Giovanni I. Cornaro

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Sebastiano Ricci: Giovanni I. Cornaro

Giovanni I. Cornaro auch genannt Giovanni I. Corner (* 1556; † 23. Dezember 1629 in Venedig) war der 96. Doge von Venedig. Er regierte von 1625 bis 1629.

Familie[Bearbeiten]

Die Corner gehörten zu den, ältesten, reichsten und einflussreichsten Familien der Stadt. Sie hatten ihr Vermögen vor allem durch Geldverleih gewonnen. Aus der Familie waren vier Dogen hervorgegangen, außer Giovanni I.Corner die Dogen Marco Corner, Francesco Corner und Giovanni II. Corner. Ein berühmtes Mitglied der Familie war Caterina Cornaro, von der Serenissima als Tochter adoptiert und zwischen 1474 und 1489 Königin von Zypern.

Im 17. Jahrhundert fiel die Familie vor allem wegen ihrer Skrupellosigkeit und ihrer schamlosen Günstlingswirtschaft auf.

Leben[Bearbeiten]

Giovanni Corner war verheiratet mit Chiara Dolfin, die ebenfalls aus einer Dogenfamilie (Giovanni Dolfin war der 57. Doge) stammte. Sie hatten sechs Söhne und sechs Töchter.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Corner war nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen den alten und den neuen Familien (case vecchie und case nove) erst im 42. Wahlgang, dann allerdings einstimmig zum Dogen gewählt worden.

Seine Söhne versorgte er mit einflussreichen und lukrativen Posten. Nach seiner Wahl behielten Alvise und Francesco, der mit der Tochter des ehemaligen Dogen Antonio Priuli verheiratet war, ihre Ämter als Senatoren, was nach den Gesetzen Venedigs nicht statthaft war. Sohn Federico wurde nach Intervention des Vaters beim Vatikan, zu dem die Corner traditionell gute Beziehungen unterhielten, Bischof von Vicenza und Kardinal. Der vierte Sohn, Marcantonio, war Priester an San Marco. Der jüngste Sohn Giorgio fiel durch seine kriminelle Energie bei der Umgehung venezianischer Handelsgesetze auf. Einer seiner Vettern schließlich war Consigliere des Dogen.

Die Anhäufung von Ämtern in der Familie wurde von einem Mitglied des Zehnerrats, Renier Zen, öffentlich kritisiert. Zen, der bereits die illegalen Praktiken des Dogen Priuli aufgedeckt hatte, drohte, den Dogen vor Gericht zu bringen. Am 30. Dezember 1627 wurde Zen beim Verlassen des Dogenpalastes überfallen und schwer verletzt, einer der Attentäter soll Giorgio Corner gewesen sein. Dieser floh aus der Stadt. Er wurde auf die Terraferma verbannt, sein Immobilienbesitz wurde eingezogen. Die Corner brachten im Gegenzug zu Zens Angriffen gegen die Familie ihrerseits eine Mehrheit im Großen Rat der Stadt zusammen, die den unerbittlichen "Inquisitor" aus Venedig verbannte. In der Folge kam es zu Unruhen in der Stadt und die Gefahr eines Bürgerkriegs zeichnete sich ab. Daraufhin trat am 17. September 1629 das Gericht der Quarantina General zusammen, das das Urteil gegen Zen aufhob. Die Dogenpartei hatte also eine herbe Niederlage erlitten, und der Doge bot seinen Rücktritt an, der ihm jedoch nicht erlaubt wurde.

Corner starb wenige Monate später und wurde in der Familienkapelle der Kirche San Nicola da Tolentino begraben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea da Mosto: I Dogi di Venezia. Florenz 1983.
  • Helmut Dumler: Venedig und die Dogen. Düsseldorf 2001.
Vorgänger Amt Nachfolger
Francesco Contarini Doge von Venedig
1625–1629
Nicolò Contarini