Gippsland-Massaker

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Die Gippsland-Massaker an den Gunai oder Kurnai genannten Aborigines fand in den Jahren von 1840 bis 1847 in mehreren großen Auseinandersetzungen mit zahlreichen Getöteten und weiteren kleineren mit zahlenmäßig weniger Opfern statt. Sie ereigneten sich in East Gippsland im australischen Victoria. Die Bevölkerung der Kurnai, die auch Gippsland-Aborigines genannt werden, betrug 4.000 Personen bevor die europäischen Siedler nach Gippsland kamen. In der Folge der Kolonisation durch die Briten wurden etwa 300 belegbar oder nach anderen Schätzungen bis zu 1.000 Kunai ermordet.

Massaker[Bearbeiten]

Gippsland wurde erst relativ spät in den 1820er Jahren und ab 1840 intensiv durch europäische Siedler kolonisiert, dabei wurden die Aborigines von ihrem angestammten Land und Lebensgrundlagen abgedrängt. Der Stamm der Aborigines, das im Osten lebte, kämpfte gegen die europäische Invasion ihres Landes. Durch die technologische Überlegenheit der europäischen Waffen waren die Europäer den Aborigines überlegen. Letztendlich wurden 300 Aborigines ermordet, andere schätzen mehr als 1.000, jedoch ist es schwierig die genaue Anzahl der Toten anzugeben, da wenige Berichte jener Zeit noch vorhanden sind. Krankheiten, wie Pocken, die die Kolonialisten und Walfänger im Jahre 1820 einschleppten, sind ein weiterer Grund für das Absinken der Bevölkerung der Aborigines.

Große Massaker[Bearbeiten]

Die erste große gewalttätige Auseinandersetzung fand am Butcher-Creek im Jahre 1841 statt, wobei 30 bis 35 Aborigines von Angus McMillans Männern erschossen wurden.

Eine zweite große Kampfhandlung fand im Warrigal-Creek-Gebiet bei Woodside im südlichen Gippsland im Jahre 1843 statt, wobei zwischen 60 und 180 Aborigines von Angus McMillan und seinen Männern erschossen wurden. Der Protektor der Aborigines, George Augustus Robinson, war einige Wochen später in Port Albert und schrieb damals in seinem offiziellen Report: „some depraved white men had in a fit of drunkenness shot at and killed some friendly natives“.[1] (Deutsch: Einige heruntergekommene weiße Männer hatten im Zustand von Trunkheit auf einige friedliche Einheimische geschossen und sie ermordet.)

In einem Massaker am Snowy River, das entweder 1846 oder 1847 zwischen Orbost und Marlo stattfand, wurden 50 Aborigines ermordet. Verwickelt war darin auch der Native-Police-Corps, zu der auch Aborigines der West-Port-Blacks - traditionellen Feinde der Kurnai - gehörten.[2] Die Weißen suchten nach einer weißen Frau, die angeblich von Aborigines festgehalten wurde.

14 Aborigines wurden am 21. Januar 1847 zwischen Summer Hill und Spring Hill am Macalister River erschossen.

Belegbare Massaker[Bearbeiten]

Die folgende Liste ist zusammengestellt von Briefen und Tagebüchern[3]

1840 - Nuntin- unbekannte Anzahl von Angus McMillans Männern ermordet
1840 - Boney Point - "Angus McMillan und seine Männer nahmen einer großen Anzahl von Aborigines das Leben"
1841 - Butchers Creek - 30-35 erschossen von Angus McMillans Männern
1841 - Maffra - unbekannte Anzahl von Angus McMillans Männern ermordet
1842 - Skull Creek - unbekannte Anzahl ermordet
1842 - Bruthen Creek - "hunderte ermordet"
1843 - Warrigal Creek - zwischen 60 und 180 erschossen von Angus McMillan und seinen Männern
1844 - Maffra - unbekannte Anzahl ermordet
1846 - South Gippsland - 14 ermordet
1846 - Snowy River - 8 ermordet von Captain Dana und dem Native-Police-Corps
1846-47 - Central Gippsland - 50 oder mehr erschossen von einer bewaffneten Gruppe, die nach einer angeblich entführten weißen Frau suchten; diese Frau wurde niemals gefunden.
1850 - East Gippsland - 15-20 ermordet
1850 - Murrindal - 16 vergiftet
1850 - Brodribb River - 15-20 getötet

(Dieses Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

Quellenlage[Bearbeiten]

Die Quellenlage aufgrund der damaligen Verhältnisse und der langen Vergangenheit ist nicht sicher. Der Forscher Gardner verwendete in seinem Werk Primär- und Sekundärquellen, Volkslieder, Aborigine-Geschichten, Suggestiv-Namen der Orte von Geschehen (Butchers Creek, Slaughterhouse Gully), Knochenfunde, Szenarien von Vergeltungsmaßnahmen und die Topografie der Örtlichkeiten der Massaker.

Ein Siedler im Gippsland, Henry Meyrick, schrieb seinen Verwandten 1846 nach England:

The blacks are very quiet here now, poor wretches. No wild beast of the forest was ever hunted down with such unsparing perseverance as they are. Men, women and children are shot whenever they can be met with … I have protested against it at every station I have been in Gippsland, in the strongest language, but these things are kept very secret as the penalty would certainly be hanging … For myself, if I caught a black actually killing my sheep, I would shoot him with as little remorse as I would a wild dog, but no consideration on earth would induce me to ride into a camp and fire on them indiscriminately, as is the custom whenever the smoke is seen. They [the Aborigines] will very shortly be extinct. It is impossible to say how many have been shot, but I am convinced that not less than 450 have been murdered altogether.[4] (Deutsch: Die Schwarzen sind nun sehr ruhig hier, arme Kerle. Kein Wild des Waldes wurde mit derart schonungsloser Ausdauer gejagt. Männer, Frauen und Kinder wurden erschossen, wo auch immer sie angetroffen wurden. [...] Ich habe in jedem Ort , in dem ich in Gippsland gewesen bin, auf das leidenschaftlichste protestiert, aber diese Angelegenheit wird geheim gehalten, denn die Strafe wären Hängen.[...] Falls ein Schwarzer meine Schafe schlachtete, würde ich selbst auf ihn schießen, ohne jegliche Reue, wie auf einen wilden Hund, aber kein Grund auf dieser Erde würde mich dazu bringen, in ihre Camps zu reiten und sie wahllos zu erschießen, so wie es derzeit üblich ist, wenn irgendwo Rauch zu sehen ist. Die Aborigines werden bald ausgerottet sein. Es ist unmöglich, zu sagen, wie viele erschossen wurden, aber ich vermute, dass nicht weniger als 450 bereits ermordet wurden.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Massaker an Aborigines

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.articlearchives.com/humanities-social-science/history/654551-1.html
  2. [1]
  3. Gardner, P.D.. (2001): Gippsland massacres: the destruction of the Kurnai tribes, 1800-1860, Ngarak Press, Essay, Victoria ISBN 1-875254-31-5
  4. Gippsland Settlers and the Kurnai Dead - Patrick Morgan - Quadrant Magazine