Giovanni Giuriati

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Giovanni Battista Giuriati (* 4. August 1876 in Venedig; † 6. Mai 1970 in Rom) war ein italienischer faschistischer Politiker und in März 1922 für wenige Tage Präsident des Freistaates Fiume.

Leben[Bearbeiten]

Giuriati wuchs im österreich-ungarisch beherrschten Teil Italiens auf und engagierte sich stark für den Anschluss an das Königreich Italien. Er meldete sich bei Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg als Freiwilliger für Italien und verlor während des Krieges einen Arm. Nach dem Ende des Krieges schloss er sich den Freischärlern des Gabriele D'Annunzio an, die 1919 die umstrittene Stadt Fiume (das heutige Rijeka) besetzten.[1] Nachdem sie 1920 von regulären italienische Truppen vertrieben worden waren, gründete er 1920 eine eigene faschistische Gruppe die Lega italiana per la delgi interessi nazionali, die jedoch bald verboten wurde, so dass er mit den Kadern zu Mussolinis Partito Nazionale Fascista übertrat.[2]

Im März 1922 führte er einen Putsch gegen die italienisch kontrollierte Regierung des Freistaates Fiume an, die Putschisten setzten ihn am 9. März als provisorischen Präsidenten des Freistaates ein, seine Regierungszeit endete jedoch bereits eine Woche später am 17. März 1922.

Zurück in Italien nahm Giurati im Oktober des gleichen Jahres am Marsch auf Rom teil; nach der faschistischen Machtübernahme trat er als Minister für Infrastrukturfragen in die Regierung ein, 1924 ernannte Mussolini ihn zum Sonderbotschafter für Lateinamerika, mit der Aufgabe die faschistische Idee zu exportieren.[1]

Im April 1929 wählte die neue reinfaschistische italienische Abgeordnetenkammer Giurati zu ihrem Präsidenten,[3] dieses Amt übte er bis 1934 aus, als er in den Senat wechselte.

Der Höhepunkt seiner Laufbahn in der faschistischen Bewegung wurde im Oktober 1930 die Ernennung zum Sekretär der italienischen Faschisten, mithin zur Nummer 2 des Systems nach dem Duce.[1] Bereits nach einem Jahr musste er jedoch im Dezember 1931 von diesem Amt zurücktreten, da er als strammer Antiklerikaler die Beziehungen mit dem Vatikanstadt belastete.[4]

1943 gehörte er den Verschwörern innerhalb des Großen Faschistischen Rates an, die zum Zwecke des Ausscheidens Italiens aus der Verband der Achsenmächte Mussolini absetzten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er sich ins Private zurück.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c New No. 2 Man. In: TIME magazine, 6. Oktober 1930
  2. Italienischer Faschismus als ‚Export’-Artikel (1927–1935); Beate Scholz; 1997; Fußnote 45, deposit.ddb.de (PDF)
  3. All But Five. In: TIME magazine, 13. Mai 1929
  4. Oath Explained. In: TIME magazine, 14. Dezember 1931