Giovanni Caboto

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Caboto, Historiengemälde von Giustino Menescardi (1762), Dogenpalast, Sala dello Scudo

Giovanni Caboto (englisch John Cabot, venezianisch Zuan Caboto; * um 1450 in Genua, Gaeta oder Chioggia; † 1498 auf See) war ein italienischer Seefahrer. Er gilt nach den Wikingern im 11. Jahrhundert als erster europäischer Entdecker, der das nordamerikanische Festland erreichte (1497).

Leben[Bearbeiten]

Venedig[Bearbeiten]

Das Haus von Giovanni Caboto in Venedig.
Gedenktafel zum 500. Jahrestag der Landung Cabotos am Hafen von Halifax. Stifter war die italienische Provinz Veneto, die Tafel ziert der Markuslöwe.

Über Cabotos Kindheit ist wenig bekannt. Sein Familienname könnte mit cabotaggio zusammenhängen, ein Begriff, der die Küstenschifffahrt beschrieb.[1]

Spätestens ab 1461 lebte er in Venedig, wo er 1476 die Anerkennung als Bürger beantragte. Dies setzte voraus, dass er mindestens seit 15 Jahren dauerhaft in der Stadt ansässig gewesen war[2]. 1482 heiratete er die Venezianerin Mattea, mit der er drei Söhne hatte. Sie hießen Ludovico, Sebastiano und Sancio. In Chioggia und im eigentlichen Venedig erwarb und verkaufte er Immobilien, um die seine Nachkommen noch 1551 mit dem venezianischen Rat der Zehn stritten.

Spanien[Bearbeiten]

Nach den Untersuchungen des Juan Gil musste Caboto spätestens 1490 völlig überschuldet aus Venedig fliehen. Er wird dort in einer Zahlungsanweisung von 1494 ausdrücklich als „Venezianer“ bezeichnet. Spätestens Mitte dieses Jahres erschien er in Valencia. Ob er, wie er 1497 in Portugal behauptete, im Nahen Osten im Gewürzhandel tätig war und sogar Mekka besucht hatte, lässt sich nicht mehr belegen. 1492–1493 war er mit Hafenbauarbeiten in einem Ort nahe Valencia befasst. Zur Jahreswende 1493/94 befand er sich in Sevilla, wo er in der zweiten Jahreshälfte 1494 an einem Brückenbauprojekt mitwirkte, das allerdings Ende des Jahres abgebrochen wurde. Bereits hier und später in Lissabon versuchte er, Mannschaft und Schiff zu erhalten.

England[Bearbeiten]

Cabotos Patent von 1496

1496, vier Jahre nachdem Christoph Kolumbus die Karibik erreicht hatte, suchte Caboto nach einem weiter nördlich gelegenen, kürzeren Weg von Europa nach Asien. Dabei wurde er von König Heinrich VII. von England unterstützt. Der König stellte am 5. März 1496 einen Schutzbrief für John Cabot und seine drei Söhne in Westminster aus. Caboto segelte von Bristol aus ab, erreichte aber nur Grönland, da er wegen einer Auseinandersetzung mit der Besatzung, Nahrungsmangel und schlechtem Wetter zur Rückkehr gezwungen wurde – wie wir aus einem Brief des Händlers John Day wissen. Im Januar 1496 berichtete der spanische Botschafter am englischen Hof von „einem wie Kolumbus“, eine Aussage, auf die sich die Antwort des Königspaars ausdrücklich bezog.[3]

Es ist kein Zufall, dass Caboto Bristol zum Startpunkt wählte, denn die dortigen Kaufleute hatten schon seit den 1480er Jahren versucht, den Nordatlantik zu erkunden. Dabei sind sie möglicherweise bis nach Neufundland vorgedrungen.

Entdeckungsfahrten[Bearbeiten]

Die Cabotstraße zwischen Neufundland und Cape Breton Island

Im Mai 1497 brach er mit dem Schiff Matthew in Bristol auf. An Bord war neben 18 Mann Besatzung sein Sohn Sebastian. Am 24. Juni traf er auf unbewohntes Land, das er für China hielt und Terra de prima vista nannte. Tatsächlich hatte er Neufundland, Neuengland oder Labrador betreten. Wo genau, ist unklar. Caboto kehrte im August nach Bristol zurück.

Trotz des geringen Erfolgs hoffte man nun erst recht, auf der Westroute Asien zu erreichen. Am 3. Februar 1498 erhielt „Kabotto, Venecian“ ein neues Privileg. Es ist die letzte Quelle, die ihn erwähnt. Caboto wurde darin gestattet, Mannschaften auszuheben und bis zu sechs Schiffe auszurüsten, um seine Reise fortsetzen zu können. Über das weitere Schicksal Cabotos und den Verlauf seiner Reise ist nichts bekannt.

Quellen zu den Entdeckungsfahrten[Bearbeiten]

Neben den beiden königlichen Privilegien, die die Reisen bzw. den 24. Juni 1497 als Entdeckungstag erwähnen, besitzen wir nur wenige Hinweise auf Cabotos Landung in Nordamerika. In einem Brief des Lorenzo Pasquaiigo, eines in London residierenden Händlers an seinen Bruder in Venedig, wird die Fahrt erwähnt. Der Brief stammt vom 23. August 1497. Zu den schon weiter entfernten Quellen zählt auch die 1589 von Hackluyt zitierte Karte Cabotos, genauer ihre Legende.[4] Darin wird der 24. Juni 1497 als Datum der Entdeckung genannt. In einer Oxforder Kopie der Karte seines Sohnes Sebastiano erscheint hingegen das Jahr 1494 als Entdeckungszeitpunkt.

Rezeption[Bearbeiten]

Cabot-Turm in Neufundland
Der Cabot-Turm in Bristol
Cabot-Denkmal in Montréal
Cabot-Denkmal in Bristol
Gedenktafel an der angeblichen Landestelle, heute Cabot’s Landing genannt

Gewissermaßen als Gegenentwurf zur spanischen Entdeckung und Eroberung des südlichen Amerika wurde Caboto von Anfang an für die Untermauerung des englischen, später britischen Anspruchs auf Nordamerika benutzt, zumal er den Auftrag gehabt hatte, alles Land für England in Besitz zu nehmen, das er neu entdeckte. Darüber hinaus dienten die von ihm mitgebrachten „Wilden“, die sich in Felle kleideten und rohes Fleisch aßen, als Legitimation für die Besetzung des „ungenutzten“ Landes.

Dabei war nur allzu viel aus seinem Leben und von seinen Fahrten unbekannt. Glaubte etwa Johann Georg Kohl[5] aus den dürren Angaben entnehmen zu können, er sei bis auf die Höhe von North Carolina südwärts gesegelt, so sah Gottlieb August Wimmer[6] den südlichsten Punkt seiner Reise bei Virginia.

Eine ganz andere Richtung nahm die Rezeption in Italien und in der italienischen Gemeinde in Kanada. Zum einen setzte die italienische Gemeinde in Montreal dem Franzosen Jacques Cartier einen älteren Entdecker, nämlich Caboto entgegen. In den 1920er Jahren setzten sie den Bau einer Statue zur Erinnerung an ihn durch. Zu den jährlichen Feiern am 24. Juni erschienen die örtlichen Faschisten in schwarzen Hemden. Mit der Kriegserklärung gegen das faschistische Italien wurden nicht nur zahlreiche Anhänger Mussolinis interniert, sondern die italienische Gemeinde verschwand nach einigen Übergriffen beinahe in der öffentlichen Wahrnehmung. Franzosen wie Italiener beharrten auf ihrer nationalen Identität und dabei war die Sprache von großer Bedeutung. Daher bedauerte etwa Filippo Salvatore 1978 in einem Gedicht: „Giovanni, ti hanno eretto un monumento, ma ti hanno cambiato nome, qui ti chiamano John“ (Giovanni, sie haben dir ein Denkmal errichtet, aber sie haben deinen Namen geändert, hier nennen sie dich John).[7]

Andere, wie Giovanni Casini, setzten ihm ein Denkmal, das an der Ecke Atwater und Sainte-Caterine-Straße in Montreal steht. Die Region Veneto errichtete 1997 eine Gedenktafel im Hafen von Halifax. In Edmonton wurde der Park nahe der italienischen Gemeinde in Giovanni Caboto Park umbenannt und in Windsor gibt es sei 1925 einen Giovanni Caboto Club, der 1997 aus Granit aus Neufundland eine Cabotostatue errichten ließ.[8]

In Italien, das bei der Eroberung und Kolonisierung Amerikas anfangs einen großen Anteil hatte, drehte sich der Streit um die Herkunft Cabotos, ob er also Genuese oder Venezianer war. So sah ihn etwa 1762 der Maler Giustino Menescardi (1720–1806) in seinem Gemälde in traditioneller venezianischer Kleidung (siehe Bild oben).

Für die Kanadier wurde Caboto geradezu zu einem neufundländischen Fischer umgedeutet. Dagegen wehrte sich wiederum Neuschottland, dessen Historische Gesellschaft auf Cape Breton Island eine Gedenktafel aufstellen ließ, auf der die Landung Cabotos „in der Nähe“ behauptet wird. Die Stelle heißt seither Cabot’s Landing.

Der Hauptgürtelasteroid (7317) Cabot wurde zu Ehren des Seefahrers benannt.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Diesen Zusammenhang legt etwa William Wood: Elizabethan Sea-Dogs, 2008, S. 12 nahe.
  2. Douglas Hunter: Race to the New World, Douglas & McIntyre 2012, S. 18.
  3. A. G. S., Estado, Tratados con Inglaterra, leg. 2, f. 16
  4. Eine Abbildung findet sich hier.
  5. Johann Georg Kohl: Geschichte der Entdeckung Amerika’s von Columbus bis Franklin, Bremen 1861, S. 225.
  6. Gottlieb August Wimmer: Geschichte der geographischen Entdeckungsreisen zu Wasser und zu Lande. Von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage, Band 4, Wien 1888, S. 324.
  7. Joseph Pivato: Contrasts: comparative essays on Italian-Canadian writing, Montreal 1985, S. 107.
  8. Giovanni Caboto Club
  9. (7317) Cabot (Englisch) In: Springer Reference. Springer. Abgerufen am 9. April 2014.
Briefmarke (1947): Caboto auf der Matthew vor Kap Bonavista

Literatur[Bearbeiten]

  • Luisa D’Arienzo: Giovanni Caboto e i Caboto in terra iberica. Note sull’origine della famiglia in base a nuovi documenti, in: Atti del Convegno Internazionale di Studi Giovanni Caboto e le vie dell’Atlantico Settentrionale (Rom, 29. September bis 1. Oktober 1997), Genua: Brigati 1999, S. 69-82.
  • Egon Larsen (Hrsg.): Die Entdeckung von Nordamerika 1497 und die Expeditionen nach Südamerika und in das Nördliche Eismeer, Stuttgart: Thienemann, Edition Erdmann, 1985, ISBN 3-522-61160-8.
  • Peter Pope: The Many Landfalls of John Cabot, Toronto, 1997. Der Schwerpunkt liegt auf den späteren Deutungen der Entdeckungsfahrten Cabotos.
  • Douglas Hunter: The Race to the New World. Christopher Columbus, John Cabot and a Lost History of Discovery, Vancouver: Douglas & McIntyre 2012, ISBN 978-1-55365-857-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giovanni Caboto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien