Ghostwriter

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Dieser Artikel behandelt den Beruf Ghostwriter. Für den Film siehe Der Ghostwriter.

Ein Ghostwriter (deutsch: Geisterschreiber), auch Auftragsschreiber, ist ein Autor, der im Namen und Auftrag einer anderen Person schreibt.

Ghostwriter werden im Auftrag eines Verlages, einer vermittelnden Agentur oder eines Autors tätig, insbesondere wenn der in der Titelei ausgewiesene Autor nicht genügend Zeit oder keine ausreichenden Fähigkeiten besitzt, um „sein“ Werk selbst zu verfassen. Die Bezeichnung Ghostwriter setzt keine fest definierten Fähigkeiten voraus.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Ghostwriting erfolgt zum Beispiel bei Werken von Prominenten, etwa bei Lebensgeschichten, Biografien oder Romanserien, aber ebenso bei Unternehmensbüchern (Corporate Books), Reden von Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens und im akademischen Bereich.

In Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Berufsgruppe auf das Verfassen von Lebenserinnerungen für Privatleute bzw. deren multimediale Aufbereitung spezialisiert, die sich „Autobiographiker“ oder „Personal Historians“ nennen.

Ghostwriting ist im akademischen Bereich in verschiedensten Formen seit langem üblich, nicht selten lassen sich beispielsweise Lehrstuhlinhaber Texte von Mitarbeitern erstellen. Zunehmend werden die Dienste auch von Studenten in Anspruch genommen, die durch von Ghostwriting-Agenturen vermittelten Autoren ihre Abschluss-, Diplom- oder Bachelor-Arbeiten schreiben lassen.[1]

Abgrenzung[Bearbeiten]

Vom Ghostwriting zu unterscheiden ist das Plagiat, also das Abschreiben oder die unerlaubte Nutzung eines bereits anderswo verwendeten oder veröffentlichten Textes oder von Teilen davon. Auch ein Autor, der unter einem Pseudonym schreibt, ist kein Ghostwriter.

Namensnennung[Bearbeiten]

In den meisten Fällen erscheint der Ghostwriter weder auf dem Bucheinband noch in der Titelei. Gelegentlich werden, vor allem, wenn ein bekannter Journalist als Ghostwriter gewonnen wurde, beide Namen angeführt. Üblich ist es jedoch, den Ghostwriter zumindest in einer Danksagung, gelegentlich auch im Impressum des Buches, namentlich zu erwähnen. Neuerdings werden Ghostwriter gelegentlich als Ko-Autoren auf der Buchvorderseite erwähnt: „X (der Prominente) mit Y (der nichtprominente Autor)“.

Rechtsfolgen wissenschaftlichen Ghostwritings[Bearbeiten]

Ein Kunde eines Ghostwriters macht sich strafbar, wenn er eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat, dass die wissenschaftliche Arbeit eigenständig und ohne fremde Hilfe verfasst wurde. Auch der Ghostwriter macht sich der Beihilfe strafbar, falls ihm bekannt ist, dass seine Arbeit zur Vorspiegelung falscher Tatsachen genutzt wird.

In der Praxis ist es schwer nachzuweisen, ob eine wissenschaftliche Arbeit nicht von demjenigen verfasst wurde, der als Autor genannt ist.

Die Rechtsprechung zur Frage, ob Ghostwriting-Vereinbarungen im Bereich wissenschaftlicher Schriftwerke zulässig sind, ist uneinheitlich:[2]

  • Das Oberlandesgericht Frankfurt hielt 2009 Ghostwriting-Vereinbarungen zwar im Bereich des Erstellens von wissenschaftlichen Texten für zulässig, dieses Urteil bezog sich jedoch nicht auf eine Prüfungsleistung.[3]
  • Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied im Februar 2011, dass ein wissenschaftlicher Ghostwriter sich nicht als einen der Marktführer in diesem Bereich anpreisen darf. Ein Hinweis auf der Internetseite, dass die Arbeiten nur zu Übungszwecken verwendet werden dürften, sei „ersichtlich nicht ernst gemeint“.[4]
  • Das Oberlandesgericht Köln entschied im Februar 2011, dass ein wissenschaftlicher Ghostwriter im HTML-Quelltext seiner Website den Meta-Tag „diplomarbeit kaufen“ verwenden darf, sodass entsprechende Suchanfragen bei Suchmaschinen zur Website des Ghostwriters verweisen. Dies gelte jedenfalls dann, wenn auf der Website klargestellt wird, dass lediglich Arbeiten zu Übungszwecken angeboten werden.[5]

Der Deutsche Hochschulverband hat den Gesetzgeber im Sommer 2012 aufgefordert, einen Straftatbestand ‚Wissenschaftsbetrug‘ zu schaffen. [6]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ghostwriter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Betrug im Studium. Von Geisterhand“, Der Tagesspiegel vom 15. November 2010, zuletzt abgerufen am 15. August 2014
  2. Überblick über die Rechtslage
  3. OLG Frankfurt, Urteil vom 1. September 2009 – 11 U 51/08
  4. OLG Düsseldorf, Urteil vom 8. Februar 2011 – I-20 U 116/10
  5. OLG Köln, Urteil vom 23. Februar 2011 – 6 U 178/10
  6. „Kempen: ‚Wissenschaftsbetrug ist kriminell‘“, Pressemitteilung des Hochschulverbands vom 6. August 2012, zuletzt abgerufen am 15. August 2014