Giorgio Bassani

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Giorgio Bassani (* 4. März 1916 in Bologna; † 13. April 2000 in Rom) war ein italienischer Schriftsteller und Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Giorgio Bassani wuchs in einer gutbürgerlich-liberalen jüdischen Arztfamilie auf. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Ferrara, wo er 1934 am örtlichen liceo classico das Abitur ablegte. Trotz einer anfänglichen Neigung zur Musik verschrieb er sich bald ganz der Literatur.

1935 begann er ein Studium der Literaturwissenschaft an der Universität Bologna, das er als Pendler absolvierte und vier Jahre später – trotz der 1938 erlassenen italienischen Rassengesetze – mit einer Dissertation über Niccolò Tommaseo beenden konnte. 1940 erschien sein erstes Werk, Una città di pianura, das er unter dem Pseudonym „Giacomo Marchi“ veröffentlichte, um Mussolinis Rassengesetze zu umgehen.

Von da an verwandelte sich der junge Literat in einen politischen Aktivisten im antifaschistischen Untergrund. Dieses Engagement brachte ihm 1943 eine kurze Haftstrafe ein. Im selben Jahr heiratete er und verließ Ferrara in Richtung Florenz und bald darauf Rom, wo er den Rest seines Lebens als Schriftsteller und Publizist verbrachte.

1945 veröffentlichte er den Gedichtband Storie dei poveri amanti e altri versi, 1947 einen zweiten Te lucis ante. 1948 fand er eine Stelle als Redakteur bei der Literaturzeitschrift Botteghe Oscure. 1953 erschien der Band Passeggiata prima di cena, 1954 Gli ultimi anni di Clelia Trotti. Im selben Jahr wurde er Redakteur der Zeitschrift Paragone, wo er u. a. Pier Paolo Pasolini kennenlernte. 1956 veröffentlichte Bassani die Cinque storie Ferraresi, mit denen er den Premio Strega desselben Jahres gewann.

1957 wurde er Vizepräsident der Rundfunkanstalt Radiotelevisione Italiana und Präsident der Kultur- und Umweltschutzvereinigung Italia Nostra sowie Dozent für Theatergeschichte an der Accademia nazionale di Arte Drammatica in Rom. Im folgenden Jahr veröffentlichte er den Roman Gli occhiali d’oro („Die Brille mit dem Goldrand“), in dem er Homosexualität als Ursache für gesellschaftliche Ächtung beschrieb. Das Buch wurde 1987 mit Philippe Noiret und Rupert Everett verfilmt. Das für Bassani lebensgeschichtlich bedeutsame Thema Homosexualität erscheint u. a. auch in dem kurzen Roman Hinter der Tür (1964) erneut.

1958, inzwischen Lektor beim Verlag Feltrinelli, gelang es ihm, den Roman Der Leopard von Giuseppe Tomasi di Lampedusa herauszubringen. Ein Jahr später veröffentlichte er Le storie ferraresi, eine erweiterte Ausgabe seiner Erzählungen aus Ferrara.

Den Gipfel seines schriftstellerischen Ruhms erreichte Bassani 1962 mit der Veröffentlichung des Romans Il Giardino dei Finzi-Contini („Die Gärten der Finzi-Contini“), für den er im selben Jahr den Premio Viareggio erhielt. Formal und stilistisch ein Meisterwerk, das die moralischen, intellektuellen und politischen Erfahrungen des Autors bündelt, schildert der Roman das Leben des reichen jüdischen Bürgertums in Ferrara während des späten Faschismus seit den Rassengesetzen. Vittorio De Sica machte daraus einen Kinofilm, zu dem Bassani jedoch immer Distanz hielt.

Es folgten 1968 die Veröffentlichung von L’Airone („Der Reiher“) und 1972 L'odore del fieno („Der Geruch von Heu“). 1984 erschienen Bassanis gesammelten Gedichte unter dem Titel In rima e senza und seine gesammelten Aufsätze und kritischen Schriften in dem Band Di là del cuore.

Im April 2000 starb Giorgio Bassani nach langer, schwerer Krankheit in Rom. Er ist auf dem jüdischen Friedhof von Ferrara begraben.

Werke[Bearbeiten]

1. Zyklus des „Romans von Ferrara“

  • Cinque storie ferraresi, 1956 (dt. Ferrareser Geschichten, übers. v. Herbert Schlüter, Piper, München 1964; Neuausgabe 1985; Neuausgabe Wagenbach, Berlin 2007)
  • Gli occhiali d’oro, 1958 (dt. Ein Arzt aus Ferrara, übers. v. Herbert Schlüter, Piper, München 1960; Neuausgabe u.d.T. Die Brille mit dem Goldrand, Piper, München 1984; Neuausgabe Wagenbach, Berlin 2007)
  • I giardini dei Finzi-Contini, 1962 (dt. Die Gärten der Finzi-Contini, übers. v. Herbert Schlüter, Piper, München 1963; Neuausgaben 1984, 1995, 2004; Neuausgabe Wagenbach, Berlin 2007)
  • Dietro la porta, 1964 (dt. Hinter der Tür, übers. v. Herbert Schlüter, Piper, München 1967, Neuausgabe 1986)
  • L’airone, 1968 (dt. Der Reiher, übers. v. Herbert Schlüter, Piper, München 1970; Neuausgabe Wagenbach 2007)
  • L’odore del fieno, 1972 (dt. Der Geruch von Heu, übers. v. Herbert Schlüter, Piper, München 1974)

2. Andere Werke

  • Storie dei poveri amanti e altri versi, 1945 (Gedichte)
  • La passeggiata prima di cena, 1953
  • Gli ultimi anni di Clelia Trotti, 1956
  • In gran segreto, 1978
  • In rima e senza, 1982 (Gesammelte Gedichte, dt. Auswahl: In einem alten italienischen Garten, ausgew. u. übers. v. Michael Marschall von Bieberstein, Piper, München 1991)
  • Di là del cuore, 1984 (Gesammelte essayistische Werke)
  • Erinnerungen des Herzens, hrsg. v. Eberhard Schmidt, 1991 (autobiographische Texte und Beiträge des Herausgebers)
Bildband

Ehrungen[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

Drehbücher

  • 1953: Tempi nostri – Drehbuch der 3. Episode
  • 1954: Sehnsucht (Senso)
  • 1953: Gefährliche Schönheit (La provinciale)
  • 1954: Die Frau vom Fluß (La donna del fiume)
  • 1955: Flucht in die Dolomiten (Prigioniero della montagna)

Literarische Vorlagen

Weblinks[Bearbeiten]