Giovanni di Lorenzo

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Giovanni di Lorenzo (2013)

Giovanni di Lorenzo (* 9. März 1959 in Stockholm) ist ein italienisch-deutscher Journalist und Autor. Er ist Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegels und Moderator der Talkshow 3 nach 9 bei Radio Bremen.

Leben[Bearbeiten]

Di Lorenzo wuchs als Sohn des Italieners Carlo di Lorenzo und der Deutschen Marianne Matull zunächst in Rom auf, wo er die Deutsche Schule besuchte.[1] Ab dem elften Lebensjahr lebte er mit seinem Zwillingsbruder Marco und seiner Mutter in Hannover und besuchte dort zunächst das Ratsgymnasium und später bis zum Abitur die Tellkampfschule.[2] Er studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Kommunikationswissenschaft, Neue Geschichte und Politik. Seine Magisterarbeit schrieb er über Strategie und Aufstieg des Privatfernsehens in Italien am Beispiel der Networks von Silvio Berlusconi.

Seit 2005 ist er mit der Moderatorin Sabrina Staubitz liiert und hat gemeinsam mit ihr eine Tochter.

Beruf[Bearbeiten]

Seine journalistische Tätigkeit begann er 1979 bei der hannoverschen Tageszeitung Neue Presse (bis 1982), wo er auf seinen journalistischen Mentor Michael Radtke traf. Außerdem arbeitete er für das Stadtmagazin Schädelspalter.

Erste Erfahrungen im Fernsehen machte di Lorenzo mit Live aus dem Alabama, dem wöchentlichen Jugendmagazin des Bayerischen Rundfunks. Ab März 1984 ergänzte er das Moderatorenteam und wurde 1986 zusammen mit seinen Kollegen für eine Sendung über AIDS mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet. 1988 und 1989 moderierte er die ARD-Kulturreportage live vom Münchner Filmfest. Seit 1989 wird die Fernseh-Talkshow 3 nach 9 von ihm mitmoderiert.

Von 1985 bis 1986 wirkte er als Berater an der Neugestaltung der Süddeutschen Zeitung und des Münchner Stadtanzeiger mit. Im Mai 1987 wurde di Lorenzo Mitglied der innenpolitischen Redaktion der Süddeutschen Zeitung, von Mai 1994 bis Ende 1998 Ressortleiter der Reportagen vorbehaltenen Seite Drei. Anfang 1999 wechselte er als Chefredakteur zur Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel. Seit August 2004 ist er Chefredakteur der ebenfalls bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck erscheinenden Wochenzeitung Die Zeit und außerdem einer von zurzeit drei Herausgebern des Tagesspiegel.

Im November 2011 veröffentlichte er ein vierseitiges Interview mit Karl-Theodor zu Guttenberg in der Wochenzeitung Die Zeit und kurz darauf mit Guttenberg ein gemeinsames Buch. Länge und Inhalt des Interviews hatten zahlreiche Leserbeschwerden zur Folge und wurden von einem Großteil der deutschen Presse kritisiert: Man warf ihm besonders mangelnde Distanz vor, wenn nicht gar Werbung.[3][4] Di Lorenzo antwortete darauf, dass Guttenberg ein Forum gegeben werden könne, da er weder Extremist noch Verbrecher sei. Eine Rückkehr Guttenbergs hänge nicht von ihm als Journalisten, sondern von den Wählern ab.[5] Im April 2012 äußerte er gegenüber der Berliner Zeitung, dass das Buch ein Fehler war, den er bereue.[6]

Sonstiges[Bearbeiten]

Di Lorenzos erster Zeitungsartikel erschien unter dem Pseudonym Hans Lorenz, da der verantwortliche Redakteur di Lorenzos Namen für einen Künstlernamen hielt und dieser ihm zu fantasievoll erschien.[7]

1992 war di Lorenzo Mitorganisator der ersten deutschen Lichterketten gegen Fremdenfeindlichkeit unter dem Motto München – eine Stadt sagt Nein.

Aufgrund seines Buches über einen Rechtsradikalen im Jahr 1984 wurde di Lorenzo von der damaligen Moderatorin Amelie Fried für eine Sendung über das Thema Rechtsradikalismus bei Live aus dem Alabama aufgesucht. Beide verband die gemeinsame Studienzeit. Im gleichen Jahr noch übernahm di Lorenzo die Mitmoderation. Di Lorenzo: „Ich kam als Gast und ging als Moderator.“ 1998 „revanchierte“ sich di Lorenzo bei Amelie Fried, als eine Nachfolgerin für die verstorbene Juliane Bartel bei 3 nach 9 gesucht wurde. Von 1998 bis zum Ausscheiden von Fried im August 2009 moderierten sie die Talkshow gemeinsam. Von September 2009 bis Januar 2010 war Charlotte Roche neben di Lorenzo Moderatorin des Formats.[8]

1987 drehte er für den Bayerischen Rundfunk die Sendereihe Briefe aus Italien, bei der er im Wechsel mit Aviva Ronnefeld über italienische Städte und Regionen berichtete.

Giovanni di Lorenzo ist Mitglied in den Kuratorien der ZEIT-Stiftung[9] und des Journalists Network. Er engagiert sich ehrenamtlich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei und für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Seit 2003 ist er Gründungsmitglied des Fördervereins[10] der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Kritik[Bearbeiten]

Im Februar 2010 schaltete sich di Lorenzo in die Hartz-IV-Debatte ein, wobei er den Verdacht äußerte, es finde eine „massenhafte Einwanderung in die sozialen Netze“ statt.[11] Freitag-Chefredakteur Philip Grassmann bezeichnete dies als „ausländerfeindlich“ und hielt entgegen, dass mit der Reform des Familiennachzugs (2005) ein Nachweis dafür erforderlich sei, dass der Unterhalt der nachziehenden Familie gedeckt ist.[12]

Am Abend der Europawahl 2014 erklärte di Lorenzo in der Polit-Talkshow Günther Jauch, er habe aufgrund seiner doppelten Staatsangehörigkeit zweimal abgestimmt,[13] was nach § 6 Abs. 4 des Europawahlgesetzes nicht zulässig ist.[14] Aufgrund einer Strafanzeige ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Wahlfälschung nach § 107a StGB.[15][16] Di Lorenzo begründete sein Verhalten damit, dass er sowohl als deutscher als auch als italienischer Staatsbürger eine Wahlbenachrichtigung erhalten habe und es ihm nicht bewusst gewesen sei, nur in einem Land wählen zu dürfen. Er entschuldigte sich dafür.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giovanni di Lorenzo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Botschaft der Bundesrepublik Deutschland: Una scuola da Champions: il Bayern-Monaco alla Scuola Germanica di Roma. Pressemitteilung vom 18. November 2010, abgerufen am 12. April 2014.
  2. Welche Schule für mein Kind?, Verlagsbeilage der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 12. Januar 2011, S. 4.
  3. Kapitän überraschend in Not. In: TAZ. 1. Dezember 2011
  4. etwas später auch: Wolfgang Storz: Der Journalismus tritt in den Hintergrund: Wenn das Marketing feiert. In: TAZ. 6. Dezember 2011
  5. Giovanni di Lorenzo: Warum dieses Interview? In: Die Zeit. 1. Dezember 2011
  6. Comeback-Buch „Vorerst gescheitert“: Di Lorenzo bereut Guttenberg-Interview. In: Spiegel Online. 4. April 2012
  7. Andrea Zoppolato: Giovanni di Lorenzo: „Berlin - die einzige Stadt der Welt mit einer dominierenden Arbeiterkultur“. cafebabel.de, 17. September 2010
  8. Michael Hanfeld: Charlotte Roche verlässt Talkshow „3nach 9“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. Januar 2010
  9. Kuratoren der ZEIT-Stiftung. zeit-stiftung.de
  10. Gründung auf der Homepage des Fördervereins der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
  11. Giovanni di Lorenzo: Richtig im Falschen. In: Die Zeit. Nr. 8, 18. Februar 2010
  12. Philip Grassmann: Ein unappetitliches Spiel. In: Freitag. 19. Februar 2010
  13. AfD erstattet Anzeige gegen di Lorenzo, faz.net, 25. Mai 2014, abgerufen am 27. Mai 2014.
  14. Doppelt gewählt: Ermittlungen gegen „Zeit“-Chefredakteur. In: Focus. 26. Mai 2014, abgerufen am 27. Mai 2014.
  15. Ermittlungen gegen di Lorenzo wegen doppelter Stimmabgabe. In: Die Zeit. 26. Mai 2014, abgerufen am 27. Mai 2014.
  16. http://www.focus.de/kultur/kino_tv/wahlfaelschung-strafverfahren-gegen-zeit-chef-di-lorenzo-eingeleitet_id_3873207.html
  17. Jauch verteidigt „Zeit“-Chef di Lorenzo. faz.net, 27. Mai 2014
  18. DFB, Mutige Löwen gegen rechte Rattenfänger, 9. September 2009