Giorgio Moroder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Giorgio Moroder

Giorgio Moroder, auch Hansjörg, standesamtlich Giovanni Giorgio Moroder[1] (* 26. April 1940 in St. Ulrich in Gröden, Südtirol, Italien), ist ein italienischer Produzent und Komponist. Moroder gilt als Erfinder der Synthesizer-Disco-Musik.

Biografie[Bearbeiten]

Der aus einer ladinischen Familie stammende Moroder wuchs in Gröden auf und begann als Teenager mit dem Gitarrespiel. Ab seinem 19. Lebensjahr tourte er mit Bands durch Europa. Er begann seine Karriere im Aachener Scotch-Club. Von 1967 an konzentrierte er sich aufs Songwriting und Komponieren. Unter anderem schrieb er gemeinsam mit Michael Holm einen Hit für Ricky Shayne. 1969 war er dann als „Giorgio“ mit der Bubblegum-Nummer Looky, Looky in den französischen, italienischen und spanischen Hitparaden recht erfolgreich. Moroder interessierte sich schon damals für die Musikproduktion, vor allem für die neuartigen elektronischen Innovationen dieser Jahre. 1970 produzierte er den ersten deutschsprachigen Hit, in dem ein Synthesizer verwendet wurde: Arizona Man in der Version von Mary Roos kletterte bis auf Platz neun der Charts. Anfang 1971 erwarb er einen Moog-Synthesizer. Sein nächster und erster größerer eigener Hit Son of My Father von 1972, bereits gemeinsam mit dem langjährigen Arbeitspartner Pete Bellotte produziert, war ebenfalls unter Verwendung des Synthesizers entstanden, auch wenn die Elektronik hier noch nicht im Vordergrund stand.

Moroder hatte inzwischen in München sein eigenes Studio eingerichtet, Musicland. Ab 1973 arbeitete Giorgio Moroder mit der Ex-Bostonerin und ehemaligen Musical-Sängerin Donna Summer zusammen. Summer, gebürtige LaDonna Andrea Gaines, hatte es nach einer Europatour des Hippiemusicals Hair nach München verschlagen, wo sie zu dieser Zeit als alleinerziehende Mutter lebte. Im Team mit dem Arrangeur Harold Faltermeyer, Drummer und Co-Autor Keith Forsey und dem Toningenieur Jürgen Koppers kreierte Moroder für sie einen energetischen Discosound. Der ausgekoppelte Song The Hostage aus ihrem ersten Soloalbum Lady of the Night von 1974 lief in Holland und Frankreich recht erfolgreich. Der Durchbruch für Summer wie für Moroder kam aber erst 1976 mit dem erotischen Lied Love to Love You, Baby, das von der BBC boykottiert wurde.

Anfang 1976 veröffentlichten Moroder und Bellotte unter dem Bandprojektnamen MLS (Musicland Set) auch die Instrumental-Single Take Five/Enterprise, die aber ebenso wenig kommerziellen Erfolg hatte wie Einzelgänger, das auf deutsch gesungene Soloalbum Moroders, das er ein Jahr zuvor veröffentlicht hatte und später wieder vom Markt nahm, indem er versuchte, sämtliche noch verbliebenen Exemplare aufzukaufen. Im Februar 1976 erreichte Love to Love You, Baby Platz 2 der US-Charts (Billboard Hot 100), das Disco-Genre war geboren. Moroder: „Ich glaube, wir erfanden den Bass-Drum- und Bass-Sound, der Teil der modernen Discomusik wurde.“ Der Produzent räumt dabei ein, aus zahlreichen Quellen geschöpft zu haben, so z. B. vom Philadelphia- oder Philly Soul, vom Motown-Stil, aber auch von zeitgenössischen elektronischen Bands in Deutschland, wie Popol Vuh oder Tangerine Dream. Der Titel wurde veröffentlicht, ohne dass der Bassist Dave King als Co-Komponist genannt wurde. Das veranlasste King zu einem Rechtsstreit gegen Giorgio Moroder, den King jedoch nach einigen Jahren verlor. King hatte angegeben, die Basslauf-Figur auf der Single sei seine Erfindung gewesen, nicht die Moroders, und habe dem Musiktitel erst als prägendes Element zu weltweitem Erfolg verholfen.

Die elektronischen Einflüsse waren noch deutlicher 1977 auf dem von Moroder produzierten Donna-Summer-Hit I Feel Love zu hören. Der Song kletterte im Juli des Jahres auf die Spitzenposition der britischen Charts. Mit seinen repetitiven Synthesizer-Loops beeinflusste er noch in den 1990er Jahren zahlreiche Produzenten der elektronischen Tanzmusik. I Feel Love führte erneut zu einem Rechtsstreit, dieses Mal von Seiten Eberhard Schoeners, der reklamierte, die Synthesizer-Sequenz habe sich Moroder bei ihm abgeschaut; auch dieses Mal gewann Moroder. 1978 übersiedelte Moroder in die USA und komponierte den Soundtrack zu dem Hollywood-Film 12 Uhr nachts – Midnight Express, sein erster Versuch auf diesem Gebiet wurde sofort mit einem Oscar belohnt. Insgesamt komponierte und produzierte er im Anschluss über ein Dutzend Filmmusiken, darunter auch für bekannte Werke wie Top Gun, Scarface, Katzenmenschen, Flashdance und American Gigolo. Außerdem steuerte er für die Olympischen Spiele von Los Angeles 1984 mit (Reach Out)[2] den offiziellen Song bei, ebenso für die Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul (Hand in Hand)[3] sowie für die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 (Un’estate Italiana)[4] bei. 1992 komponierte er für die Zeichentrickserie Als die Tiere den Wald verließen die Abspannmusik mit dem Titel Gib niemals auf. Der Song Forever Friends für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking stammt ebenso von ihm.

Giorgio Moroder arbeitete in seiner Karriere mit zahlreichen Größen des Musikgeschäfts zusammen, beispielsweise mit den Sparks, mit Elton John, mit den Three Degrees, mit David Bowie, Phil Oakey, Freddie Mercury, mit Blondie, Barbra Streisand, Pat Benatar, Roger Daltrey, Chaka Khan und Cher. Er remixte u. a. Musik der Eurythmics und von Heaven 17. Ihm wurden drei Oscars, drei Grammys und vier Golden Globes verliehen. Seine Musikproduktionen gaben dabei immer Anlass zu Spekulationen über die angeblich seelenlose „Music-Machine“ als Grundlage seiner Musik. „Ich bin Produzent, kein Politiker“, erklärte Moroder nüchtern, „also mache ich Musik und keine Storys.“ Neben dem Musikgeschäft widmet sich Giorgio Moroder seit einigen Jahren auch computergenerierter Video- und Fotokunst, ferner war er an einem Supersportwagen-Projekt beteiligt (Cizeta Moroder).

Moroders musikalischer Beitrag zur umstrittenen 1984er Neufassung des Stummfilm-Klassikers Metropolis verprellte manchen, der bleibende Einfluss seiner Arbeit auf neuere Musikrichtungen wie Techno wird jedoch anerkannt. 1987 produzierte er das Duett von Falco und Brigitte Nielsen Body Next to Body. Ein recht bekannter Titel entstand im Jahr 2000: ein Trance-Remix von Jam & Spoon seines 1970er-Jahre-Titels The Chase.

Giorgio Moroder lebt heute mit seiner mexikanischen Frau und seinem 1989 geborenen Sohn in Los Angeles (Beverly Hills). Im Grödnertal besitzt er noch ein Haus, wo er seinen Urlaub verbringt. Im Jahr 2005 wurde er vom italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi zum Commendatore im Verdienstorden der Italienischen Republik ernannt. Am 5. September 2010 wurde ihm der Große Verdienstorden des Landes Südtirol verliehen.

Giorgio Moroder wirkte teilweise beim Daft-Punk-Album Random Access Memories mit, das am 17. Mai 2013 bei Columbia Records erschienen ist: In einer Aufnahmekabine ließen sie Moroder über sein Leben erzählen. Die Kabine war mit verschiedenen Mikrofonmodellen ausgestattet, die jeweils typisch für ihre Zeit waren – von den 1960er Jahren bis heute –, wobei die Intention von Daft Punk war, jeweils das Mikrofon zu verwenden, das aus der Zeit stammt, über die Moroder gerade erzählt[5]. Teile des aufgenommenen Monologs wurden für den Song Giorgio by Moroder verwendet. Außer dieser Vocal-Aufnahme hat Moroder an dem Album nicht mitgewirkt[6].

Trivia[Bearbeiten]

  • Sein Album Einzelgänger (1975) gehört zu den Raritäten auf Musikbörsen; einzelne Exemplare erreichten besonders hohe Erlöse.
  • Das Südtiroler Wochenmagazin ff schätzt Moroders Vermögen auf etwa 300 Millionen Euro.
  • Moroder war zeitweise beteiligt am Projekt des Supersportwagens Cizeta V16T und besitzt bis heute den Prototyp, der noch den Namen „Cizeta-Moroder“ trug.
  • In dem PSP-&-PS2 Spiel Grand Theft Auto: Liberty City Stories wird in dem Radiosender „Flashback FM“ Giorgio Moroders Musik gespielt, auch The Chase (von 12 Uhr nachts – Midnight Express).
  • Auf dem Album Random Access Memories der Band Daft Punk ist ihm der Track "Giorgio by Moroder" gewidmet, bei dem er vom Beginn seiner Karriere und der Genese seiner Lieder erzählt, abwechselnd sowie parallel dazu läuft im Hintergrund Musik.

Diskografie Singles (Auswahl)[Bearbeiten]

Icon tools.svg Dieser Artikel wurde im Portal Charts und Popmusik/Baustellen zur Verbesserung eingetragen. Hilf mit, ihn zu bearbeiten, und beteilige dich an der Diskussion!
Vorlage:Portalhinweis/Wartung/Charts und Popmusik/Baustellen

unvollständig -- Harro 12:32, 6. Mär. 2014 (CET)


Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Looky, Looky
  DE 26 xx.xx.1969 (7 Wo.) [7]
  CH 3 xx.xx.1969 (19 Wo.)
Moody Trudy
  DE 31 xx.xx.1970 (6 Wo.)
Underdog
  DE 22 xx.xx.1971 (13 Wo.)
Son of My Father
  DE 47 xx.xx.1972 (2 Wo.)
  US 46 xx.xx.1972 (… Wo.)
From Here to Eternity
  DE 29 xx.xx.1977 (10 Wo.)
  UK 16 xx.xx.1977 (… Wo.) [8]
  NL 22 xx.xx.1977 (4 Wo.)
Chase
  UK 48 xx.xx.1979 (6 Wo.)
  US 33 xx.xx.1979 (4 Wo.) [9]
Lady Lady Lady (mit Joe Esposito)
  NL 49 xx.xx.1983 (1 Wo.)
Reach Out (mit Paul Engemann)
  DE 1 xx.xx.1984 (14 Wo.) [10]
  CH 2 xx.xx.1984 (11 Wo.) [11]
  US 81 xx.xx.1984 (4 Wo.)
  NL 47 xx.xx.1984 (3 Wo.)
Together in Electric Dreams (mit Phil Oakey)
  UK 3 xx.xx.1984 (15 Wo.)
  NL 35 xx.xx.1984 (5 Wo.)
American Dream (mit Paul Engemann)
  DE 36 xx.xx.1984 (7 Wo.)
Goodbye Bad Times (mit Phil Oakey)
  UK 44 xx.xx.1985 (5 Wo.)
Be My Lover Now (mit Phil Oakey)
  UK 91 xx.xx.1985 (1 Wo.)
Carry On (mit Donna Summer)
  UK 65 xx.xx.1998 (1 Wo.)
The Chase (feat. Jam & Spoon)
  DE 44 xx.xx.2000 (5 Wo.)
  UK 46 xx.xx.2000 (1 Wo.)
  CH 75 xx.xx.2000 (5 Wo.)
  NL 68 xx.xx.2000 (6 Wo.)
Last Night (mit Gloria Gaynor)
  DE 70 xx.xx.2000 (9 Wo.)
  CH 89 xx.xx.2000 (2 Wo.)
als Giorgio
  • Stop / Believe in Me – Hansa 1966
  • Bla Bla Diddley / How Much Longer Must I Wait – Hansa 1966 (als Giorgio and the Morodians)
  • Lilly Belle / Love’s Morning Land – Hansa 1967
  • Yummy, Yummy, Yummy / Make Me Your Baby – Hansa 1968
  • Cinnamon / Reesy-Beesy – Hansa 1968
  • Looky, Looky / Happy Birthday – Hansa 1969
  • Máh-Ná-Máh-Ná / Doo-Bee-Doo-Bee-Doo – Hansa 1969
  • Moody Trudy / Stop – Hansa 1969
  • Arizona Man / Sally Don’t You Cry – Hansa 1970
  • Underdog / Watch Your Step – Hansa 1971
  • Son of My Father / I’m Free Now – Hansa 1971
  • Everybody Join Hands / London Traffic – Hansa 1971
  • Today’s a Tomorrow / Pauline – Hansa 1972
  • Take It, Shake It, Break My Heart / Spanish Disaster – Hansa 1972
  • Lonely Lovers’ Symphony / Crippled Words – Philips 1973
  • Heaven Helps the Man (Who Helps Himself) / Sandy – Philips 1973
  • Marrakesh / Nostalgie – Philips 1974
  • Lie, Lie, Lie / Collico – Philips 1974
  • Bricks and Mortar / It’s a Shame – Philips 1975
  • Rock Me to My Soul / Dark and Deep and Inbetween – Philips 1975 (als Giorgio’s Common Cause)
  • Einzelgänger – Philips 1975
  • Knights In White Satin 1976
als Giorgio Moroder
  • I Wanna Funk with You Tonite / Oh, L’Amour – Oasis 1976
  • Let the Music Play / Oh, L’Amour – Oasis 1977
  • From Here to Eternity / Utopia – Me Giorgio – Oasis 1977
  • Love’s in You (Love’s in Me) / I Can’t Wait – Oasis 1978 (Giorgio & Chris)
  • E=mc² / Oasis (1979)
als Spinach (mit Michael Holm)
  • America / America (Rhythm of Love) – Liberty 1970
  • Action Man part 1 & 2 – Liberty 1971
  • (Sweet Sixteen) You Know What I Mean / Knockin’ on Your Door – United Artists 1972

Werke (als Produzent)[Bearbeiten]

Einzelne Songs oder Alben für

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. “In meinem Pass steht Giovanni Giorgio, aber alle nennen mich Giorgio”, 26. November 2013
  2. Song auf Dailymotion
  3. Song auf You Tube
  4. Song auf You Tube
  5. URB Magazine, 25. Mai 2012, abgerufen am 23. Mai 2013
  6. Giorgio Moroder Discusses His Contribution to Daft Punk's ‘Random Access Memories’. Artikel von Stephen Carlick auf exclaim.ca vom 13. Mai 2013, abgerufen am 23. Mai 2013.
  7. Günter Ehnert (Hrsg.): Hit-Bilanz, Deutsche Chart Singles 1956-1980. Taurus-Press, Hamburg 1990, ISBN 3-922542-24-7, S. 85.
  8. everyhit.com, Suchmaske: „Giorgio"
  9. Joel Whitburn: The Billboard Book of Top 40 Hits. 7. Auflage. Billboard Books, New York 2000, ISBN 0-8230-7690-3, S. 442.
  10. Günter Ehnert (Hrsg.): Hit-Bilanz, Deutsche Chart Singles 1981-1987. Taurus-Press, Hamburg 1988, ISBN 3-922542-34-4, S. 119.
  11. hitparade.ch, Giorgio Moroder

Weblinks[Bearbeiten]