erwarb. im Jahr 2000. Am Churchill College in Cambridge promovierte er von 2000 bis 2004 am Institut für Linguistik, Fakultät für Moderne und Mediävistik. Anschließend lehrte er an Universitäten in Großbritannien, USA, Israel, Singapur, China, der Slowakei und Australien (University of Cambridge, National University of Singapore, University of Miami, Ben-Gurion-Universität, University of Queensland, Pavol-Jozef-Šafárik-Universität Košice, Fremdsprachenuniversität Shanghai).

Zuckermann ist ein ordentlicher Professor für Linguistik und bedrohte Sprachen und Discovery Fellow an der University of Adelaide in Australien. Er ist ausgewählter Gastprofessor an der Fremdsprachenuniversität Shanghai. Zudem ist er Editorial Board Member des Journal of Language Contact und Berater für das Oxford English Dictionary.

Forschung[Bearbeiten]

Professor Zuckermann fordert, dass die in der Sprachwissenschaft seiner Ansicht nach längst überholte Stammbaumtheorie nicht mehr auf das Hebräische angewendet werden solle. Denn die im 19. Jahrhundert entwickelte Theorie wird weiterhin als gängiges Erklärungsmuster für das moderne Hebräisch - auch noch in deutschen Hörsälen - verwendet. Die von August Schleicher (1821-1868) naturwissenschaftlich angelegte Stammbaumtheorie geht davon aus, dass Sprachen immer nur eine Herkunft haben: Englisch ist eine germanische Sprache, Französisch eine romanische Sprache und Hebräische eine semitische Sprache. Die Theorie steht damit in der Tradition der europäischen Nationalbewegungen des 19. Jahrhunderts.

Für Zuckermann, der momentan die Aborigines bei der Erhaltung ihrer indigenen Sprachen unterstützt, steht jedoch fest, dass das moderne Hebräisch durch seine Wiederbelebung im Zuge der jüdischen Aufklärung und Nationalbewegung (dem Zionismus) im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, andere Einflüsse erfahren hat, als Sprachen, die eine durchgängige, zeitlich nicht unterbrochene Sprechergemeinschaft haben. Denn historisch betrachtet, wurde das Hebräische nur bis ins zweite Jahrhundert n. Chr. gesprochen. Für fast 1.800 Jahre sei Hebräisch ausschließlich für rituell-liturgische Zwecke und in schriftlicher Form genutzt worden, sie war niemandes Muttersprache mehr, so Zuckermann.

Zuckermann weist darauf hin, dass gerade die Wiederbelebung des Hebräischen als gesprochene Sprache durch Jiddisch-Muttersprachler einen besonders starken Einfluss auf das Moderne Hebräisch gehabt habe. Auch der 1858 im weißrussischen Luzhki geborene Ben-Yehuda hatte Jiddisch zur Muttersprache. Trotz der jahrzehntelangen Bemühungen, das moderne Hebräisch in Grammatik und Betonung so «semitisch» wie möglich zu gestalten, konnte er den Einzug indoeuropäischer Spracheinflüsse nicht verhindern. Folglich sind noch heute jiddische, deutsche oder polnische Begriffe feste Bestandteile des Iwrit in Israel: vom jiddischen «Boidem» (Dachboden), über das deutsche «Kugellager» bis hin zum polnischen «kombina» (Klüngel, Korruption). Zuckermanns Fazit lautet deshalb: das «Israelische» - so bezeichnet er das Moderne Hebräisch Israels - basiert auf biblisch-mischnaischem Hebräisch und dem Jiddischen, es ist somit eine «semitischeuropäische» Sprache.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Language Contact and Lexical Enrichment in Israeli Hebrew, Palgrave Macmillan, Houndmills, 2003. (ISBN 1-4039-1723-X)[2]
  • Israelit Safa Yafa (Israeli – A Beautiful Language), Am Oved, Tel Aviv, 2008. (ISBN 978-965-13-1963-1)[3]
  • "Phono-Semantische Abgleichung", Semantik im Lexikon, Stefan Langer und Daniel Schnorbusch (eds), Gunter Narr, Tübingen, Seiten 223-267, 2005.
  • Language Contact and Globalisation: The Camouflaged Influence of English on the World’s Languages – with special attention to Israeli (sic) and Mandarin, Cambridge Review of International Affairs 16 (2), Seiten 287-307, 2003[4].
  • Cultural Hybridity: Multisourced Neologization in 'Reinvented' Languages and in Languages with 'Phono-Logographic' Script, Languages in Contrast 4 (2), Seiten 281-318, 2004.[5]
  • A New Vision for 'Israeli Hebrew': Theoretical and Practical Implications of Analysing Israel's Main Language as a Semi-Engineered Semito-European Hybrid Language, Journal of Modern Jewish Studies 5 (1), Seiten 57-71, 2006[6].
  • Complement Clause Types in Israeli, Complementation: A Cross-Linguistic Typology, R. M. W. Dixon und A. Y. Aikhenvald (eds), Oxford University Press, Oxford, Seiten 72-92, 2006.[7]
  • 'Etymythological Othering' and the Power of 'Lexical Engineering' in Judaism, Islam and Christianity. A Socio-Philo(sopho)logical Perspective, Explorations in the Sociology of Language and Religion, Tope Omoniyi und Joshua A. Fishman (eds), Amsterdam: John Benjamins, Seiten 237-258, 2006.[8]
  • Icelandic: Phonosemantic Matching, Globally Speaking: Motives for Adopting English Vocabulary in Other Languages, Judith Rosenhouse und Rotem Kowner (eds), Multilingual Matters Clevedon-Buffalo-Toronto, Seiten 19-43, 2008. (Sapir, Yair und Zuckermann, Ghil'ad) [9]
  • Stop_Revive_Survive_Lessons_from_the_Hebrew_Revival_Applicable_to_the_Reclamation_Maintenance_and_Empowerment_of_Aboriginal_Languages_and_Cultures Stop, Revive, Survive: Lessons from the Hebrew Revival Applicable to the Reclamation, Maintenance and Empowerment of Aboriginal Languages and Cultures], Australian Journal of Linguistics 31 (1), Seiten 111-127, 2011. (Zuckermann, Ghil'ad und Walsh, Michael) [10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Jalla bye" Iwrit? / Julia Wolbergs, «Jüdische Zeitung», April 2010 (Version vom 19. April 2010 im Internet Archive), Modernes Hebräisch hat sich von seinen Vätern emanzipiert, doch die Wissenschaft diskutiert dessen Herkunft. Die Politik bemüht sich derweil chancenlos um die "Reinheit der Sprache"
  2. http://www.palgrave.com/products/title.aspx?is=140391723X
  3. http://www.zuckermann.org/israelit.html
  4. http://www.zuckermann.org/english.pdf
  5. http://www.zuckermann.org/pdf/cultural_hybridity.pdf
  6. http://www.zuckermann.org/pdf/new-vision.pdf
  7. http://www.zuckermann.org/pdf/complement_clause.pdf
  8. http://www.zuckermann.org/pdf/ENGINEERING.pdf
  9. http://www.zuckermann.org/pdf/icelandicPSM.pdf
  10. http://adelaide.academia.edu/Zuckermann/Papers/267186