Giovanni Francesco Barbieri

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Barbieri: Selbstporträt

Giovanni Francesco Barbieri, genannt Il Guercino (* 8. Februar 1591 in Cento; † 22. Dezember 1666 in Bologna) war ein italienischer Maler des Barocks. Sein Künstlername („der Schieler“) bezieht sich auf sein rechtes Auge, mit dem er seit einem Unfall in seiner Kindheit schielte, wie sein Biograf Malvasia berichtet. Dies gilt jedoch weiterhin als nicht gänzlich belegt.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Giovanni Francesco Barbieri wurde als Sohn von Andrea Barbieri und Elena Ghisellini geboren. Schon als Siebenjähriger soll er mit Begabung gezeichnet und ein Jahr später gemalt haben. Als 17-Jähriger begann er seine Ausbildung bei Benedetto Gennari (1563–1658), einem Maler der Bologneser Schule. Guercino gilt jedoch weitgehend als Autodidakt, da seine Ausbildung bei Gennari nicht von langer Dauer sein sollte. Spätestens 1615 zog er nach Bologna, wo das Werk des jungen Mannes das Lob des Ludovico Carracci fand. Guercino war, genau wie die Carracci-Familie sehr von zeitgenössischen Kunsttheoretikern, die einen neuen Naturalismus forderten, beeinflusst worden. Markgraf Enzo Bentivoglio gab ihm seine Empfehlung gegenüber Papst Gregor XV., der Mitglied der Bologneser Familie Ludovisi war. Er lud Barbieri 1621 zu sich nach Rom, wo er bis zum Tod des Papstes zwei Jahre später blieb. Zu seinen Lebzeiten sehr anerkannt und äußerst produktiv – nicht weniger als 106 Altarbilder und 144 weitere Gemälde stammen aus seiner Hand –, gelang es ihm, ein großes Vermögen aufzubauen. Er malte und lehrte bis zu seinem Tod im Jahr 1666.

Die Ekstase des heiligen Franziskus

Werk[Bearbeiten]

Sein früher Stil orientierte sich an der Carracci-Familie und insbesondere an deren Zeichenschule, die Accademia dei Desiderosi, nach deren Vorbild Guercino im Jahre 1616 in seiner Heimatstadt Cento seine eigene Akademie gründete, die Accademia del Nudo. Die zahlreichen Reformen der Carracci-Akademie, nämlich das Studium des menschlichen Körpers am lebenden Modell, das Interesse an natürlichem Licht und dessen Brechung auf der Haut des Menschen, sowie die Hinwendung zum Naturalismus im Allgemeinen sollten Guercino nachhaltig prägen. Vor allem Ludovico Carracci übte dabei einen nachhaltigen Einfluss auf den Künstler aus, wobei es anzumerken gilt, dass Guercino selbst nie Schüler der Carracci war, sondern stets nur ihre Werke studierte. Wie kaum ein anderer Künstler des Barocks sind von Guercino erstaunlich viele Zeichnungen erhalten, die er nicht nur als Vorbereitung für seine Auftragsarbeiten nutzte, sondern auch privat verschenkte. In seinem Spätwerk näherte er sich mehr seinem Zeitgenossen Guido Reni an und malte mit mehr Licht und Klarheit. Er hat bekanntermaßen zwei große Leinwände im Stile von Caravaggio gemalt, obwohl er wahrscheinlich zuvor kein Original Caravaggios gesehen hatte. Als Grund für diese Parallele zwischen den Künstlern wird stets die starken Hell-Dunkel-Kontraste, das so genannte chiaroscuro, angeführt, das sowohl für Caravaggio als auch für Guercino charakteristisch war. Inwiefern die Tatsache, dass Guercino schielte und wahrscheinlich seine Umwelt aufgrund dessen anders wahrnahm, mit hineinspielte, kann nicht vollends aufgeklärt werden. Die Bilder Elias, von den Raben genährt und Samson von den Philistern ergriffen zeigen einen ausgeprägten Naturalismus. Sie wurden für Kardinal Serra, den päpstlichen Legaten in Ferrara, angefertigt. In Rom schuf er Fresken in der Villa Ludovisi und in San Crisogono. Sein Porträt von Papst Gregor XV. wird heute im Getty Center ausgestellt. Er porträtierte auch Kardinal Francesco Cennini. 1626 begann er seine Fresken im Dom von Piacenza. 1640 malte er ein Altarbild mit der Heiligen Anna für die Benadduci-Kapelle in San Nicola in Tolentino.

Werke[Bearbeiten]

  • Primi elementi per introdurre i giovani al disegno. Rossi, Roma 1619. (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giovanni Francesco Barbieri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien