Gilbert de Clare, 6. Earl of Hertford

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Gilbert de Clare, genannt der Rote (the Red), (* 2. September 1243 in Christchurch, † 7. Dezember 1295 in Monmouth) war ein englischer Peer. Er war ein Sohn von Richard de Clare, 5. Earl of Hertford und 2. Earl of Gloucester, und der Maud de Lacy.

Wappen von Gilbert de Clare, 6. Earl of Hertford

Sein Vater gehörte während der Verfassungskrise Englands im 13. Jahrhundert der Partei der Barone um Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester, gegen König Heinrich III. an. Aber vor seinem Tod 1262 wechselte Richard de Clare auf die Seite des Königs über. Nachdem Gilbert sein Erbe angetreten hatte, positionierte er das Haus de Clare aber umgehend wieder in die Reihen der Barone. Zusammen mit Montfort war er einer der mächtigsten Führer ihrer Bewegung, die am 14. Mai 1264 in der Schlacht von Lewes einen vollständigen Sieg über den König errang. Im Verlauf der Kämpfe war er aber auch für ein Pogrom an der jüdischen Bevölkerung von Canterbury verantwortlich. Vonseiten des Papstes wurde er wegen seiner Haltung gegen den König im Oktober 1264 exkommuniziert. Danach aber entfremdete er sich von Montfort, welcher zunehmend als faktischer Alleinherrscher Englands auftrat und vor allem ein Bündnis mit dem walisischen Fürsten Llywelyn ap Gruffydd einging. Als Earl of Gloucester aber war Gilbert einer der Grenzlords der walisischen Marken, deren Ländereien ständig von den Walisern bedroht waren. Im Frühjahr 1265 brach er mit Montfort und verschanzte sich in Gloucester. Zusammen mit dem entflohenen Kronprinzen Edward Plantagenet schmiedete er in Ludlow mit anderen Baronen eine neue königstreue Bewegung, die am 14. August 1265 in der Schlacht von Evesham über Montfort siegte, der dabei getötet wurde.

Trotz seines Seitenwechsels setzte sich Gilbert weiterhin für die Wahrung freiheitlicher Rechte für die Barone gegenüber der wiederhergestellten königlichen Autorität ein, die ihnen einst in der Magna Charta zugestanden worden waren. Durch seine Besetzung Londons im April 1267 nötigte er König Heinrich III. in den Statuten von Marlborough diese anzuerkennen, womit der „Second Baron's War“ einen friedlichen Ausgang nahm. Wegen der unklaren Besitzverhältnisse von Bristol befand sich Gilbert aber auch weiterhin in einem gespannten Verhältnis zur Krone. Besonders mit Prinz Edward war er dabei zerstritten, bis ein Schiedsspruch beide zu einem Kreuzzug verpflichtete, denn aber nur Edward antrat. 1272 starb König Heinrich III. und Gilbert übernahm einstweilen die Regentschaft über England, bis Edward 1274 nach England zurückkehrte und als Eduard I. den Thron bestieg. Unter ihm war Gilbert in den Kriegen gegen Wales engagiert, baute dabei die Burgen von Morleis und Caerffili. Nach seiner Niederlage gegen die Waliser bei Llandeilo Fawr (17. Juni 1282) wurde er als Befehlshaber im südlichen Wales durch William de Valence, 1. Earl of Pembroke, abgelöst. Fehden führte Gilbert anschließend gegen die Bohun von Hereford und die Mortimers von Wigmore.

Familie[Bearbeiten]

Seit dem Frühjahr 1253 war Gilbert mit der französischen Adligen Alice de Lusignan verheiratet, eine Tochter des Grafen Hugo XI. von Lusignan. Als Verwandte des Königshauses besaß ihre Familie auch in England über einen einflussreichen Anhang. Seit 1271 lebte das Paar getrennt, am 16. Mai 1285 wurde die Ehe annulliert. Mit ihr hatte er zwei Töchter:

  • Isabel de Clare (* 10. März 1263; † nach 1322)
    • ∞ mit Maurice de Berkeley, Lord Berkeley
  • Joan de Clare (* 1264; † nach 1322)

Nach einer am 16. November 1289 erteilten päpstlichen Dispens heiratete Gilbert im Mai 1290 in zweiter Ehe die Prinzessin Johanna (Joan of Acre), die bedeutend jünger als er war. Die Hochzeit fand in Westminster Abbey statt. Ihre Kinder waren:

  • Gilbert de Clare (* 4. Mai 1291; † gefallen am 24. Juni 1314 in der Schlacht von Bannockburn), 7. Earl of Hertford und 4. Earl of Gloucester
  • Eleanor de Clare († 1337)
    • ∞ mit Hugh le Despenser († 1326 exekutiert)
    • ∞ mit William la Zouche, Lord Zouche († 1335)
  • Margaret de Clare († 9. April 1342)
    • ∞ mit Piers Gaveston, († 1312 exekutiert), Earl of Cornwall
    • ∞ mit Hugh de Audley, Lord Audley († 1347), 1337 zum Earl of Gloucester ernannt
  • Elizabeth de Clare (* 16. September 1295; † 4. November 1360)
    • ∞ mit John de Burgh of Ulster († 1313)
    • ∞ mit Theobald de Verdon, Lord Verdon († 1316)
    • ∞ mit Roger Damory, Lord Damory († 1322)

Gilbert de Clare starb im Dezember 1295 auf Monmouth Castle und wurde in Tewkesbury bestattet. Seine Witwe heiratete 1297 Ralph de Monthermer, welcher bis 1307 die Vormundschaft über Gilberts gleichnamigen Erbsohn führte. Mit dem Tod seines Sohnes bei Bannockburn 1314 im Kampf gegen die Schotten erlosch das Haus Clare im Mannesstamm.

Literatur[Bearbeiten]

  • J. R. Maddicott: Simon de Montfort. Cambridge University Press, Cambridge 1996, ISBN 0-521-37636-X.

Weblinks[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Richard de Clare Earl of Hertford
Earl of Gloucester

1262–1295
Gilbert de Clare