Giacomo Barozzi da Vignola

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Regola delle cinque ordini... 1562, Titelblatt

Giacomo (oder Jacopo) Barozzi da Vignola oder einfach Vignola (* 1. Oktober 1507 in Vignola bei Modena; † 7. Juli 1573 in Rom[1]) war ein italienischer Architekt des Barock im 16. Jahrhundert. Seine zwei großen Meisterwerke sind die Villa Farnese in Caprarola und die Jesuiten-Kirche Il Gesù in Rom.

Leben[Bearbeiten]

Ausgebildet in Bologna als Maler und Perspektivzeichner gehörten zu seinen ersten Aufträgen Vorlagen für Einlegearbeiten. 1536 reiste er nach Rom, um messgenaue Zeichnungen der römischen Tempel zu machen, mit dem Hintergedanken, einen illustrierten Vitruv zu publizieren. Später wurde er von König Franz I. von Frankreich nach Fontainebleau gerufen, wo er die Jahre 1541 bis 1543 verbrachte. In Rom, wo er von den Farnese aufgenommen wurde, arbeitete er mit Michelangelo, der seinen Stil stark beeinflusste. Ab 1564 arbeitet Vignola am Petersdom und konstruierte nach Michelangelos Plänen die zwei untergeordneten Gewölbe. Sein Einfluss kann auch in Arbeiten Carlo Madernos an der Fassade der Kathedrale entdeckt werden.

1573 entwarf er mit Sant’Anna dei Palafrenieri als einheitlichen längs-ovalen Raum einen weiteren Prototyp des barocken Kirchenbaus.

Die fünf Ordnungen, aus Vignolas Regole delle cinque ordini d'architettura

Sein literarisches Hauptwerk bildet das architekturtheoretische Lehrbuch »Regola delle cinque ordini d'architettura« (Regeln der fünf Ordnungen der Architektur) von 1562, in dem er sich darum bemühte, architektonische Gliederungselemente in einer festen Wechselbeziehung von Zahlen zu normieren. Seine 1573 unvollendet hinterlassene Perspektivenlehre »Le due regole di prospettiva pratica« (Zwei Regeln der praktischen Perspektive - Bologna 1583) enthält seine Biographie. Vignola präsentierte praktische Anwendungen ohne theoretische Unklarheiten, die verständlich und umsetzbar waren. Dadurch wurde Vignola neben Serlio und Palladio einer der drei Autoren, die den italienischen Stil über ganz Europa verbreiteten.

Titelkupfer von Johann Christoph Weigel aus: Vignolas Grund-Regeln über Die Fünff Säulen von Johann Rudolph Fäsch, Nürnberg um 1720

In Deutschland beeinflusste zum Beispiel die durch den Kupferstecher Johann Christoph Weigel illustrierte und über ein Jahrhundert ab etwa 1720 zahlreich aufgelegte Bearbeitung seines Standardwerkes Grund-Regeln über Die Fünff Säulen durch den sächsischen Ingenieur und Architekten Johann Rudolph Fäsch (1680 - 1749)[2] Generationen von Architekten.

Vignola ist im Pantheon in Rom begraben.

Weitere Werke[Bearbeiten]

Il Gesù, Rom; Architekt Vignola, Fassade Giacomo della Porta

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giacomo Barozzi da Vignola – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 2, Seite 854
  2. Des Jacobi Barozzi von Vignola Grund Regeln über Die Fünff Säulen. - Auffs neue Zum fleissigsten übersehen, Mit unterschiedenen nöthigen Regeln vermehret, und Mit 50 Rissen in Kupffer erläutert / durch Johann Rudolph Fäsch, Architectum. Sr. Königl. Maj. in Pohlen und Thür. Fürstl: Durchl: Zu Sachsen, Ingenieur Hauptmann, Nürnberg ca. 1720; Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden