Gilbert Foliot

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Kathedrale von Hereford

Gilbert Foliot (* ca. 1110; † 18. Februar 1187) war ein mittelalterlicher englischer Mönch, später Abt von Gloucester, Bischof von Hereford und Bischof von London.

Leben[Bearbeiten]

Foliot war wahrscheinlich der Sohn von Robert Foliot und seiner Frau Agnes. Robert Foliot war Steward (Verwalter und Stellvertreter) von David, Earl of Huntingdon und Anwärter auf den schottischen Thron. Agnes Foliot war eine Schwester von Robert de Chesney, Bischof von Lincoln.[1] In jedem Fall war Gilbert Foliot ein Neffe von Robert de Chesney.[2]

Foliot wurde mit ungefähr 20 Jahren Mönch in der Abtei Cluny.[3][4] Nach zwei Stellen als Prior im Orden der Cluniazenser wurde er 1139 zum Abt der Abtei Gloucester berufen, gefördert von Miles of Gloucester.[1] Während seiner Amtszeit erwarb er zusätzliche Ländereien für die Abtei.[5] Er wurde ein Freund von Aelred von Rievaulx, einem späteren Abt und Heiligen,[6] der ihm später eine Predigtsammlung widmete.[7] Ein weiterer Freund und Verbündeter war Theobald von Bec, der Erzbischof von Canterbury, der unter Stephans Herrschaft versuchte, die Kirche in England unter seiner Führung zu vereinen. Foliot half Theobald, indem er Kontakte zu Matildas Seite herstellte.[4]

Hereford[Bearbeiten]

Manuskript, Darstellung eines gekrönten Mannes mit einem Vogel
König Stephan, Illustration des 12. Jahrhunderts

Foliot begleitete Theobald von Bec 1148 zum Konzil zu Reims. Während er sich dort aufhielt, wurde er von Papst Eugen III. zum Bischof von Hereford ernannt, als Nachfolger von Robert de Bethune, der auf dem Konzil verstorben war. Theobald stand hinter Foliots Ernennung und hatte sie dem Papst vorgeschlagen.[5] Er weihte Foliot am 5. September 1148 in Reims zum Bischof.[8] Während Foliot zuvor eher die Ansprüche von Kaiserin Matilda unterstützte,[4] erkannte er als Bischof Stephan als König von England an.[9] Foliot agierte oft als königlicher Richter und stellte 1153 zu seiner Unterstützung in Rechtsangelegenheiten einen Clerk ein, der auf Römisches Recht spezialisiert war.[10] 1154 wurde Henry of Anjou, der Sohn von Kaiserin Matilda, König von England, Heinrich  II.[11] Als Theobald 1160 starb, wurde erwartet, dass Foliot sein Nachfolger würde, doch Heinrich berief stattdessen seinen Lordkanzler Thomas Becket. Der König fragte kurz darauf den Papst um Erlaubnis, Foliot zu seinem Beichtvater zu machen, möglicherweise als Entschädigung oder auch als Gegengewicht zu Beckets wachsendem Einfluss.[12]

Der Kunsthistoriker Hans J. Böker vermutet, dass unter Foliot der Bau der 1737 zerstörten bischöflichen Kapelle begann, deren Stil deutschen Kaiserkapellen ähnelte.[13] Die meisten Quellen schreiben den Bau jedoch dem früheren Bischof Robert von Hereford zu.[14]

London[Bearbeiten]

Radierung einer alten Kirche
Old St. Paul's Cathedral, Radierung von William Benham, 1902

Der König nominierte Foliot als Bischof von London mit der Begründung an den Papst, dass er ihm als Beichtvater dort näher sei. Foliot wurde 1163 Bischof von London.[7][8] Während der Auseinandersetzung zwischen dem König und Becket unterstützte Foliot den König. Im Januar 1164 berief der König einen Rat in Clarendon Palace, in dem die Bischöfe den Constitutions of Clarendon zustimmen sollten, die weltliche Gerichtsbarkeit auch im geistlichen Bereich durchsetzen und den Einfluss des Papstes auf die Kirche in England einschränken sollte. Becket verweigerte die Zustimmung, was mit dem König zu einer Auseinandersetzung führte,[15] in der Foliot und die anderen Bischöfe Stellung beziehen mussten. Foliot wurde aufgefordert zu vermitteln, doch antwortete: Becket "was always a fool and always will be" (war ein Narr und wird es immer bleiben).[16] Becket ging Ende 1164 ins Exil nach Flandern. In seiner Abwesenheit sandte Foliot den jährlichen Peterspfennig an den Papst.[17] Der König konfiszierte die Ländereien des Erzbischofs und unterstellte sie Foliot, doch Becket machte Foliot und Roger, den Erzbischof von York, für die Konfiszierung verantwortlich.[18] Im Frühsommer schrieb Foliot an Papst Alexander III., dass der Erzbischof jederzeit zurückkehren könne, aber den Vorwürfen zu begegnen hätte, und bat um Geduld und Verhandlungsbereitschaft.[19] 1166 erkannte der König Foliot de facto als Oberhaupt der englischen Kirche an.[20]

Am 10. Juni 1166 exkommunizierte Becket seine Gegner, einige namentlich.[21] Daraufhin forderte Henry die Bischöfe auf, beim Papst Widerspruch einzulegen. Nach einem Rat, den Foliot am 24. Juni in London organisierte hatte und leitete, schrieb er sowohl an den Papst als auch an den Erzbischof.[22] Becket antwortete mit Vorwürfen. Foliot schrieb einen Brief, der als Multiplicem nobis bekannt ist, in dem er zum Kompromiss aufrief und dem Erzbischof riet, seine Ziele durch Demut zu erreichen.[23] Ende 1166 beendete Foliot die Verwaltung von Canterbury.[24] Dennoch exkommunizierte Becket am 13. April 1169 ohne Warnung ihn und einige königliche Beamtete, wobei er Foliot als „that wolf in sheep's clothing“ (deutsch: „jener Wolf im Schafspelz“) bezeichnete.[25] Foliot bereitete sich vor, beim Papst persönlich Widerspruch einzulegen. Verhandlungen zwischen dem König und dem Erzbischof blieben erfolglos.[26] Auf dem Weg nach Rom erhielt Foliot in Mailand die Nachricht, dass er durch den Erzbischof von Rouen die Absolution erhalten könne, dies geschah am 5. April, am 1. Mai wurde er als Bischof wieder eingesetzt.[27] Foliots Widerspruch beim Papst wurde zum Vorbild für ähnliche Fälle im 12. Jahrhundert.[28]

Foliot war ein produktiver Briefschreiber. Ein Teil seiner Korrespondenz wurde nach seinem Tod gesammelt. Er verfasste auch Predigten und Bibelkommentare, von denen zwei erhalten sind. Er erblindete in den 1180er Jahren, setzte aber dennoch seine biblischen Schriften fort.[4] Er starb am 18. Februar 1187.[29]

Der mittelalterliche Chronist Walter Map schrieb:

„vir trium peritissimus linguarum Latine, Gallice, Anglice, et lucidissime disertus in singulis“

„ein Mann, der in den drei Sprachen Latein, Französisch und Englisch versiert war, und beredt und klar in jeder.[30][31]

Bibliografie[Bearbeiten]

Bücher

Journal

  • Böker, Hans J.: The Bishop's Chapel of Hereford Cathedral and the Question of Architectural Copies in the Middle Ages. In: Gesta. 37, Nr. 1, 1998, S. 44–54. doi:10.2307/767211.
  • Helmholz, Richard H.: Excommunication in Twelfth Century England. In: Journal of Law and Religion. 11, Nr. 1, 1994–1995, S. 235–253. doi:10.2307/1051632.

Literatur[Bearbeiten]

  • Foliot, Gilbert: The Cerne Letters of Gilbert Foliot and the Legation of Imar of Tusculum. In: The English Historical Review. 63, Nr. 249, Oktober 1948, S. 523–527. doi:10.1093/ehr/LXIII.CCXLIX.523.
  • Foliot, Gilbert: Gilbert Foliot and His Letters, edited by Dom Adrian Morey and C. N. L. Brooke, Cambridge University Press, Cambridge, UK 2008, ISBN 0-521-07288-3.
  • Graham, Rose: An Appeal about 1175 for the Building Fund for St Paul's Cathedral Church. In: Journal of the British Archaeological Association. x.
  • Hunt, William: The English Bishops at the Lateran Council of 1139. In: The English Historical Review. 38, Nr. 152, Oktober 1923, S. 557–560. doi:10.1093/ehr/XXXVIII.CLII.557.

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Richard de Beaumis Bischof von London
1163 – 1187
Richard von Ely
Robert de Bethune Bischof von Hereford
1148 – 1163
Robert de Melun

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Barrow Fasti Ecclesiae Anglicanae 1066–1300: Band 8: Hereford: Bishops
  2. Greenway Fasti Ecclesiae Anglicanae 1066–1300: Band 3: Lincoln: Bishops
  3. Knowles. Heads of Religious Houses S. 53
  4. a b c d Brooke "Foliot, Gilbert (c.1110–1187)" Oxford Dictionary of National Biography
  5. a b Crouch Reign of King Stephen S. 305
  6. Knowles Monastic Order S. 263
  7. a b Knowles Monastic Order S. 293–297
  8. a b Fryde. Handbook of British Chronology S. 250
  9. Matthew King Stephen S. 88–89
  10. Crouch Reign of King Stephen S. 307
  11. Warren Henry II S. 59–60
  12. Knowles Episcopal Colleagues S. 46
  13. Böker "Bishop's Chapel of Hereford Cathedral" Gesta S. 52
  14. Wischermann "Romanesque Architecture" Romanesque S. 232–233
  15. Poole: From Domesday Book to Magna Carta S. 205–207
  16. Poole: From Domesday to Magna Carta S. 208
  17. Barlow: English Church 1066–1154 S. 142
  18. Barlow: Thomas Becket S. 124–125
  19. Barlow: Thomas Becket S. 137–138
  20. Barlow: Thomas Becket S. 140
  21. Barlow: Thomas Becket S. 147–148
  22. Barlow: Thomas Becket S. 149–150
  23. Barlow: Thomas Becket S. 153–155
  24. Barlow: Thomas Becket S. 160
  25. Barlow: Thomas Becket S. 185
  26. Barlow: Thomas Becket S. 189–192
  27. Barlow: Thomas Becket S. 201
  28. Helmholz: Excommunication in Twelfth Century England, Journal of Law and Religion, S. 244
  29. Fryde: Handbook of British Chronology S. 258
  30. Bartlett: England Under the Norman and Angevin Kings S. 502–503
  31. Walter Map, Montague Rhodes James (Hrsg.): De nugis curialium. Oxford 1914