Giorgio Parisi

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Giorgio Parisi.

Giorgio Parisi (* 4. August 1948 in Rom) ist ein italienischer Physiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Parisi schloss 1970 sein Physikstudium an der Universität La Sapienza in Rom ab. Sein Betreuer war Nicola Cabibbo. Anschließend arbeitete er bis 1981 als Forscher am Laboratori Nazionali di Frascati, das er für Forschungsaufenthalte an der Columbia University (1973–1974), dem Institute des Hautes Etudes Scientifiques (1976–1977) und der École normale supérieure (1977–1978) verließ. 1981 bis 1992 war er Professor für theoretische Physik an der Universität Tor Vergata. Seit 1992 ist er Professor für Quantenphysik an der La Sapienza.

Parisi arbeitet auf verschiedenen Teilgebieten der Physik, so der Hochenergiephysik, der Quantenchromodynamik, der Theorie der Phasenübergänge, der Statistischen Mechanik, der Mathematischen Physik, der Stringtheorie und der Spin-Gläser. Bei Untersuchungen der Skalenverletzung (engl. scaling violation) in tiefinelastischer Streuung stellte er mit Guido Altarelli die Altarelli-Parisi-Gleichung auf.[1] Später untersuchte er mit Hilfe des Supercomputers APE 100 (Array Processor Experiment, außerdem ital. Biene) Quantenchromodynamik auf dem Gitter. Durch Verwendung der sogenannten quenched approximation, also der Vernachlässigung der Vakuumpolarisation, wurde es möglich, das Massenspektrum der Hadronen auf 10 Prozent genau zu berechnen.

In der Theorie der Phasenübergänge entwickelte Parisi eine neue Methode zur Berechnung von kritischen Indizes und kritischen Exponenten. Er untersuchte Spin-Gläser[2] und fand dabei mit der Wiederbelebung des mathematischen Begriffes der ultrametrischen Struktur von komplexen Systemen Zugänge, die auch in der Biologie (Neuronale Netze, Faltung von Copolymeren, Immunität) und der kombinatorischen Optimierung genutzt werden können. Außerdem stellte er eine stochastische Differentialgleichung für das Wachstum bei zufälligen Ansammlungen auf, die Kardar-Parisi-Zhang-Gleichung (KPZ).[3]

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • mit Marc Mézard und Miguel Virasoro: Spin glass theory and beyond. World Scientific, Singapore 1987, ISBN 9971-50-115-5 (=World scientific lecture notes in physics Band 9)
  • Statistical Field Theory. Addison-Wesley, Redwood City 1988, ISBN 0-201-05985-1 (=Frontiers in physics Band 66)
  • Field Theory, Disorder and Simulations. Word Scientific, Singapore 1992, ISBN 981-02-0964-9 (=World Scientific lecture notes in physics Band 49)
  • La chiave, la luce e l'ubriaco. Come si muove una ricerca scientifica. Di Renzo, Roma 2006, ISBN 88-8323-149-X
  • Giorgio Parisi, Auletta Gennaro, Fortunato Mauro: Quantum Mechanics. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-86963-8.
  • mehr als 350 Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften
  • Mitherausgeber zahlreicher Zeitschriften (Nuclear Physics Field Theory and Statistical Mechanics, Communications in Mathematical Physics, Journal of Statistical Mechanics, Europhysics Letters, International Journal of Physics, Il Nuovo Cimento, Networks, Journal de Physique, Physica A, Physical Review E)

Preise[Bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Guido Altarelli und Giorgio Parisi: Asymptotic Freedom in Parton Language. In: Nuclear Physics B. Band 126, 1977, S. 298. Unabhängig davon (und früher) wurden ähnliche Gleichungen von Yuri L. Dokshitzer (Sov. Phys. JETP, 1977, Band 46, S. 641) sowie V. N. Gribov und Lew N. Lipatov (Sov. J. Nucl. Phys., 1972, Band 15, S. 438) gefunden, weshalb man diese Gleichung auch DGLAP nennt.
  2. An order parameter for spin glasses. A function on the interval 0-1 In: J. Phys. 1980, Band A13, S. 1101.
  3. Mehran Kardar, Giorgio Parisi und Yi-Cheng Zhang: Dynamic Scaling Of Growing Interfaces. In: Physical review letters 1986, Band 56, S. 889.