Giovanni Francesco Anerio

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Giovanni Francesco Anerio (* um 1567 in Rom; beerdigt am 12. Juni 1630 in Graz) war ein italienischer Kapellmeister und Komponist.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Anerio war der jüngere Bruder von Felice Anerios, der Palestrinas Nachfolger als päpstlicher Komponist wurde.

Giovanni Francesco Anerio äusserte früh den Wunsch Kleriker zu werden und erhielt die Tonsur am 12. Dezember 1583, erst 1617 wurde er zum Diakon und nur eine Woche später, am 24. Juli erhielt er die Priesterweihe. Anerio unterhielt enge Kontakte zum Oratorium des Hl. Filippo Neri, wo er 1595 zu Filipo Neris Seligsprechung mit seinen Brüdern auftrat, zu dieser Zeit stand er in den Diensten von Kardinal Antonio Maria Galli (1553–1620). Bis 1599 war er hauptamtlich für das Oratorium tätig, danach hatte er eine Anstellung beim Herzog Massimiliano Caffarelli in Rom. Von 1601 bis 1603 war Anerio, als Nachfolger Francesco Sorianos, Kapellmeister in der Lateranbasilika. 1608 war er Kapellmeister an Santo Spirito in Sassia, als Nachfolger von Vincenzo de Grandis, aber schon im November 1608 wurde er als Kapellmeister der Kathedrale von Verona gewählt. In Verona wurde er 1610 zum Maestro di musica della Accademia Filarmonica der Stadt ernannt. Für die Accadenia mußte er für ein jährliches Entgelt von 30 Dukaten Madrigale und Poesien vertonen und an jedem Mittwoch die Musikveranstaltungen der Akademie leiten. Ende 1610 war er für kurze Zeit in Rom, um die Veröffentlichung einer Werkesammlung zu überwachen. Ab März 1611 ließ er sich in Rom nieder, wo er Musikpräfekt am Collegio Romano wurde. Er war von 1613 bis 1620 Kapellmeister an der Kirche Santa Maria dei Monti. Im Juni 1624 nahm er als Organist an den Feierlichkeiten zur Einkleidung der Novizen des Konvents San Teonisto in Treviso teil.

Ebenfalls im Jahr 1624, wurde er in einer langen Reihe von italienischen Vorgängern, Chormeister des Königs Sigismund III. Wasa von Polen und Schweden in Warschau. Im Amt folgte ihm 1628, sein Schüler Marco Scacchi. Auf der Heimreise nach Rom, verstarb in der Nähe von Graz, wo er auf dem Andreas Friedhof beigesetzt wurde.[1]

Werk[Bearbeiten]

Bereits früh war Anerio ein progressiverer Komponist als sein Bruder Felice, in seinem Motettenbuch von 1611 befinden sich mehrere Werken in denen er den zeitgenössischen Concertato Stil anwendet. Seine wichtigsten und progressivsten Werke sind für den Gebrauch in den Oratorien zu finden, vor allem ist hier das Werk Teatro armonico spirituale von 1619 zu erwähnen. Anerio schrieb aber auch in einem eher konservativem Stil, wie Messen, Madrigale, geistliche Dialoge, Responsorien, 4 Passionen, Litaneien und weitere kirchliche Werke. Anerio zählte zu den progressiven Komponisten seiner Zeit, der den Übergang vom Palestrinastil, zu den Kompositionsstilen der ersten Dekaden des 17. Jahrhunderts, ähnlich wie sie auch Antonio Cifra vollzog.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liliana Pannella: ANERIO, Giovanni Francesco in Dizionario Biografico degli Italiani (1961)