Gichtgas

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Gichtgasabsaugung und -wäsche am Hochofen 3 der ehemaligen Henrichshütte

Gichtgas (Hochofen-Gas) ist ein brennbares Kuppelgas, das aufgrund seines beträchtlichen Stickstoffgehaltes von etwa 45–60 % und eines Kohlenstoffmonoxid-Anteils von etwa 20–30 % nur einen geringen Heizwert von 3,35–4 MJ/m³ aufweist. Gichtgas enthält außer Stickstoff und Kohlenstoffmonoxid noch ca. 20–25 % Kohlenstoffdioxid und ca. 2–4 % Wasserstoff.

Historische mit Gichtgas angetriebene Maschine (Aufnahme von 1905)

Es wird am oberen Schachtende des Hochofens – der Gicht – abgezogen und in einem Gichtgaswäscher gereinigt, wobei hauptsächlich Schwebeteilchen entfernt werden. Die Hochofenanlage nutzt das Gichtgas, um Kompressoren für die in den Hochofen eingeblasene Luft, den Wind, anzutreiben und diesen Wind im Winderhitzer aufzuheizen. Einige Hüttenwerke nutzen das entstaubte Gichtgas zur Erzeugung von Prozessdampf zur Stromerzeugung mittels Dampfturbinen. Das Gichtgas wurde ehemals auch als Treibstoff z. B. für doppelt wirkende Tandem-Großgasmotoren[1] mit Generatoren zur Stromerzeugung, der Beheizung von Glüh- und „Wärmofen“ und für die „Unterfeuerung“ von Anlagen, insbesondere Koksöfen, genutzt.

Wegen des Anteils an Kohlenmonoxid ist Gichtgas sehr giftig. Bei einem Aufenthalt in der Nähe von Gichtgasleitungen gelten deshalb besondere Vorsichtsmaßnahmen.

Das Startup LanzaTech stellt mit einem Bioreaktor und nicht näher genannten Bakterien aus Gichtgas Ethanol her.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. zu sehen im Weltkulturerbe Völklinger Hütte
  2. wiwi green Innovation: Mikroorganismen machen Stahlwerke zu Spritfabriken

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Gichtgas – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen