Giangiacomo Feltrinelli

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Giangiacomo Feltrinelli (* 19. Juni 1926 in Mailand; † 14. März 1972 in Segrate), genannt Osvaldo oder Fra Feltrinelli war ein italienischer Verleger, Politiker und Revolutionär.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend [Bearbeiten]

Giangiacomo Feltrinelli wuchs in einer der reichsten Familien Italiens auf. Der Vater Carlo Feltrinelli war Präsident verschiedener Unternehmen, unter anderem von Credito Italiano und Edison. Der Vater starb 1935, die Mutter Gianna Elisa Feltrinelli heiratete 1940 den bekannten Redakteur des Corriere della Sera Luigi Barzini junior. Seine Stiefschwester war das ehemalige Fotomodel Benedetta Barzini. Während des Zweiten Weltkrieges verließ die Familie die Villa Feltrinelli in Gargnano, die danach Residenz von Benito Mussolini wurde, und zog in ein Haus am Monte Argentario. 1944/45 nahm Giangiacomo Feltrinelli am Befreiungskampf Italiens gegen die deutsche Besatzung und das faschistische Regime Benito Mussolinis teil. Kurz nach dem Krieg trat er der Kommunistischen Partei Italiens bei.

Der Verlag Feltrinelli [Bearbeiten]

Ein Ingenieursstudium brach Feltrinelli ab und arbeitete im Verlagswesen. 1954 gründete er den Feltrinelli-Verlag in Mailand. Innerhalb kürzester Zeit hatte der Verlag enormen Erfolg. Welterfolge wurden Doktor Schiwago von Boris Pasternak und Der Leopard von Giuseppe di Lampedusa. Von dem ebenfalls linksgerichteten Luciano Bianciardi, mit dem er befreundet gewesen ist, veröffentlichte er nicht nur zahlreiche Aufsehen erregende Übersetzungen ( u.a. Henry Millers Wendekreis des Krebses und Wendekreis des Steinbocks),[1] auch eine Autobiographie und mehrere Romane des toskanischen Autors wurden bei ihm verlegt. Neben deutschen Klassikern verlegte er auch zahlreiche junge deutschsprachige Autoren. Im Jahre 1958 lernte er die deutsche Fotografin Inge Schönthal kennen. Er heiratete sie 1960 und bekam mit ihr einen Sohn. Später heiratete er Sibilla Melega, mit der er bis zu seinem Tod zusammen lebte. Inge Feltrinelli führte nach seinem Tod den Verlag weiter.

Großes Interesse zeigte Feltrinelli für die kubanische Revolution unter Fidel Castro. Mehrfach reiste er nach Kuba, wo er auch Ernesto Che Guevara kennenlernte. Nach dem Tod Guevaras publizierte er dessen Bolivianisches Tagebuch, das er und seine Frau Sibilla Feltrinelli aus Südamerika nach einem Treffen mit Che Guevara schmuggelten und verlegten. Aus Kuba brachte Feltrinelli auch ein Foto Ché Guevaras mit, welches der kubanische Fotograf Alberto Korda von dem Guerrillero gemacht hatte. Ursprünglich ein Gruppenbild, vergrößerte Feltrinelli den Ausschnitt, der Che Guevaras Porträt zeigt. Diese Photo gilt als das meist reproduzierte Bild überhaupt. Es erschien auf Postern, T-Shirts, etc. und wurde zu einem Symbol der 68er-Bewegung.

Neben Revolutionsbewegungen in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern interessierte sich der Verleger auch für die Studentenrevolte in Deutschland. Er teilfinanzierte den Vietnamkongress (am 17. und 18. Februar 1968 in Berlin). Er war persönlich mit Studentenführer Rudi Dutschke befreundet, den er zu einem Genesungsaufenthalt bei sich einlud, nachdem dieser bei einem Attentat schwer verletzt worden war.

Zunehmend radikalisierte sich der Verleger. Er plädierte für die Abschaffung des Kapitalismus und stand in Kontakt zu verschiedenen Extremistengruppen, die sich nach dem Heißen Herbst 1969 in Italien bildeten. Dazu gehörten Potere operaio, Lotta Continua und auch die Roten Brigaden. Auch weil er einen Staatsstreich von rechts in Italien befürchtete, gründete er seine eigene Gruppe, die GAP (Gruppo d'Azione Partigiana). Diese sollte, wenn nötig, auch gewaltsame Mittel nutzen. Ende 1969 ging der Verleger in den Untergrund. Er besorgte unter anderem die Pistole, mit der möglicherweise die Deutsche Monika Ertl am 1. April 1971 in Hamburg den dortigen bolivianischen Konsul Roberto Quintanilla erschoss. Quintanilla war führend an der Polizeiaktion zur Aufspürung und Ermordung Ché Guevaras beteiligt gewesen.

Nach verschiedenen kleineren Aktionen der GAP wollte Feltrinelli am 14. März 1972 einen Hochspannungsmast bei Mailand sprengen. Nach den Ermittlungen der Polizei ging die Sprengladung vorzeitig los. Er wurde tödlich verletzt. Es ist bis heute nicht geklärt, ob es sich um einen Unfall oder um ein Attentat handelte.

Literatur [Bearbeiten]

  • Nanni Balestrini: Der Verleger. Assoziation A, Berlin 1992, ISBN 3-922611-23-0.
  • Carlo Feltrinelli: Senior Service. Das Leben meines Vaters Giangiacomo Feltrinelli. dt. von Friederike Hausmann, dtv, 2003, ISBN 3-423-34016-9.
  • du. Die Zeitschrift der Kultur. März 2002, Heft 724 – Schwerpunkt-Thema: Giangiacomo Feltrinelli. Verleger. Ein Mann in der Revolte.
  • Jobst C. Knigge: Feltrinelli - Sein Weg in den Terrorismus. Humboldt Universität Berlin 2010, (open access).

Film [Bearbeiten]

  • Giangiacomo Feltrinelli - Verleger und Revolutionär. Dokumentarfilm, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, 2005, 78 Min., Buch und Regie: Alessandro Rossetto, Produktion: Dschoint Ventschr, Eskimosa, Pandora Filmproduktion, arte, TSR, Erstausstrahlung: 26. Dezember 2006 bei arte, Inhaltsangabe von ARD mit Fotos.

Weblinks [Bearbeiten]

Nachweise [Bearbeiten]

  1. Mario G. Losano: Der goldene Baum der Theorie. In: Die Zeit, 4. März 1966.