Giovanni Carestini

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Carestini

Giovanni Carestini (* 13. Dezember 1700 in Monte Filottrano, heute Filottrano bei Ancona; † 1760 ebenda) war ein italienischer Kastrat, der in Bühnenwerken von Georg Friedrich Händel, Johann Adolph Hasse und Christoph Willibald Gluck auftrat.

Karriere[Bearbeiten]

Nach Frédéric Delaméa wurde Giovanni Maria Bernadino Carestini am 13. Dezember 1700 in Monte Filottrano, heute Filottrano bei Ancona, geboren. Andere Quellen nennen nur 1705 als Geburtsjahr. Carestinis Karriere begann 1719 gefördert durch den Kardinal Agostino Cusani (1655–1730) in Mailand. Deshalb erhielt er den Beinamen Il Cusanino. Sein Debüt gab er im Karneval 1720 öffentlich auf der Bühne des Teatro Regio Ducal. 1721 sang er für Alessandro Scarlatti in Rom. Engagements folgten 1723 am Wiener Hof in der kaiserlichen Kapelle, 1724 in Venedig, 1726 in Parma und 1728 in Neapel in Opern unter anderen von Hasse, Vinci und Porpora. Über Piacenza 1730, Alessandria 1730, München 1731, Venedig und Mailand gelangte er 1733 nach London, wo er auf der Bühne des Haymarktes für Händel sang. Carestini ersetzte für Händel die Kastraten Farinelli und vor allem Senesino, die sich mit Händel überworfen hatten und zum Konkurrenzunternehmen in Covent Garden wechselten.

Für Händel sang Carestini die Hauptrollen in Arianna in Creta, Ariodante, und Alcina. Ebenso trat er in den Oratorien Deborah, Esther, und Athalia auf. Wie 1735 in Neapel erhielt er eine höhere Gage als sein Konkurrent Caffarelli. Da die Londoner Saison von 1740 glücklos verlief, kehrte Carestini Anfang der 1740er-Jahre nach Italien zurück. In Mailand trat er 1743 in Glucks Demofoonte auf. 1744 war er am Wiener Hof engagiert. Von 1747–49 sang er für Hasse in Dresden. Dann wechselte er von Venedig 1749 nach Berlin 1750. St. Petersburg folgte im Anschluss von 1754–56. Die Vorstellung Carestinis in Neapel fiel 1758 durch. Carestinis Stimme war verbraucht und entsprach nicht mehr der Mode. Carestini wandte sich pathetisch von der Bühne ab und kehrte in seinen Geburtsort zurück, wo er zwei Jahre später starb.

Stimme und Ruf[Bearbeiten]

Der Umfang der Stimme Carestinis wechselte im Laufe seiner Karriere. Er begann als „mächtiger und reiner Sopran“, um später sich zum „vollsten, feinsten und tiefsten Countertenor, der vielleicht jemals zu hören war“, zu entwickeln (nach Burney). Carestini stand bei den Kritikern seiner Zeit in hohem Ansehen. Hasse bemerkte, dass „wer Carestini nicht gehört habe, nicht mit dem vollendeten Gesangstil in Berührung kam“. Quantz beschrieb Carestini: „...eine starke und volle Sopranstimme, die sich nach der Zeit in einen der schönsten und stärksten Contralt verwandelte....Er hatte eine große Fertigkeit in Passagien...Seine Action war sehr gut, und so wie sein Singen feurig, konform den Regeln der Schule Bernacchis und Singweise des Farinelli“. Er war ebenso als Darsteller und für sein gutes Aussehen renommiert.

Literatur[Bearbeiten]

Claudia Maria Korsmeier: Der Sänger Giovanni Carestini (1700-1760) und „seine“ Komponisten. Die Karriere eines Kastraten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Taschenbuch, Verlag der Musikalienhandlung Karl Dieter Wagner, Hamburg (?) 2000, ISBN 3889790844, ISBN 978-3889790842.

Referenzen[Bearbeiten]

  • Riding, Alan (April 13, 2006). In Opera, a Different Kind of Less Is More: 'Handel and the Castrati'. New York Times, available here.
  • Frédéric Delaméa, Juli 2007

Aufnahmen[Bearbeiten]

  • Philippe Jaroussky: The Story of a Castrato - Carestini, Le concert d´Astrée, Emmanuelle Haïm, Virgin Classics 2007
  • Kasarova, Vesselina, Sento brillar, Il complesso barocco, Alan Curtis, RCA Red Seal 2008