Gilching
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Starnberg | |
| Höhe: | 588 m ü. NN | |
| Fläche: | 31,49 km² | |
| Einwohner: |
17.710 (31. Dez. 2011)[1] |
|
| Bevölkerungsdichte: | 562 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 82205 | |
| Vorwahl: | 08105 | |
| Kfz-Kennzeichen: | STA | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 88 121 | |
| Gemeindegliederung: | 3 Ortsteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Rathausstraße 2 82205 Gilching |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Manfred Walter (SPD) | |
| Lage der Gemeinde Gilching im Landkreis Starnberg | ||
Gilching ist die nördlichste und mit 17.445 Einwohnern die drittgrößte Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg und liegt etwa 11 Kilometer von München entfernt.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie [Bearbeiten]
Gilching liegt in der Moränenlandschaft des Voralpengebietes am Rande des Fünfseenlandes.
Ortsteile sind Argelsried, Neugilching und Geisenbrunn.
Namensherkunft [Bearbeiten]
Der Name des heutigen Gilchings leitet sich vermutlich aus dem Keltischen ab. Als die germanisch-bajuwarischen Nachfolger der Römer im 6. Jahrhundert den Gilchinger Raum besiedelten, nannten sie ihren Ort nach ihrem Sippenältesten Giltico Kiltoahinga, was soviel bedeutet wie „bei den Leuten des Giltico“. Der Name wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte von Kiltoahinga über Gulching, später Guiching bis zum heutigen Ortsnamen Gilching.
Geschichte [Bearbeiten]
Um 450 v. Chr. wurde die Region durch den keltischen Volksstamm der Vindeliker besiedelt. Erstmals urkundlich erwähnt und dadurch schriftlich nachweisbar ist der Ort Gilching in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 804, als „Giltekin(g)“. Nach dem Text der Urkunde übergibt Reginhart, Gaubevollmächtigter und Verwalter des königlichen Landbesitzes, seine Liegenschaften in den Orten Pettenbach und Glonn dem Kloster „Slechdorf“, heute Schlehdorf. Diese Schenkung ist vollzogen worden am 4. September im Jahre 804, verhandelt im königlichen Dorf Kiltoahing im vierten Regierungsjahr des Kaisers Karl.
Gilching gehörte später zum Rentamt München und zum Landgericht Starnberg des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Eingemeindungen [Bearbeiten]
Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Argelsried eingegliedert.[2]
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr: | 1840 | 1925 | 1939 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 | 2010 |
| Einwohner: | 725 | 1.763 | 2.561 | 5.119 | 6.410 | 8.345 | 12.913 | 17.445 |
Politik [Bearbeiten]
Erste Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg [Bearbeiten]
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Gilching bislang sieben Erste Bürgermeister. Direkt nach dem Krieg übernahm Johann Simon (SPD) das Amt des Bürgermeisters. Er wurde von der amerikanischen Besatzung kommissarisch bis zur ersten Wahl, die 1948 stattfand, eingesetzt. Von 1948 bis 1956 leitete Josef Bartl die Amtsgeschäfte. 1956 wurde Johann Krammer (UWG) sein Nachfolger, der insgesamt 16 Jahre die Geschicke der Gemeinde leitete, ehe er 1972 von Heinrich Will (CSU) abgelöst wurde. Mit insgesamt 18 Jahren im Amt ist Will bis heute Rekordhalter. 1990 löste damals überraschend der bis dahin weitgehend unbekannte Hans Ostermair (Bürgerschaft) Heinrich Will ab. 1991 trat Ostermair zu den Freien Wählern (FW) über, die von da an bis 2008 ununterbrochen das Amt des Bürgermeisters bekleiden sollten. 1996 folgte Thomas Reich auf Ostermair, der sich entschieden hatte für das Amt des Landrats zu kandidieren, dabei aber nicht erfolgreich war. Reich wurde 2002 mit großer Mehrheit schon im ersten Wahlgang wiedergewählt und trat 2008 wieder an. Im ersten Wahlgang scheiterte er allerdings mit 25 % der Stimmen. Ausschlaggebend dafür war wohl sein Einsatz für die verstärkte Nutzung des Flughafens Oberpfaffenhofen. In der dann notwendig gewordenen Stichwahl am 16. März 2008 setzte sich Manfred Walter (SPD) gegen Michael Hauser von der CSU mit rund 58,6 % der Stimmen durch, Hauser erhielt 41,4 %. Am 1. Mai 2008 tritt Manfred Walter (SPD) die Nachfolge von Thomas Reich an. Die SPD stellt somit erstmals seit 60 Jahren den Bürgermeister in Gilching.
| Amtszeit | Bürgermeister | Partei |
|---|---|---|
| 1946–1948 | Johann Simon | SPD |
| 1948–1956 | Josef Bartl | parteilos |
| 1956–1972 | Johann Krammer | UWG |
| 1972–1990 | Heinrich Will | CSU |
| 1990–1996 | Hans Ostermair | FW |
| 1996–2008 | Thomas Reich | FW |
| seit 2008 | Manfred Walter | SPD |
Dorfführer, Ortsvorsteher und Bürgermeister vor 1945 [Bearbeiten]
Die Aufzeichnungen zu den Gemeindevorstehern und Bürgermeistern vor 1945 sind lückenhaft und unvollständig. Die früheste aktuell bekannte Aufzeichnung geht bis ins Jahr 1808 zurück. Quelle dafür ist Peter Johns „Landschafts- und Dorfgeschichte der Gemeinde Gilching und Umgebung“ aus dem Jahr 1975. Um 1808 nannte sich der erste Mann im Ort noch Dorfführer, ab 1850 Vorsteher. 1869, mit der Wahl Johann Schneiders, wurde erstmals vom Bürgermeister gesprochen.
| Amtszeit | Bürgermeister | Partei |
|---|---|---|
| um 1808 | Michael Högner | n/a |
| um 1850 | Johann Egold | n/a |
| 1853–1857 | Simon Bichler | n/a |
| 1857–1860 | Johann Egold | n/a |
| 1860–1869 | Georg Högner | n/a |
| 1869–1876 | Johann Schneider | n/a |
| 1876–1900 | Ernst Anton | n/a |
| 1900–1909 | Johann Schneider | n/a |
| 1900–1925 | Benno Ruhdorfer | n/a |
| 1935–1945 | Josef Metz | n/a |
Gemeinderat [Bearbeiten]
| Jahr | CSU | SPD | Grüne | FWG | ÖDP | BfG | gesamt | Wahlbeteiligung in % |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2008 | 8 | 5 | 4 | 5 | 1 | 1 | 24 | 60,5 |
| 2002 | 8 | 3 | 1 | 10 | 2 | 0 | 24 | 61,3 |
BfG = Bürger für Gilching
FWG = Freie Wählergemeinschaft
Ergebnisse bei Landtagswahlen [Bearbeiten]
Quelle: Bayerisches Statisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung; Statistik kommunal 2010
| Jahr | CSU | SPD | Grüne | FWG | FDP | Sonstige | Wahlbeteiligung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2008 | 33,2 % | 24,2 % | 13,3 % | 7,5 % | 12,4 % | 9,3 % | 63,2 % |
| 2003 | 58,1 % | 17,5 % | 11,4 % | 4,9 % | 3,8 % | 4,3 % | 62,2 % |
| 1998 | 47,5 % | 19,7 % | 8,4 % | 15,4 % | 2,4 % | 6,8 % | 72,9 % |
| 1994 | 48,9 % | 28,4 % | 9,0 % | n/a | 4,3 % | 9,3 % | 70,8 % |
| 1990 | 50,4 % | 23,0 % | 10,2 % | n/a | 8,9 % | 7,6 % | 67,7 % |
| 1986 | 52,2 % | 23,1 % | 12,8 % | n/a | 7,3 % | 4,6 % | 71,4 % |
FWG = Freie Wählergemeinschaft
Ehrenbürger [Bearbeiten]
Seit 1989 vergibt die Gemeinde Gilching eine Ehrenbürgerschaft. Damit ausgezeichnet wurde der ehemalige Erste Bürgermeister Johann Krammer, der 1989 als Erster diese Auszeichnung erhielt. 1993 wurde Rudolph Schicht, der 40 Jahre für die SPD im Gemeinderat saß, davon 18 Jahre als Dritter Bürgermeister, die Ehrenbürgerwürde verliehen. Schicht hat sich zudem als Heimatforscher und Ortschronist große Verdienste um die Gemeinde erworben. Im Jahr 2002 wurde auch dem ehemaligen Ersten Bürgermeister Heinrich Will (CSU) diese Ehrung zuteil.
Sonderflughafen Oberpfaffenhofen [Bearbeiten]
Ein Teil des Ortsteils Neugilching ist dem aus den Flugbewegungen des seit 1938 in Betrieb befindlichen Sonderflughafen Oberpfaffenhofen resultierenden Fluglärm ausgesetzt. Aufgrund dieser Problematik sind mehrere Bürgerinitiativen entstanden.
Künftig soll der Flughafen zusätzlich für den so genannten „qualifizierten Geschäftsreiseflugverkehr“ und damit der Allgemeinen Luftfahrt geöffnet werden. Die endgültige Entscheidung zur Erweiterung des Flugbetriebes steht noch aus.
Kultur & Bildung [Bearbeiten]
Grundschulen [Bearbeiten]
- Arnoldus-Grundschule
- James-Krüss-Grundschule
Mittelschule [Bearbeiten]
- Neue Mittelschule Gilching
Gymnasium [Bearbeiten]
- Christoph-Probst-Gymnasium
Weitere Bildungseinrichtungen [Bearbeiten]
Die nächste Realschule befindet sich in der Gemeinde Herrsching am Ammersee, welche mittels S-Bahn (S8) erreichbar ist.
Gilching besitzt außerdem eine Volkshochschule sowie eine Musikschule.
Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Gilching
Berühmt ist die Arnoldusglocke in der Pfarrkirche St. Vitus. Sie ist im Wappen der Gemeinde enthalten und ist die älteste noch vorhandene Glocke Bayerns und die drittälteste Deutschlands. Pfarrer Arnoldus ließ sie zwischen 1180 und 1187 gießen.
Durch den Ort führt ein Teil der Römerstraße, die Via Julia, welche Augsburg mit Salzburg verband. Im Zentrum Argelsrieds ist die Kopie eines römischen Meilensteins mit eingemeißelter lateinischer Meilen- und Wegweisungsangabe nach Augusta Vindelicorum zu besichtigen.
Seit 2007 betreibt der Deutsche Alpenverein ein großes Kletterzentrum in Gilching.
Am Bahnhof Gilching-Argelsried ist ein Friedenspfahl mit der mehrsprachigen Aufschrift „Möge Friede auf Erden sein“ aufgestellt. Als Vorbild diente der 1955 vom japanischen Lehrer, Dichter und Philosophen Goi Masahisa geschaffene Friedenspfahl.
Im nahe gelegenen Waldabschnitt zur Gemeinde Schöngeising hin sind keltische Hügelgräber und Überreste von sehr gut erhaltenen Keltenschanzen zu besichtigen.
Als architektonisch besonders gelungen wird die Allguth-Tankstelle an der Landsberger Straße von Lydia Haack + John Höpfner aus München gewürdigt, die insbesondere in der Dämmerung durch das beleuchtete schwebende Pylondach wie eine Lichtskulptur wirkt.[3]
Wirtschaft [Bearbeiten]
In Gilching ist das auf neue Energietechnologien spezialisierte Handelsunternehmen Donauer Solartechnik ansässig. Der Korsch Verlag, ein Verlag vor allem für Kalender und Geschenkkarten, beschäftigt 120 Mitarbeiter mit Hauptsitz in Gilching und einem Nebenstandort in Aichach [4].
Verkehr [Bearbeiten]
Gilching liegt an der A 96 München–Lindau und besitzt zwei Anschlussstellen Gilching und Oberpfaffenhofen/Gilching-West. Die Staatsstraße 2069 Starnberg–Fürstenfeldbruck läuft zum Teil auf der historischen Trasse der Via Julia durch das Gemeindegebiet.
Des Weiteren hat Gilching S-Bahnanschluss durch die Linie S8, die auf der Bahnstrecke München–Herrsching verkehrt. Haltepunkte sind Geisenbrunn, Gilching-Argelsried und Neugilching. Die Fahrzeit in die Münchner Innenstadt beträgt etwa 40[5] Minuten, nach Herrsching etwa 20 Minuten. Neben den Gemeinden Aying (vier Stationen), Maisach, Pullach und der Stadt Erding (je drei Stationen) besitzt die Gemeinde mit die meisten S-Bahnhalte einer Kommune außerhalb der Stadt München im MVV.
Außerdem bestehen Regionalbusverbindungen nach Starnberg, Herrsching (über Inning), Gauting und Fürstenfeldbruck, sowie zum Dornierwerk/DLR.
Städtepartnerschaft [Bearbeiten]
Seit 1989 pflegt Gilching eine Partnerschaft mit der italienischen Kleinstadt Cecina.
Bekannte Persönlichkeiten [Bearbeiten]
- 1944 arbeitete in der Ortstelefonzentrale als örtlicher Telefonatsvermittler Joseph Ratzinger als Flakhelfer.[6]
- 1960 kaufte sich der deutsche Dichter und Schriftsteller James Krüss in Gilching ein Haus. In der Zeit, in der er in Gilching lebte schrieb er 16 Kinderbücher. Unter anderem "Timm Thaler" und "Das verkaufte Lachen".
- Markus Babbel (* 1972), Fußballer und Nationalspieler, lebte seit seiner Geburt in Gilching und spielte von seinem siebten bis neunten Lebensjahr in der Jugend des TSV Gilching-Argelsried bis er vom FC Bayern entdeckt wurde.
- Mia Magma (* 1986), deutsche Pornodarstellerin, lebt in Gilching.
Veranstaltungen [Bearbeiten]
Einmal im Jahr findet das Gilchinger Volksfest auf dem Festplatz statt. Höhepunkt dabei ist der traditionelle Einzug der Vereine in das Festzelt am Eröffnungstag.
Der Verein zur Förderung der Partnerschaft Cecina-Gilching veranstaltet alljährlich die „Italienische Woche“. Sie findet auf dem neuen Gilchinger Marktplatz statt und wird meist von einem kulturellen Rahmenprogramm begleitet.
Trivia [Bearbeiten]
1972 wurde die Olympische Fackel auf dem 30 Tage währenden Olympischen Fackellauf (Route von Olympia/ Griechenland über Athen, Istanbul, Bukarest, Wien, Partenkirchen) auf dem Weg zur Eröffnung der XX. Olympischen Sommerspiele in München durch Gilching getragen.
Weblinks [Bearbeiten]
- Gilching: Wappengeschichte vom HdBG
- Links zum Thema Gilching im Open Directory Project
- Gilching: Amtliche Statistik des LStDV
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 591.
- ↑ Nicolette Baumeister: Architektur neues Bayern. Verlagshaus Braun, 2005, S. 33
- ↑ www.korsch-verlag.de
- ↑ http://www.mvv-muenchen.de
- ↑ http://history.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,2349327,00.html?dr=1
