Giesl-Ejektor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zf. Eisenerz, Sommer 1971
Dampflokomotive mit Giesl-Flachejektor (95.112 der ÖBB)

Ein Giesl-Ejektor ist eine Saugzuganlage für Dampflokomotiven, die nach dem Strahlpumpenprinzip funktioniert.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ejektor – nach dem äußeren Erscheinungsbild oft Flachschornstein oder abwertend Quetschesse genannt – wurde 1951 von Dr. Adolph Giesl-Gieslingen entwickelt. Der Giesl-Ejektor bewirkt verbesserten Saugzug und dementsprechend bessere Energieausnutzung. Das bisherige Blasrohr wird durch einen Blasrohrkopf mit mehreren hintereinander liegenden Blasrohrdüsen gebildet, deren Strahlenkegel sich geringfügig überschneiden.[1] Dadurch erhält der Diffusor seine flache, langgezogene Form. Eine typische Bauform des Ejektors bilden sieben in Reihe stehende Blasrohrdüsen mit annähernd quadratischem Querschnitt.

Giesl sprach von 6 bis 12 % Kohleersparnis durch den Giesl-Ejektor, die in der Praxis eher bei maximal 8 % lagen, und einer Leistungssteigerung von bis zu 20 %. Es wurden Dampflokomotiven vieler Bahnen mit Giesl-Ejektoren umgebaut, unter anderem bei der ÖBB, ČSD und DR, aber auch bei Bahnverwaltungen in Afrika, China und Japan. Nicht in allen Fällen wurden die Lizenzgebühren gezahlt, von denen man sagte, dass sie oft die Kohleersparnis fast ausgleichen würden. Bei der DR sollen sich die Giesl-Ejektoren schon nach einem Jahr amortisiert haben, weshalb dort über 500 Lokomotiven umgerüstet wurden; hauptsächlich die Baureihen 38.10, 50, 52, 65.10 und 78. Bekanntestes Einzelstück mit Giesl-Ejektor ist die Schnellfahr-Versuchslok 18.201.

Augenscheinlich war die Deutsche Bundesbahn zu ihrer Zeit weit weniger vom Zuwachs der Verdampfungsleistung und verbesserter Wirtschaftlichkeit durch den Giesl-Ejektor überzeugt als die DR. Der Umbau der Saugzuganlage lässt sich am typischen Flachschornstein einzig an der 50 1503 erkennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Otto Slezak: Der Giesl-Ejektor - Verjüngungskur für Dampflokomotiven. (Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte Heft 7). Slezak-Verlag, Wien 1967, DNB 364636637.
  • Andreas Knipping: Glückloser Giesl. In: Eisenbahn-Kurier. 8 (2012), S. 64–68 (Teil 1); Eisenbahn-Kurier. 9 (2012), S. 64–68 (Teil 2), ISSN 0170-5288.
  • Rudolf Heym: Wie funktioniert sie eigentlich, die Dampflok? Geramond, München 2004, ISBN 3-7654-7255-7.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adolph Giesl-Gieslingen: Anatomie der Dampflokomotive. Slezak-Verlag, Wien 1986, ISBN 3-85416-089-5.