Gianfrancesco Poggio Bracciolini

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Gianfrancesco (oder Giovanni Francesco) Poggio Bracciolini (* 11. Februar 1380 im heutigen Terranuova Bracciolini; † 30. Oktober 1459 in Florenz) war einer der wichtigsten Humanisten der italienischen Renaissance. Er wurde zu einem ihrer Wegbereiter, da er einige der bedeutendsten Werke der Antike wiederentdeckte und der europäischen Geisteswelt erneut zugänglich machte.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Poggio di Duccio – so sein ursprünglicher Name – wuchs in dem toskanischen Dorf Terranuova bei Arezzo auf, das 1862 ihm zu Ehren in Terranuova Bracciolini umbenannt wurde. Nach dem Studium des Lateinischen in Florenz ging er um 1402 nach Rom, wo er klassisches Griechisch studierte und schließlich von Papst Bonifatius IX. zu einem seiner apostolischen Sekretäre ernannt wurde. Diese Position bekleidete er auch unter den Päpsten Innozenz VII. († 1406) und Gregor XII. (abgedankt 1415) sowie den Gegenpäpsten Alexander V. († 1410) und Johannes XXIII. (abgesetzt im Mai 1415).

Poggio nahm am Konzil von Konstanz teil, wo er den Häresieprozess gegen Jan Hus miterlebte, der mit dessen Verurteilung und Hinrichtung endete. Entgegen einer weitverbreiteten, aber falschen Meinung schrieb Poggio kein Buch über die Verurteilung von Jan Hus. Richard G. Salomon wies nach [1], dass es sich bei dem vielzitierten Text um eine Fälschung handelt. Das Konzil zog sich über Jahre hin – vom 5. November 1414 bis zum 22. April 1418 – und Poggio war nach der in Konstanz erfolgten Absetzung seines Dienstherrn Johannes XXIII. ohne Anstellung. Daher nutzte er die Zeit, um in Bibliotheken und Klöstern Deutschlands und Frankreichs nach antiken Texten zu suchen, deren Existenz den frühen Humanisten zwar bekannt war, die aber in Italien nicht mehr auffindbar waren. So entdeckte er lange verschollene Texte von Cicero, Tacitus, Quintilian, Vegetius, Marcus Manilius, Ammianus Marcellinus, Vitruv, Statius, Lukrez und Petronius. Zudem spezialisierte sich Poggio darauf, einzelne Fragmente anhand des Schreibstils einem bestimmt Autor zuzuordnen und verlorene Werke so zu rekonstruieren.

In seinem späteren Leben arbeitete Poggio wieder für die Kurie in Rom, z. B. unter Papst Nikolaus V. Ab Juni 1453 war er Leiter der florentinischen Kanzlei unter den Medici.

Wie viele Humanisten seiner Zeit schrieb auch Poggio ausschließlich auf Latein und übersetzte auch griechische Werke in diese Sprache. Er hinterließ einen umfangreichen Briefwechsel privaten und politischen Inhalts und verfasste eine Geschichte der Stadt Florenz.

Als Romanfigur [Bearbeiten]

Conrad Ferdinand Meyer macht Poggio zur Hauptfigur seiner Novelle „Plautus im Nonnenkloster“, deren erste Fassung 1881 unter dem Titel „Das Brigittchen von Trogen“ erschien und die der Autor selbst für eines seiner eher unbedeutenden Werke hielt. In ihr erscheint Poggio, gebrochen durch den historistischen Relativismus des späten 19. Jahrhunderts, als eine beinahe tragische Gestalt, als Skeptiker, dem keine anderen als ästhetische Werte geblieben sind und der doch ahnt, dass damit das Fundament der menschlichen Gesellschaft unterminiert wird: „'Und' – seufzte er – 'nur ungern kehre ich zu jenen Jugendlichkeiten zurück, jetzt da ich die Unbefangenheit meiner Standpunkte und die Läßlichkeit meiner Lebensauffassung bei meinem Sohne – ich weiß nicht kraft welches unheimlichen Gesetzes der Steigerung – zu unerträglicher Frechheit, ja zur Ruchlosigkeit entarten sehe.'“ (Das Brigittchen von Trogen, S. 14)

Die Romanautoren Monaldi & Sorti lassen Poggio in ihrem Historienkrimi Das Mysterium der Zeit als dubiose Hintergrundfigur auftreten. Sie bringen ihn in Zusammenhang mit Fälscherbanden, die zur Zeit der Renaissance zahlreiche, nur vorgeblich antike Texte geschaffen haben. Die Handlung des Romans nimmt dabei Bezug auf die wissenschaftlich unhaltbare verschwörungstheoretische Chronologiekritik, nach der Teile der antiken Geschichte von solchen Fälschern erfunden worden seien.

Im 2011 erschienenen Buch des amerikanischen Autors Stephen Greenblatt „Die Wende. Wie die Renaissance begann“ geht es um die Wiederentdeckung des Meisterwerks De rerum natura des antiken Dichters Lukrez durch Poggio Bracciolini im Jahre 1417.

Der Autor erzählt und erklärt, wie sich der Fund dieses antiken Werkes in einem deutschen Kloster stark auf die geistesgeschichtliche Entwicklung der damaligen Zeit auswirkte. Die äußerst modern und freigeistig anmutenden Vorstellungen Lukrez’ über elementare Fragen zur Natur der Dinge, der Materie aber auch zum sinn- und lustvollen Leben des Menschen lässt Greenblatt mit der mittelalterlichen, finster gezeichneten Welt kollidieren. Erst die Wiederentdeckung durch Bracciolini habe dem antiken Werk in der Renaissance zu seiner tatsächlichen geistesgeschichtlichen Bedeutung und Wirksamkeit als wesentlicher Impuls zur Moderne verholfen.

Werke [Bearbeiten]

Fälschlich zugeschrieben
  • Jan Hus der Ketzer. Verhör, Verurteilung und Hinrichtung, hoffnung-weltweit-verlag, Schopfheim 1998, ISBN 3-933785-00-6.

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Poggio Bracciolini and Johannes Hus: A Hoax Hard to Kill. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, Vol. 19, No. 1/2, 1956, S. 174–177.