Giampietro Campana

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Foto von Giampietro Campana (vor 1857/58)

Giampietro Campana (Giovanni Pietro Campana, * 1808 in Rom; † 10. Oktober 1880 ebenda, seit 1849 Marquis de Cavelli), war ein italienischer Kunstsammler. Seine zum Teil auf unredliche Weise zustandegebrachte Sammlung wurde nach seiner Inhaftierung und Verurteilung verkauft. Einen großen Teil erwarb 1861 Frankreich.

Zustandekommen der Sammlung[Bearbeiten]

Giampietro Campana stammte aus einer begüterten bürgerlichen Familie, er besaß unter anderem großen Landbesitz und Marmorsteinbrüche. Außerdem war er Direktor der staatlichen Pfandleihanstalt Monte di Pietà in Rom und begeisterte sich für die Archäologie. Er baute über etwa 25 Jahre eine bedeutende Sammlung antiker Fundstücke auf, und finanzierte auch selbst Ausgrabungen, vor allem bei Cerveteri, dem etruskischen Caeré. Campana sammelte auch italienische mittelalterliche Kunst. Am 28. November 1857 wurde Campana verhaftet und nach einem aufsehenerregenden Prozess im Juli 1858 zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Sammlung wurde vom Kirchenstaat konfisziert und in der Folge verkauft. Um seine Ankäufe zu finanzieren, hatte Campana nämlich Mittel der Institution, der er vorstand, in Anspruch genommen.

Blick in die Aufstellung der Sammlung Campanas aus der 2. Auflage seines Buches Antiche opere in plastica, 1851.

Nach Campana sind die Campanareliefs benannt.

Das Schicksal der Sammlung[Bearbeiten]

Beim Abverkauf von 1861 gingen größere Bestände nach Großbritannien und Russland, der Großteil aber wurde auf persönliche Intervention von Napoleon III. von Frankreich erworben. Der Kaiser setzte sich auch erfolgreich für eine Umwandlung der Haftstrafe Campanas in Verbannung ein. Um die damals sehr bedeutende Summe von 4 800.000 Francs erwarb Frankreich 11.835 Kunstobjekte, darunter 646 Gemälde. Die Sammlung wurde zunächst mit großem Erfolg als Musée Napoléon III ab dem 1. Mai 1862 im ehemaligen Industriepalast der Weltausstellung Paris 1855 präsentiert. Es war auch zunächst daran gedacht, die erworbene Sammlung Campana zum Grundstock eines neuen permanenten Museums nach Art des , des späteren Kensington Museums in London zu machen. Es gelang jedoch dem Louvre, sich die wertvollsten Teile der Bestände zu sichern, der Rest wurde über die französischen Provinzmuseen verstreut, wobei es zur Trennung von Pendants und sogar zur Aufteilung von Polyptichen kam. Größere Teile dieser unsachgemäß zerstreuten Sammlungsteile konnten ab den 1970er-Jahren im Musée du Petit Palais in Avignon zusammengeführt werden. Die Bestände griechischer und etruskischer Keramik des Louvre stammen hauptsächlich aus der Sammlung Campana.

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicola Parise: Campana, Giovanni Pietro. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 17 (Calvart–Canefri), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1974 (italienisch).
  • Helen und Albert Borowitz: Pawnshop and palaces. The fall and rise of the Campana art museum. Smithsonian Institution Press, Washington 1991, ISBN 1-56098-010-9.
  • Susanna Sarti: Giovanni Pietro Campana, 1808-1880. The man and his collection. Archaeopress, Oxford 2001, ISBN 1-84171-258-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giampietro Campana di Cavelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien