Giovanni Aurispa

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Giovanni Aurispa (* 1376 in Noto, Sizilien; † Ende Mai 1459 in Ferrara) war ein italienischer Humanist. Er machte sich vor allem um die Gewinnung des antiken Wissens verdient, indem er auf mehreren Reisen in das Byzantinische Reich Codizes erwarb und diese nach Italien brachte.

Leben[Bearbeiten]

Aurispa, der einen Teil seiner Jugend in Neapel verbracht hatte und im Auftrag von Kaufleuten auch in den Orient gereist war, studierte von 1404 bis 1410 Jurisprudenz an der angesehenen Universität von Bologna. Aurispa hatte möglicherweise bereits auf seinen Reisen in den Osten Griechisch gelernt; er sollte Lorenzo Valla mit den Grundlagen des Griechischen vertraut machen. In den Städten Savona, Bologna, Florenz und Pisa hatte er Kontakte knüpfen können und an dortige Händler auch griechische Codizes verkauft (unter anderem Abschriften von der Ilias und der Odyssee sowie dem Geschichtswerk des Thukydides und den Werken des Aristoteles). 1419 gehörte er dem Gefolge Papst Martins V. an und konnte in diesem Zusammenhang auch diplomatische Erfahrung sammeln, die ihm später zugutekommen sollte.

1421 reiste er in das von den Türken belagerte Konstantinopel. Das Byzantinische Reich, welches einst von der Donau bis zum Euphrat gereicht hatte, war inzwischen zu einem Kleinstaat herabgesunken. Nie ganz abgebrochen war dort jedoch die Kultur der Antike, da es zu keinem derartigen Einbruch gekommen war wie im Westen infolge des spätantiken Umwälzungsprozesses. In Konstantinopel waren denn auch die Werke Homers, Herodots, Thukydides', Platons und des Aristoteles nie verloren gegangen. Aurispa gelang es, gute Kontakte zum byzantinischen Kaiserhof der Palaiologen aufzubauen; er wurde von Johannes Palaiologos sogar zum Sekretär ernannt. Ende 1423 reiste er ab. In seinem Besitz befanden sich 238 Codizes, darunter Abschriften von Platons Politeia, des Geschichtswerks des Cassius Dio und von Arrians Anabasis u.v.a.; neben profanen Schriften konnte Aurispa auch theologische Texte erwerben.

In Italien angekommen, musste er seine Kosten durch die Verpfändung von Teilen der kostbaren Sammlung abdecken. Aurispa genoss bereits einen hervorragenden Ruf: die Medicis wollten ihn nach Florenz holen, doch er entschied sich vorerst für Bologna. Später ging er doch nach Florenz und lehrte an der dortigen Universität Griechisch. Ende 1427 zog er jedoch an den berühmten Hof der Familie Este in Ferrara. 1433 nahm er am Konzil von Basel teil und übersetzte die Eröffnungsrede ins Griechische; bald darauf reiste er auch nach Deutschland, so nach Mainz und Köln. Während dieser Reisen kaufte er wo es ihm möglich war lateinische und griechische Codizes auf. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Rom, Neapel und Ferrara.

Aurispa, der das Lateinische und das Griechische gut beherrschte, hinterließ etwa 100 Briefe an verschiedene Humanisten sowie Übersetzungen Plutarchs und Lukians. Seine größte Bedeutung liegt jedoch zweifellos in der Sammlung antiker Texte, die dem europäischen Westen wieder zugänglich gemacht wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Emilio Bigi: AURISPA, Giovanni. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 4 (Arconati–Bacaredda), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1962 (italienisch).
  • F. Schalk: Aurispa (Piciuneri[o]), Giovanni. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 1, Sp. 1245.
  • Peter Schreiner: Giovanni Aurispa in Konstantinopel. Schicksale griechischer Handschriften im 15. Jahrhundert. In: Studien zum 15. Jahrhundert. Festschrift für Erich Meuthen. Hrsg. von Johannes Helmrath und Heribert Müller in Zusammenarbeit mit Helmut Wolff. 2 Bde., München 1994, S. 623–633.
  • Giovanni Aurispa. Carteggio. A cura di Remigio Sabbadini, Rom 1931.